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Rezension: Schöne Neue Welt

Kurzinfo:

  • Autor: Aldous Huxley
  • Genre: Roman, Sci-Fi
  • Verlag: Fischer Verlag
  • Seitenzahl: 297 S.

Kurzbeschreibung:

1932 erschien einer der wichtigsten utopischen Roman des 20. Jahrhunderts: ein heimtückisch verführerischer Aufriss unserer Zukunft, in der das Glück verabreicht wird in Form einer Tablette. Sex und Konsum fegen alle Bedenken hinweg, und Fertilisationsstationen haben das Fortpflanzungsproblem gelöst. Es ist die beste aller Welten – bis einer von außen dahinter blickt und einen Abgrund aus Arroganz und Verzweiflung entdeckt.

Huxley_Schöne neue Welt

Eigene Meinung:

Nach „1984“ nun also auch noch „Schöne Neue Welt“ von Huxley, welches als utopische Erzählung in die Geschichte einging. Allerdings verbirgt sich dahinter ein sehr wohl dystopischer Weltansatz.

Wenn ein paar von euch sich jetzt denken: Was ist denn in sie gefahren, dass sie auf einmal so viele Science Fiction Klassiker liest?

Antwort: Ich habe keine Ahnung. Mich hat eine gewisse Klassiker-Wut überfallen und daraufhin habe ich beide einfach so nacheinander weg gelesen.

Man muss sagen, dass man den Unterschied zwischen 1984 und Schöne Neue Welt sehr deutlich spürt. 1984 ist um Welten düsterer und sieht weit mehr böses oder schlechtes Potenzial im Menschen, als Schöne Neue Welt es tut.

Schöne Neue Welt erkennt, dass es noch viele Dinge gibt, die uns das Leben erleichtern können und uns Freude oder Glück bereiten werden.

Allerdings blickt es auch auf die Kehrseite dieser Medaille, denn dies kann, wie in Schöne Neue Welt dargestellt, zu erheblichen Problemen führen und uns im wahrsten Sinne des Wortes unsere Menschlichkeit rauben.

Das dargestellte „System“ nach dem die Menschen leben ist bei weitem detailreicher als das in 1984 in konzentriert sich auch mehr auf das Erleben und das Leben der Menschen, als auf die politische Situation oder Funktionsweise.

Angefangen bei den Gesellschaftsstruktur, die sich in Alphas, Betas, Gammas und Deltas aufteilt, und dementsprechend auch die Aufgaben verteilt. Dabei gibt es auch verschiedene Teilgruppen, aber die Essenz ist, dass Alphas die anspruchsvollste Aufgabe zugeordnet wird und Deltas die simpelste.

Das lässt sich auch an den Farben erkennen, denn jeder Stand trägt seine eigene Farbe.

Wo jemand arbeitet, wird schon vor seiner Geburt festgelegt, wenn in Fertilisationsstationen hunderte von Klonen angefertigt werden und schon als Embryo so beeinflusst werden, dass sie gar nichts anderes tun können, als das, was für sie vorgesehen ist.

Von ihrer frühesten Kindheit an werden diese identische aussehenden Kinder im Schlaf beeinflusst und es werden ihnen die Maxime des Weltbildes und ihre Denkweise eingetrichtert, sodass sie später gar nicht mehr anders können, als so zu denken.

Und es geht immer so weiter. Zu jeder Zeit wird den Menschen alles mit auf den Weg gegeben, sie sind wunschlos glücklich und möchten nichts anderes sein, als sie sind, weil es ihnen so gesagt wurde.


Diese Welt wird mit erstaunlich viel Ironie und Selbsterkenntnis von Huxley gezeichnet und man wundert sich, warum denn nicht dieses oder jenes Ereignis wirklich bei uns eingetreten ist.

Der bildhafte und sehr wissenschaftlich anmutende Schreibstil tut sein Übriges und veranschaulicht alles mit erstaunlicher Präzision.

Den versteckten Wortwitz zu suchen und zu finden, ist der eigentliche Spaß beim Lesen dieses Buches.

Faszinierend ist auch, dass die Geschichte an sich keinen Protagonisten besitzt, sondern der Protagonist in der Geschichte immer wieder wechselt und somit dem Leser einen umfassenden Blick gewährt.

Am meisten an diesem Buch hat mich ja das Ende gefreut.

Denn das war zwar kein Happy End, wie sollte es dies bei einem solchen Buch auch geben, aber es kam so erschreckend plötzlich und doch so logisch, dass es schon fast lustig wirkte.


Zwei Gedanken wollte ich aber noch zu der Philosophie dieser neuen Welt loswerden:

  1. Jeder gehört jedem

Eine Welt in der Monogamie, wie wir sie heute praktizieren, verrucht und verboten ist, ist für uns unvorstellbar und doch ziemlich nah an uns dran.

Denn wenn jeder jeden haben kann und man auch nicht um Erlaubnis fragen muss, sondern einfach zum Sport einlädt und klar ist, was danach geschehen wird, ist ja alles gut.

Jeder gehört jedem und kann daher auch mit jedem schlafen. Und jeder wird dies mit sich machen lassen.

Das erscheint uns perplex und unrealistisch, kann aber erschreckend real sein.

Und warum das Ganze?

2. Keine Emotionen

Dieses verschriebene und sofortige Glück, beziehungsweise sofortige Wunscherfüllung führt dazu, dass sich bei den Menschen keine Emotionen mehr aufstauen können.

Aufgrund des konsumbestätigten Glücks und der sofortigen Bedürfnisbefriedigung kennt niemand dieser Menschen Frustration, Liebe, Hass oder auch Muße.

Keine Emotionen können sich aufstauen und dementsprechend leben alle diese Menschen in einem oberflächlichen Glück, dass sie nicht durchschauen können, da für sie kein Grund dazu besteht.


 

Um dies zu erkennen, muss es  erst jemanden von außen geben, der auch nicht sieht, was ihm da eigentlich vorgespielt wird, denn auch die Lektüre der gesammelten Werke von Shakespeare macht nicht schlauer, wenn man nicht verstehen kann, was da genau steht.

Und so ist es auch keine Verwunderung, dass dieser Außenstehende am Ende weder dieser Welt etwas entgegen zu setzen hat, noch sich gegen diese Welt auflehnen kann.


 

Zusammengefasst ist dieses Buch ebenso ein Klassiker und hat es verdient, einer zu sein, wie Orwells „1984“.

Allerdings macht dieser in anderer Weise und nicht so pessimistisch auf die Probleme der heutigen Welt aufmerksam und verpackt dies in einer utopischen Welt, von der nicht klar ist, ob sie denn nun utopisch oder dystopisch ist.

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