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Rezension: „Und wenn die Welt verbrennt“ von Ulla Scheler

Ulla Schelers Debütroman „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ überzeugte mich damals in meinem Strandkorb auf Sylt völlig und vollkommen, ich konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen.

Nun erschien ihr zweiter Roman „Und wenn die Welt verbrennt“, der nicht mehr den Bonus des gleichen Platzes hatte.

Und? Konnte Ulla Scheler mich erneut überzeugen?

Und wie sie konnte.


Bibliographische Daten

  • Autor: Ulla Scheler
  • Genre: Jugendbuch, Coming of Age
  • Verlag: Heyne fliegt
  • Seitenzahl: 430 S.

Kurzbeschreibung

Wenn aus Funken Flammen werden

Er ist ein Junge mit bunten Kreiden, der Menschen in Bildern auf dem Asphalt einfängt. Sie ist ein Mädchen mit einem dunklen Geheimnis, das niemanden an sich heranlässt. Felix und Alisa. Beide leben in ihrer eigenen Welt, bis sie sich durch Zufall begegnen. Und plötzlich ist es ausgerechnet Alisa, die Felix versteht wie niemand sonst. Zusammen sind sie stark, fast unschlagbar. Bis ein Haus brennt und Alisa von den Schatten der Vergangenheit eingeholt wird…


Vielen Dank an den Heyne-Verlag und das Bloggerportal für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares!


cof


Eigene Meinung

POSITIV

  • Dieser absolut geniale und poetische Schreibstil!

Ich habe „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ nicht rezensiert. Ok, doch, aber nur in einer Ein-Satz-Rezension.

Was ich schon damals sagen wollte, war, dass mir dieser Schreibstil unter die Haut geht. Er ist lebendig, poetisch und realistisch zugleich, man verliert sich und wird doch mitgerissen. Ich bin so unfassbar mitgenommen, immer noch, nachdem ich das Buch vor einem Tag beendet habe. Ich habe kein anderes Buch zur Hand nehmen können, ich bin komplett gefangen in diesen Käfigen und gleichzeitig öffnenden Türen aus Worten, die Ulla Scheler hier erschafft.

Sie schafft es, den Leser mitzunehmen und immer genau die Stimmung und das Gefühl zu treffen, was man in gleichen Situationen nur so unglaublich schwer beschreiben kann.

Ich bin unendlich fasziniert von diesem Schreibstil und kann wirklich nicht sagen, wie sehr ich ihn liebe.

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  • Es entwickelt einen Sog, dem man sich nicht mehr entziehen kann!

Gerade schon erwähnt: Ich liebe diesen Sog, den die Geschichte entwickelt. Ich konnte mich ab Seite 100 nicht mehr von diesem Buch abwenden und habe es innerhalb eines Tages verschlungen.

Was bedeutet, dass ich wirklich von diesem Buch fasziniert bin! Das Buch fängt einen ein mit seinen wunderbaren Worten und Sätzen und lässt einen immer tiefer versinken in der Geschichte seiner zwei Protagonisten.

Diese Sogwirkung haben bei mir wirklich nur sehr wenige Bücher, also Hut ab dafür, dies geschafft zu haben!

  • Zwei ganz eigene Charaktere mit Ecken und Kanten

Alisa und Felix. Felix und Alisa. Zwei, die sich eigentlich abstoßen oder sich nie kennen lernen würden.

Alisa mit ihren Ängsten, ihren Sorgen, ihren Geheimnissen, ihrer speziellen und schnellen Auffassungsgabe und ihren absolut ausgewählten und kontrollierten Bewegungen.

Felix mit seinen Kreidekünsten, seinen Sorgen, seinen Ängsten, seinem großen Bruder, seiner Kochkunst und seiner besten Freundin Olli.

Beide so faszinierend, beide in sich schon faszinierend, aber zusammen einfach nur unschlagbar.

Sie sind keine perfekten Helden, die alles und jeden retten, sie haben genug damit zu tun, sich selbst zu retten. Aber sie sind auch keine schlechten Meschen, ganz im Gegenteil. Sie sind einfach nur Menschen. Und dass lässt sie so wahnsinnig plastisch erscheinen.

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  • Wechsel der Erzählperspektiven und kurze Kapitel

Wir stecken abwechselnd im Kopf von Alisa und im Kopf von Felix und man merkt auch ohne Überschrift sofort, wer gerade redet. Das muss man erstmal hinkriegen.

Denn Alisa redet mit jemandem, während Felix aus der Ich-Perspektive erzählt. Felix ist mehr auf Alisa fixiert, während Alisa auf ihre Geheimnisse konzentriert ist.

Die Kapitel sind zudem auch noch sehr kurz, was nicht nur zum Fluss und Lesevergnügen beiträgt, sondern auch noch dafür sorgt, dass man sich die ganze Zeit so fühlt, als würde man quasi aus zwei Augenpaaren gleichzeitig sehen, was eine coole aber auch erschreckende Erfahrung ist. Ich habe es geliebt und mich deshalb nur noch mehr gefreut, Alisa und Felix näher kennen zu lernen!

  • Schnelle Entwicklung der Geschichte

Hier wird sich nicht ewig damit aufgehalten, warum Leute zusammen sind, oder warum sie es eben nicht sind, man spielt nicht mit Lügen oder anderen Leuten herum und man beschwört auch kein künstliches Drama herauf. Drama und Tragödie gibt es hier von ganz allen.

Und die ganze Geschichte bewegt sich sehr schnell und doch nicht zu schnell, sodass jeder Moment genau abgesteckt ist und sich in die Geschichte eingliedert.

Die schnelle Entwicklung mit dem Fokus auf dem Augenblick war sowohl guttuend für Augen und Leser, als auch wertvoll, um zu zeigen, dass beides eben doch miteinander vereinbar ist.

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  • Das Zwiebelprinzip – Schicht für Schicht entpacken

Auch hier gibt es wieder Geheimnisse, Gefühle und Gedanken zu enthüllen, die aber nicht einfach alle auf einmal ausgesprochen werden. Sie werden noch nicht mal gedacht.

Immer und immer weiter pellt sich das Geheimnis von Alisa auf und jedes Mal ist der Leser geschockt und erstmal verwirrt, dann klärt sich die Luft ein wenig und man ist wieder ein wenig näher dran am Kern. Aber eben nur ein wenig.

NEGATIV

  • Die Auflösung war mir dann doch etwas zu wirr

Wie gesagt, manche Auflösungen lassen den Leser dann erstmal verwirrt zurück. Und nicht nur ein bisschen. Das alles hat zwar durchaus Sinn gemacht, allerdings war es mir dann doch ein wenig zu konfus, ein wenig zu blöd, ein wenig zu viel und zu wenig zugleich.

Ein wenig mehr Klartext hätte in dem Zusammenhang wirklich nicht geschadet und mit den Folgen hätte man auch entweder besser umgehen, oder sie eher weglassen können.

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  • Manchmal verlor sich die Geschichte hinter schönen Worthülsen

Ja, die schönen Worte konnten manchmal auch stören. Gerade zum Ende hin hatte ich manchmal das Gefühl, dass ich mehr in einem Meer aus Worten schwamm, als auf einem Boot darüber zu schippern und zu wissen, wo es hin geht.

Darüber war ich dann doch traurig, auch wenn der Schreibstil dieses Buch einfach nur genial und unverwechselbar macht, drängte er sich doch ein wenig zu sehr in den Vordergrund.


Fazit

Ulla Scheler konnte mich mit ihrem zweiten Roman völlig überzeugen. Nicht nur mit ihrem Schreibstil, der absolut anders ist und trotzdem so vertraut, dass er sich anfühlt wie nach Hause kommen, sondern auch mit ihren neuen Charakteren, die beide ihre Probleme haben, aber so unverkennbar aus unserer Welt stammen, dass es mich nicht überraschen würde, wenn sie mir demnächst über den Weg laufen würden. Beides zusammen entwickelt einen Sog, dem man nicht mehr entkommt und dem man auch gar nicht entkommen würde. Einzig die Auflösung hat für mich kleinere Makel.

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4,5 von 5 Tintenkleckse!

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