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Rezension: „Young Elites – Das Bündnis der Rosen“ von Marie Lu

Ich rezensiere ja selten zweite Bände, aber bei diesem hier konnte ich einfach nicht anders. Der zweite Band von Marie Lus historischer Fantasy-Reihe ist erschienen und heißt „Young Elites – Die Gemeinschaft der Rosen“. Die Antiheldin Adelina führt ihren Weg fort!

Und nachdem mich der erste Band so gar nicht überzeugen konnte, ich aber dermaßen von dem Epilog angefixt wurde, habe ich mich dazu entschieden, auch noch dem zweiten Buch eine Chance zu geben.

Wieso das absolut nicht funktioniert hat, könnt ihr jetzt nachlesen:


  • Autor: Marie Lu
  • Genre: Jugendbuch, Fantasy
  • Verlag: Loewe
  • Seitenzahl: 405 S.

Achtung! Dies ist der zweite Band einer Reihe!

Adelina hat nur ein Ziel vor Augen: Rache.

An der Inquisition, den weißen Soldaten, die sie beinahe getötet hätten, und an der Gemeinschaft der Dolche, von der sie verraten und verstoßen wurde. Unter dem Namen Weiße Wölfin sucht sie gemeinsam mit ihrer Schwester nach weiteren Begabten, um ein eigenes Bündnis zu schließen. Mit dessen Hilfe wollen sie der grausamen Verfolgung durch die Inquisition für immer ein Ende bereiten. Aber Adelina ist alles andere als eine Heldin. Ihre finsteren Kräfte entgleiten mehr und mehr ihrer Kontrolle. Verzweifelt kämpft sie gegen diese innere Dunkelheit an – und droht, den Kampf zu verlieren.


Vielen Dank an den Loewe-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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POSITIV

  • Adelina wird zu einer richtigen Antiheldin

Im ersten Band ging mir Adelina konstant auf den Senkel. Und das hatte damit zu tun, dass man sie gerne als Antiheldin inszenieren wollte, dies aber grandios gescheitert ist. Sie war einfach nur ein kleines Kind, dass sich nicht für eine Seite entscheiden konnte. Dies hat sich in diesem Band geändert! Adelina ist nun wirklich eine Antiheldin, die mal das richtige tun wollte, aber nun definitiv das Falsche tut, ohne es wirklich zu sehen. Ihre Beweggründe sind vielschichtig, nicht richtig zu durchschauen und einfach nur herrlich verworren!

Endlich kriege ich meine Badass-Adelina!

  • Kein Zurückschrecken vor Tod, Finsternis und dunklen Motiven

Dieses Buch ist dunkel. Sehr dunkel. Es spielt nicht nur dauernd im Regen, sondern es ist auch von der Stimmung her sehr gedrückt, man bekommt einen guten Einblick in die grauen und schwarzen Gedankenwelten der Charaktere. Wirklich viele Themen werden hier direkt angesprochen, kritisiert und dargestellt.

Wunden, Tod, Verhungern und Verletzungen sind hier keine Seltenheiten, also sollte man sich schon wappnen, wenn man dieses Buch liest.

Das hat mir (wie komisch das klingt) ziemlich gut gefallen!

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  • Konflikt zwischen den Charakteren

Ich erlebe kaum Bücher, in denen es wirklich Konflikte zwischen den Charakteren gibt. Meist sind es einfach nur Missverständnisse oder Konflikte, die so oberflächlich sind, dass man sie den Charakteren nicht abkauft.

In diesem Buch gehen die Konflikte bis auf die Knochen. Die Charaktere mochten sich mal, jetzt haben sie sich gegenseitig verraten. Diese Vielschichtigkeit der Beziehungen ist faszinierend und super umgesetzt.

Auch, dass nicht alle irgendwann einsehen, dass sie doch für dieselbe Sache kämpfen, sondern wirklich unterschiedliche Ziele haben, ist ein toller Kampf und ein faszinierendes Konzept!

Hier versteht sich fast niemand mit niemandem und es wird sich gegenseitig hintergangen, bis sich die Balken biegen! Me likey!

  • Sehr flüssiger Schreibstil

So schnell kommt man wirklich selten durch Bücher durch! Ich bin immer noch erstaunt, dass sich diese 400 Seiten so schnell und flüssig weg lesen lassen und mich dabei in keiner Weise gestört haben!

Faszinierend!

Und wenn man diesem Buch nichts zugestehen kann, so muss man doch zugeben, dass es einen der flüssigsten Schreibstile hat, den man sich vorstellen kann! Man fliegt durch die Geschichte, die auch noch eine wunderbare Schnelligkeit entwickelt und erfreut sich einfach nur am Lesen!

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  • Ich mochte es ganz plötzlich!

Nach etwa 200 Seiten schreckte ich aus meinem Lese-Delirium auf und stellte fest: Huch! Ich hasse dieses Buch noch nicht! Es ist sogar einigermaßen gut! Wie konnte das denn passieren?

Also: Herzlichen Glückwunsch! Dieses Buch konnte mich für die Hälfte seines Umfangs fesseln! Und danach?

NEGATIV

  • Ich mag Adelina halt immer noch überhaupt gar nicht

Trotz ihrer Wandlung zu jemandem, der endlich mal eine verdammte Meinung hat, ist diese Meinung immer noch kompletter Bullshit.

Adelina ist immer noch keine „richtige“ Antiheldin. Sie ist auch nicht der Bösewicht der Geschichte. Sie ist schwächer, als sie es am Anfang war.

Sie ist wankelmütig, überheblich, arrogant, gänzlich verblödet und von anderen abhängig und schwingt sich ohne Führungsqualitäten zum Führer ihrer eigenen Truppe auf. Ihr fliegt alles nur so zu, eigentlich geschieht alles nur aus Zufall und nicht, weil sie es eben kann, und trotzdem schustert sie sich irgendwie den Ruhm dafür zu.

Das ist ganz klar Verfehlen der anderen, wenn ich es nicht besser wüsste.

Ihre Kräfte diktieren ihr, wie sie zu denken hat, sie kann selber nichts anderes, als machthungrig zu sein und das aus keinem richtig nachvollziehbarem Grund, sondern einfach WEIL.

Was mich außerdem stört, ist ihre Auffassung von sich selbst, anderen und dem Bindestück, das alle irgendwie zusammenhält.

Adelina ist einfach nur eine arrogante Ziege, die nichts anderes kann, als sich an sich selbst aufzugeilen. Und mit so jemandem kann ich wirklich nichts anfangen.

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  • Sinn und Sinnhaftigkeit der Gemeinschaft der Rosen

Während die Gemeinschaft der Dolche ja irgendwie noch einen Sinn hatten, ist die Gruppe der Rosen aus genau einem Grund da: Um Adelina besser da stehen zu lassen. Wir haben einen, der sich natürlich sofort in sie verknallt. Warum? Keine Ahnung. Hat er noch andere Charaktereigenschaftten? Nee! Haben wir denn wenigstens eine tolle Liebesgeschichte? Ne, ist gerade aus!

Der andere wurde von den Dolchen verraten und dient nur dazu, daran zu erinnern, was für böse Menschen die Dolche doch sind! Buuhuuu! Komm darüber weg!

Und dann gibt es noch Adelina und ihre Schwester Violetta. Das ist keine Gruppe, das ist zusammengewürfelter Plot mit Dialogsoße.

Diese Gruppe ist NOCH kleiner als die Dolche und selbst bei denen habe ich mich gefragt, wie die bitte ein ganzes Königreich einnehmen und regieren wollen. Aber bei diesen vier Holzköpfen soll das dann auf einmal gehen?

Mehr Zeit in Characterdevelopment, please!

Wo wir gerade dabei sind: Warum haben wir eigentlich die Dolche so emotional aufgebaut und charakterisiert, nur um sie dann großteils einfach wegzuschmeißen?

  • Laaaaaangweilig!

Was dieses Buch auch noch ist: Langweilig! Ich habe regelmäßig Absätze übersprungen, Beschreibungen nicht gelesen und regelmäßig geschaut, wie weit es bis zum nächsten Kapitel ist, um mich bei der Stange zu halten.

Trotz der vielen Geschehnissen fehlt einfach die Bindung zu den Charakteren, um auch nur IRGENDWAS dafür zu empfinden, was gerade mit denen vorgeht, egal wie spannend es vielleicht sein mag.

Auch, dass es quasi immer vorhersehbarer wurde, wohin wir steuern und was Adelina noch tun will, machte die Situation nicht gerade besser.

Wenn ich mitten im Endkampf gähnen muss, ist das sicherlich kein gutes Zeichen!

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  • Vorhersehbar!

Ganz ehrlich: Nachdem ich den Epilog des ersten Bandes beendet hatte, hätte ich 90% dieses Buches vorhersehen können. Das einzige, was mich überrascht hat, war das Ende. Und das auch nur, weil es sich absolut gar nicht um Logik geschert hat. Absolut nicht. War dann einfach so. Weil. *seufz* Wenn ich da an andere Entwicklungen in Büchern denke…


Ich gebe es auf. Wirklich jetzt. Diese Reihe will einfach nicht, dass ich sie mag. Adelina ist einfach dumm. Sorry, anders kann ich das nicht sagen. Sie ist machtsüchtig, aber nicht intelligent und baut sich alles nur durch Zufall auf. Niemand kann mir sagen, dass dieses Wrack von einer Person einfach so eine ganze Armee ausschaltet. Die neue „Gemeinschaft“ ist auch keine Gemeinschaft, sondern eher eine total bescheuerte Aneinanderreihung von Charakteren. Generell denkt hier niemand weiter als einen Schritt, jeder lässt sich austricksen und obwohl nicht zimperlich mit dem Leser umgesprungen wird, werden keinerlei Emotionen dabei vermittelt. Der Schreibstil lässt einen zwar schnell durch das Buch fliegen, aber das war es leider auch schon. Ansonsten kann ich diesem Buch nicht viel abgewinnen, außer, dass es mich nicht so sehr genervt hat, wie das letzte.

2,5 von 5 Tintenklecksen!

Ein Gedanke zu „Rezension: „Young Elites – Das Bündnis der Rosen“ von Marie Lu

  1. Hallöchen,
    mir hat Band eins so gar nicht gefallen, weshalb ich sehr neugierig auf deine Rezension war. Anfangs dachte ich noch so: Oh, das klingt toll, vielleicht solltest du die Fortsetzung doch noch lesen.
    Aber deine negativen Punkte spiegeln eigentlich genau das wieder, was mich beim Auftakt so gestört hat. Also doch keine zweite Chance für die Reihe.

    Vielen Dank für die Rezension!
    Liebste Grüße
    Kate ♥

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