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Unrealistische Erwartungen durch Jugendliteratur

Bücher sind nicht realistisch. Müssen sie auch nicht sein, denn für viele Menschen ist es eine tolle Ausflucht aus ihrer Realität.

Doch Kinderbücher und Jugendbücher haben eine besondere Funktion: Sie formen die Erwartungen von Kindern und Jugendlichen, ihren Blick auf die Welt und das, was in ihr passiert.

Was viele in der Jugendliteratur kritisieren, ist die Darstellung der Liebe und die damit einhergehenden falschen Hoffnungen, die sich manche Jugendliche deswegen machen.

Dies ist ein Erfahrungsbericht von einer Jugendlichen, die ihr gesamtes Teenagerleben mit diesen Büchern zugebracht hat.


Unrealistische Erwartungen durch Jugendliteratur

(Design by: Freepik.com)


Ein kleines Geständnis

Ich lese intensiv und viel, seitdem ich etwa 13 bin. Damals entdeckte ich die „City of Bones“-Reihe, die „Göttlich“-Trilogie und noch viele andere Romantasy-Trilogien, die mich formen sollten.

Gleichzeitig entwickelte sich (wie in anderen Posts schon angedeutet) meine Persönlichkeit, ich wurde mehr nach außen gerichtet, fand Freunde und viele, viele Dinge, die mein Leben absolut fantastisch machten. Ein fand ich nicht: Die Liebe.

Versteht mich nicht falsch, ich habe mich sehr wohl verliebt – und das auch sehr heftig. Allerdings ist darauf aufgrund des fehlenden Interesses der anderen Seite niemals etwas geworden.

Und nun muss man es einfach mal gestehen: Letztens hatte ich meinen ersten richtigen Kuss. Und natürlich hat der mich zum Nachdenken gebracht. Auf vielen verschiedenen Ebenen.

Und irgendwann kam ich dann auch dazu, dass ich mich Folgendes fragte: Was zum Geier haben mir die Jugendbücher eigentlich immer vorgespielt?


Meine Erwartungen

Egal ob Fantasy, Romantasy oder Contemporary, alle Paare oder noch-nicht-ganz-Paare der Jugendbücher sind immer unsterblich ineinander verliebt, sie müssen eine Aufgabe zusammen lösen oder hängen sonst wie aufeinander fest. Es gibt ein paar Spannungen, sie kommen sich näher, es ist natürlich absolut perfekt und dann *schwupps* küssen sie sich, sind zusammen und alles ist nur noch Glitzer, Regenbögen und Feenstaub.

Und da jedes (und damit meine ich wirklich jedes) Jugendbuch dir in irgendeiner Weise die eine wahre, tolle, große und perfekte Liebe vorspielt, davon erzählt und diese auslebt, verfestigt sich nach und nach in meinem Gehirn folgende Vorstellung: Wenn das bei dir passiert, wird es genauso sein. Feuerwerk, weiche Knie, Perfektion, alles passt perfekt aufeinander, jeder weiß genau, was er oder sie zu tun hat.

Ich weiß natürlich auch aus Filmen, Musik, Serien und dem Internet, wie viele Probleme es dabei gibt, wie viele nicht glücklich sind oder in komische Beziehungen rutschen. Aber da es immer so suggeriert wird, bin ich irgendwann automatisch im Hintergrund davon ausgegangen, dass es bei mir genau so sein wird.


Die Enttäuschung

Auch hier wieder: Versteht mich nicht falsch! Es war toll, es hat Spaß gemacht und mich völlig überrascht.

Was nicht dabei war: Feuerwerk, weiche Knie, Perfektion, alles passt perfekt, jeder weiß genau, was zu tun ist. Das große *Puff* war einfach nicht da.

Und ich war verwirrt. Genau das hatten mir doch alle Bücher prophezeit, in jedem Buch gab es diese Geschichte, quasi Wort für Wort, auch wenn das Setting sich änderte. Immer wieder sind alle Autoren auf den Zug aufgesprungen, dass die Liebe perfekt ist, sich immer perfekt anfühlt und dir den Boden unter den Füßen wegzieht.

Das mag für manche stimmen. Für mich aber nicht.. Und natürlich habe ich mich dann gefragt, ob etwas mit mir nicht stimmt.

Aber das ist völlig normal.

Nicht bei jedem Kuss fliegt die Welt der Küssenden aus den Angeln, nicht immer kann man sich nicht mehr auf den Beinen halten oder hat keinen Atem mehr.

In den meisten Fällen ist das alles nicht perfekt. Nicht Regenbögen, Feenstaub und Glitzer.

Sondern Spaß, der von Peinlichkeiten unterbrochen wird, der manchmal extrem komisch sein kann, wo manchmal keiner so richtig weiß, was er oder sie macht.


Die Realität

Was mir dabei unglaublich ins Auge gefallen ist: Meine Sicht auf die Dinge wurde von diesen Romanen getrübt.

Ich prangere nicht an, dass diese Geschichten nicht die Realität abbilden, denn wenn alle Bücher nur die Realität beschreiben, wie langweilig wäre das denn?

Aber man könnte sich doch um eine Darstellung der Liebe und der körperlichen Aktivitäten dabei bemühen, die nicht nur vor Superlativen strotzt und Fehler, peinliche Momente und Unsicherheiten zulässt.

Denn so ist die Realität nun mal. F

ast niemand findet seine große Liebe schon in der High School oder in der Oberstufe. Die meisten Beziehungen sind voller Fehler, Missverständnisse und peinlicher Momente. Auch, wenn diese nicht die Rettung der Welt oder die Verbotenheit dieser Liebe thematisieren.

Was ich dabei bedenklich finde:

Viele kleine Bücherwürmer wachsen nicht nur damit auf, einen Gideon, einen Jace oder einen Edward haben zu wollen (was wieder ein ganz anderes Thema ist), sondern auch damit, die gleichen Dinge mit ihnen zu erleben.

Wie groß werden die Enttäuschungen sein? Wie groß die Verwirrung? Wie groß die Verzweiflung, weil man nicht genau das gleiche erlebt wie die Heldinnen aus den Romanen?


Und jetzt?

Ich will eigentlich gar nicht viel. Ich möchte nur einen Gedankenanstoß geben: Wie beeinflussen wir Leser mit den Gefühlen und Taten der Charaktere?

Wie können Autoren etwas schaffen, was zwar den jugendlichen Leser erfreut und auf eine Welt voller romantischer Gefühle vorbereitet, aber sie nicht mit den Fantasien der größten und besten Liebe aller Zeiten sofort und immer geradezu überfordert und überbordend in ihrer Vorstellung verankert?

Wenn wir über Sexismus, Rassismus und Feindlichkeit gegenüber der LGBTQIA+-Community in Jugendbüchern reden, dann müssen wir meiner Meinung nach auch wenigstens ein wenig darüber reden, wie weit entfernt von jeder Wirklichkeit die Darstellung der Liebe geschieht.

Nämlich immer gleich, immer austauschbar, aber in Wirklichkeit doch so anders und immer unterschiedlich.


Diskussions-Time!
Was haltet ihr von diesem doch sehr persönlichen Text? Könnt ihr diese Erfahrungen bestätigen oder könnt ihr gar nicht zustimmen? Was haltet ihr von der Darstellung der Liebe in Jugendbüchern?

16 Gedanken zu „Unrealistische Erwartungen durch Jugendliteratur

  1. Huhu,

    mir hat Dein Beitrag sehr gut gefallen. Es war für mich sehr interessant zu lesen, wie Deine Eindrücke so waren. Ich denke, das alles ist ja ein Stück weit klar. Bücher sind ihre eigene Welt für sich und als Kind versteht man das noch nicht so und denkt alles ist real. Eine meiner ersten Lektüren war „Der kleine Vampir“. Ich habe schon sehr früh mit dem Lesen angefangen und war damals noch im Grundschulalter. Für mich war klar, ich möchte ganz unbedingt gebissen werden und Vampir werden. Bis heute ist das aber noch nicht passiert 😉 (Eigentlich warte ich immer noch darauf :o) )
    Als dann irgendwann rauskam, das das auch gar nicht möglich ist, war ich ehrlich gesagt auch ganz schön enttäuscht.

    Liebe Grüße
    Lagoona

  2. Hallo Anna,
    interessanter Bericht, mit vielen Aspekten, auf die ich eingehen könnte.Aber ich möchte nur einen herausgreifen: Aus meiner Sicht sind die Buchblogger in der Verantwortung, Bücher auch unter diesen Gesichtspunkt kritisch zu rezensieren. Natürlich fällt das einen Teenager schwer, eine kritische Distanz zu entwickeln. Aber grad bei den schon seit längeren erwachsenen Bloggern würde ich mir bei Jugendbüchern eine Reflexion wünschen und nicht nur: „So roooooooomantisch!“.
    Ich gebe zu, dass ich die erste Trilogie von Cassandra Clare beim damaligen Lesen recht gut fand. Aber im Nachhinein haben mir viele Aspekte Bauchschmerzen gemacht. Bei der „Göttlich“-Trilogie passte es dann schon von Anfang an nicht mehr richtig, so dass ich nie über den ersten Band hinausgekommen bin. In vielen gehypten Jugendbücher werden Beziehungen als romantisch hingestellt, die bei genaueren Hinschauen als sehr bedenklich angesehen werden müssen. Aber das ist es ja alles wert, weil die Protagonistin bei seinen Anblick weiche Knie bekommt, in seinen Augen versinken kann und wenn er sie küsst, vergisst sie die Welt um sich.
    An anderer Stelle habe ich mich mit dieser Meinung schon unbeliebt gemacht, aber ich finde, grad bei Jugendbücher hat der Rezesent die Verantwortung zu schauen, ob nicht auch schädliche Vorstellungen transportiert werden. Weil die Bücher eben nicht nur von Erwachsenen gelesen werden, sondern von Kindern. Und wenn die Erwachsenen nicht in der Lage sind, sich selbst und die Bücher zu reflektieren, wie soll das von Kindern und Jugendlichen erwartet werden? Ich gebe mir Mühe, Bücher zu finden und zu rezensieren, wo nicht alles perfekt läuft, ganz ohne Gewalt oder anderseitigen Missbrauch. „Eliza and Her Monsters“ kann ich da nur empfehlen 🙂
    Viele Grüße Elena

    1. Liebe Elena,
      Du sprichst da ein wichtiges Thema an. Und spontan fallen mir allein 2 Reihen ein, bei denen die Bedenklichkeit der Beziehung nie gern angesprochen wird. Twilight und 50 Shades of Grey. Zum einen finde ich das schlimm, weil erstere von jungen Mädchen und letztere von erwachsenen Frauen gelesen wird und alle schwärmen sie. Und ich denke mir nur….WTF is denn da los? sehen die das nicht? Dazu muss man erwähnen, dass 50 Shades of Grey ursprünglich eine Twilight Fanfiction war mit dem ‚Tollen‘ Namen „The Master of the Universe“ und die beiden Hauptfiguren waren erneut Bella und Edward. Im letztendlich veröffentlichten Buch hießen sie natürlich anders.

      Die Thematik ist aber bei beiden gleich: eine ungesunde Liebesbeziehung. Das war auch für mich ein Punkt, der mich wütend gemacht hat. noch heute kann ich es kaum glauben, dass die Leute diese Bücher mit Begeisterung lesen und die darin dargestellte Liebe als das Ultimative ansehen.

      vielleicht bin ich auch einfach zu alt für das ganze. Wer weiß. Aber ich stimme Dir absolut zu, dass Rezensenten, Blogger usw. auf derlei Dinge hinweisen sollten. :/
      LG
      Grit

  3. Ein wunderbarer Text, der den Nagel auf den Kopf trifft. Und sogar als erwachsene Frau kann ich die durch Medien geschürten Erwartungen nachvollziehen. Ich reg mich regelmäßig darüber auf, dass Leute in Filmen oder Serien nach dem aufwachen rumknutschen und ich weiß noch, wie ich als Teenager geschockt war, dass alle Menschen morgens einen schlechten Atem haben und dieses Rumgeknutsche morgens eigentlich so gar nicht richtig schmeckt xD das lässt sich auf viele Dinge übertragen, die falsche Erwartungen geschürt haben, die nie erfüllt werden können. Dabei noch nicht mal speziell in Jugendliteratur, die in gewisser Weise formend ist,sondern allgemein auch in allen späteren Lebenslagen.
    LG
    Grit
    PS : weiche Knie und Feuerwerke habe ich bei keinem ersten Kuss je gespürt. Für mich war es immer aussagekräftiger, wie sich die Lippen meines Partners anfühlten oder wie er schmeckt und riecht. Wenn das gepasst hat, dann erst habe ich über die Jahre festgestellt, wieviel Spaß es macht. Aber dieses atemlose, weiche Knie…. Ne, gabs bei mir nie. Und mit fast 40 kann ich das ruhig zugeben

  4. Huhu,

    ich finde deinen Beitrag wirklich sehr interessant und stimmig. Ich habe mir schon oft Gedanken darüber gemacht, wie sich meinen ganzen gelesenen Geschichte auf meine Erwartungen und Gefühle auswirken. Es ist so, dass ich mir von der Liebe einfach mehr erwartet habe, als ich bekam. Dieser Umstand macht mich echt traurig, aber trotzdem habe ich die Hoffnung noch eine außergewöhnliche Liebesgeschichte zu erleben.

    LG
    Sarah

  5. Hallo Anna,

    da sprichst du ein (mir) überaus bekanntes Problem an. Jugendbücher. (An dieser Stelle bitte ein extrem genervtes Augenrollen vorstellen.)
    Gut, man muss dazu sagen, ich komme aus einer anderen Zeit. Baujahr 68. Damals war „Jugendbücher“ ein Synonym zu „Hanni und Nanni“, „Dolly“ und so weiter.
    Kann man lesen (habe ich auch), muss man aber nicht.

    Du schreibst, du hast mit 13 angefangen zu lesen. Da war ich ehrlich gesagt knapp davor, es aufzugeben. Weil ich nämlich schon alles durchhatte, was der Markt damals anbot.
    Tja, und dann bin ich in den Bücherregalen meiner Eltern auf die Jagd gegangen – und habe da Sachen entdeckt, die garantiert nichts für eine 13-Jährige waren.
    Ich sage nur „Die Abenteuer des Röde Orm“ aus dem Fundus meines Papas und „Shanna“ von Kathleen E. Woodiwiss, das meine Mutter sehr sorgfältig hinter ihrer repräsentativen Sammlung von Märchen aus aller Welt und dem 12-bändigen Ratgeber für Selbstversorger versteckt hatte.

    Wahrscheinlich hat die Kombination aus schockierendem Realismus (Röde Orm) und rosarot überzeichnetem Schmachtfetzen (Shanna) bewirkt, dass ich genau den Schaden dabei abbekommen habe, der mich jetzt bei meinen eigenen Manuskripten antreibt, nachdem ich so schrecklich lange nach Büchern gesucht habe, die beides verbinden.

    Ja, es gibt sie, die große Macht der Emotionen. Den Kuss, der dir den Atem raubt. Einen Kerl, dessen Duft zu riechen deine Knie weich werden lässt.
    Aber …
    … damit aus mega-heftiger Verknalltheit und dem Regiment der überschäumenden biochemischen Prozesse dann Liebe wird, dazu braucht es Zeit – und den Willen, weiterzumachen, auch wenn es mal nicht rosarot sondern tristgrau oder gar gewitterschwarz wird.

    Fehler, Peinlichkeiten und unsichere Momente – genau das habe ich auch in zu vielen Büchern vermisst.
    Deshalb versuche ich, meine Protagonisten Fehler machen zu lassen, schreibe sie voll fieser Berechnung in peinliche Situationen hinein und lasse sie in unsicheren Momenten zappeln, die sich gerne mal qualvoll in die Länge ziehen dürfen.

    Klingt gut? Zu gut? Stimmt.
    Denn: Ich schreibe keine Jugendbücher.

    Meine Zielgruppe sind intelligente Leserinnen (und Leser) mit L(i)ebenserfahrung, die sich, auch wenn im Perso vielleicht ein anderes Geburtsdatum steht, hin und wieder gerne mal wie Anfang/Mitte 20 fühlen wollen.

  6. Hi!

    Ich finde, du hast einen sehr nahen und persönlichen Post geschrieben, der definitiv zum Nachdenken veranlasst. Mich zumindest. Habe ich auch diese Erwartungen an die Liebe, an meinen Partner? Nun, in geiwsser Weise schon. Ich habe mich auch schon des Öfteren bei dem Gedanken erwischt, dass ich doch auch gerne eine Liebesgeschichte wie (man setze einen beliebigen Romantasy-Titel ein) hätte …
    Aber wie du schon sagst, Liebe ist nicht perfekt. Liebe ist (im Normalfall) nicht ein „Ich kann dich nicht leiden – oh, jetzt liebe ich dich doch“ hin und her.
    Meist stolpert man doch kopfüber hinein und fragt sich, wann genau das alles so passiert ist und warum man es nicht bemerkt hat. Manchmal zumindest.

    Bücher formen. Vor allem in so jungen Jahren. Aber das Leben tut das auch. Und ich denke, dass viele enttäuscht sind, auch ohne solche Bücher gelesen zu haben. Es ist nicht nur das, was Bücher vermitteln, sondern die Gesellschaft. Denn die vermittelt Kindern und Jugendlichen oft genau das, wsas in Büchern und Filmen geschieht, ohne dass die Kinder jemals so ein Buch in der Hand hatten …

    Liebe Grüße,
    Wiebi

  7. Ein interessantes Thema.
    Ich für meinen Teil habe meine Jugend größtenteils mit realistischer Jugendliteratur verbracht, so dass auch die Liebe ziemlich realistisch dargestellt wurde: Angst etwas falsch zu machen oder sich dumm anzustellen, Küsse oder erste sexuelle Erfahrungen die in die Kategorie“Hauptsache vorbei“ gehören, unerwidertes Verliebt sein, aber natürlich auch Herzklopfen, nicht essen können etc.
    Durch diese Bücher hat sich meine Vorstellung von Liebe/Verliebt sein nicht sehr romantisch dargestellt.
    Jace, Edward und Co erschienen erst auf der Bildfläche, als ich schon erwachsen war – manchmal ist es vielleicht nicht schlecht schon älter zu sein.

  8. Ein sehr schöner Artikel und ich muss sagen, dass es mir vor ein paar Jahren ähnlich ging. Ich hänge da ein bisschen zwischen den Seilen, weil ich einerseits verstehe, wieso immer wieder dieser romantische Eskapismus in Jugendbüchern auftaucht und es andererseits aber auch schädlich finde. Ich versuche in meinen eigenen Texten immer ein Mittelding zu finden, aber ob mir das gelingt…

    Wäre es übrigens okay, wenn ich zu dem Thema auch was schreibe und dich verlinke? Du hast mich da jetzt ein bisschen inspiriert.

  9. Ich finde es verwunderlich, dass Du Dich auf Jugendliteratur beziehst und dann aber nur diese eine Kategorie, die „YA-Romance“ Bücher beschreibst.
    Denn es gibt auch die anderen, die realistischen Jugendbücher. Die, in denen es um häusliche Konflikte geht, um Mobbing, um das „sich selbst im Erwachsenwerden finden“, um die Erwartungen und Enttäuschungen der ersten Liebe und vieles mehr.

    Dass Romantasy und Co die Sicht auf das Leben trüben – ja, bestimmt, wenn man sie als mehr als reine Unterhaltung betrachtet. Das dort geschilderte Leben hat natürlich nichts mit Realität zu tun, auch wenn es einem sehr wohl mal die Füße wegziehen kann, wenn man jemanden küsst ^_^ Aber das Leben besteht eben nicht nur aus rosa Wolken. Darum sind mir persönlich die meisten dieser Bücher viel zu langweilig. Sie sind einseitig, vorhersehbar und unendlich platt. Das ist aber eher ein Genre-Problem, welches sich genauso auf die Liebesromane für Erwachsene übertragen lässt, und kein generelles der Jugendliteratur. Da gibts nämlich durchaus wirklich gute Bücher, die keine falschen Erwartungen schüren =)

  10. Hi Anna 🙂

    Toller Beitrag, der wohl längst mal fällig war! Ich sehe das genauso wie du und muss sagen, dass ich von meiner ersten Liebe auch viel zu viel erwartet habe, einfach weil ich aus Jugendbüchern anderes gewöhnt war. Dass diese Bücher einem nicht die Realität aufzeigen war mir schon klar, aber wo war mein Feuerwerk? Wo waren die Küsse, die die Zeit stoppen? Tja, die gab es nicht und das hat nichts damit zu tun, dass ich in diesem Moment den Falschen geküsst habe. Mit meinem jetzigen Freund und Verlobten gibt es natürlich Küsse, die sehr nahe an diese Jugendbuchbeschreibungen herankommen, aber es stoppt weder die Zeit noch tauchen plötzlich überall Regenbögen oder Feuerwerke auf. Und bei unserem ersten Kuss war das schon mal gar nicht der Fall. Ja, ich hatte Herzklopfen und er auch. Wie wild sogar, aber das war einfach die Angst, etwas falsch zu machen und allzu toll war das nun auch nicht. Erst wenn man richtig Vertrauen zueinander hat und sich fallen lassen kann, wird es erst richtig romantisch.

    Wie sehr Jugendbücher einen beeinflussen können, habe ich mal am Rande im TV mitbekommen. Der Twilight-Hype war gerade auf seinem Höhepunkt und es wurde ein Mädchen interviewt, die ein ganz großer Fan war. Ihre Eltern waren geschieden und sie wohnte derzeit bei der Mutter. Sie hatte auch kein allzu gutes Verhältnis zum Vater, wollte aber unbedingt zu ihm ziehen, weil Bella das in den Büchern auch tut und so Edward kennenlernt. Sie wollte das unbedingt auch. Der Reporter hatte dann noch gefragt, ob es niemand anderen als Edward für sie gäbe und sie meinte gleich, dass niemand Edward je ersetzen könne. Okay. o.O

    Was ich allerdings noch viel schlimmer finde, als diese angeblich immer perfekten Küsse, ist die Darstellung von Sex in NA-Büchern. Ja, diese Bücher sind eigentlich nicht für die Altersklasse geschrieben, die auch Jugendbücher liest, aber dennoch lesen 16jährige diese Bücher. Und nicht jeder hatte mit 16 schon erste sexuelle Erfahrungen. Mich eingeschlossen. Wenn ich nun also als 16jährige (oder sogar jünger) diese ganzen NA-Romane verschlinge, Sexszenen über Sexszenen lese, in denen es zu explosionsartigen Orgasmen kommt, die Frau in Ohnmacht fällt, weil sie so scharf ist und alles – wirklich alles – an dem Sex (auch dem ersten) perfekt ist, dann bekomme ich Zweifel, wenn mein Liebesleben nicht so abläuft, denn das tut es im Normalfall nicht. Mir tun in dieser Sache die Jungs/Männer leid, die nichts von den Erwartungen an sie wissen und letztendlich enttäuschen, weil sie nicht mit den perfekt zusammengeschriebenen Buchcharakteren mithalten können. Das ist einfach traurig und ich wünsche mir in diesen Büchern mehr Ehrlichkeit, denn vieles was darin passiert ist einfach nur lächerlich und schürt falsche Erwartungen.

    Liebste Grüße
    Ellen

  11. Hallo,

    es war sehr interssant für mich deine Gedanken und Erfahrungen mit Büchern zu lesen. Ich lese, seit ich mich erinnern kann, dass ich lese und habe alles verschlungen, das mir zwischen die Finger kam. So auch natürlich den einen oder anderen jugendlichen Liebesroman. Doch kann ich nicht wirklich bestätigen, dass ich mir vorgestellt hatte, dass Liebe so sein muss / so ist, wie in Büchern oder Filmen dargestellt. Entweder bin ich mit einer großen Portion Realismus gesegnet oder nicht romantisch genug. Bücher und solche Geschichten waren und sind heute noch eine Flucht in eine andere Welt. Aber Erwartungen, diese auch in meiner realen Welt vorzufinden, hatte / habe ich nicht.

    Ich verfolge interessiert die in letzer Zeit aufkeimende Diskussion, was Jugendbücher müssen, sollen, dürfen oder auch nicht. Hat sich die Jugend geändert oder die Bücher? Wenn ich zurückblicke, kenne ich niemanden, der diese Erwartungen aus meiner Generation (ich bin fast 40) so hatte, wie ich es bei dir herausgelesen habe.

    Ganz liebe Grüße vom monerl

    1. Hallo liebe monerl,

      Danke, das freut mich sehr!
      Und es ist sehr faszinierend, dass du schon so lange liest und natürlich auch so aktiv!

      Dass du diese Erwartungen nicht hast, ist wirklich ein Segen! Aber ich habe diese einfach unterbewusst entwickelt, denke ich. Vielleicht waren es auch einfach die falschen Bücher…

      Aber vielleicht liegt es auch an den anderen Büchern, die deine Generation gelesen hat! Diesen Vergleich fände ich sehr spannend!

      Viele liebe Grüße,
      Anna

  12. Ich finde, du hast in deinem Beitrag das Problem an so manchen Jugend- und vor allem NA-Romanen sehr gut beleuchtet. Manche Sachen sind eben einfach nicht so, wie sie dargestellt werden. Okay, vielleicht passiert es manchen Leuten wirklich, dass sie sich von jetzt auf gleich verlieben und die Person dann wirklich DIE EINE ist, mit der ALLES, was sie tun, perfekt ist.

    Aber das ist nun mal nicht der Normalfall. Also wenn ich an meinen ersten Kuss denke… Wäh. Nicht so schön. :’D In dem Moment hätte ich wahrscheinlich allzu gerne mit der Protagonistin eines Jugendbuchs getauscht, bei der das alles ganz toll und romantisch abläuft… Und mit weniger Sabber.

    Man muss einfach erkennen, dass das, was man da liest, zwar schön und gut, aber nun mal nicht die Realität ist. Auch wenn das etwas traurig klingen mag.

    Auf jeden Fall ein sehr schöner Beitrag!

    LG
    Isa

    1. Hallo liebe Isa,

      Vielen lieben Dank, das freut mich wirklich immens!
      Und du hast total recht, ich finde es einfach komisch, dass manche Dinge so unrealistisch dargestellt werden.

      Eben! Der Normalfall ist so anders! Und Erwachsene wissen das ja schon, aber Kinder, beziehungsweise Jugendliche können das einfach nicht wissen und die Gehirne werden geformt, ohne dass man das „verhindern“ könnte.

      Vielen vielen lieben Dank!

      LG,
      Anna

  13. Hallo liebe Anna,
    ich fand deinen Artikel und deine Sichtweise sehr interessant und durchaus nachvollziehbar.
    Leider sind Autoren immer in einem Zwiespalt, wieviel Realität Jugendliche abseits von romantischen Klischees hören wollen. Denn wie du richtig festgestellt hast, sind meist gerade die Bücher erfolgreich, die vollkommen überzogene Vorstellungen präsentieren. Das beginnt beim perfekten Äußeren der Protagonisten (stahlharte Männerbrust, etc.) und endet bei umwerfenden Liebesszenen, weshalb man auch häufig von Verlagsseite zu hören bekommt, die Liebesgeschichte sei noch „ausbaufähig“, wenn man sich als Autor nicht an diese ungeschriebenen Konventionen halten möchte 😉
    Meines Erachtens wird hier die Erwartung an die heile Märchenwelt mit Prinzessinnen und Prinzen ins Jugendlichenalter fortgeführt.
    Es gibt aber durchaus Jugendbücher abseits des Romantasy-Genres, die kritischer mit dem Thema „erste Liebe“ umgehen. Da fällt mir zum Beispiel der Roman meiner Kollegin Alice Gabathuler „Hundert Lügen“ ein. Die Liebesgeschichte am Rande des Psychothrillers sehe ich als sehr authentisch an. Ich glaube, dass die Jugendlichen sich selbst – je nach Stimmung, persönlicher Reife oder Geschmack die jeweiligen Bücher auswählen. Und manchmal ist man vielleicht in einer Phase, in der man ein wenig Kitsch braucht. 😉
    Regelrechte Gefahr sehe ich persönlich weniger in der Darstellung von unrealistischer Rosa-Wolken-Liebe, sondern in der Perfektion des Äußeren oder der Verharmlosung von Dominanz in Liebesbeziehungen, wie oben bereits erwähnt. Ersteres kann zur Ablehnung des eigenen Körpers (Stichwort Magersucht) führen. Letzteres dazu, aus Liebe Verhaltensweisen bei einem Partner zu akzeptieren, die man im Grunde ablehnt. Schließlich ist es doch „normal“.
    Ein viel diskutiertes Thema, zu dem sich jeder seine eigene Meinung bilden muss.
    LG
    Rena

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