Ein Herz aus Nacht und Scherben – Atmosphärisch, langweilig, verwirrend

Ich habe mich so sehr auf dieses Buch gefreut.

Es hat ein geniales Cover, die Kurzbeschreibung klingt einfach nur super und generell wollte ich schon immer etwas von Gesa Schwartz lesen. Als mir dann das Bloggerportal ein Rezensionsexemplar zugestand (Vielen Dank dafür!), war ich aus dem Häuschen.

Als Saskia von Who is Kafka? dann sagte, sie hätte Lust das Buch mit mir zu lesen, war ich noch viel aufgeregter.

Ich hätte nicht weiter daneben liegen können.

Dieses Buch war ein absoluter Reinfall. Ich habe es noch nicht mal beendet.


bibliographische-daten

  • Autor: Gesa Schwartz
  • Genre: Fantasy, Jugendbuch
  • Verlag: cbt-Verlag
  • Seitenzahl: 541 S.

kurzbeschreibung

In Venedig gerät die siebzehnjährige Milou in die Welt der Scherben: das Reich der verlorenen Gedanken, der zerschlagenen Träume, der unvollendeten Geschichten und vergessenen Wünsche. Auf der Suche nach spurlos im Nebel verschwundenen Menschen verliebt sie sich in den mysteriösen Rabenwandler Nív, doch sie weiß: Seine Welt ist nicht für sie bestimmt. Und mit jedem Augenblick zieht das Reich der Scherben sein Netz enger…

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Vielen Dank an den cbt-Verlag und an das Bloggerportal für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares!


eigene-meinung

POSITIV

Ich habe wenig Positives über dieses Buch zu sagen. Sehr wenig. Deshalb kurz und knackig:

  • Träumerische Gedankengänge und Weltaufbau

Milou ist eine wahre Träumerin. Ihre Gedanken schweifen sehr oft ab und sie hat die Tendenz alles und jeden um sich herum zu romantisieren, bis der Beutel platzt. Sie verliert sich in ihren eigenen Gedankengängen und ist wahrlich ein kreativer Charakter, was einem das Gefühl gibt, noch viel näher an ihr und ihrem Wesen zu sein.

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  • Familienbande sind sehr stark zu spüren

Als Milou zu ihrer Großmutter und dem Bibliothekar nach Venedig zurückkehrt ist ganz klar ein Stück Zuhause zu spüren und man merkt, wie wohl sich alle Beteiligten mit der Situation fühlen. Jeder ist nett und freundlich zueinander und alles vermittelt ein Gefühl von Gemütlichkeit und Heimeligkeit.

  • Atmosphärisch ist dieses Buch sehr dicht und zieht zwangsläufig in eine nachdenkliche Stimmung

Atmosphäre wird hier wirklich wahnsinnig groß geschrieben. Alles ist atmosphärisch sehr dicht und man kann Stimmungen quasi aus dem Raum heraus greifen. Das hat mich wahnsinnig fasziniert, allerdings auch manchmal etwas stutzig gemacht, denn die Geschichte und der Fortgang ebendieser hatten massiv darunter zu leiden.

Und das bringt uns zu:

NEGATIV

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  • Der Klappentext ist genauer, als das verdammte Buch!

Zwischendurch saß ich wirklich da, war verdammt verwirrt und las mir noch einmal den Klappentext durch. Und der hat mir wirklich weiter geholfen als das Buch. Und da hatte ich schon etwa 150 Seiten gelesen.

Nicht falsch verstehen: Dieses Buch ist nicht anspruchsvoll zu lesen und ich wäre einfach nur zu dumm, es zu lesen. Das wäre ja noch gut. Aber es ist einfach nichts spezifiziert. Die Atmosphäre und die Gedanken werden haargenau beschrieben, aber die eigentliche Handlung und die eigentlichen Verhältnisse werden durch eine Flut von Allegorien, Metaphern und Vergleichen hinweggeschwemmt. Und damit leider auch jede Hoffnung, irgendwie zu verstehen, WAS ZUM TEUFEL EIGENTLICH PASSIERT!

Ich würde es wirklich gerne wissen, allerdings verschluckt dieser überaus komische Schreibstil alle nützlichen Informationen und stellt durch Satzstruktur und unnütze Dinge (die übrigens niemanden interessieren!) in den Vordergrund. Man stolpert über die Sätze, verschluckt wie automatisch Halbsätze und kriegt auch durch mehrmaliges Lesen einfach kein klares Bild von Umgebung, Charakteren oder Handlung.

Wenn das mal nicht komisch ist, weiß ich auch nicht.

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  • Die Handlung verschwimmt, und obwohl man liest, kriegt man nicht mit, was genau passiert

Ich lese und lese und lese, und, wie ich gerade schon gesagt habe, passiert einfach nur totaler Bockmist.

Es ist wie Treibsand. Ich stecke fest und komme einfach nicht voran. Alles wird immer langsamer, während ich nur inmitten dieses verfluchten Buches stehe und mich frage: “Ernsthaft jetzt? Ich wollte doch einfach nur auf normalem Sand gehen!”

Der Treibsand macht das Hirn mürbe beim Lesen des Buches. Es tut beinahe mental weh das Buch zu lesen.

Und sowas sage ich nicht leichtfertig, denn selbst den schlimmsten Büchern kann ich normalerweise noch etwas abgewinnen.

sdr

Aber offensichtlich hat dieses Buch eine Handlung, die sich allerdings in meinen Augen nur daraus zusammensetzt, dass sie random vom einen zum anderen Punkt rennen und niemand dabei weiß, was sie eigentlich vorhaben, noch, was gerade passiert ist, im Moment passiert oder in Zukunft passieren wird.

Totale Verwirrung hat sich abgewechselt mit Trauer und Wut, denn ich will einfach nur IRGENDWAS VERSTEHEN! IST DAS DENN SO SCHWER?!

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  • DIESES EWIGE EMOTIONEN AUS AUGEN LESEN!

Ich krieg wirklich die Krätze von sowas. Auf Twitter und sonstigen sozialen Netzwerken scherzen wir ja schon immer darüber, wie sehr Jugendbücher auf die Augen konzentrieren und dass es nun wirklich nicht realistisch, dass man durch die Augen alles sehen kann. Von Emotionen über Gedanken bis hin zu ganzen Lebensgeschichten.

Aber in diesem Buch wurde es wirklich auf die Spitze getrieben.

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Dauernd wurde aus Augen, Spiegelungen in den Augen, den wirbelnden Augensplittern, der sich ändernden Farbe oder sonstigem gelesen.

Hat der Typ einen Gefühlsstein in seine Iris implementiert? Oder hat er die Angewohnheit, farbige Kontaktlinsen passend für jeden Anlass dabei zu haben? Es ist wirklich frustrierend.

Der Grund, warum ich es dann tatsächlich abgebrochen habe, war folgender: Sie konnte doch tatsächlich innerhalb von Sekunden aus seinen Augen lesen, dass er erstens in einem sehr depressiven und von Selbsthass getriebenem Gemütszustand befindet, die Kreaturen nur getötet hat, um sie zu beschützen und dass er sie liebt. Und zwar das alles aus der Spiegelung seiner “Scherbenseele in seinen Augen”. Nein, danke. Das reicht.

Ich bin raus.

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  • So redet doch niemand!

Wie Saskia schon richtig sagte: Niemand. Absolut niemand. Redet. So.

Diese Dialoge klingen wirklich wie geschrieben und nicht gesprochen. Geschrieben allerdings in einem FACHBUCH! Ja, einem Fachbuch!

Und dann erraten die auch noch die ganze Zeit gegenseitig, was sie denken, ohne, dass der Leser davon was mitkriegt und nur da sitzt und sich denkt: WHAT HAS HAPPENED HERE?

Die Gespräche und die Antworten sind viel zu schön formuliert, viel zu lang, viel zu unwirklich, einfach nicht echt und authentisch, sondern langweilig, redundant und stellenweise dumm.

  • Niemand hat auch nur den Ansatz einer Chance, irgendwas zu verstehen, denn ES WIRD NICHTS ERKLÄRT!

Ich hätte das Buch wahrscheinlich doch durchgelesen, wenn ich auch nur ein bisschen mehr verstanden hätte. Wie gesagt: Der Klappentext gibt mehr Aufschluss.

Ich habe nach 300 Seiten und damit mehr als 50% des Buches immer noch keine Ahnung: Wer diese Wesen eigentlich sind, Was sie mit unserer Welt zu tun haben, Was für eine Welt das ist (Parallelwelt? Zauberwelt? Mit unserer verknüpft?), Wie diese Welt entstanden ist, Wie sie exakt aufgebaut ist, Was Scherben mit dem ganzen Mist zu tun haben, Warum Nív sich in einen Raben verwandeln kann, Wie die Magie hier funktioniert, Was Milous Superkraft ist, wenn sie denn eine hat, Was der böse Zauberer überhaupt hat, Warum die Welten sich gegenseitig schaden, Was das ganze mit Träumen und Erinnerungen zu tun hat.

Ihr seht: Mehr Fragen als Antworten. Und ich bezweifle, dass diese sich noch klären werden.

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  • Was ist eigentlich in diesen 300 Seiten passiert?

Um diese Frage gleich am Anfang zu beantworten: Ich habe keine Ahnung!

Wenn ich den Plot bis jetzt zusammenfassen sollte, könnte ich wahrscheinlich nicht viel mehr sagen als auf dem Klappentext steht. Und das auch nur, weil ich den VERDAMMTEN KLAPPENTEXT ZITIEREN WÜRDE! Ich habe keinen blassen Schimmer, wie ich irgendjemandem irgendwas hiervon erklären soll.

Noch weniger, was sich denn so entwickelt hat und wie die Welt aussieht. Ich habe wirklich keine Ahnung, denn in meinem Kopf verschwamm schon beim Lesen alles zu einem Brei, der sich nicht wieder auseinanderrühren lässt. Und das ist beim besten Willen nicht ansatzweise ein Qualitätsmerkmal, auf das man stolz sein könnte.


fazit

Abgebrochene Bücher kann ich ja einfach nicht bewerten, weil ich sie nicht ganz gelesen habe. Warum, habe ich ja schon ausführlich erläutert. Ich gebe keine Wertung außer 0 Tintenklecksen, einfach weil so meine Wertungskriterien aufgestellt sind.

Ich wollte es gut finden, ich wollte es auch zu Ende lesen, aber es ging einfach nicht.

Verwirrender Schreibstil, schwache Charaktere, Vermischung von Realität und Träumerei, Ungenauigkeiten, dem Leser bleibt alles unverständlich und jeder behandelt die Protagonistin als die große Heldin, obwohl sie wirklich gar nichts kann. Außerdem geht mir dieses ewige Emotionen-aus-Augen-Lesen wirklich auf den Schnürsenkel.

Ne. Braucht ihr nicht. Einfach ne.

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0 von 5 Tintenklecksen!

26 Comments

  1. Pingback: [Monatsrückblick] November 2016 – Ink of Books

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