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Rezension: „Die Götter von Asgard“ von Liza Grimm

Romane, die auf Götterwelten basieren, nehmen in den letzten Jahren immer wieder an Beliebtheit zu und wieder ab. Momentan erfreuen sie sich wieder großer Beliebtheit und neben den griechischen Göttern, die in gefühlt jedem zweiten Buch behandelt werden, folgen gleich die nordischen Götter um Odin, Thor und Loki, die sich dann in nur noch jedem zehnten Buch gegenseitig eins auswischen wollen.

Nun hat auch der Knaur Verlag einen Fantasy-Roman herausgebracht, der sich mit den nordischen Mythen befasst, die den meisten schon ein wenig aus dem Marvel Cinematic Universe oder aus den Abenteuern des Magnus Chase von Rick Riordan kennen sollte.


Bibliographische Daten

  • Autor: Liza Grimm
  • Genre: Fantasy
  • Verlag: Knaur
  • Seitenzahl: 302 S.

Kurzbeschreibung

Buntes Licht tanzte über die mächtigen Burgen und ließ ihre edelsteinverzierten Fassaden erstrahlen. Loki deutete grinsend nach oben. Galaxien. Unzählige. Sie schienen zum Greifen nah.

„Es gibt eine uralte Prophezeiung über den Untergang Asgards“

Natürlich glaubt die Studentin Ray kein Wort von dem Gerede der mysteriösen Kára, die behauptet, dass die nordischen Götter existieren und sie eine Heldin in ihrem Universum werden soll.

Sie wendet sich von ihrer neuen Freundin ab und läuft bald doch einem jungen Mann in die Arme, der sich als Loki vorstellt und sie in die Götterwelt mitnimmt…

Nur ist es nur natürlich, dass der Gott der List absolut nichts Gutes im Schilde führen kann und Rays Mission mehr als nur einmal in Gefahr gerät…

Kann sie überhaupt zu einer Heldin werden?


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Vielen Dank an den Knaur-Verlag für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares!


Eigene Meinung

POSITIV

  • Einblick in die nordische Mythenwelt

Wer sich gar nicht mit den Mythen aus Asgard, Midgard und den anderen sieben Welten auskennt, für den wird dieses Buch ein super Einstieg sein! Immer wieder wird auch aus der Sicht der Götter berichtet und man erfährt, wie die Welten aufgebaut sind und wie sich die verschiedenen Prophezeiungen auswirken könnten.

Die Figuren, die man eventuell kennen könnte – Thor, Loki, Odin und die Eisriesen – tauchen alle auf und viele andere kleine Details der Mythologie haben sich eingeschlichen, die für Insider ein tolles Wiedersehen und für Neulinge nette Details für die Geschichte darstellen!

Dementsprechend ist die behandelte Mythologie sowohl für Einsteiger als auch für „Profis“ geeignet!

  • Ein Lesefluss stellt sich sehr schnell ein

Wenn man dieses Buch einmal in die Hand genommen hat, kann man es wirklich nicht sehr einfach aus der Hand legen! Man freut sich auf jede weitere umgeblätterte Seite und diese fliegen unter den Fingern geradezu vorbei!

Daher war ich auch sehr froh, denn wenn man dieses Buch am Stück verschlingen will, hält einen nichts außer die Außenwelt davon ab! Ich habe es wirklich geliebt!

(Außerdem fühlt sich das Taschenbuch in den Händen einfach sehr gut an, das muss ich einfach zugeben!)

dav

 

  • Keine überbordende Romanze!

Ja, natürlich, die Romantik darf auch in diesem Buch nicht fehlen, aber sie ist wirklich sehr klein gehalten und eher süß anstatt sich um die ganze Geschichte zu wickeln.

Auch, wenn ich mir an manchen Stellen sogar mehr gewünscht hätte: Sehr zurückhaltend geschriebene Romantik, die die Charaktere nicht dumm macht und ihnen sämtliche Restintelligenz raubt.

Find ich sehr gut!

  • Ich mochte die Protagonisten gerne!

Ray ist unsere Protagonistin. Sie möchte Sängerin werden, doch studiert ihren Eltern zuliebe Dinge, die sie eigentlich gar nicht machen will. Außerdem hat sie das Gefühl, immer von ihrer älteren Schwester Anna in den Schatten gestellt zu werden, weil diese erfolgreicher ist als sie.

Mit diesen Dingen hat sie zu kämpfen, während sie entdeckt, dass sie eine Heldin für Asgard werden soll.

Und wie sie sich durch die gesammelten Gefahren von Asgard manövriert, ohne dabei genau so zu werden wie die Götter und Wesen, die sie umgeben, ist bemerkenswert und wirklich gut geschrieben!

Ray war mir die ganze Zeit sehr sympathisch und hat sich an vielen Stellen heldenhafter verhalten, als ich es je gekonnt hätte! Chapeau!

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  • Kein zu ausführliches Geschwafel – eine sich schnell bewegende Geschichte

Dieses Buch ist eher dünn gehalten, was ich durchaus begrüße, denn lange Bücher halten momentan meine Aufmerksamkeit einfach nicht gut genug da, wo ich sie haben möchte. Dementsprechend war ich sehr froh über die überraschende und frische Kürze dieses Fantasy-Romans, der trotzdem eine schnell fortbewegende Geschichte beherbergt, die sich durch viel Action auszeichnet und sich kontinuierlich nach vorn bewegt und keine einzige Länge aufweißt!

NEGATIV

  • Charaktere bleiben überraschend flach gezeichnet

Alle Charaktere in diesem Buch sind flacher als eine Seeoberfläche. Man kann ihnen Charakterzüge zuweisen, aber verinnerlicht scheint keiner dieser Charaktere sie zu haben. Es wirkt manchmal eher, als würden sie aufgezwungene Rollen spielen, als nach ihren Interessen zu handeln.

Ray – als Protagonistin – bleibt komisch flach und wie eine weiße Fläche. Thor bleibt ein verliebter Dummkopf, Kára ist irgendwie ganz komisch, Tyr ist quasi nur eine Schaufensterpuppe, auf der „Nordischer Gott X“ steht und Loki ist auch nicht das charismatische Schlitzohr der neun Welten, sondern einfach nur ein Arschloch mit keinem definierten Plan.

Die Charaktere, die diese Geschichte tragen sollten, konnten meistens noch nicht mal ihre eigenen Gesichter tragen.

  • Beziehungen zwischen den Charakteren bleiben verwirrend und nicht ganz ausgearbeitet

Wir haben teilweise jahrtausendealte Beziehungen zwischen Charakteren, die selbst vielschichtig sein sollten und natürlich neue und neu entwickelte Beziehungen.

Allerdings fühlte man nie eine tiefere Verbindung zwischen den Charakteren, sondern immer nur eine oberflächliche Konversation, die trotz eines tiefergehenden Themas niemals die Charaktere selbst zu betreffen schien, sondern Schablonen ihrer selbst.

So, als wären sie nur in der Theorie geändert, getroffen oder verliebt.

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  • Die Welten fühlen sich nicht zwangsläufig real an

Das Schwierige an Fantasy-Romanen ist, dass sich Welten, Systeme und Lebensweisen dem Leser real vorkommen, trotzdem er sie nicht kennt und sie meistens mit Dingen verwoben sind, die schlichtweg unmöglich sind. Frei nach dem Motto: Verändere dieses eine Detail der Wirklichkeit, wie würde sich der Rest verändern.

Aber die Welten hier waren zu dünn, nicht richtig ausgezeichnet. Eisriesen? Eis. Zwerge? Wald und Berge. Midgard? Halt Berlin und München. Asgard? Regenbogenbrücke und Schloss.

Die Welten und Plätze fühlten sich dadurch allerdings nicht real an, sondern nur beschrieben. Ich weiß nicht genau, wie man das hätte fixen können, aber es fühlt sich nicht so an, als würden diese Wesen diese Welten tatsächlich bewohnen, sondern müssten halt da sein, weil ist so.

  • Die Geschichte hätte ein paar mehr ruhige Momente und längere Szenen gebrauchen können

So sehr ich es mag, dass ein Buch sich immer weiter nach vorne bewegt und das Abenteuer nicht abreißt: Ein paar ruhigere Momente hätten nicht schaden können. Momente, in denen Ray über ihre komische Lage nachdenkt, in denen sie vielleicht sogar Pläne schmiedet oder in Verzweiflung gerät. Diese Momente waren vorhanden, allerdings zu kurz und zu zurückhaltend geschrieben, als dass sie Rays Charakter geholfen hätten oder ihn nach vorne hätten bringen können. Schade.

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Fazit

Um es zusammenzufassen: Vielleicht war ich einfach zu gehypt. Vielleicht waren meine Erwartungen einfach zu hoch.

Denn trotz einem guten Einblick in die neu geschaffene und doch alte Götterwelt, einer sympathischen und doch etwas anders tickenden Protagonistin, viel Humor und ganz viel Action, konnte sich das Buch für mich nicht über die „OK“-Grenze hinaus schleppen.

Es lässt sich super einfach lesen, man hat es schnell durch und es ist ideal für zwischendurch, aber die Charaktere bleiben einfach zu flach, die Beziehungen untereinander unverständlich und die Geschichte einfach nicht tief genug, um wirklich darin versinken zu können.

Allerdings hat mir der Epilog sehr viel Lust auf mögliche Fortsetzungen gemacht! Also gibt es von mir:

Tintenkleckse_3.5

3,5 von 5 Tintenkleckse!

8 Gedanken zu „Rezension: „Die Götter von Asgard“ von Liza Grimm

  1. Liebe Anna,
    erst einmal: vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, deinen Leseeindruck so ausführlich aufzuschreiben. Es freut mich sehr, dass du in meinem Buch viele positive Dinge gesehen hast 🙂
    Die konstruktive Kritik nehme ich mir auch sehr zu Herzen – im positiven Sinne! Natürlich macht es mich ein wenig traurig, dass das Buch nicht deine Erwartungen erfüllen konnte.
    Aber ich hoffe, dass ich noch viele weitere Bücher schreiben darf und in diesem Fall werde ich deine Kritikpunkte bezüglich Charakteren und „Lufthollesestellen“ definitiv beherzigen (oder es zumindest so gut es geht versuchen 🙂 ).

    Ganz liebe Grüße,
    Liza

    1. Hey Liza,

      Auch hier nochmal: Vielen Dank für deine super Reaktion zu meiner Rezension!
      Es würde mich total freuen, wenn du meine Kritikpunkte mit in den nächsten Schreibprozess nimmst!

      Und dementsprechend finde ich es super, dass ein neuer Band aus diesem Universum erscheinen wird!

      Viele liebe Grüße,
      Anna

  2. „Auch, wenn ich mir an manchen Stellen sogar mehr gewünscht hätte: Sehr zurückhaltend geschriebene Romantik, die die Charaktere nicht dumm macht und ihnen sämtliche Restintelligenz raubt.“
    hahaha… WORD! Ich bin ja froh, dass es nicht nur mir so vorkommt, als würden fast alle (aber vor allem die weiblichen) Romanfiguren jüngerer Bucherscheinungen zu hirnlosen Tollpatschen mutieren, sobald sie in jemanden verliebt sind. 😀

    Schade, dass das Buch nur Mittelmaß war, da schien ja seeehr viel Potenzail drin zu stecken!

    Sonnige Grüße und schöne Lesestunden mit deinem nächsten Buch <3
    Nana

    1. Hey Nana,

      Danke! Genauso sehe ich das nämlich! Warum können sie nicht einfach normal sein und sich trotzdem verlieben, anstatt immer irgendwem in den Schoß zu fallen?

      Potenzial war in jedem Fall da, daher war ich ein wenig enttäuscht…

      Viele liebe Grüße,
      Anna

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