Warum das Lesen vor allem für Teenager immer wichtiger wird.

Ich habe mal ein wenig nachgedacht.

Ich saß an meinem Fenster, eine laue Sommernacht, strahlend schön blauschwarzer Himmel, und ich habe mich mit meinem Buch in der Hand verdammt gut gefühlt.

Ich habe gelebt.

Und dann habe ich ein wenig weiter gedacht. Habe die Aktionen der Romanfiguren mit denen meiner Klassenkameraden verglichen und mir eine wichtige Frage gestellt: “Würden sie sich gleich verhalten, wenn sie mehr lesen würden?”

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir ein wenig ausholen.

Warum Lesen_Teenager

Ich dachte also über mich nach. Wer ich bin, wer ich sein möchte, wie sehr mich Bücher dabei unterstützt haben, das herauszufinden, beziehungsweise, was ich aus Büchern mitgenommen habe.

Ein großes Beispiel habe ich mir dabei an den weiblichen Charakteren von Sarah J. Maas genommen. Denn sie sind genau eins: Selbstbewusst.

Und das in einer ganz besonderen Weise, dass sie innerhalb der Geschichte immer mehr über sich selbst herausfinden und dies zu akzeptieren lernen. Sie lernen, wer sie sind, was ihre Rolle ist und wie sie sich selbst sehen können.

Feyre beispielsweise steht in einer Szene vor dem Spiegel und denkt Folgendes: “I am beautiful.”

Dieser Satz hat mich erst mal inne halten lassen und hat mich und meine Gedanken total durcheinander gewirbelt. Das war komplett neu für mich. Ganz ehrlich in allen Büchern, die ich vorher las, waren sich die Protagonisten ihrer Schönheit nie bewusst und wenn doch, dann haben sie es nie so explizit gesagt.

Feyre hat mich gelehrt, wie man sich selbst toll und schön finden kann, ohne die Meinung von anderen einholen zu müssen. Feyre ist bewusst, dass sie schön ist. Ihr ist aber auch bewusst, was für eine wichtige Rolle sie spielt und wie mächtig sie ist. Die Form von Selbstbewusstsein war und ist immer noch völlig neu für mich.

Celaena dagegen hat mich gelehrt, dass man alles sein kann, was man gerne sein möchte. Denn vor Celaena war es entweder so, dass die Protagonistin entweder total Badass waren und nichts Feminines an sich hatten, oder aber sie waren durch und durch feminin und mussten immer gerettet werden. Celaena hat mir gezeigt, dass sich diese scheinbaren Gegensätze auch vereinen lassen und du alles machen kannst, was du willst, und immer noch der totale Badass sein kannst.


Ich könnte noch Ewigkeiten damit fortfahren, aufzuzeigen, was ich aus welchen Büchern gelernt habe.

Denn da gäbe es unendlich viel zu schreiben. Allerdings ist das ja gar nicht Sinn dieses Beitrags, sondern, dass ich denke, dass genau dies den Leuten aus meiner Generation fehlt.

Bücher berühren nämlich viel tiefer, als Filme, Serien oder Videos im Internet es je könnte. Ja selbst Musik ist nicht so wertvoll.

Denn Bücher sind das einzige Medium, welches sich direkt ins Hirn einbrennen.

Filme und Videos wählen den Weg des Bildes, allerdings kann man dies auch konsumieren, ohne überhaupt irgendwie sein Hirn anzustrengen. Ja, auch Filme und Serien vermitteln tolle Dinge und Erkenntnisse, allerdings nicht so tiefgehend und verändernd wie Bücher.

Bei Musik ist es ähnlich. Bei den meisten dient sie nur zur Hintergrundunterhaltung, denn wir sind ja alle multitaskingfähig. Dort werden zwar wunderschöne Melodien gebaut und von unserem Hirn entwirrt (das ist nebenbei das reizvolle an Musik für unser Gehirn), aber zu einem besseren Menschen macht es uns jetzt auch nicht.

Ich habe mir speziell einen Klassenkameraden von mir vorgestellt und mich gefragt, wie er wäre, wie er handeln würde, wenn er die Bücher gelesen hätte, die mein Leben und meine Sichtweise auf das Leben veränderten.

Wie würde er handeln, wenn er Percys Heldenmut, Gideons Selbstlosigkeit, Chaols Verantwortung, Dorians Verzweiflung, Rowans Herzschmerz, Rhysands Leben gespürt und durchlitten hätte?

Klar habe ich das auch alles nicht wirklich erlebt, aber ich habe zumindest davon erfahren und erfahren, wie Menschen mit gewissen Situationen umgehen können und es tun.

Ich mache es aber eher an kleineren Sachen fest.

Die Bewegungen von Charakteren sind voller Eleganz, voller Selbstvertrauen, voller Verständnis für sich und ihren Gegenüber. Ihre Entscheidungen sind meist selbstlos und sie wollen immer das Beste für ihre Lieben. Sie haben alle ihre kleinen Eigenheiten, sie wissen sich selbst zu verkaufen und darzustellen, sie wissen, was sie können und was nicht, sie haben alle dieses besondere Etwas an sich, dass ich unfassbar gerne auch hätte.

Sie werden von anderen als eindrucksvoll wahrgenommen. Sie haben keine Angst vor Auseinandersetzungen. Sie sind risikofreudig. Sie erleben Abenteuer. Sie sind verdammt noch mal einfach nur Menschen.

Ja, die fiktiven Menschen haben mich sehr viel über die wahren Menschen gelehrt. Manchmal verwechsele ich die beiden Welten allerdings.

Ich habe aus Büchern so viel über menschliche Verhaltensweisen gelernt. So viel darüber, was dieses und jenes Verhalten meinen kann, wie man sprachliche Spitzen anwendet, wann man es zu weit getrieben hat und wie man fast total in den Kopf seiner Mitmenschen hineinsehen kann.

Empathie nennt man das wohl.

Es gibt diverse Studien, die beweisen wollen, dass Bücherwürmer eine höhere Empathie haben, einfach, weil sie aus Büchern mehr über das menschliche Verhalten lernen können.

Und das kann ich so zu 100 Prozent unterschreiben. Wirklich, ich wäre nicht diejenige, die ich heute bin, ohne Bücher. (Ja, ist kitschig, aber stimmt!)


Es gibt auch Menschen, die ich überhaupt nicht verstehen kann. Menschen, für die die Liebe und Sex nichts weiter sind als eine weitere Ablenkung im Leben, obwohl es ja eigentlich das Schönste auf der Welt sein sollte. Menschen, die sich nicht um ihr Leben scheren oder um das ihrer Mitmenschen. Menschen, die nicht zu sehen scheinen, wie ihr Lebensweg und ihre Lebensweise sie in den Abgrund reißt.

Und ich glaube, dass dies verhindert werden könnte. Ich glaube, dass Bücher lesen das Leben von jedem Einzelnen verbessert.

Ich denke, dass diese Menschen bessere Lebenswege einschlagen würden, wenn sie sich selbst besser reflektieren könnten und sehen können, wie sie auf andere wirken.


Aus Büchern ist bei mir Folgendes entstanden:

Ich will badass sein. Ich will schlau und wahnsinnig intelligent sein. Ich will aber auch ein wenig geheimnisvoll herüberkommen und die Menschen durchschauen können. Ich will elegant und wunderschön sein. Ich will einen Unterschied in der Welt machen und mein Leben soll einen Sinn haben. Ich will gute Freunde haben, die mich weiterbringen. Ich will mich selbst verstehen und mit meinem Leben einen Unterschied in der Welt machen. Ich will ich sein. Ich will etwas Außergewöhnliches sein. Etwas, dass man sich merkt und das Spuren in deinem Selbst hinterlässt.

Das würde ich aber alles nicht wollen, wenn ich niemals Bücher von Cassandra Clare, Kai Meyer, Marissa Meyer, Samantha Shannon, Rick Riordan und vor allem Sarah J. Maas gelesen hätte.

Und ich habe das Gefühl, dass es vielen Teenagern einen Sinn geben könnte, sich von literarischen Werken beeinflussen zu lassen. Sie würden ein Stück weiter zu sich selbst finden. Sie würden ihr Selbst erweitern.

Ich denke, dass nur jemand, der liest oder etwas Ähnliches in sich aufnimmt, ein sehr guter Mensch werden kann, der ein erfülltes Leben führt.


Deswegen sollten Teenager sich einen Ruck geben und sich in Zeiten von Social Media, Facebook, Twitter, Snapchat, YouTube, Netflix und Amazon Prime ein wenig um sich selbst kümmern.

Sich selbst erweitern. Mal ein bisschen an sich selbst arbeiten.

Das erfordert natürlich ein bisschen Arbeit. Arbeit, die sich 100 prozentig auszahlt.

Ich höre bei meinen Klassenkameraden immer wieder: “Ja, aber ich habe doch keine Zeit dazu.” Bullshit! Du hast für alles Zeit, wenn du dir die Zeit dafür nimmst. Es geht noch nicht mal darum, viel zu lesen. Es geht noch nicht mal darum, was du liest. Aber lies!

Und dann höre ich auch immer: “Ja, das ist mir alles viel zu langweilig.”

Dann hast du entweder die falschen Bücher gelesen, gehst mit der falschen Einstellung daran, oder bist geistig nicht ganz auf der Höhe.

Das Ereignis und Erlebnis des Lesens würde sich für jeden lohnen, der auch nur ein bisschen seinen Kopf anstrengen kann und sich mit den Themen aus den Büchern auseinandersetzt.

Aber wer seinen Kopf nicht anstrengen will, dem kann auch nicht geholfen werden.

No Comments

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*