„Zusammen sind wir unendlich“ von Melissa Keil | Rezension

Dieses Buch habe ich tatsächlich zuerst im Englischen gesehen! Unter dem Titel „The Secret Science of Magic“ war ich total geooked, weil es um Magie und Tricks und Wissenschaft gehen sollte und zwei Jugendliche, die sozial ein wenig hinterherhängen und sich irgendwie toll finden, aber auch nicht so genau wissen, wie sie damit umgehen sollen. Es sollte toll werden! War es dann aber leider…nicht so ganz. Lest hier meine Rezension!


Bibliographische Daten

  • Autorin: Melissa Keil
  • Genre: Jugendbuch, Contemporary, Romance
  • Verlag: Carlsen
  • Übersetzerin: Yvonne Hergane
  • Seitenzahl: 318 S.
  • ISBN: 978-3-551-58391-8

Kurzbeschreibung

Sophia ist ein Mathegenie voller Selbstzweifel – schließlich landen genug Wunderkinder unter der Brücke! Und ein Smalltalk-Gen hat sie auch nicht abbekommen. Nun zieht auch noch ihre Freundin Elsie, die einzige Person, die sie versteht, zum Studium in die USA: ewige Einsamkeit vorprogrammiert. Wäre da nicht Josh, der Hobby-Magier, der schon lange in Sophia verliebt ist. In einem Anfall von Mut steckt er eine Spielkarte n ihr Federmäppchen. Die Herz Zwei. Für Josh eine eindeutige Liebeserklärung, für Sophia ein Rätsel. Er muss also deutlicher werden: zum Beispiel mit einem Feueralarm…


Vielen Dank an den Carlsen-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

POSITIV

  • Eine tolle Darstellung von hochbegabten Teenagern

In der Schule hatte ich vor allem in den ersten Stufen auf dem Gymnasium immer damit zu tun, dass ich mit den anderen Kindern nicht wirklich etwas anfangen konnte, sich aber relativ schnell heraus stellte, dass ich halt wirklich gut war, in dem was ich tat. Ich habe es geliebt, schlau zu sein, die Reaktionen der anderen hätte man sich gründlich sparen können. Daher fand ich es super, wie die soziale Isolation, die halb selbst gewählt und halb aufgezwungen ist und die sich sehr tief in dein Gehirn frisst. Die grundsätzliche Idee, dass man Menschen nicht versteht, aber trotzdem irgendwie dazu gehören will – in welcher Form auch immer -, ist sehr groß in diesem Buch und wirklich toll umgesetzt!

  • Die Probleme sind tatsächlich nachvollziehbar!

Die Probleme, die die beiden Protagonisten haben: Keine Freunde, keinen sozialen Anschluss, Ignoriert werden von jemandem, den man sehr toll findet, nicht verstehen, wie andere Menschen ticken und riesige Angst vor der Zukunft. Das sind Dinge, die ich auch alle exakt so erlebt habe, die ich gehasst und geliebt habe und vor allem, dass sich die Protagonisten nicht immer nur wie Engel verhalten, sondern auch mal wie krasse Arschlöcher, die dann aber ihre Fehler einsehen können (mit etwas Arbeit) und diese auch verbessern wollen und können! Das fand ich super und endlich mal etwas realistischer!

  • Auch verzweifelte Liebe ist gut dargestellt!

Der männliche Protagonist ist in diesem Buch schon seit längerer Zeit verzweifelt verliebt. Und dieses Gefühl kenne ich sehr sehr schmerzlich auch aus der Schulzeit. Ich war mehrmals sehr lange in Personen verliebt, die sich niemals für mich interessiert haben und auch nie verstanden haben, dass ich auf sie stand. Es war also schön zu sehen, wie das in diesem Buch umgesetzt wurde, auch wenn es am Ende noch einen kleinen Twist dazu gab. Diese Darstellung und die Schwierigkeiten, sich dieser Person zu nähern, wenn die eigenen Gefühle schon so lange da sind, konnte ich sehr gut nachvollziehen!

  • Eine schöne Freundschaft zwischen zwei Mädchen!

Ich sehe immer und immer wieder Freundschaften in Büchern, die ich einfach nicht als Freundschaften bezeichnen will. Entweder weil ich finde, dass es gar keine Freundschaft ist, sondern höchstens eine Zweckgemeinschaft, die man für den sozialen Status aufrecht erhält, oder dass die Freundschaft viel zu perfekt ist, um wirklich in einem Schulumfeld so existieren zu können. Daher fand ich diese Freundschaft, die darauf basiert, dass beide sich für den jeweils anderen in irgendeiner Art und Weise aufopfern und sich unterstützen, so wie sie es nach ihren individuellen Voraussetzungen können, wirklich sehr schön. Gerade auch, weil es Streits gab und diese nicht einfach so gelöst werden konnten, sondern Arbeit erforderten!

NEGATIV

  • Es wiederholte sich für mich zu viel

Wenn es etwas gibt, was mich absolut aufregt – gerade in Büchern – ist es ständige Wiederholung, die sich nicht umgehen lässt. Gerade in Büchern ist mir meine Zeit einfach zu schade. Und genau deswegen kann ich es nicht leiden, wenn mir jemand immer und immer wieder denselben Streit um die Ohren hauen muss, wenn mir immer wieder erklärt werden muss, wer was und etwas anderes nicht kann oder doch kann. Ich finde es unfassbar bescheuert, dass dieses Buch denselben Konflikt immer wiederholt und dabei am Ende – zumindest für mich – zu keiner vernünftigen Lösung kommt.

  • Probleme am Ende zu kurz gelöst

Die Probleme, die es in diesem Buch gibt – großteils zwischen den Charakteren – werden am Ende restlos geklärt. Nicht nur finde ich das absolut unrealistisch und doof, ich finde es auch doof, gerade, wenn die beiden Protagonisten immer wieder beweisen, dass sie sich selbst am liebsten in komische Konflikte rein manövrieren, ohne überhaupt zu wissen, was sie wollen. Ich fand die Konflikte unbefriedigend gelöst und zusätzlich war mir das Ende doch zu früh abgeschnitten. Seltsame Kombination, aber dieses Buch hat das tatsächlich geschafft.

  • Zwar Magie integriert, aber nicht genug

Es sollte in diesem Buch großteils um Magie gehen. Sei das die „richtige“ Magie, die der Protagonist immer wieder performt oder sei es die Magie, die tolle menschliche Interaktionen hervor rufen kann. Leider gab es mir von beidem zu wenig. Die Konversationen schienen mir zu gewollt, es gab nur zwei oder drei richtige Magie-Tricks, die entweder unbeeindruckend waren oder viel zu abgedreht, um wirklich funktionieren zu können. Daher habe ich mich wirklich gefragt, was denn dann der Appeal an dieser Story sein soll, denn die Magie scheint es ja doch nicht gewesen zu sein. Viel mehr ist in der Story aber auch nicht zu finden.

  • Es war einfach langweilig?

Einer der größten Fehler eines Buches ist meiner Meinung nach, dass es einfach langweilig ist. Dieses Buch begeht genau diesen Fehler. Es plätschert so vor sich hin und versucht, sich durch genau zwei soziale Kontakte am Leben zu erhalten und durch sehr sehr komische soziale Interaktionen, die gestellt scheinen und nur durch Unfähigkeit Konflikte verursachen. Es würde auch hier sehr viel helfen, wenn die Charaktere einfach mal miteinander reden würden. Allerdings fand ich die Geschichte an sich auch nicht mitreißend und konnte nicht wirklich einen Spannungsbogen finden, der mich überzeugt hätte. Schade. Wirklich schade für eine Geschichte mit großem Potential.


Fazit

Ich hatte vielleicht einfach zu hohe Erwartungen an dieses Buch. Aber ich wollte irgendwie nicht richtig in die Geschichte eintauchen. Ich fand die beiden Protagonisten überdramatisierend, konnte sie nicht richtig nachvollziehen und sie waren teilweise auch noch unfassbar gemein. Die Liebesgeschichte war mir zu kurz und einfach nur hingeklatscht und mir wurden die Probleme am Ende zu kurz gelöst.

Trotzdem mochte ich den Aspekt, dass Introvertiertheit das Leben schon sehr viel schwerer machen kann, manche Menschen sich in sozialen Situationen einfach nicht zurecht finden können und das jemand auch nachdem er einer Person sehr lange nachhechelte, verstehen kann, dass man vielleicht nicht unbedingt zusammen kommen muss. An sich kann ich das Buch noch empfehlen, da es sich auch schnell weglesen lässt, aber aus den Socken gehauen hat es mich definitiv nicht.

3 von 5 Tintenkleckse

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