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Nazis auf der FBM, das Paradoxon der Intoleranz und die Reaktionen darauf

Dies ist ein Bericht über die Frankfurter Buchmesse 2017.

Und auch wieder nicht.

Denn eigentlich wollte ich darüber berichten, wie nah dem Paradies diese paar Tage im Jahr mir mal wieder vorkamen.

Allerdings wurde unser Paradies aus Büchern, tollen Menschen und Aufregung gestört. Von Nazis. Von Ausschreitungen gegen Messebesucher, von der generellen Ungläubigkeit über die Vorkommnisse.

 

Ein Kommentar zu den Ausschreitungen, den Reaktionen und warum wir uns geschlossen dagegen stellen müssen.

Doch was genau ist eigentlich passiert?

Ich habe immer noch keinen genauen Überblick darüber und Mareike von Bücherkrähe hat das sowieso viel besser zusammengefasst, als ich es jemals könnte, daher hier ihre Version:

 Am Freitag änderte sich das, als ich bereits erste Berichte hörte, dass Gegendemonstranten teils körperlich angegriffen wurden, der verbale Schlagabtausch also physische Ausmaße annahm. Samstag passierte dann das, was die Bloggerblase auf Twitter zum Brodeln brachte, zumindest meine, und zunächst diejenigen, die zuhause geblieben waren (dazu gleich mehr). Während der Buchpräsentation Mit Linken leben gab es bereits Gegenproteste, als Björn Höcke die Bühne betrat, wurden diese lauter. Schließlich wurden einige dieser Gegendemonstranten von Götz Kubitschek tätlich angegriffen. (Anm: Ich fasse zusammen, was ich aus Berichten auf Twitter ersehen konnte). Von verletzen Demonstranten wurden Personalien von der Polizei aufgenommen und Platzverweise an sie verteilt, die rechten Täter konnten ungehindert gehen. Danach wurde die rechte Lesung von einer Polizeikette abgesperrt, die allerdings nicht die Veranstaltung des Antaios Verlages im Auge behielt, von der aus wohl massive Provokationen ausgingen, „Alle hassen die Antifa“ skandiert und der Hitler Gruß gezeigt wurde, sondern die Gegendemonstranten.

All das fühlte sich für mich mehr als surreal an.

Auch, wenn das für Außenstehende komisch wirken mag, wenn man nicht direkt neben solchen Vorfällen steht, bekommt man davon auf der Buchmesse mit einer riesigen Geräuschkulisse, mehreren Hallen und mehreren tausend Menschen nicht viel mit.

Am Freitag kam es mir noch gut vor, dass die rechten Verlage in Halle 4 heftigen Gegenprotest erhielten – auch in Form von lauter, linker Punkmusik. Diese störte uns zuerst beim Blogger Future Place, als uns aber erklärt wurde, dass es sich um Gegendemonstrationen handelt, waren wir sogar eher dafür, dass die Musik anbleibt.

Was für mich besonders skurril war: Genau zu dem Zeitpunkt, als wir im Eingang von Halle 4 unser privates Buchbloggertreffen organisierten und abhielten, sind diese Dinge passiert. Quasi direkt da, während wir uns, das Lesen, das Bloggen und auch unsere tolle Zeit zelebriert haben.

Diese krassen Gegensätze fielen uns erst später auf, als wir mit dem Zug nach Hause fuhren. Wir hörten laute „Alle hassen Antifa“-Rufe über Twitter, lasen Berichterstattungen und Kommentare, und konnten es einfach nicht fassen.

Quasi nichts anderes war an diesem Abend noch Thema. Was hätte man anders machen sollen und können? Ist die Polizei immer noch auf dem rechten Auge blind? Und was können wir dagegen machen?

Der Sonntag versank in einer generellen Erschöpfung und Benommenheit, die einerseits von den Diskussionen herrührte, andererseits davon, dass die Messe uns allen in den Gliedern steckte. Zum Glück gab es keine weitere Vorfälle, aber das hielt uns trotzdem nicht vom Diskutieren ab.

Den passendsten Kommentar gab wohl Benjamin Spang, Selfpublisher, kurz vor Ende der Messe ab: „Jetzt kann man nirgendwo mehr seine Ruhe vor diesen Idioten haben.“

Und damit hat er die Situation und mein Gefühl perfekt zusammengefasst: Egal, wie Wahlergebnisse aussahen, welcher Mist schon wieder durch die Medien wanderte oder die Hobby-Nazis zu Hause abließen: In meiner Buchbloggerbubble war ich sicher. Ich fühlte mich immer noch so, als wäre nicht jeder Teil unserer Gesellschaft durchdrungen von diesem rechten Rotz, der sich immer weiter vorarbeitet in unser aller Leben.

Ich habe nie die Notwendigkeit gesehen, meinen Blog politisch zu positionieren, einfach aus dem Grund, dass es keinen ausschlaggebenden Punkt dazu gab. Nun ist es so weit.

Damit jetzt ganz und klar und in aller Deutlichkeit: Menschenfeindlichkeit, Homophobie und Rassismus sind keine Meinungen. Diese Auffassungen stehen in jeder Weise im Gegensatz zu unserer Demokratie, zu unserem freien Leben. Diese Meinungen müssen wir nicht tolerieren.

Wir müssen diesen Arschlöchern in keiner Weise anbieten zu diskutieren. Das wollen die nämlich gar nicht. Sie wollen ihre eigene „Meinung“ durchsetzen, nichts anderes.

Das Paradoxon der Toleranz von Karl Friedrich Popper muss ich wohl niemandem erklären, aber kurz gesagt ist es die Feststellung, dass unendliche Toleranz schließlich zur Vernichtung der Toleranz führt, da die Intoleranten sie auslöschen werden.

Daher muss man eine Grenze der Toleranz ziehen. Und diese lautet für mich eindeutig: Wenn jemand einen Menschen unter einen anderen stellt, sei es aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht, Sexualität oder Religion, hört die Toleranz auf.


Die Reaktion der Buchmesse und der Blogger

Die Buchmesse veröffentlichte relativ schnell eine Pressemitteilung, in der stand, dass sie Gewalt in jeglicher Form verurteilen, dass es Ausschreitungen zwischen linken und rechten Gruppierungen gab und dass die Buchmesse als Ort der Vielfältigkeit funktioniert.

Dieses Statement hatte schnell etwas von „Auf beiden Seiten ist die Schuld zu suchen“, was ein absolut falsches Signal sendet.

Auch die Buchmesse, als größte Buchmesse der Welt, hat eine politische Wirkung und Relevanz, wenn sie sich dazu entscheidet, ihre Stimme nicht zu nutzen, nutzt sie die Stimme für die Falschen.

Würde sich die Buchmesse ganz direkt gegen solche Verlage und Veranstaltungen aussprechen und einen Fehler zugeben, wäre das ein starkes Signal gewesen, was weit über die übliche Berichterstattung hinaus gehen würde. Die gesamte Buchbranche würde sich gleichzeitig positionieren.

Und das Gegenargument, dass die Rechten ja dann wieder argumentieren, dass alle gegen sie sind, ist absoluter Schwachsinn. Sie sollen ruhig merken, dass die Gegenwind bekommen. Dass sie eben nicht alles machen können, dass sie nicht ungestraft mit solchen Ausschreitungen durchkommen. Ansonsten werden sie die Grenzen nur noch weiter austesten.

Daher mein Appell an die Frankfurter Buchmesse: Wenn ihr euch selbst als Ort der Vielfalt der Meinungen versteht, dann schließt jene aus, die diese Meinungen reduzieren wollen und die Vielfalt bedrohen.

Alleine eurem Mitbegründer Marcel Reich-Ranicki, einem Holocaust-Überlebenden, seid ihr es schuldig, euch im Namen der gesamten Buchbranche, die sic doch durchgehend als humanistisch und progressiv präsentiert sehen will, dafür zu entscheiden, solche Ausschreitungen scharf zu kritisieren und die Verlage nächstes Jahr wenigstens stärker zu prüfen. Jetzt wisst ihr, welche Gefahr für eure Messe bei diesen Verlagen herrscht.


Die Reaktion der Buchblogger

Ich habe mich sehr gefreut, als ich gesehen habe, dass viele Daheimgebliebene und sogar Leute auf der Messe sich direkt zu den Vorfällen geäußert haben.

Viele haben es scharf kritisiert, es verurteilt und auch das Statement der Buchmesse auseinander gepflückt.

Aber auch hier gab es viele, die sich nicht äußerten. Ich gehöre bis heute dazu. Ich retweetete zwar viele Meinungen, die meine repräsentierten, aber ich habe selbst nichts verfasst. Bis heute.

Und ich weiß, dass viele Blogger sich wieder nicht äußern werden, dass sie schweigen werden, sich nicht positionieren, sondern lieber schweigen, als eine Meinung zu äußern.

Aber dieses Mal geht es uns alle an, Leute. Wenn schon nicht die Frankfurter Buchmesse sich gegen Nazis stellen will, dann müssen wenigstens wir das tun. Nutzt eure Reichweite, sprecht darüber, wie ihr euch auf der Buchmesse gefühlt habt, wie ihr das alles findet. Sucht den Dialog mit anderen, äußert euch. Es ist das Mindeste, was wir tun können.


Allerdings gab es auch einige, die sich beschwerten, dass wir uns nicht direkt äußerten, wir nicht direkt ganze Threads auf Twitter starteten.

An diese Personen und alle anderen gerichtet, gilt: Als Daheimgebliebener kann man schnell vergessen, wie so eine Messe funktioniert und wie die Gehirne derer arbeiten, die gerade dort sind. Man nimmt auf und twittert vielleicht Gespräche oder den ganze Stress, den man hat, aber man kommt nicht dazu, sich damit auseinander zu setzen und eine Meinung zu bilden. Es funktioniert einfach nicht.

Die Messe ist der eine Ort, an dem mal mehr im Real Life diskutiert wird, als auf Twitter. Also warum sollten wir dies nicht nutzen?

Und von zu Hause kann man sich sehr viel schneller differenzierte Gedanken machen, als in einer überfüllten und warmen Messehalle.

Dementsprechend: Wild um sich zu schlagen, nur weil man wütend auf die Situation ist, bringt nichts. Andere dafür verantwortlich zu machen, noch weniger. Vor allem, wenn sie wenig bis gar keine Zeit dazu hatten, sich überhaupt zu äußern.


Meine Gedanken dazu

Meine Meinunng ist ziemlich simpel: Ich will nie wieder mit einem so miesen Nachgeschmack von einer Messe kommen. Dem Gefühl, dass alle meiner Freunde und meine Familie mich danach fragen, was wieder mit diesen Rechten und den Nazis los war, ob ich es mitbekommen habe und ob ich betroffen war. Der Sorge, die damit verbunden ist.

Ich will nach Hause kommen und von dem Glanz in den Augen von Autoren, Bloggern und Lesern berichten, wenn sie über Bücher sprechen, ich will von tolle  Kaffees mit tollen Menschen erzählen, verliehenen Preisen, geführten Interviews, spannenden Vorträgen und absolut erschöpften Stunden am Rand der Messe. Ich will von den tollen neuen Büchern erzählen und nicht von den Vorfällen berichten müssen, weil eben das das ist, was man außerhalb davon mitkriegt. Nazis, die auch unsere Branche mit ihren Aktionen und „Gedanken“ kaputt machen.

Dies ist nicht meine Messe. Ich will nie wieder, dass meine Freunde mit dunkler Hautfarbe oder die nicht cis-hetero sind, sich bedroht fühlen müssen, weil sie Bücher kaufen wollen, Bücher signieren lassen wollen und sich über die Großartigkeit von Büchern unterhalten wollen.


Deshalb bleibt für mich nur noch eins zu sagen: Stellt euch dagegen. Boykottiert die Messe nicht, denn diesen Arschlöchern können wir nicht das Feld überlassen.

Äußert euch, steht für unsere Branche und unsere Community ein!

Seid nicht schockstarr, aber auch nicht sauer aufeinander! Nur gemeinsam können wir hier vielleicht etwas erreichen!

23 Gedanken zu „Nazis auf der FBM, das Paradoxon der Intoleranz und die Reaktionen darauf

  1. Danke für diesen differenzierten klugen Post! Auch ich war erschreckt und unwohl fühlend, als ichdas las – war nicht vor Ort. Waren Bücher nicht mal ein ruhiger Rückzugsort von all dem Irrsinn?

    (Meine Seite http://www.franzi-liest.de kann ich bei dir nicht als Webseite eintragen- da sagt ein Pop-up: Bitte geben sie eine Internetseite ein. Bug?)

  2. Hey 🙂

    >> Die Messe ist der eine Ort, an dem mal mehr im Real Life diskutiert wird, als auf Twitter. <<

    Den Satz kann ich so nur unterschreiben, denn in der Zeit habe ich nur eine Handvoll Tweets abgesetzt … Kunststück, wenn es so viel zu reden, sehen und entdecken gab. Ich habe eigentlich erst am Sonntag Abend das erste Mal davon erfahren, was da am Wochenende passiert ist, als ich heimgekommen bin. Und bin ehrlich gestanden immer noch erschüttert, auch wenn mittlerweile einige Tage ins Land gezogen sind.

    Wobei ich mich schon frage, was sich die Verantwortlichen der Messe dabei gedacht haben, Rechte und Linke so nah beieinander zu positionieren. So blauäugig kann man doch gar nicht sein, zu denken, dass das alles friedlich ablaufen wird? Der andere Gedanke war natürlich, ob das Absicht war, um eine riesigen medialen Rummel auszulösen … Wenn das ihr Ziel war, ist ihnen das jedenfalls gelungen, aber dann war dieser Messebesuch sicher für lange Zeit auch mein letzter.

    Liebe Grüße
    Ascari

  3. Was ICH mehr als bedenklich finde: JEDER meint, diese Schande kommentieren zu müssen, ohne es direkt erlebt zu haben. Da wird sich auf dubiose Twitter-Meldungen berufen, die keiner nachprüft.. Hauptsache es wird laut genug geschimpft…
    und damit eine wundervolle Messe auf wenige Störenfriede reduziert.
    Wieso gebt ihr den Rechten damit auch noch so eine riesen Bühne?? Ich verstehe es nicht, wirklich…
    Geht nicht gegen Dich, das lese ich leider jetzt überall. Jeder meint, die Twitter-Meldungen als wahre Geschichten verbreiten zu müssen, auch die, die gar nicht auf der Messe waren… schon bedenklich, oder?
    für mich war die Buchmesse wieder wundervoll, ruhig, ausgeglichen und voller lieber, buchverrückter Menschen. Möchte mir diesen Eindruck nicht durch Hasskommentare und Fake-News kaputt machen lasse. (viele der Twitter-Meldungen sind bereits als Fake entlarvt worden!)

  4. Hi. Erst einmal super Beitrag.
    Dennoch finde ich, dass ein Boykott viel mehr Sinn macht. Geld tut einfach viel mehr weh, als einige junge Menschen die dagegen protestieren. Die kann man zur Not rausschmeißen und dann hat man nichts erreicht. Wenn ihnen aber ein Haufen an Geld verloren geht merken sie, dass sie etwas ändern müssen, um die Besucherzahlen und Einnahmen wieder in den Begriff zu kriegen. Es ist nunmal leider einfach so, dass Geld unsere Welt regiert.

    Lg Patricia

  5. Hey Anna,

    Ich hatte bei Mareike schon kommentiert und geschrieben, dass ich bei dem Thema ein wenig zwiegespalten bin, wie denn nun die richtige Reaktion auf die ganzen Ereignisse ist. Manchmal denke ich mir nämlcih auch, wir schenken dem ganzen einfach viel zu viel Aufmerksamkeit und machen es dadurch noch größer.
    Ich werde zu den Bloggern gehören, die sich auf ihren Blog nicht zu den Ereignissen äußern werde, schlicht aus dem Grund, weil ich nicht dabei war. Ich weiß nicht, was von wem zuerst ausging und kenne nur Berichte dazu, die teilweise recht unterschiedlich sind. Cafehaussitzer hatte noch ein tolles Video von jemand anderem gepostet, wo es halt auch darum ging, was denn gewesen wäre, wären die Linken nicht aufgetaucht und hätten rumgebrüllt und wenn man diesen Verlagen und den entsprechenden Veranstaltungen einfach keine Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Dann wären das viel weniger Menschen gewesen, sie hätten gesehen, dass die Resonanz auf ihre Veranstaltung nicht wirklich groß ist und man hätte gar nicht erst darüber berichten müssen, aber so ist jetzt der Titel des Buches in den Medien, man weiß das der Höcke da war und jetzt wird es sicher auch wieder einige geben, die sich sagen: Hey, so schlimm sind die doch gar nicht, ist eigentlich genau meine Meinung.
    Ich finde die Entwicklung in Europa mit dem Rechtsruck schrecklich und würde mir auf jeden Fall wünschen, dass wir dieses Phänomen wieder zurückdrängen können, aber ich weiß nicht, ob da das andauernde ausrufen: Rechts ist scheiße und du musst gegen Rechts sein das Richtige ist. Ich animiere gerne Leute dazu, wählen zu gehen und ihre Stimme zu nutzen oder dass sie sich mit der Geschichte unserer Rechte und dem schweren Weg dahin auseinandersetzen, aber es ist wirklich ein schwieriges Thema und den einen richtigen Weg gibt es wahrscheinlich nicht.

    LG, Moni

  6. Das Problem ist nicht das Gedankengut. Das Problem ist der Extremismus und jene Leute, die das Gedankengut dafür missbrauchen, eben diesen Extremismus auszuführen.

    Nur weil Menschen eine andere Einstellung haben, als die Majorität, sollte man nicht deren Recht außer Kraft setzen. Das wäre nicht demokratisch. Und ja, auch wenn Rassismus keine sonderlich vernünftige Einstellung ist, so ist es doch eine Einstellung und somit auch Gedankengut, dass das Grundgesetz schützt. Solange darauf kein Extremismus folgt, ist alles gut.

    Außerdem liegt auch eine Teilschuld bei der FBM selber. Wer kam auch die glorreiche Idee, einen relativ rechten und relativ linken Verlag direkt gegenüber zu positionieren? Da sind Spannungen schon vorprogrammiert, vor alle weil wir alle wissen, wie schnell auch die Linken ausholen können.

    Was mich auch wunderte, war, woran man besagte Menschen als Nazis ausmachte? Weil sie den „Hitler-Gruß“ performten? Nur weil man eine Geste macht, heißt das noch lange nicht, dass besagte Menschen auch wirklich wissen was dahinter steckt. Ich denke kaum, dass jeder von denen Antisemit, Rassist, Antikommunist und Antidemokrat ist.

    1. Ja, bleibt nur hübsch unpolitisch, während andere für euch kämpfen.

      Das hier habe ich auch bei Bookcrow kommentiert. Gilt hier genauso:

      Ich bin ja ein ganz großer Fan von dem Ansatz „Mit großer Reichweite kommt große Verantwortung“. Die Buchblogwelt wie insgesamt die Literaturszene ist ja eher rosaflauschig unpolitisch. Deshalb fallen gerade auch so viele aus den Wolken und man liest Beiträge wie „Das ist nicht meine Buchmesse! Nazis? Was? Wie? Wiesooooo??“

      Zeit, die Flauschzone zu verlassen. Die Nazis sind da, sie waren immer da und werden auch immer da sein. Damit sie aber nicht noch weiter an Einfluss gewinnen – und glaube mir, liebe Annemarie, auch du willst das nicht – müssen wir ihnen alle uns verfügbaren Mittel entgegensetzen.

      Toleranz? Pfeif drauf, wenn sie auf Intoleranz trifft. Warum das so ist, kann dir Karl Popper gut erklären:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

      Meinungsfreiheit? Genau das ist es, was Linke tun und wofür sie von Rechts eines auf die Fresse bekommen – so geschehen übrigens zuletzt auf der Frankfurter Buchmesse. Wenn ich mir hier die Beiträge so durchlese, dann rate ich so einigen dringend, sich mal mit der rechten Szene auseinander zu setzen. So aus der Komfortzone, wenn man sich noch nicht mit Nazis angelegt hat (durch freie Meinungsäußerung übrigens), ist das sehr bequem.

      Im Nachgang der Buchmesse sieht man das übrigens ganz nett. Da werden die DemonstrantInnen des Börsenvereins öffentlich verunglimpft. Fotomontagen machen in den rechten Netzwerken die Runde. Fotos von Personen, die an den linken Ständen waren und mit den verschiedenen Stiftungen geredet haben, werden ebenfalls herumgereicht mit der Frage „Kennt jemand diese Personen?“ Ich überlasse es eurer Phantasie, warum Nazis die Namen dieser Menschen herausfinden wollen.

      Bei den Rechten brennen Menschen, bei den Linken Autos, gilt immer noch. Rechte Ideologien sind menschenverachtend, während linke Ideologien sich gegen das System ansich richten. Also beschäftigt euch verdammt nochmal mit dem Thema, bevor ihr hier Linksextremismus und Rechtsextremismus in einen Topf werft!

      Wenn wir die Nazis gewähren lassen, mit ihnen reden, dann geben wir ihnen Bedeutung. Sie müssen aber kapieren, dass sie völlig bedeutungslos sind. Kleine, intolerante, narzißtische Würstchen, die Freiheit, Meinung und Toleranz abschaffen wollen – außer für sich selbst.

      Es wird Zeit, dass die Buchszene mal aus ihrer Flauschzone kommt. Sonst gibt es die nämlich bald nicht mehr.

      Gruß
      Suse

    2. Das ist ein Widerspruch an sich. Das Grundgesetz sagt, dass alle Menschen gleich sind, es kann also keine Einstellung vertreten, die besagt, andere wären weniger Wert. Das macht aber Rassismus. Mal davon abgesehen, dass Meinung und öffentliche Diskriminierung immer noch zwei paar Stiefel sind. Ich kann nicht verhindern, was jemand denkt, ich kann ihn maximal mit Argumenten versuchen zur Einsicht zu bringen. Aber, das Gesetz, die Messer, jeder einzelne darf verhindern, dass öffentlich Rassismus gepredigt wird. Das ist bereits Extremismus. Es ist ein Angriff auf einen Großteil unserer Bevölkerung, verbal, psychisch, und eben oft auch physisch. Es ist ein öffentliches Mobbing.
      Zweitens: du sagst, nicht jeder, der „mitgemacht“ hat, ist zwangsläufig ein Nazi. Mal davon abgesehen, dass in Deutschland jemand, der nicht weiß, was dieses Handzeichen bedeutet, nicht nur im Geschichtsunterricht geschlafen hat, sind Mitläufer Mittäter. Das wissen wir nicht nur aus unserer eigenen Geschichte, sondern auch rechtlich. Wer zuschaut, wie jemand verprügelt wird und nicht eintritt kann strafrechtlich verfolgt werden. Wer bei einem Autounfall weiterfährt, macht sich der unterlassenen Hilfeleistung strafbar. Weil wegschauchen/ einfach mitmachen eben auch Schuld ist.

      Danke nochmal an Anna für ihren klugen, guten, wichtigen Artikel zum Thema!

      LG
      Eva

    3. Annemarie in deinem Kommentar wirfst du mit Unwissenheit um dich.

      Rassismus als eine „Einstellung“ zu bezeichnen ist schlichtweg falsch. In Deutschland gibt es das Antidiskriminirungsgesetz, sagt dir das was? Rassismus wird nicht vom deutschen Recht unterstützt, sonder soll mit Hilfe des Gesetzes unterbunden werden!

      Übrigens ist der Hitlergruß in Deutschland verboten und kann strafrechtlich verfolgt werden. Solltest du Freunde oder Bekannte haben, die ihn aus „Unwissenheit“ verwenden, dann kläre sie mal auf!

      Ja! Menschen werden als (Neo-)Nazis bezeichnet, wenn sie den Hitlergruß verwenden. Es reicht auch sich zustimmend zu rechtsextremem Gedankengut bzw. rechtsextremen Rednern bekennen.

      Melli

    4. Im Prinzip sagst du: „Nur weil man den Hitlergruß macht, ist man nicht automatisch ein Nazi.“
      Äh, merkste selber oder?
      Wir alle hatten Geschichte in der Schule und jeder weiß wer Hitler war und was der Hitlergruß bedeutet und wie der geht. Wir sind alle aufgeklärt. Das bedeutet, wir sind u s alle im Klaren über die Bedeutung. Die Ausrede: „ICH bin unschuldig, weil ich nicht wusste was der Hitlergruß bedeutet“, ist das Dümmste überhaupt. So ein Quatsch.

  7. Hey,

    also ich habe die Ausschreitungen eigentlich nur über die Pressemitteilung mitbekommen. Da hieß es, dass man in der Nacht von Freitag auf Samstag den kompletten Stand der rechten Verlage ausgeräumt hat, was ich auch nicht in Ordnung finde (auch wenn ich solch ein Gedankengut auf keinen Fall gut heiße). Die handgreiflichen Ausschreitungen sind natürlich auch nicht hinehmbar und auch das die FBM dafür als Plattform genutzt wird. Ich finde das aber von beiden Seiten nicht in Ordnung. Das solche Verlage auf der Buchmesse sind, sehe ich allerdings als neutral an. Es ist in einer gewissen Form ihr gutes Recht. Wenn dem nicht so ist, dann kann ich im gleichen Atemzug christliche Verlage nennen, deren Meinung zu Themen wie Ehe und Familie ich auch nicht teile und als diskirminierend empfinde. Darüber sollte mna vielleicht mal nachdenken ohne Rechte damit in Schutz nehmen zu wollen.

    Liebe Grüße,
    Jenny

    1. Hey Jenny,

      Natürlich ist es ihr gutes Recht, auf der Buchmesse zu sein. Aber wenn solche Ausschreitungen passieren, dann verlieren sie meiner Meinung nach dieses Recht. Sie sind ja dann selbst dafür verantwortlich und wenn man sich beim nächsten Mal vor genau so etwas schützen will, hat man dazu meiner Meinung nach volles Recht.

      Und klar gibt es auf der Buchmesse Verlage, deren Meinung ich nicht teile, aber die greifen auch nicht andere Menschen an, beziehungsweise nehmen diesen Menschen ihre Rechte zu leben.

      Viele Grüße,
      Anna

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