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Rezension: „17 Erkenntnisse über Leander Blum“ von Irmgard Kramer

Dies wird eine eher ungewöhnliche Rezension für mich. Denn ich kann euch jetzt schon sagen, dass ich euch dieses Buch uneingeschränkt ans Herz lege.

Jedem von euch.

Und das bei einem Contemporary Buch, welches sich mit den Problemen eines Sprayers und der Kunst der Straße auseinandersetzt.

Was ist denn in mich gefahren?

Aber lest selbst, warum mich „17 Erkenntnisse über Leander Blum“ völlig mitgerissen hat:


Bibliographische Daten

  • Autor: Irmgard Kramer
  • Genre: Jugendbuch, Contemporary
  • Verlag: Loewe
  • Seitenzahl: 346 S.

Kurzbeschreibung

Sie sind talentierte Streetartkünstler und beste Freunde seit frühester Kindheit. Ihre Pieces findet man überall in der Stadt an Mauern, U-Bahn-Waggons und verlassenen Fabrikgebäuden, aber niemand weiß, wer sich hinter dem geheimnisvollen Tag BLUX verbirgt.

Jonas und Leander. Leander und Jonas.

Nichts kann sie trennen.

Bis sich Leander in Rapunzel verliebt, das süße Mädchen mit den goldenen Haaren, die bis zum Po reichen. Und Jonas über das Märchen vom chinesischen Pinsel stolpert und sich in eine Katastrophe malt.


Vielen Dank an den Loewe-Verlag für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares!

cof


Eigene Meinung

POSITIV

  • Die Freundschaft zwischen Leander und Jonas

Kennt ihr diese Freundschaften, die ein Leben ausmachen? Beste Freunde für immer? Diese Menschen, die immer nur zu zweit abhängen?

Das alles und noch viel mehr sind Leander und Jonas. Zusammen teilen sie die Leidenschaft fürs Malen, sprayen und sind auch sonst unzertrennlich.

Ich habe selten so eine tiefe Freundschaft abgebildet gesehen, eine so faszinierende Dynamik zwischen zwei Charakteren, die beide selbst so faszinierend, komplex und doch völlig aufeinander abgestimmt sind.

So sollte Freundschaft aussehen. Auch, wenn es manchmal Probleme gibt, wenn sie nicht immer einer Meinung sind.

Sie sind Leander und Jonas. Untrennbar miteinander verwoben.

Ich vergöttere die beiden und so wird es auch jeder tun, der diesem Buch eine Chance gibt.

  • Der Aufbau des Buches – erst später zu erkennen!

Das Buch hat nicht nur einen Plot, sondern gleich zwei, die sich aber erst später zusammenfügen, erst mit der Zeit klar wird, in welcher Verbindung man zueinander steht, und wie sich die Stränge auseinander ergeben haben.

Faszinierend sind außerdem die Sprüche, die über jedem Kapitel abgedruckt sind, da diese auch dazu beitragen, dass man immer weiter versteht, was in der Geschichte vor sich geht.

Außerdem wird man manchmal (ob unabsichtlich oder nicht) doch auf eine falsche Fährte gelockt und die spätere Erkenntnis macht sehr viel Spaß. Fast wie eine kleine Detektivjagd für den Leser allein.

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  • Dieser poetische und doch authentische Schreibstil

Ich kann wirklich nicht beschreiben, was diesen Schreibstil so besonders macht.

Denn an einigen Stellen ist er harmlos, weich und umspült die Charaktere wie ein Fluss aus Emotionen und Gefühlen, während er manchmal erbarmungslos die schmutzige Realität beschreibt, vor nichts zurückschreckt, nur um dann doch wieder in poetische Bahnen abzugleiten und sich in Beschreibungen zu verlieren.

Der Schreibstil treibt einen durch das Buch, lässt einen nicht los und sorgt für rasche Wechsel und kurze Kapitel dafür, dass man durchgeschleudert wird und sich nicht mehr lösen kann, bis man am Ende angekommen ist.

Und wie bei jeder Achterbahn gilt auch hier: Darf ich nochmal?

  • Verschiedene Familienkonzepte und -probleme

Hier wird super gezeigt, dass auch neue Familienkonzepte Probleme bereiten können, genauso wie alte sehr viele Probleme mit sich bringen.

Von Problemen mit dem Alkohol, einer neuen Sprache, Pflege der Großeltern, neue Freunde der Eltern, Trennungen, Scheidungen, Eifersucht und Vernachlässigung der Kinder ist alles dabei und jeder der Protagonisten hat so sein Päckchen aus dem Elternhaus mit sich zu tragen.

Dass hier aufgezeigt wird, dass quasi jede Familie scheitern kann, egal wie klug das Konzept oder wie groß die Liebe ist, ist faszinierend und traurig zugleich, aber trotzdem nicht kitschig, zu schnell abgehandelt oder oberflächlich behandelt. Die Charaktere sind alle vielschichtig und gut ausgearbeitet, was die vielen Nebenstränge erlaubt und spannend macht.

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  • Die Schilderung des Malens und Sprayens

Dieses Buch befasst sich mit Grafitti. Und mit Kunst. Und mit dem Malen. Und mit allem, was so zwischendurch passieren kann.

Und das alles war verdammt faszinierend. Ich kenne mich gar nicht in dieser Szene aus, aber in dieser Welt dreht sich alles darum, nichts kann ohne das passieren und man taucht richtig tief ein in die Welt von Sprayerbanden, der Gefahr vor der Polizei, dem Adrenalinrausch, der Suche nach der perfekten  Wand und natürlich allem anderen. Den Geldproblemen, wenn immer wieder die Dosen drauf gehen, kein Schlaf, nächtliche Zugsprayaktionen und und und

Diese Welt ist und bleibt faszinierend, was aber auch an der Darstellungsweise der Autorin liegt, die einen an die Hand nimmt und trotzdem ein wenig ins kalte Wasser schmeißt.

  • Es lässt dich nicht mehr los!

Ich denke immer wieder an dieses Buch. Selbst jetzt, wo ich es vor etwa 2 Monaten gelesen habe. Diese Charaktere, diese Schreibweise, diese emotionale Einsicht, diese poetische Schreibweise und doch authentische Darstellung gräbt sich tief ins Hirn und lässt einen weder beim Lesen, noch im restlichen Alltag los.

Lange habe ich mich in meinem Kopf mit den Charakteren auseinandergesetzt, weil sie einfach so verdammt plastisch sind, dass sie einem quasi von der Seite entgegen springen.

Kann ich bitte immer solche Bücher haben, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen?

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  • Liebe? Ja, aber nicht überbordend

Die Liebe ist da. Sie frisst die Protagonisten auf, sorgt für jede Menge Konflikt, ist immer im Hintergrund und hat eine große Rolle im Subplot inne.

Und trotzdem ist sie nicht Fokus der Handlung, es geht nur periphär darum, das Buch rutscht weder in den Kitsch, noch dahin, dass es Liebe braucht, weil kein Plot vorhanden ist.

Ich liebe es (Ha, Wortwitz!), wenn die Liebe zwar präsent ist, aber nicht alle Logik, den ganzen Plot und generell alles, was ein gutes Buch ausmacht, aus dem Fenster wirft!

Und dieses Buch macht das genau richtig!

  • Das Gefühl beim Lesen

Kennt ihr das? Wenn ihr euch von einem Buch so gar nicht mehr losreißen könnt? Wenn euch das Buch in einen Strudel von Emotionen reißt, dem ihr nicht mehr entkommen könnt? Wenn ihr extra bis 1 Uhr in der Nacht aufbleibt, um noch mehr von diesem Meisterwerk lesen zu können?

Und ihr trotzdem nicht genug bekommen könnt und gespannt auf alle Enthüllungen wartet, die noch zwischen den Seiten warten? Genau dieses Gefühl hatte ich bei diesem Buch! Die Seiten flogen nur so dahin und ich konnte mich nicht mehr losreißen!

Für mich eines der größten Komplimente, die man einem Buch machen kann!

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NEGATIV

  • Gerade am Anfang: Nerviger Übergebrauch von Anglizismen

Ich habe das Buch aufgeschlagen und wurde gleich auf den ersten drei Seiten von unnötigen Anglizismen überschüttet. Was total unnötig war, denn im restlichen Buch kommen die gar nicht so exzessiv vor und sie sind in einem Maße vorhanden, dem ich durchaus zustimmen kann. Aber das nimmt doch jedem, der das Buch für das erste Kapitel in die Hand nimmt, die Lust am Lesen!

(Und es wirkt auch nicht cool, über 7 (!) Zeilen lang nerdig und „cool“ unzählige Sprayerfarben aufzuzählen. Natürlich Englisch und Deutsch gemischt. So machen das echte Sprayer garantiert…)

  • Überemotionalität

Bei den meisten grandiosen Büchern gibt es immer einen seltsamen Nachgeschmack, der sich nicht so richtig festmachen lässt. Ich konnte ihn hier jedoch aufspüren.

An manchen Stellen war mir die Emotionalität vor allem von Lila viel zu übertrieben dargestellt.

Innerhalb von 2 Wochen, in denen nicht viel geredet wird und schon gar nicht viel passiert von Liebe zu sprechen und sich dabei gar nicht komisch vorzukommen kann in kein noch so künstlerisches und metaphorisch denkendes und schwebendes Hirn passen.


Fazit

Ich hatte keine hohen Hoffnungen in dieses Buch gesetzt und wurde gerade deshalb quasi völlig umgehauen von der puren emotionalen Gewalt dieses Jugendbuchs. Nicht nur die Bandbreite an Themen, die hier abgehandelt werden, sondern auch die Tiefe, mit der sie dem Leser ausgelegt werden, ist beeindruckend. Wir haben es mit drei Protagonisten zu tun, die dem Leser noch sehr lange in Erinnerung bleiben werden und Spuren hinterlassen. Sehr viele Spuren.

Der Fokus auf der Kunst, die Vermischung von Straßenkunst und „richtiger“ Kunst, die Besessenheit der Charaktere mit ihr, die Wucht der Emotionen, die sie empfinden, die schnelle Geschichte und der vielschichtige Plot, all das macht das Buch besonders, lässt es mich jedem empfehlen wollen, selbst wenn man nichts mit Straßenkunst anfangen kann.

LEST DIESES BUCH!

Tintenkleckse_5

5 von 5 Tintenklecksen!

5 Gedanken zu „Rezension: „17 Erkenntnisse über Leander Blum“ von Irmgard Kramer

  1. Liebe Anna,
    erst einmal: Eine wirklich tolle Rezension. Das Buch klingt ja mal mega gut! Vor allem Freundschaft ist so ein wichtiges Thema und das kommt leider bei manchen Büchern etwas zu kurz.
    Wegen dir wird mein SuB wahrscheinlich weiter wachsen 😀
    Liebe Grüße
    Regina

    1. Hey Regina!

      Danke für deine lieben Worte! Und Freundschaft ist ein wirklich wichtiges Thema, was für mich immer noch zu wenig behandelt wird!
      (YEAY für neue Bücher! NAY für höheren SuB :D)

      Viele liebe Grüße,
      Anna

  2. Hi Anna,

    man merkt das dir das Buch große Freude bereitet hat. Ich selbst, fand es auch nicht schlecht, hätte mir hier und da allerdings mehr versprochen. Trotzdem muss ich sagen, das es mein erstes Jugendbuch seit langen ist, in welchen ich auch wirklich das Gefühl hatte, das ich es mit Teenagern zutun hat.

    Ich würde mich freuen, dich verlinken zu dürfen und wünsche dir noch einen schönen Mittwoch.

    Liebe Grüße, Anja

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