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Rezension: Infernale [#SeiMehrAlsDeineGene]

Der absolute Megahype umweht dieses Buch.

Gewollt vom Verlag und von den Lesern unterstützt.

Ist das gerchtfertigt? Kann dieser Roman wirklich so sehr überzeugen, wie alle anderen meinen?

Kann diese Dystopie mit romantischen Elementen wirklich darstellen, wie unsere Zukunft aussehen könnte?

Kann es authentisch darstellen, wie ein Mädchen sein ganzes Leben verliert und sich nun neu orientieren muss unter vermeintlichen Verbrechern?


Kurzinfo:

  • Autor: Sophie Jordan
  • Genre: Roman, Liebe, Mördergene
  • Verlag: Loewe
  • Seitenzahl: 380 S.

Kurzbeschreibung:

„Von klein auf hörte ich Wörter wie begabt. Überdurchschnittlich. Begnadet.

Ich hatte all diese Wünsche. Wollte etwas werden. Jemand.

Niemand sagte: Das geht nicht.

Niemand sagte: Mörderin“

Durch einen DNA-Test als potenzielle Mörderin eingestuft, wird Davy Hamiltons perfektes eben auf den Kopf gestellt. Ihre Freunde und Familie wenden sich von ihr ab. Doch dann findet sie Zugehörigkeit und Liebe, wo sie es am wenigsten erwartet hätte.

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Eigene Meinung:

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Nachdem ja gefühlt jeder Blogger dieses Buch in den Himmel gelobt hat oder es zumindest lobend erwähnt hat (ich würde übrigens gerne Beispiele von Leuten hören, die dies nicht getan haben :D), war ich doch ziemlich froh, dass eine Freundin – danke Natalia! – es mir zum Geburtstag geschenkt hat. Ich war gespannt auf diese Geschichte, die so vielversprechend klingt und eine ziemlich gute Grundidee hat, die Spannung und Gesellschaftskritik versprach.

Leider, leider, konnte ich mich mit „Infernale“ so gar nicht anfreunden.

Die Grundidee, dass ein Gen im Menschen nachgewiesen werden kann, das bestimmt ob dieser Mensch ein Mörder werden könnte, ist meiner Meinung nach immer noch genial. Die Folgen, die sich daraus ergeben, sollten eigentlich den Hauptteil dieses Buches ausmachen und wie die Gesellschaft sich daraus weiter entwickelt. Allerdings lag der Fokus hier ganz klar auf den Gefühlen und den überzogenen Vorstellungen einer kleinen, arroganten und reichen Zicke, die von der Welt ja so gar keine Ahnung hat.

Also kommen wir zu dem, was den Löwenteil dieser Rezension ausmacht: Davy Hamilton.

Ich weiß zwar nicht, ob sie am Anfang tatsächlich so naiv und arrogant dargestellt wurde, um den Kontrast der Charakterentwicklung hervorzuheben, aber genau das war sie am Anfang: Naiv und Arrogant.

Das, was mich daran wurmt, ist allerdings nicht, dass sie es war, sondern dass es keine konkrete Situation gab, an der sich diese Charaktereigenschaften so herausgestellt haben. Sie war einfach so. Ich weiß, das klingt komisch, aber ohne eine einzige Handlung in die Richtung auszuführen, war sie mir von Anfang an total unsympathisch.

burst
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Eigentlich kann ich mich mit Leuten, die begabt sind und gut in der Schule oder sonst wo sind, gut identifizieren, aber dieses Mädchen war einfach der Inbegriff von „Miss Perfect“ und „Miss Sie-sollen-mich-bloß-alle-darum-beneiden-was-ich-kann-und-was-ich-hab“. Und das hat es mir verdammt schwer mit ihr gemacht. Noch dazu kommt, dass ihre so genannten „Freunde“ wirklich keine Freunde sind. Die Darstellung von Freundschaft in Büchern ist mir ja seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge und manche Freundschaften fühlen sich einfach nicht an, als wären es wirklich Freundschaften oder als würden sich die Protagonisten wirklich mögen. Und genauso war es hier auch: Ihr angeblicher Freund ist einfach nur ein testoterongesteuerter Macho, der sich sie nicht ausgesucht hat, weil er sie wirklich liebt, sondern weil sie beliebt ist und gut aussieht. Und ihre angebliche „beste Freundin“ ist wieder dieses typische Klischee der Amis, dass die besten Freunde sich gegenseitig die Freunde wegschnappen müssen und generell auf alles und jeden eifersüchtig sein müssen, am Besten auf sich gegenseitig. Wie schnell die beiden nach der Diagnose von der Bildfläche verschwunden sind und sich gegen sie gewendet haben, war dann doch etwas zu schnell, nach meinem Geschmack, aber sollte wahrscheinlich die gesellschaftliche Verachtung widerspiegeln, die den HTS-Trägern wiederfährt.

Übrigens hat Davy auch nichts anderes zu tun, als sich in der schlimmsten Phase ihres bisherigen Lebens beim ersten Blickkontakt in einen Typen zu verknallen, dem sie bis dato noch nicht mal einen Blick über die Schulter gewidmet hätte. Ich habe nichts gegen Liebe auf den ersten Blick in Büchern, aber diese Insta-Love wird mir einfach zu viel. Vor allem im Jugendbuchbereich ist es quasi so, als würden die Protagonisten sofort übereinander herfallen. Ohne jeglichen Grund und Gefühle kommen bei sowas schon gar nicht rüber.

Davy ist übrigens auch noch verdammt naiv, was sich in verschiedenen Situationen immer wieder zeigt und mir jedes Mal fast den Verstand geraubt hat, denn solche Dinge weiß jeder Zehnjährige.

Das, was mich allerdings am meisten an ihr gestört hat, ist die Tatsache, dass sie auch nachdem sie von allen verstoßen wird und sieht, wie asozial diese Gesellschaft sein kann, immer noch um einen Platz in ihr kämpft, obwohl jeder sieht, dass das so nicht funktionieren kann. Sie behält ihre Arroganz bei, wobei sie sich sagt: Ich bin nicht so, wie diese Monster! Aber du bist genau wie sie Mädchen! Begreife es doch! Für die anderen macht das keinen Unterschied!

Die Gesellschaftskritik, die hier immer wieder aufflammt, ist allerdings alles andere als zum Nachdenken anregend, sondern wird einfach so hingenommen und ist auch viel zu plakativ, als dass sie als solche wahrgenommen werden könnte.

Wenn man den Lesern die Gedanken schon auf die Nase binden muss, dann ist es nicht mehr gut gemacht und hat da eigentlich auch nichts mehr zu suchen.

Allerdings muss ich sagen, dass das Buch zum Ende hin, als Davy begreift, wie es wirklich um sie steht, doch noch ganz gut war und eine gewisse Spannung aufgebaut hat. Die Liebesgeschichte war allerdings immer noch nicht gut, aber wenigstens etwas besser.

Zu meinem Verdruß muss ich gestehen, dass der Schreibstil eigentlich gut und flüssig war. Und wieder bestätigt sich meine Beobachtung, dass man „schlechteren“ Büchern immer noch zu Gute halten kann, dass der Schreibstil ja gar nicht so schlecht ist. Das ist irgendwie wie ein Trostpflaster nach dem Motto: Na so schlecht war es dann auch nicht! Der Schreibstil war ganz gut.

Deswegen denke ich jedes Mal, wenn ich lese, dass ein Buch einen „flüssigen und leicht lesbaren Schreibstil“ hat, dass das Buch eigentlich nichts anderes kann, als flüssig geschrieben zu sein.

Aber zu einem guten Buch gehört eben mehr, als das Trostpflaster der Blogger zu sein.

 

 

Fazit:

3 von 5 Klecksen für einen Auftakt, der weit hinter seinem Potenzial zurück bleibt und eine unsympathische Protagonistin mit einer einigermaßen spannenden Geschichte und nicht nachvollziehbaren Emotionen vereint.

Ich hoffe, dass der zweite Teil um Welten besser wird!

Tintenkleckse_3

3 Gedanken zu „Rezension: Infernale [#SeiMehrAlsDeineGene]

  1. Hallo meine Liebe,
    Oh je ;-( wahrlich nicht überzeugend. Schade, dass es Dir nicht gefallen hat. Habe es die letzten Wochen viel durch Die social media Kanäle schwirren sehen und immer gedacht, die Story klingt ganz gut. Allerdings vertraue ich Deinem Buchgeschmack sehr… Und suche mir ein anderes Buch vom SuB aus 😉

    Immer schade, wenn das Potenzial für die Story da wäre aber nicht umgesetzt wird. Und es gibt nix stimmungstötenderes als platte und stereotypische Charaktere… Habe gerade #AGOS rezensiert – das genaue Gegenteil: großartige Charaktere… Dafür eine eher nicht ganz so spektakuläre Story… Ist mir aber lieber so rum.

    Frohe Ostern & LG,
    Kati

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