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Rezension: Liebe ist wie Drachensteigen

Liebesgeschichten gibt es viele auf dieser Welt. Und noch mehr in Büchern.

Unmögliche Liebe, zum Scheitern verdammte Liebe. Doch was wäre, wenn diese Liebe aus zwei gescheiterten Liebesgeschichten und einer erfolgreichen hervorgegangen wäre?

Was wäre, wenn ein unglaubliches Schicksal zwei Familien auseinander gerissen hätte, die beide mit ihren Gefühlen kämpfen?

Was wäre, wenn ein zweiter Schicksalsschlag diese beiden Familien in Form der Kinder wieder zusammengeführt würden?

Klingt nach Romeo und Julia?

Romeo und Julia sind nichts gegen Hadley und Sam!


bibliographische-daten

  • Autor: Ashley Herring Blake
  • Genre: Contemporary, Familie
  • Verlag: Magellan
  • Seitenzahl: 330 S.

kurzbeschreibung

Die große Liebe? An so einen Unsinn glaubt Hadley längst nicht mehr. Nicht, seit ihr Vater eine Affäre hatte. Doch dann trifft sie Sam..

Sam kennt sich aus mit Geheimnissen. Er hat selbst einige davon. Als er sich in Hadley verliebt, könnte alles so schön sein.

Wenn da nicht die Sache mit der Wahrheit wäre, die manchmal einfach verdammt unschön ist.


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(Design by: Freepik.com)


Vielen Dank an den Magellan-Verlag für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares!


eigene-meinung

POSITIV

  • Sensibles Thema – gut verarbeitet

Seien wir mal ganz ehrlich: Nicht nur eine, sondern gleich zwei Familien, die auseinander gebrochen sind, weil die Eltern ihre Ehepartner betrogen haben, ist schon ein hartes Schicksal. Und ich kenne nicht viele Bücher, die sich diesem annehmen und es gut porträtieren.

Aber genau dieses Thema wird hier behandelt und es ist gleichzeitig herzzereißend, nachdenklich, wunderschön und grausam.

Allerdings wirkt es an keiner Stelle kitschig, an den Haaren herbei gezogen oder auch nur etwas zu überspitzt. Die Menschen in diesem Roman sind echt. Echter als echt. Und sie haben alle ihre ganz eigenen Arten, mit diesem Schicksal umzugehen.

Und diese sind wunderbar porträtiert. Erschreckend und menschlich zugleich.

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  • ALL THE FEELS!

Und damit meine ich: ALL. THE. FEELS! Hier werden wirklich alle Emotionen einmal durchgejagt.

Wut, Trauer, Verzweiflung, Isolation, Depression, Hoffnung, Vergebung, Liebe und und und.

Man konnte sich so sehr in die Charaktere hineinversetzen, mit ihnen gemeinsam hoffen und bangen, Geheimnisse aufdecken oder geheim halten.

Allerdings geht es mir eigentlich eher um die Gefühle zwischen Sam und Hadley, denn ALTER SCHWEDE! Die sind sowas von explosionsartig! Sie kommen aus dem Nichts und reißen jeden Leser mit. Der Leser spürt die Chemie zwischen den beiden auf jeder Seite, in jedem Abschnitt, jedem Satz, jedem Buchstaben.

Und auch wenn das Buch nicht zwischen den beiden untergeht, nehmen die beiden doch einen großen Teil in diesem Buch ein und machen es zu ihrer ganz eigenen Geschichte. Ganz großes Kino!

  • Dieses verrückte Sidecouple!

Da gibt es diese beiden Randfiguren, die einfach nur ZUCKERSÜß SIND! So verdammt niedlich!

Garantiert kennt ihr auch alle diesen einen Typen, der total intelligent und ein Genie, aber auch verrückt und einzigartig ist? Genau den haben wir hier auch! Und ich liebe ihn! (Also rein platonisch versteht sich, aber wir wissen alle, dass Beziehungen zu fiktiven Charakteren auch super toll sein können!)

Außerdem eine Vegetarierin, die sich total in Schweine verguckt hat.

ICH FINDE DAS SOWAS VON SÜß! Vorallem, weil die beiden richtige Old School-Romantiker sind und sich somit ganz still und heimlich in das Herz des Lesers schleichen! Grandios!

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  • Beschreibungen! (Kuss-Szenen + Tolle Sprüche – mitreißend!)

Ja, diese Überschrift könnte verwirren, ABER ich wäre ja nicht ich, wenn ich das nicht ganz klar definieren und ausführen würde. Here we go:

Der Schreibstil ist etwas Besonderes! Die Beschreibungen der einzelnen Szenen, Charakteren und Geschehnisse hatte einen Zauber an sich, dem man sich nicht entreißen konnte. Und das riss den Leser förmlich von einer Seite zur nächsten, ließ die Geschichte nicht abreißen und sorgte dafür, dass der Leser ständig an Hadley und/oder Sam hing, um zu erfahren, wie es weiter gehen sollte.

Außerdem: DIE KUSS-SZENEN! AAAAAH! ICH LIEBE SIE! UNGLAUBLICH! *räusper* Nachdem wir uns nun alle wieder beruhigt haben, kann ich sagen, dass diese sich wirklich unglaublich gut angefühlt haben und die Chemie zwischen Hadley und Sam in Nullkommanichts auf den Leser übertragen haben. Und das kommt mittlerweile echt nicht mehr oft vor.

Als ich anfing zu lesen, fühlte sich jeder Kuss an wie eine Offenbarung, das ließ allerdings mit der Zeit immer weiter nach. Aber dieses Buch hat genau dieses Feeling wieder gebracht.

Außerdem gibt es wirklich viele Stellen in diesem Buch, die einen inne halten lassen und das Gesagt Revue passieren lassen, da es in diesem Moment so klar scheint, dass man sich erst mal sammeln muss, um zu verkraften, was denn dort gerade passiert.

Man findet kurze prägnante Sätze, die pure Wahrheit enthalten. So unschön sie auch sein mag.

  • Gefühle und deren Änderungen

Gefüüüüühle! Wir alle kennen uns damit aus oder meinen das zumindest.

Aber hier wurden Gefühle wirklich groß geschrieben. Wie schon in „Ich gebe dir die Sonne“ von Jandy Nelson faszinierte mich auch hier wieder das komplizierte Netz der Emotionen, das zwei Charaktere aneinander bindet.

Wie eine Person alle möglichen Emotionen mit einer anderen Person verbinden kann und ein starkes neues Gefühl das gesamte Gefühlsschema wieder auf den Kopf stellen kann.

Das Spektrum der abgedeckten Emotionen wird nur noch dadurch gekürt, dass diese sich im Verlauf des Buches ändern. Normalerweise würde ich hier die Charakterentwicklung preisen, aber ich glaube, dass es hier besser ist von einer Gefühlsentwicklung zu sprechen.

Die Gefühle zu verschiedenen Familienmitgliedern oder Freunden ändern sich stetig, sind im Fluss, wollen Veränderung.

Faszinierend und präzise geschrieben.

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  • Reale Beziehungen der Figuren

So plastisch und real die Figuren auch wirken: Ihre Beziehungen untereinander sind noch viel besser!

Ich liebe es, wie kompliziert, unlösbar, schlicht und doch absolut menschlich diese Charaktere miteinander interagieren, neue Bande knüpfen oder alte über den Haufen werfen.

Ich habe mich sehr gefreut, dass sich nicht alles von jetzt auf gleich ändert, dass Charaktere sich aneinander reiben, sich gegenseitig unfreiwilllig das Leben schwer machen.

Denn das ist von Grund auf menschlich. Menschliche Beziehungen folgen keinem logischen Muster, denn entstehen immer aus spontanen Emotionen, die sich mit der Zeit manifestieren. I absolutely love it!

NEGATIV

  • Auflösung ein wenig zu leicht

Meh. Die Auflösung am Ende war zwar kein Happy End und weit entfernt von Friede, Freude, Eierkuchen, ging mir aber trotzdem zu einfach.

Und wenn nicht zu einfach, dann doch wenigstens zu schnell. Ich wollte mehr Emotionen, mehr Ausraster, mehr Erklärungen, mehr Veränderung.

Ich konnte zwar mit ansehen, wie sich alles fügte, allerdings ging mir dies viel zu einfach und zu schnell. Ein bisschen mehr Drama, wenn ich bitten darf.

Hatten wir doch das gesamte restliche Buch auch! Dann doch am Ende ein wenig weniger Mitleid mit den eigenen Charakteren haben!

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  • Zu kurz!

Mittlerweile bemängele ich dies an jedem Buch, das ich gut fand. Also wisst ihr demnächst: Wenn dieser Punkt dran kommt, dann rennt in den nächsten Buchladen, denn dieses Buch ist es wert, gelesen zu werden.

Aber wirklich: Es war mir einfach zu kurz! Ich will doch einfach nur ein wenig mehr Informationen, ein wenig länger in dieser Welt verweilen können, ein wenig länger zwischen Verzweiflung und Hoffnung hin- und her schwanken.

Die letzten Seiten waren Folter und Paradies zugleich und obwohl ich das Ende gut fand, wollte ich einfach noch viel mehr über die Geschichte und ihren Fortgang erfahren.

Und ist das nicht eigentlich ein gutes Zeichen?

  • Emotional nicht immer mitreißend

An manchen Stellen realisierte ich, dass ich emotional werden sollte, eventuell sogar weinen sollte.

Allerdings waren diese Stellen dafür nicht eindringlich genug geschrieben. Sie konnten mich zwar mitfühlen lassen, allerdings nicht tief genug in den Emotionstopf tunken, damit ich mich nicht mehr befreien konnte.

Ich wollte es wirklich! Aber irgendwie ging es nicht…das ist wirklich schade, denn das wäre die Kirsche auf dem Sahnehäubchen gewesen.


fazit

Ein toller Contemporary- und Familienroman, der nicht nur durch eine komplexe Familiengeschichte und eine enorme Chemie zwischen den Protagonisten, sondern auch durch komplexe Nebencharaktere und den Fokus auf den Gefühlen und Beziehungen untereinander überzeugen kann.

Ich bin völlig von diesem Buch überzeugt, habe mich in seine Gestaltung und sein mutiges Thema und seine tolle Botschaft verliebt.

Trotz kleiner Fehlerchen, wie der zu kurzen Abhandlung am Ende, konnte mich „Liebe ist wie Drachensteigen“ völlig von sich überzeugen, gerade wegen seiner absolut realen und menschlichen Charaktere.

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4 von 5 Tintenklecksen!

6 Gedanken zu „Rezension: Liebe ist wie Drachensteigen

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