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Rezension: „Nalia – Tochter der Elemente“ von Heather Demetrios

Es gibt mal wieder Fantasy aus dem dtv Verlag! Dieses mal ist es eine Reihe über Dschinns!

Aber mit dem flippigen, blauen Geist aus der Lampe aus Aladdin haben diese Dschinns relativ wenig zu tun.

Warum mich dieses Buch überzeugen konnte und mich trotzdem aufgeregt hat,gibt es  jetzt:


Bibliographische Daten

  • Autor: Heather Demetrios
  • Genre: Fantasy, Jugendbuch
  • Verlag: dtv
  • Seitenzahl: 467 S.

Kurzbeschreibung

Luxus, Eleganz und der Glamour Hollywoods, das ist die Welt der 18-jährigen Nalia. Trotzdem ist ihr einziger Ziel zu fliehen, denn sie ist eine Dschinn. Ihre Wahrheit ist Ardjinna, doch sie wurde auf die Erde verschleppt und ist nun dazu gezwungen, Menschen Wünsche zu erfüllen und dem Befehl ihres Meisters, des geheimnisvollen Malek Alzahabi, zu gehorchen. Alles würde sie dafür geben, sich von den goldenen Armbändern zu befreien, die sie an ihren Meister binden.

Dann taucht plötzlich Raif auf, irritierend anziehender Rebellenführer aus Ardjinna und eingeschworener Feind ihrere Familie. Er kann ihr Band zu Malek lösen. Doch welchen Preis wird er dafür verlangen?


Vielen Dank an den dtv-Verlag für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares!


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Eigene Meinung

POSITIV

  • Dieser rasante und doch poetische Schreibstil!

Ich habe mich gestern Abend hingesetzt und dachte in meinem total verqueren Kopf: Ich lese jetzt 400 Seiten!

Und dann habe ich das gemacht. Glaubt mir, es war nicht einfach, und wäre dieses Buch auch nur ein kleines bisschen weniger spannend gewesen, als es dann doch war, dann wäre ich schon lange vorher eingeschlafen.

Das spricht also nur für dieses Buch!

Der Schreibstil hat mich nämlich einfach so mitgerissen! Und auf einmal waren 100 Seiten vorbei, auf einmal 200 und dann war ich bei 300 und konnte einfach nicht aufhören!

Dieser Schreibstil lässt Seiten verfliegen, als wäre sie gar nicht da! Faszinierend und doch hat Heather Demetrios es geschafft, ihren Schreibstil mit poetischen Ausschmückungen interessanter zu gestalten. Immer und immer wieder war ich erstaunt von der absoluten Schönheit der Worte, die mir hier begegneten!

Alleine für den Schreibstil lohnt sich dieses Buch!

  • Nalia – Kriegerin und doch Künstlerin

Eine Sache, die ich an der Protagonistin Nalia sehr schön fand, war, dass sie eiskalte Kriegerin und doch sanfte Künstlerin sein konnte.

Sie hatte beide Seiten in sich und kann dadurch auch den Lesern zeigen, dass man nicht immer eine Seite der Medaille sein muss, sondern auch beide in sich vereinen kann, ohne einen Widerspruch zuzulassen.

Auch, dass sie beide Rollen authentisch verkörperte und flüssig zwischen ihnen wechseln konnte, war ein wahrer Genuss, der ihren Charakter hundert Mal interessanter machte!

Gratulation!

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  • Buch schreckt nicht vor harten Themen zurück

Ok, wenn ihr einfach nur eine leichte Lektüre lesen wollt, dann seid ihr bei diesem Buch leider absolut falsch.

Dieses Buch bemüht sich stark, Metaphern zur aktuellen Weltlage zu ziehen und behandelt dabei in dieser Fantasywelt nicht nur Genozid, Kastenpolitik und blutige Revolutionen, sondern auch Sklavenhandel, emotionale Abhängigkeit und Misshandlung und die Nötigkeit zu flüchten und sich zu verstecken.

Auch habe ich einige Elemente von Einwanderungsproblemen gefunden, beispielsweise der Versuch, die alten Sitten und Gebräuche gut nachzuahmen oder nachzuarbeiten.

All diese Themen kommen vor, werden durchlebt, werden hautnah beschrieben und gut zur Geltung gebracht, wenn auch nicht direkt diskutiert, sondern indirekt durch die Protagonistin erlebt.

Me likey!

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  • Die Welt der Dschinn

Auch muss ich eine Lanze für diese tolle Welt brechen, die mit sehr viel Fantasie und viel Liebe zum Detail gestaltet wurde.

Das System der vier Kasten analog zu den vier Elementen ist jetzt nicht unbedingt total innovativ, aber doch schön ausgearbeitet und in den Kontext gesetzt.

Auch die sozialen Strukturen, die wunderschönen Landschaften von Ardjinna und die verschiedenen Wege, wie unsere Protagonisten das System erleben durften, als sie aufwuchsen, hat mich sehr fasziniert und natürlich die gesammelten übernatürlichen Schätze wie Greife, Einhörner, Drachen, Guhle und alles weitere!

NEGATIV

  • CAN SOMEBODY TELL THIS BOOK HOW TO BOOK, PLEASE?

Das war ein Satz, der mir beim Lesen immer wieder aufgefallen ist. Das klingt jetzt total bescheuert, aber ich fand, dass das Buch ein paar sehr grundlegende Dinge grundlegend falsch macht.

Plot und Geschichte, Weltenbau und Details sind toll, aber die Charaktere bröckeln und verblassen, es ist klar, was mit ihnen passieren wird und sie handeln nicht klug.

Außerdem hat Frau Demetrios wohl trotz ausführlichen Beschreibungen nicht wirklich gut darauf geachtet, ihre Charaktere zu wirklichen Charakteren wachsen zu lassen, sondern hat dem Gefühl nach ihre ersten Skizzen beibehalten.

Zusammenfassend: Dieses Gefühl beim Lesen eines Buches zu haben, ist wirklich nicht toll.

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  • Diese verdammte Insta-Love

Ich habe es mittlerweile oft genug erwähnt, aber ich komme einfach nicht drüber weg: Ich *hasse* Insta-Love. Ich hasse es, wenn innerhalb von 3 Tagen eine Liebe heraufbeschwört wird, die ein Leben, ach was, eine Ewigkeit halten soll und ohne jegliche Begründung einfach im Raum steht und auf einmal wichtiger ist, als jegliche Rebellion und gesunder Menschenverstand. Ich verstehe wirklich nicht, wie ich es romantisch und toll finden soll, wenn jemand nicht nur sein Leben, sondern ultimativ auch das Leben seines gesamten Volkes sausen lässt, nur weil man eine Person retten will.

Und gleichzeitig ist diese Protagonistin auch noch in einer Art Stockholm-Syndrom-Beziehung mit ihrem Meister, die sie natürlich nur hat, um zu entkommen, dann aber plötzlich doch wieder ganz klein wird und einknickt. INNERHALB VON EIN PAAR SEITEN!

Man kann doch nicht erst eine Charakterentwicklung durchführen, nur um sie in einem Satz wieder komplett zu zerstören!

Ihr seht schon, ein Fan der romantischen Beziehungen in diesem Buch war ich nicht unbedingt.

  • Authentische Motivation? Fehlanzeige!

Warum mache ich das alles?

Ein paar Antworten der Charaktere aus diesem Buch sind:

  • Mein Bruder ist in einem Arbeitslager!
  • Mein Vater und mein bester Freund wurden ermordet!
  • Ich kann hellsehen!
  • Ich bin böse!
  • Ich bin machthungrig!
  • Ich esse gerne Dschinne!

Ihr seht schon, wir haben seriöse Motivationsprobleme hier. Den Bruder sehen wir übrigens in keiner Szene, die uns irgendwie emotional an ihn binden würde, die Revolution führt sich offenbar auch ohne den Sohn, das Hellsehen klappt eher so mittel und die restlichen sind halt böse, weil sie böse sind. Joa. Authentisch. Kann ich total nachvollziehen.

Wir haben hier das klassische Marvel-Problem: Die Bösewichte sind einfach zu schwach, damit sich der ganze Aufwand hier lohnen würde. Wenn Bösewichte als böse „weil Böse“ charakterisiert werden, kann ich das einfach nicht ernst nehmen.

Und hatte ich erwähnt, dass der gesamte Plot mal wieder von Männern voran getrieben wird? Und die Protagonistin die einzige ist (neben der Schwester von Raif), die auch nur ansatzweise eine weibliche Komponente in den Plot einbringt?

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  • Charakterstärke? Was soll das denn sein?

Wie schon angedeutet: Es kommt in diesem Buch immer wieder vor, dass Charaktere eine Entwicklung durchlaufen, die dann im nächsten Kapitel durch einen oder zwei Sätze komplett zerstört wird. Wer hat sich das denn ausgedacht?

Und vor allem: WARUM? WER HAT DA NICHT AUFGEPASST?

Ein Charakter kann sich nicht erst befreien und dann alles in zwei Sekunden wieder rückgängig machen. (Ist aber quasi genau das, was passiert.)

Außerdem wird immer wieder betont, wie stark unsere Nalia doch ist, nur damit sie im nächsten Moment rumheult, die blödeste Tussi im Raum ist und sich generell einfach unfähig anstellt.

Vor dieser Krankheit sind aber alle anderen Charaktere auch nicht gefeit.


Fazit

„Nalia – Tochter der Elemente“ hatte einige tolle Eigenschaften. Dabei waren zum Beispiel der tolle Schreibstil, die immer weiter fortschreitende Geschichte und der sehr interessante Fantasy-Aspekt, welcher gut und erfrischend ausgearbeitet wurde. Auch mit der Protagonistin konnte mich dank ihres inneren Konflikts sehr gut identifizieren.

Allerdings hatte dieses Buch einige Probleme, angefangen bei der dauernden Insta-Love, die innerhalb von 3 Tagen eine weltverändernde Liebe heraufbeschwört und gleichzeitig am Stockholm-Syndrom leidet. Außerdem war mir der Plot am Ende zu schnell und zu hastig abgearbeitet und doch zu sehr gestreckt.

Grundsätzlich kann ich dieses Buch aber empfehlen, gerade, wenn man noch nicht viel in diesem Genre gelesen hat!

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3 von 5 Tintenkleckse!

3 Gedanken zu „Rezension: „Nalia – Tochter der Elemente“ von Heather Demetrios

  1. Liebe

    ja das Problem mit der Instant-Love kenne ich… Das geht mir auch so auf die Nerven!
    Wie kann es sein, dass man einen Menschen sieht und alles stehen und liegen lässt? Was ist denn, wenn sich 2 Monate später rausstellt, dass er ein verblödeter Volltrottel ist? Vielleicht schmatzt er ja beim essen? Oder popelt in der Nase!

    Aber Nein, dafür sorgen Autoren ja auch meist, denn unsere SO sind schließlich in jeder Hinsicht perfekt, mit Sixpack ausgestattet und Mitternachtsblauen Augen mit goldenen sprenkeln die wie Sterne funkeln.

    Ich glaube nicht, dass das Buch in meine aktuelle Stimmung passt, da ich total von Klischees genervt bin! Wenn ich mal Lust auf sowas habe, könnte ich mir vorstellen es zu lesen, da ich Dschinns ziemlich cool finde.

    Liebste Grüße
    Jenny

  2. Das Buch ist mir schon aufgefallen, aber ich denke nicht das ich dazu greifen werde.
    Denn genau wie du hasse ich Insta-Love -_- und das mit den Motivationen der Bösewichte fällt mir in vielen Büchern leider in letzter Zeit auch negativ auf :/ Vielen Dank für die tolle Rezension 😀
    Ich habe dich übrigens auch hier getaggt:
    https://wortesindwindblog.wordpress.com/2017/11/11/mit-welchen-charakteren-ich-seite-an-seite-kaempfen-will-bookishparty-tag/
    Du musst aber nicht mitmachen
    Lg Moana

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