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Rezension: Zorn und Morgenröte

Kurzinfo:

  • Autor: Renée Ahdieh
  • Genre: Roman, Fantasy, Orient
  • Verlag: one-Verlag
  • Seitenzahl: 389 S.

Kurzbeschreibung:

Shahrzad hat ihre beste Freundin Shiva an den Kalifen von Chorasan verloren. Seit einiger Zeit heiratet er jeden Tag ein neues Mädchen aus der Hauptstadt Ray, nur um sie am nächsten Morgen im Morgengrauen hinrichten zu lassen. Shahrzad will Shiva rächen und meldet sich freiwillig als seine nächste Braut. Um ihrem Schicksal zu entgehen und ihre Freundin zu rächen, tut sie etwas, dass den Kalifen verunsichert: Sie erzählt ihm eine Geschichte. Eine Geschichte, die sein Leben verändern wird…

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Eigene Meinung:

Ganz überraschend bei einer Leserunde von Lovelybooks gewonnen und nun frisch, heiß und fettig aus der Rezensionsküche eingetroffen: Meine Meinung zu Renée Ahdiehs Tausend und Einer Nacht-Spektakel und Reihenauftakt: „Zorn und Morgenröte“ oder auch „The Wrath and the Dawn“ auf Englisch.

Eins kann ich aber schon vorweg sagen: Dieses Buch ist ein märchenhaftes Erlebnis!

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Leute, ihr müsst dieses Buch lesen! Am besten jetzt sofort!

Ich habe ehrlich gesagt nicht viel erwartet, denn das Cover hat mich nicht so sehr angesprochen und die Geschichte klang auch nicht so schön.

Aber was mich da erwartete, war einfach ein Feuerwerk der Emotionen, der Farben und der schönsten Metaphern, die ich seit längerer Zeit gelesen habe.

Fangen wir doch einfach mit Shahrzad an: Ich liebe ihren unfassbar tollen Charakter. Sie hat ein wenig etwas von Celaena Sardothien aus Throne of Glass, aber bevor das hier in einen unendlichen Vergleich ausartet, lassen wir die Vergleiche doch einfach ganz sein 😀

Ich liebe ihre aufmüpfige Art und ihren Charme, der es ihr erlaubt, selbst ihre schlimmsten Feinde um den Finger zu wickeln. Man muss wohl nicht erwähnen, dass mich ihr Sarkasmus und ihre Eloquenz schier umgehauen hat.

Übrigens liebe ich ihre Wortspiele und ihre Kabbeleien mit Chalid (den ich übrigens immer Tschalid statt wie eigentlich beabsichtigt Kalid ausspreche ;D) und generell ihre scharfe Zunge.

Auch in ihrer Kultur, in der Frauen längst nicht so gleichgestellt sind, wie in unserer, weiß sie, sich durchzusetzen und alle Männer neben sich bleich aussehen zu lassen.

Ihre Verhaltensweise war mir von Anfang an sympathisch und ich hatte Mühe, sie nicht auf den ersten Blick umarmen und lieb haben zu wollen, weil sie so ein toller Charakter ist.

Ihre Aufopferung für ihre beste Freundin ist bemerkenswert und den Mut, den sie dafür aufbringen muss, hat alleine schon Respekt verdient.

Außerdem ist sie furchtlos und lässt sich von niemandem herumschubsen oder sich sagen, was sie tun und lassen soll.

Und eine ganz wichtige Sache: SIE KÄMPFT MIT DEM BOGEN! Meine Lieblingswaffe! Ich bin fast vom Stuhl gefallen, als ich das gesehen habe.

Da hat sie sich auf ihrer Badass-Skala noch mal 5 Punkte nach oben gearbeitet 😀

Chalid dagegen ist genauso, wie er sein soll: Unnahbar, etwas unheimlich und natürlich überhaupt nicht durchschaubar, aber genauso wollte ich ihn haben und so war er zum Glück auch!

Ich mag es unheimlich gerne, wie sich immer mehr heraus kommt und immer klarer wird, wie sehr er Shahrzad doch mag.

Die Momente zwischen den beiden sind die wahre Wonne und ich habe es sehr genossen, ihren Gesprächen zu lauschen und die beiden näher kennen zu lernen.

Das Setting ist orientalisch und genau so fühlt es sich auch an: Heiß, trocken, doch irgendwie fruchtbar und edel, aber auch lebendig und farbenfroh.

Ich mochte den Markt und generell den ganzen Palast sehr gerne, was uns zu den Nebenfiguren führt, die ganz klar eins sind: Ebenfalls eines Buches wert!

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Angefangen vom Hauptmann der Wache, über ihre „Kammerzofe“, ihren Freund aus Kindertagen oder ihren Vater, alle Charaktere sind so lebendig, als würden sie vor einem stehen und jeder macht den Eindruck eines wunderbar erarbeiteten Charakters.

Aber jetzt kommt das Beste am gesamten Buch:

Der gottverdammte Schreibstil!

Er ist so vollgestopft, dass man meinen sollte, er verliert sich in unwichtigen Details, aber er macht genau das Gegenteil: Hebt das hervor, was wirklich wichtig ist und stellt es auf ein Podest und lässt das Unwichtige zwar nicht unerwähnt, schenkt ihm aber nicht viel Aufmerksamkeit.

Die Prächtigkeit des Palastes, der Kleider, des Essens, der Schauplätze war förmlich zu spüren und auch sonst alles an diesem Schreibstil war perfekt ausgearbeitet und in Waage gehalten.

Die Metaphern, in denen hier geschrieben wird, sind eines Preises wert und der kreative Umgang mit der Sprache ist hervorragend umgesetzt.

Man fühlt sich wie Shahrzad, man IST förmlich Shahrzad, während man mit ihr durch den Palast streift, mit ihr Bögen spannt oder mit Chalid unerkannt über den Marktplatz schlendert.

Man will sich hineinfallen lassen in diese wunderbare Geschichte, die wirklich den Status des Märchens verdient hat.

Eine Sache will aber noch erwähnt sein: DAS BUCH HAT EINE KARTE VORNE DRIN! Wenn das kein Grund ist, das Buch zu lesen, weiß ich auch nicht weiter 😀

Übrigens muss ich eins noch erwähnen:

Im Vordergrund des Buches steht die Beziehung zwischen Chalid und Shahrzad, das gegenseitige Misstrauen und das näher und besser kennen lernen bis hin zum endgültigen Verstehen. Dass den beiden das natürlich nicht leicht fällt und ihnen unangenehm bis unerwünscht ist, ist klar. Allerdings wird der Prozess nicht scheinheilig beschrieben, sondern der Leser fühlt genau dasselbe wie Shahrzad und kann sie in jedem ihrer Gedanken nachvollziehen. Nichts wirkt hier gekünstelt und das macht diese Geschichte so spannend.

Fazit:

Ein Märchen aus 1001 Nacht mit dem gewissen orientalischen Touch, das durch starke Charaktere und einen lebendigen und perfekt passenden Schreibstil überzeugen kann, sowie durch einen ausgefeilten Plot und die Andeutung von Magie.

5 voll verdiente Tintenkleckse von mir!

Tintenkleckse_5

6 Gedanken zu „Rezension: Zorn und Morgenröte

  1. Ich fand es auch wirklich gelungen – vor allem die Entwicklung zwischen den beiden. Die fand ich wahnsinnig toll!

    Ganz liebe Grüße

    Steffi

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