„Ein Happy End ist erst der Anfang“ von Becky Albertelli | Rezension

Heute geht es nach langer Zeit mal wieder um ein Contemporary-Buch aus der Feder von Becky Albertelli! Die ist großteils dafür bekannt „Nur drei Worte“ (englisch „Simon vs the Homo Sapiens Agenda“) geschrieben zu haben! Nun gibt es Nachschub von Simon und seinen Freunden! Und zwar in Form seiner besten Freundin Leah, die in diesem Buch die Protagonistin ist! Und wie sich Leah und ihr Buch so geschlagen haben, das erfahrt ihr in dieser Rezension!


Bibliographische Daten

  • Autorin: Becky Albertelli
  • Genre: Contemporary, Romance, Jugendbuch
  • Verlag: Carlsen
  • Übersetzerin: Ingo Herzke
  • Seitenzahl: 346 S.
  • ISBN: 978-3-551-58399-4

Kurzbeschreibung

Wenn Leah Schlagzeug spielt, kommt sie nicht so leicht aus dem Takt. Wäre das im echten Leben doch auch so! Aber manchmal fühlt Leah sich, als ob sie von außen auf ihr Leben schaut. Was wird wohl nach der Schulzeit kommen? Wird sie ihre Freunde überhaupt noch sehen? Dieser Gedanke jagt ihr Angst ein – vor allem, weil sie für eine ganze bestimmte Person weitaus mehr empfindet, als sie sich eingestehen will.

Die Fortsetzung des preisgekrönten Fanlieblings „Nur drei Worte“, auch als „Love, Simon“ bekannt!


Vielen Dank an den Carlsen-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

POSITIV

  • Ich liebe diese Gruppe von Freunden!

Ich kann nur sagen, dass ich diese Freunde schon im ersten Buch echt gut fand, sie dort aber alle nicht so eine riesige Rolle spielen, wie hier. Was auch daran liegt, dass Leah eher der Typ ist, der sich im Hintergrund hält. Sie beobachtet mehr die Dynamik im Freundeskreis, anstatt aktiv daran teilzunehmen. Daher kann ich sie auch nur daran beurteilen, mag aber die speziellen Dynamiken sehr sehr gerne, habe es geliebt, wie sie sich geändert haben, wenn gewisse Menschen dazu kamen oder fehlten. Jeder dieser Charaktere hat eine ganz eigene ausgearbeitete Persönlichkeit, die ich unfassbar lieben gelernt habe!

  • Leah ist dick – und es ist absolut kein großes Thema

Leah ist dick. Das ist ihr bewusst, dass ist allen anderen bewusst, aber niemand zieht sie in diesem Buch damit auf. Niemand bringt dumme Sprüche, niemand lässt sie auflaufen und sie hat tolle Klamotten, in denen sie sich selber wohlfühlt. Natürlich wird trotzdem erwähnt und ausgiebig geschildert, wo es dann doch in dieser Gesellschaft von „Nachteil“ ist, wenn man dick ist. Beispielsweise, wenn es darum geht, ein Kleid für den Abschlussball zu kaufen oder sich darin selbst gut zu fühlen. Man merkt, dass Leah es in ihrem Köper nicht unfassbar leicht hat, aber es wird ihr gerade von ihrer Familie und ihren Freunden nicht noch schwerer gemacht. Und genau das zu sehen, war unfassbar augenöffnend, schön und generell genial!

  • Leah steht zu sich selbst!

Ich finde es super, dass Leah wirklich zu sich selbst steht, dass sie weiß, was ihr eigener Wert ist und dass sie weiß, was sie selbst ist. Sie weiß es zwar zwischendurch nicht so unfassbar sicher, aber sie steht auch zu ihrer Verwirrung. Sie steht zu sich und ihrer sehr jungen Mutter und dazu, dass sie eigentlich keinen Stiefvater haben will. Sie steht auch zu ihren teils abgedrehten Klamotten und dazu, dass sie sich halt nicht jedes College leisten kann. Ich finde es unglaublich cool, dass Leah sich nicht immer wohl in ihrer Haut fühlt, aber doch immer genau weiß, wer sie ist und was sie wertvoll und besonders macht! Go, Leah!

  • So. Much. LGBTQ+. Representation!

Was ich ja an Albertellis Büchern liebe: Sie haben es geschafft, den Buchmarkt zu erobern und gleichzeitig LGBTQ-Stimmen erstmals nach vorne zu bringen und stärker heraus zu heben! Dafür werde ich ihr auf ewig dankbar sein! Und auch in diesem Buch macht sie nicht halt! Leah ist bi (und nein, das ist kein Spoiler oder sowas), Simon und sein Freund sind ein süßes und zurückhaltendes schwules Pärchen, was sich genau so vor Trennung durch das College fürchtet, wie das hetero Pärchen im Freundeskreis. Die Zerissenheit von Leah, was ihre Gefühle für ein Mädchen und einen Jungen angeht, ist echt und roh und wunderschön, gerade weil sie so selbstverständlich behandelt wird. Und auch, dass sich Menschen ihrer Sexualität nicht sicher sein können und damit ihre Probleme haben, wird abgedeckt! Me very likey!

  • Leahs Beziehung zu ihrer Mutter!

Wie schon erwähnt: Leahs Mutter war sehr jung, als sie Leah bekommen hat, sie erzieht sie alleine und versucht verzweifelt, für sie zu sorgen, obwohl sie mit ihrem Job nicht so gut verdient. Dabei halten die beiden immer zusammen und obwohl Leah sie manchmal natürlich peinlich findet, mag sie es sehr gerne, dass ihre Freunde ihre Mutter auch so cool finden! Wie könnte man auch nicht! Ihre Mutter lässt ihr genügend Freiraum und ist trotzdem sehr liebenswürdig und ist besorgt um ihre Tochter. Die beiden halten zusammen, egal was kommt. Und das macht sie unfassbar toll und für mich zu einem echten Dreamteam!

  • Ich konnte die Romantik absolut nachvollziehen und mitfiebern!

Je älter ich werde und je mehr romantische Bücher ich lese, desto abgestumpfter werde ich. Das ist leider so und ist leider auch bei jedem Genre irgendwann der Fall. Daher ist es immer besonders, wenn ich auch mit der Protagonistin Herzklopfen empfinden kann, wenn ich sie ebenso toll finde, wie Leah sie findet, wenn ich ebenso verwirrt vom Verhalten bin und jedweder Annäherung total entgegen fiebere! Wie toll ist das bitte geschrieben, dass ich extrovertierte Kuh auf einmal mit einer schüchternen Leah mitfiebern kann?

NEGATIV

  • Ein bisschen zu wenig Bandaction!

Leah ist eigentlich die Drummerin einer Band, die im Vorgänger-Band auch sehr viel Aufmerksamkeit bekommen hat. In diesem Band haut Leah vielleicht einmal auf ihrem Schlagzeug rum und noch einmal, um irgendwen auf ihrem College zu beeindrucken. That’s it. Gerade als jemand, dem seine Bandaction heilig ist und die immer wieder mega Spaß und sehr viel Seelenruhe dabei findet, Musik zu machen, fand ich es sehr sehr schade, das so wenig Fokus auf der Band lag und auf den Dynamiken der einzelnen Mitglieder außerhalb und innerhalb der Musik. Was wir mitkriegen ist, dass sie sich zwischendurch mal alle streiten und dann liegt alles brach. Was natürlich absolut nicht der Sinn der Sache ist.

  • Es lief gefühlt auf nichts hinaus

Das größte Problem dieses Buches ist allerdings, dass es mehr so vor sich hin plätschert ohne an Fahrt aufzunehmen oder wichtige Events zu haben. Würde man den Plot aufmalen, würde man wohl sehen, dass es sehr wohl Punkte gibt, die Spannung ausdrücken sollen, allerdings schwirren diese teilweise nur vorbei, es gibt keinen richtigen Spannungsaufbau und ich finde es unfassbar komisch, dass es in einem Buch mit einem Roadtrip und einer Promnacht so unfassbar wenig gibt, was effektiv passiert. Man könnte wohl sagen, dass das Buch nicht so richtig wusste, wo es eigentlich hin will und das war echt tragisch, denn so plätschert die Geschichte nur so vor sich hin, anstatt wirklich klasse und typisch Albertelli zu sein.


Fazit

„Ein Happy End ist erst der Anfang“ konnte mich schlussendlich doch von sich überzeugen. Durch seine authentischen Charaktere und die toll gestalteten Beziehungen derer untereinander hatte ich konstant das Gefühl, es mit echten Menschen zu tun zu haben! Ich habe es richtig genossen, mit diesen Menschen ihr letztes Highschool-Jahr zu erleben und den anderen Blickwinkel durch Leah mitzukriegen. Ich mochte ihr Gefühlschaos, ihre chaotische Familiensituation, ihre absolut genialen Sprüche und auch wenn mir die Band an sich viel zu wenig vorkam, fand ich ihre moralischen Dilemma und Zukunftsängste sehr gut dargestellt und fühlte mich wirklich wie im Gehirn eines unsicheren Teenagers! Eine Empfehlung für alle, sie seichte Contemporary mögen mit der Repräsentation, die bi Menschen gebührt!

4 von 5 Tintenkleckse

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