How to be loud and proud – 5 Wege sich stark zu machen

In der heutigen Zeit kann es schnell passieren, dass man sich einfach nicht mehr zurecht findet. Ich finde mich immer wieder in der Situation wieder, dass ich mich für etwas oder jemanden einsetzen will, aber einfach nicht weiß, was ich tun soll.

Die Probleme unserer Zeit scheinen auch immer zu riesig für eine Person alleine zu sein. Es geht um Frauenrechte, den Klimawandel, das Aufleben rechter Parteien und Ideologien und natürlich auch um Rechte der LGBTQ+-Community. 

In “Schrei!” von Laurie Halse Anderson berichtet die Autorin in Gedichten nicht nur von ihrem Leben, sondern vor allem davon, wie sexueller Missbrauch sie und ihr Leben beeinflusst hat, da sie ein Buch darüber schrieb, was viel aus eigener Erfahrung zehrt. Das Buch ist ein Aufschrei und gleichzeitig eine Aufforderung: Nehmt Opfer ernst und lasst uns zusammen eine Gesellschaft erschaffen, in der Rape Survivors und Opfer sexuellen Missbrauchs offen über ihre Erlebnisse sprechen können und die Täter vor Angst zittern.

Dieser Aufschrei motivierte zumindest mich dazu mich zu fragen, was ich denn tun könne, um zu helfen. Um etwas zu bewegen. Nicht nur bei mir, sondern auch in meinem näheren Umfeld. Ich habe also 5 Tipps zusammengestellt, wie sich das angehen lässt:


1. Scheut euch nicht davor, Meinungsverschiedenheiten zu haben und Diskussionen auszutragen!

Ich erlebe immer wieder, dass Diskussionen aufkommen und dann entweder schnell alle leise werden und sich anderen Themen zuwenden oder jemand laut wird und seine Meinung anderen aufdrückt. Meistens ist dies aber die Meinung, der alle anderen widersprechen würden. 

Und auch ich habe dauernd Angst, Freundschaften zu zerstören oder gute Stimmungen kaputt zu machen. Aber wenn jemand meint, Frauen seien doch selbst Schuld an sexueller Belästigung, wenn sie kurze Röcke anziehen, dann muss man sich trauen und was dagegen sagen. Mittlerweile traue ich mich schon, in fremde Gespräche einen kurzen Spruch hinein zu werfen, wenn die Leute absoluten Mist erzählen. 

Traut euch, denn diesen Menschen muss gezeigt werden, dass die große Menge nicht hinter ihnen steht.

Dieser Tipp gilt vor allem auch online! Rechte Trolle haben absolut keine Scheu davor, zu tausenden ihre schrecklichen Meinungen ins Internet zu blasen. Da kommt man mit Logik natürlich schlecht gegen an. Aber versucht es! Denn jede Stimme, die sich dagegen stellt und nicht schweigt, hilft! Denn die Schweigsamen sehen, dass sie nicht alleine wären, und die, die angegriffen werden, werden nicht allein gelassen. Solidarität ist wichtig!

2. Geht auf Demonstrationen!

Demonstrationen oder Streiks sind eines der stärksten Mittel, mit dem wir in unserer Demokratie unsere Meinung vertreten können. Natürlich sind Wahlen auch wichtig, aber die finden im Durchschnitt nicht mal ein mal im Jahr statt.

Sei es nun also eine Demo zu #FridaysForFuture (denn dort sind alle Willkommen, nicht nur Schüler*innen!), zum Artikel 219a oder gar eine Gegendemo zu Pegida oder der AfD. Sucht euch Freunde, die sich ebenfalls einsetzen wollen und traut euch! Je mehr wir sind, desto mehr kann man erreichen! 

3. Beschwert euch. Ihr habt alles Recht der Welt dazu.

Diese Tipps sind gerade für den Arbeitsplatz oder die Uni gedacht, denn dort habe auch ich großteils mit diesen Dingen zu tun: Auch beim kleinsten Zeichen von Sexismus, beim kleinsten Zeichen davon, dass euch jemand nicht ernst nimmt, werdet laut, werdet unangenehm. Wenn ihr euch nur den Anforderungen der Männer beugt, werdet ihr nie gut genug für sie sein, sie werden immer etwas zum Meckern finden. 

(Das soll nicht heißen, dass ihr dies tun müsst. Ich weiß, dass viele auf ihren Job angewiesen sind und nicht schnell einen neuen finden können. Seid euch vorher eurer Position sicher und lasst es, wenn ihr euch damit nicht sicher fühlt, ihr sollt nicht euer Leben wegschmeißen.)

Seid ihr jedoch ihr selbst, steht für euch ein und lasst euch nichts sagen (und ich weiß, wie unglaublich schwierig das sein kann), dann wissen sie nicht mit euch umzugehen. 

Und behandeln euch – Oh, Schock – vielleicht sogar wie ein menschliches Wesen.

Ich finde es sehr wichtig, auf Missstände hinzuweisen. Über sexistische Witze von Professoren zu reden und warum diese nicht okay waren. Über komische Verhaltensweisen gegenüber jungen Frauen zu reden. Oder über den einen Kollegen, der immer meint, dass Frauen nicht gut Auto fahren können. 

4. Schaut auf eure eigenen Stärken und bringt diese ein!

Ich habe diesen Tipp letztens erst von einer sehr guten Freundin bekommen, die ich verzweifelt fragte, was ich denn tun kann. Ich wusste es nicht. Ich selbst und das Bewusstsein für meine Stärken waren mir abhanden gekommen, weil ich mich so viel für andere eingesetzt hatte. 

Und sie sagte mir, dass meine Stärken darin liegen, ein Ass in meinem Studium der Elektrotechnik zu sein. Und dass ich schreiben kann. 

Und diese Dinge kann ich einbringen.

Ich kann solche Artikel wie diesen schreiben. Oder mich dafür einsetzen, dass Suchmaschinen diverser programmiert werden. Lehrer*innen können so viel über die verschiedensten Themen im Unterricht vermitteln. Altenpfleger*innen können den älteren Generationen neue Denkweisen beibringen. Wenn man gut in Konversation ist, kann man neue Menschen für den Kampf gewinnen. Wenn man Musik macht, kann man diese Themen verarbeiten (man siehe nur mal Kraftklub!). Wenn man Marketing macht, kann man sich für gendergerechte Sprache einsetzen. Und wenn man viele Freund*innen hat und ein gutes Ohr, dann kann man ganz genau hinhören. 

Jede*r bringt eigene Stärken und Vorteile mit, mit denen man sich einsetzen kann. Wirklich jede*r! 

5. Unterstützt euch gegenseitig, hört euch zu und bildet eure eigenen Netzwerke, die ihr bestehenden entgegen setzen könnt!

Ein unfassbar schönes Erlebnis ist es immer wieder, wenn man sich mit Gleichgesinnten darüber austauschen kann, welche Dinge man erlebt oder geschafft hat, welche Gespräche sich ergeben haben und welche neuen Diskussionen und Fragen aufgekommen sind. 

Gerade das Gespräch mit Männern kann total frustrierend sein, das weiß ich aus eigener Erfahrung. 

Dementsprechend ist mein letzter und wichtigster Tipp: Bildet Netzwerke. Unterstützt euch gegenseitig bei euren Vorhaben.

Auch ein regelmäßiges Treffen kann Wunder für die Seele wirken, denn wir leben nun mal in einer Welt, die es Frauen und anders Marginalisierten wirklich nicht leicht macht. Dort kann man sich auskotzen, bekommt aber auch neue Impulse, kann weiterdenken und Neues planen.

Und am wichtigsten: Hört euch gegenseitig zu. Gerade in Zeiten von #MeToo wissen wir, dass es viel mehr Menschen gibt, die von sexualisierter Gewalt und Missbrauch betroffen waren. Lasst Menschen an euch und eure Geschichte heran, lasst ihnen den Freiraum, den sie brauchen, um sich euch anzuvertrauen. Und hört zu, wenn Menschen euch vielleicht nicht direkt heraus sagen, was ihnen widerfahren ist. Was sehr schwer sein kann, in einer Welt, in der wir oft nur über unsere eigenen Gedanken reden möchten. Hört einander zu. Es könnte Leben retten.

Natürlich können nicht alle Menschen alle diese Tipps umsetzen. Aber sich an ihnen orientieren, könnte gerade in der jüngeren Generationen einen großen Schritt nach vorne bedeuten.

2 Comments

  1. Hey Anna,
    ich habe inhaltlich nichts gehaltvolles beizutragen, nur, dass ich deinen Beitrag toll finde und deinen Punkten nur zustimmen kann! Es ist nicht immer einfach, aber wichtig.
    Viele Grüße
    Yvonne 🙂

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