Feministische Gedichte zu Rape Culture | „SCHREI!“ von Laurie Halse Anderson | Rezension

Endlich gibt es die Rezension zu dem Buch, was mich die letzten Monate unfassbar beschäftigte und dass ich ungelogen drei Mal gelesen habe. Dieses Buch hat mich sehr geprägt und ich hoffe, dass es dies auch bei euch tun wird. Hier kommt meine Rezension zu „SCHREI! – Nur wenn ich laut bin, wird sich etwas ändern“ von Laurie Halse Anderson.

#speakupandshout

[CW: Sexual abuse, Rape, Rape Culture]


Bibliographische Daten

  • Autorin: Laurie Halse Anderson
  • Genre: Biographie, Poesie
  • Verlag: dtv bold
  • Übersetzerin: Bernadette Ott
  • Seitenzahl: 288 S.
  • ISBN: 978-3423230056

Kurzbeschreibung

 #speakup

Dies ist die Geschichte eines Mädchens, dem die Stimme geraubt wurde und das sich selbst eine neue schrieb.

›Schrei!‹ ist Andersons Autobiografie in Versform, in der sie fortführt, was sie in ihrem Debüt ›Sprich‹ weltweit erfolgreich begonnen hatte: die schonungslos offene Auseinandersetzung mit Missbrauch in einer Gesellschaft, die im Umgang damit noch ganz am Anfang steht. Und deshalb umso dringender von Werken wie diesem lernen, verstehen und handeln muss.


Vielen Dank an den dtv-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

POSITIV

  • Eine Autobiographie und ein Buch über Rape Culture in einem!

Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes. Es vereint zwei Konzepte in einem, wie ich es vorher noch nie bei einem Buch gesehen habe. Der erste Teil des Buches folgt der Kindheit der Autorin. Es erzählt von den Ereignissen, die sie geprägt haben, von den Problemen, die die Familie immer mal wieder hatte, wie sie die Ehe von ihren Eltern wahrnahm und wie sie in der Schule war. Außerdem beschreibt die Autorin ein Auslandsjahr.

Im zweiten Teil geht es dann um sexuellen Missbrauch, sexuelle Gewalt und die Vergewaltigung der Autorin, über die sie sehr lange Zeit mit niemandem sprach. Sie bringt alle ihre Emotionen in diese Gedichte ein, von Wut bis Erleichterung, Gleichgültigkeit bis Verzweiflung. Sie webt außerdem ihre Erfahrungen mit ein, da sie ein Buch über ein missbrauchtes Mädchen geschrieben hat und viele Schüler trifft, wenn Lehrer sie einladen, um über das Buch zu sprechen. Diesen Teil fand ich absolut genial!

  • Ich liebe es, dass wirklich alles in Versen geschrieben ist!

Ich bin ein großer Fan von kurzen Kapiteln, prägnanten Sätzen und generell allem, was mit Poesie und Gedichten zu tun hat. Ich liebe Atticus, Rupi Kaur, Nikita Gill, Matt Haig und definitiv Oscar Wilde und seine kurzen Bemerkungen, die sich einfach überall hin schleichen.

Und auch dieses Buch macht hier keine Ausnahme. Ich könnte darin baden, dass alles in Versen geschrieben ist, denn dies unterstreicht die Atmosphäre für mich immer noch viel mehr, ich fühle mich mehr eingenommen und habe immer das Gefühl, dass die Autorin mir direkter aber auch verschwommener sagt, was sie eigentlich mitteilen möchte.

Ich bin ein riesiger Fan davon, wenn alles in Versen geschrieben ist und auch hier wurde ich nicht enttäuscht!

  • Es gibt so viele Zitate, die einem Kraft und Inspiration geben können!

Eines meiner allerliebsten Zitate habe ich euch mal aufgeschrieben:

Das ist kein Resting-Bitch-Face. Das ist ein Touch-Me-And-Die-Face.

Schrei! von Laurie Halse Anderson

Ich bin bei so vielen Gedichten und kurzen Sprüchen hängen geblieben, die einfach sehr laut zu mir gesprochen haben, mich beinahe schon angeschrien haben. Ich liebe es, dass ich mir jedes Gedicht an meine Wand hängen möchte, ich liebe es, dass jemand die Wut und die Ungerechtigkeit dieser Welt für alle Opfer sexuellen Missbrauchs klar und emotional formuliert und jede Kritik in Flammen aufgehen lässt.

Ich liebe es, dass dieses Buch einem Selbstvertrauen (zurück) geben kann. Ich liebe es, dass dieses Buch vielleicht sogar Selbstvertrauen schaffen kann.

Und ich liebe, dass jede schuldige Person, die dieses Buch liest, sich vor Scham und Schuld aus ihrer Haut winden wollen wird.

  • Das Thema Rape Culture und der Umgang damit!

Wie ihr euch sicher denken könnt, war ich vor allem von dem Part begeistert, der sich der Gesellschaft in der wir leben zuwendet und den absolut abscheulichen Dinge, die in ihr immer und immer wieder geschehen. Ich finde es großartig, dass die Autorin ihre eigenen Erfahrungen mit eingebracht hat. Ich liebe sie dafür, dass sie ihren eigenen Werdegang schildert, ihre eigenen Emotionen und wie sie damit umging. Ich liebe es eben so sehr, wie sie beschreibt, wie sich dies alles in ihrem Buch „Sprich“ kristallisierte und wie dieses ihr auf einmal erlaubte, vor ganz vielen Schulen in Amerika über sexuellen Missbrauch zu reden. Wie viele Scüler*innen auf einmal mit ihr sprechen wollten. Wie viele Geschichten sie sich angehört hat. Wie viel größer das Problem ist, als sie dachte. Wie viel wütender sie wurde. Und wie viel mehr Verbesserungspotenzial sie in unserer Gesellschaft sieht.

Ich bin ein riesiger Fan jeder einzelnen Zeile und könnte mein Zimmer damit tapezieren!

  • Ich liebe liebe liebe die Wut und die Verzweiflung, die beide aus diesem Buch sprechen

Ich kann nicht aufhören, von diesem Buch zu schwärmen. Aber in der letzten Hälfte des Buches haben mich vor allem die Wut, die Verzweiflung und die Zur-Wehr-Setzung total überrascht, emotional mitgenommen und definitiv über den Haufen geworfen. Ich liebe es, wie ehrlich wütend die Autorin wird. Wie sie das adressiert und sagt, dass Mädchen beigebracht wird, abzuhauen statt wütend zu werden. Ich liebe es, wie ehrlich wütend sie ist, ohne sich zurückzunehmen, wie sie jeden Täter verflucht, Victim Blaming und toxische Strukturen entblößt, nur um auf diese mit Feuer nieder zu regnen. Ein wütendes Buch für Umstände, die nur wütend machen können.

NEGATIV

  • Der biographische Teil war mir ein wenig zu langatmig und langweillig

Der erste Teil des Buches ist der Teil, in dem die Autorin viel davon schildert, wie sie aufwuchs, wie ihre Eltern sie behandelten, wie sie es nicht einfach im Leben hatten und welche Erlebnisse sie geprägt hatten. Und auch wenn ich diese Gedichte größtenteils sehr schön fand, haben sie mich nach einer Zeit ein wenig gelangweilt und ich fand es nicht sonderlich spannend, als sie sehr ausführlich beschrieb, wie ihr Auslandsjahr in einem nordeuropäischen Land verlief. Das fand ich wirklich langatmig und zu repetitiv. Allerdings scheint die Autorin diese Erinnerungen sehr gern zu haben, dementsprechend haben sie schon ihre Berechtigung.


Fazit

Ich liebe dieses Buch aus vollem Herzen. Ich liebe nicht nur Gedichte, ich liebe es auch, wenn sie sich einem ernsten Thema annehmen. Ich könnte ewig wieder in diese Seiten eintauchen und könnte jedes Mal wieder eine Lektion über Rape Culture, die Wichtigkeit des Nicht-Hinnehmens und vor allem des Hinsehens lernen. Dieses Buch ist unfassbar wichtig, unfassbar gut, beschreibt nicht nur die Erfahrungen einer Rape Survivorin, sondern auch die, mit denen sie dank ihrem Buch „Sprich“ gesprochen hat. Unbedingt Leseempfehlung!

5 von 5 Tintenkleckse

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