Monetarisierung – Ein ewiges Streitthema

Genauso wie das Anfragen und Annehmen von Rezensionsexemplaren ist ein weiteres – wenn auch viel neueres – Streitthema die Monetarisierung von Blogs. Im Speziellen natürlich Buchblogs.

Angefangen hat die neue Diskussion mit einem Vortrag von Philip von Book Walk zum Thema „Monetarisierung von Buchblogs“, der auf dem Blogger Future Place 2016 auf der Frankfurter Buchmesse gehalten wurde.

Philip war so nett, den Vortrag außerdem noch auf seinem Blog zur Verfügung zu stellen, sodass ihr alle wisst, von was wir genau reden! >>>Hier<<< könnt ihr ihn finden!

Ich war (natürlich!) live vor Ort und habe wichtige Zitate aus der heiß entbrannten Diskussion nach dem Vortrag getwittert und ganz selten auch meine eigene Meinung dazu eingebracht.

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Ich hätte eigentlich mit gar keiner bis mäßig interessierter Reaktion gerechnet, da ich dachte, dass die Diskussion wohl nicht viel Neues zur Diskussion beizutragen hatte und höchstens ein paar neue Einblicke bot, auch wenn sie sehr viel Spaß gemacht hat.

Aber weil die Reaktion doch sehr heftig ausfiel und zum Beispiel solche Tweets an der Tagesordnung waren,

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habe ich mich entschlossen, doch auch einen Beitrag zu diesem Thema zu schreiben und meine Meinung kundzutun.

monetarisierung

(Design by Freepik.com)


Dies haben schon Julia von Julias Wunderland und Mareike von Bücherkrähe getan. Zwei unterschiedliche Meinungen und beide durchaus lesenswert.

Stellungnahme: Ich bin grundsätzlich positiv zur Monetarisierung eingestellt, denn warum sollte die harte Arbeit, die wir in unser Hobby stecken, nicht auch bis zu einem gewissen Grad entlohnt werden? Monetarisierung hat erfolgreich auch in anderen “Branchen” geklappt und auch wenn die Buchbranche sehr viel kleiner ist, so könnte sich dieser Schritt auch bei uns definitiv vollziehen und auch lohnen.

Aber schauen wir doch mal, was für Gegenargumente ich gehört habe und nehmen uns dieser an:

Was ist denn mit Monetarisierung gemeint?

Sehr vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies, dass man mit ein paar seiner Beiträge auch Geld verdienen kann. Wenn also die Arbeit, die man sich macht, auf eine beliebige Art und Weise auch entlohnt wird.

Dies kann durch Werbeanzeigen, durch verschiedene Formen des Sponsored Contents, die Zusammenarbeit mit Verlagen und und und geschehen.
Genaueres dazu gibt es bei Philip in der Präsentation.

Also wollt ihr Blogger nur noch gegen Bezahlung arbeiten?

Nein, das wollen wir auf keinen Fall! Niemand sagt, dass wir nur noch Posts veröffentlichen, die bezahlt wurden. Es geht nur darum, dass generell Möglichkeiten zur Monetarisierung geschaffen werden könnten und wie sich diese umsetzen lassen könnten.

Es geht nicht darum, nur noch gegen Geld zu schreiben oder Meinungen kaufen zu lassen, sondern einfach nur darum, ob und wie sich Möglichkeiten schaffen lassen könnten auch Buchblogs zu monetarisieren.

Sind Rezensionsexemplare denn nicht auch schon eine Art Bezahlung? Freut euch doch, dass ihr die überhaupt bekommt!

Rezensionsexemplare sind ein Thema, zu dem schon hinreichend Diskussionen geführt wurden und die (aus meiner Sicht) auch schon weitreichend geklärt sind, denn so wie ich das sehe, sieht es wie folgt aus:

Ja, wir bekommen Rezensionsexemplare von den Verlagen zugeschickt, aber wenn man sie bekommt, ohne angefragt zu haben, sind es meistens Bücher, die man gar nicht lesen möchte oder sich gar nicht vorstellen kann, warum man sie geschickt bekommen hat.

Rezensionsexemplare müssen angefragt werden und selbst dann läuft das immer (und dies ist ja auch relativ logisch und offensichtlich) nach diesem Schema ab:

Der Verlag fragt sich, ob der Buchblog XY und die Anzahl der Leser dieses Blogs denn zu dem Buch Z passen und ob sich dadurch ein Profit für den Verlag erwirtschaften lässt.

Bist du ein kleiner Blogger oder ein Blogger, der noch nicht oft Kontakt mit dem Verlag hatte, dann sinken deine Chancen rapide.

Und wie auch schon auf dem Blogger Future Place gesagt wurde: Es ist mehr ein Mittel zum Arbeiten, als eine Bezahlung.

Wenn man nämlich die Zeit des Lesens, des Schreibens der Rezension und der hübschen Aufmachung drumherum auch noch miteinbezieht, dann rechnet sich das für den Verlag unglaublich.

Stellt euch doch mal vor, der Verlag müsste jemanden einstellen, der mit dem Zeitaufwand genauso viele Leute erreicht. Der müsste schon ein ziemlich hohes Gehalt bekommen.

Dies bedeutet nicht, dass ich für Rezensionen bezahlt werden möchte, denn sie sind schon ein Herzstück des Blogs und sollten (meiner Meinung nach) eine freie Meinungsäußerung sein.

Aber die Glaubwürdigkeit nimmt bei bezahltem Content doch ab!

Da hat die absolut unglaubliche Suse von Literaturschock auch einen tollen Satz zu gesagt: “Was ist denn das für ein Menschenbild, wenn man, nur weil man Geld für eine Tätigkeit bekommt, gleich ein schlechter Mensch ist, sofort unglaubwürdig wird und seine Meinung dadurch verkauft?”

Ich glaube nicht, dass es die Leute groß stört, wenn sie wissen, dass ein gewisser Beitrag oder eine Aktion finanziell von einem Verlag unterstützt wurde. Mich würde das in keinem Fall stören.

Und auf clever-bloggen.de gibt es ein wunderbares Interview mit Djure Meinen, in welchem er Folgendes zu diesem Thema zu sagen hat:

Die Vorstellung, dass man seine Seele verkauft, wenn man für Geld arbeitet, zeugt doch von einem ziemlich armseligen Menschenbild. Ohne Frage beeinflussen wirtschaftliche Beziehungen das Verhalten. Genauso wie jede andere Form von Beziehung das auch tut. Entscheidend ist daher nicht, ob Unternehmen Bloggerinnen für ihre Arbeit bezahlen. Entscheidend sind vielmehr die Bedingungen, unter denen sie das tun. Und diese Bedingungen sollten so transparent wie möglich gemacht werden.

Wir verlieren unsere Freiheit, unserem Blog dem widmen zu können, was wir am Liebsten mögen und wir sind nicht mehr unabhängig!

Doch. Ich wüsste nicht, wie es in irgendeiner Weise unsere Unabhängigkeit beeinflussen sollte.

Wenn mir ein Verlag ein Buch ablehnt, kann ich es trotzdem lesen und rezensieren. So wird mir keine Freiheit genommen.

Anders sähe das bei “Vollzeit-Bloggen” aus, wenn man also seinen gesamtem Lebensunterhalt mit dem Bloggen verdienen wollte. Dann wäre man auf Kooperationen angewiesen, allerdings ist dies bei Freien Journalisten, die darauf angewiesen sind, dass man ihre Artikel kauft, auch nicht anders.

Hier will ja niemand mit dem Buchbloggen seinen Lebensunterhalt verdienen.

Aber selbst wenn wir es wollten, könnte man Aktionen auch ohne die Unterstützung von Verlagen auf die Beine stellen, allerdings hat man dann halt nichts zu futtern.

Das nennt sich freie Marktwirtschaft und ich sehe nicht, wie es unsere Buchbloglandschaft groß verändern sollte.

Niemand nimmt euch ernst! (Werbende vs. Journalisten)

Auch kommt öfter der Vorwurf auf, dass man uns dann nicht mehr als Presse ernst nehmen könne, weil wir eben keinen journalistischen Beruf erlernt haben, aber trotzdem Geld für unser Geschreibsel haben wollen.

Wir wären ab da nur noch Werbende und dürften auch nur noch so behandelt werden.

Ich frage mich aber trotzdem:

Wie ist das denn mit Feuilleton-Journalisten? Die haben das erlernt und schreiben gegen Geld Artikel zu bestimmten Büchern. Kann man die jetzt auch nicht mehr ernst nehmen, weil sie doch bezahlt worden sind?

Natürlich hat kein Buchblog die Qualität und die Einsicht eines Literaturkritikers, aber das ist auch gar nicht der Anspruch.

Wie soll diese Bezahlung denn bitte vor sich gehen?

Die gute Julia hat sich gefragt, wie denn nun die Bezahlung vor sich gehen würde.

Ganz einfach: Nach Reichweite, Beiträgen (aufgeteilt in Blog, Instagram, Twitter und Facebook) und natürlich, wie sehr der Verlag in den Beitrag eingebunden ist.

Der Verlag bezahlt für seine Zusammenarbeit mit dem Blogger keinesfalls monatlich, sondern für die einzelne Zusammenarbeit.

Und sollte der Blogger etwas schreiben, was dem Verlag nicht schmeckt, oder der Verlag mit der Zusammenarbeit nicht zufrieden sein, dann wird halt nicht wieder mit dem Blogger zusammengearbeitet. Fertig.

Und die Höhe dieser Bezahlung wird dann einfach durch Verhandlung und Trial-and-Error festgestellt, bis sich ein gewisser Standard festgesetzt hat.

Außerdem wird natürlich nicht jeder Blogger automatisch für Beiträge bezahlt, so wie nicht jeder Blogger sofort Rezensionsexemplare bekommt und zu Bloggertreffen geladen wird. Man muss sich seine Position schon erarbeiten.

Aber Bloggen ist doch nur ein Hobby!

Klar. Und für alle, für die es nur ein Hobby sein soll, die dürfen das auch gerne so machen. Es zwingt euch ja keiner, euren Blog zu professionalisieren und zu monetarisieren, aber vielleicht wollen das andere Blogger machen.

Wenn ihr kritisieren wollt, dass dann die heimelige Atmosphäre verloren ginge und die Blogs nicht mehr aus lauter Lust und Laune betrieben werden, dann muss ich leider sagen: In jeder anderen “Branche” hat sich dieser Schritt bereits vollzogen und es ist die Gloriosität des Internets, das wir eben beides machen können: Monetarisierung und Hobby-Blog, Professionell und Laienhaft. Es geht alles! Wir haben unzählige Möglichkeiten!

Warum sollten wir sie nicht ausnutzen?

Ein wunderschönes Zitat hierfür ist dieses:

Choose a job you love, and you will never have to work a day in your life.

– Confucius

Wir lieben alle, was wir tun und wieso sollten wir dann nicht versuchen, dies zu unserer Profession zu machen? Warum sollten wir nicht versuchen, so viel Zeit wie möglich in das zu stecken, was uns alle bewegt und uns so viel Spaß macht, wie nicht viel anderes?

Unser Hobby, ja! Aber vielleicht nicht nur zeitlich, sondern auch entgeltlich, ein Nebenjob!


Eine kleine Anekdote habe ich noch für die Glaubwürdigkeits- und Hobbydebatte:

In der Show “The Daily Show” aus den USA hat sich Jon Stewart vor Jahren mal eine Sitzung der Regierung zum Thema Umweltschutz angesehen, bei der einer der Abgeordneten (frei übersetzt) sagte: “All die Wissenschaftler, die sich mit Klimawandel auseinandersetzen, und deren Karriere an diesem Thema hängt, damit sie weiter Artikel publizieren können….Ja, das könnte ich lesen, aber ich glaube es ihnen nicht.”

Worauf dann Jon Stewart sarkastisch feststellte: “Ich glaube den Wissenschaftlern nicht, weil es ihre Profession ist…und nicht ihr Hobby.”

Dies sollte also darstellen, warum es nicht gerade gut ist, davon auszugehen, dass man sofort und nur, weil man sein Hobby als Lebensgrundlage betreibt, ein schlechter und unglaubwürdiger Mensch ist, weil man ja Geld dafür bekommt, seinem Hobby nachzugehen.”


Davon kann man doch nicht leben!

Nein, das kann man ganz offensichtlich nicht.

Aber bis jetzt strebt auch noch keiner dieses wahnwitzige Ziel an. Wir wollen nur für unsere Leidenschaft und unsere investierte Zeit, auch eventuell die Möglichkeit bekommen, auch dafür entlohnt zu werden.

Dazu hat ein Rolling Stones-Redakteur auf dem Bloger Future Place Folgendes gesagt, was erstmal so sacken musste, danach aber tosenden Applaus bekommen hat:

Ihr könnt doch nicht morgens Brötchen ausfahren, damit ihr mittags bloggen könnt! Das ist doch kein Lebensentwurf! Organisiert euch und schafft euch selbst Möglichkeiten!

Fazit:

Es ist schwierig, sich zu diesem Thema zu äußern, ohne gleich von allen Seiten angesprungen zu werden. Ich persönlich verstehe nicht, warum sich die meisten Blogger bei der Vorstellung, sie könnten Geld mit ihrem Geschriebenen verdienen, so sträuben, aber ich sehe keinen Grund.

Ich wäre dafür, dass wir nach Monetarisierungsoptionen suchen und uns selbst etwas schaffen, was uns wenigstens ein wenig für das Ganze entlohnt, was wir hier Woche für Woche und Beitrag für Beitrag kontinuierlich durchziehen.

Keiner muss, aber jeder kann. Und alles kann.

It’s up to you, guys! Make something out of it!


Let’s discuss: Wie steht ihr zur Monetarisierung? Welche Möglichkeiten würdet ihr gerne in Anspruch nehmen? Wollt ihr euren Blog überhaupt monetarisieren, oder seht ihr ihn nur als ein Hobby an? Wie ist eure Meinung zu Rezensionsexemplaren? Und meint ihr auch, dass man als Werbender für die Verlage bezahlt werden sollte?

Ich freue mich schon sehr auf eine genauso tolle Diskussion wie beim Blogger Future Place!

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