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Rezension: „Thalamus“ von Ursula Poznanski

Mein erster Jugendthriller von Ursula Poznanski war ein wahres Fest der Emotionen!

Es konnte mich zwar nicht völlig überzeugen, aber dieser Thriller um den jungen Timo, der durch einen Motorradunfall schwer verletzt wurde und nun in einer Einrichtung ist, um sich zu erholen, hat ein paar sehr interessante Aspekte, beschäftigt sich mit einem besonderen Teil der neuesten Technik und ist sehr spannend geschrieben!

Aber mehr dazu jetzt in dieser Rezension!


Bibliographische Daten

  • Autor:  Ursula Poznanski
  • Genre: Jugendbuch, Thriller
  • Verlag: Loewe
  • Seitenzahl: 446 S.

Kurzbeschreibung

Er kann Dinge, die er nicht können dürfte.

Er weiß Sachen, die er nicht wissen sollte.

Eine abgeschiedene Rehaklinik mitten im Wald, viele Kilometer entfernt von der nächsten Ortschaft: In dieser Einsamkeit erzielt der Markwaldhof sensationelle Ergebnisse in der Behandlung von Traumapatienten. Auch Timo erholt sich hier schnell von seinem Motorradunfall. Viel zu schnell!

Denn nachts, wenn die Lichter ausgehen, beginnt ein ganz anderes Leben im Markwaldhof. Aber Timos Sprachzentrum ist noch immer komplett blockiert, sodass er niemandem davon erzählen kann…


Vielen Dank an den Loewe-Verlag für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares!


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Eigene Meinung

POSITIV

  • Der futuristisch wissenschaftliche Einschlag!

„Thalamus“ – die Kammer – ist ein Areal im Gehirn, allerdings hat es in diesem Roman noch eine zweite Bedeutung. Es ist sehr cool umgesetzt und die Verbindung zwischen den Bedeutungen war für mich immer sehr gut umgesetzt und nervenaufreibend, da man nicht genau wusste, was für Dinge Timo nun wirklich hören oder sehen kann oder ob vielleicht doch alles nur Einbildung aufgrund seiner Verletzung am Kopf ist. Ein paar sehr komische Dinge passieren Timo und seiner Umgebung, die definitiv mit den regenerativen Fähigkeiten im Gehirn zu tun haben und noch ein paar andere nützliche Nebeneffekte hervorrufen.

Dieser Einschlag des Wissenschaftlichen mit dem Gruseligen und dem Geheimnisvollen hat mir sehr gut gefallen!

  • Timo und sein Charakter

Wie es in vielen Büchern dieser Art ist, ist Timo zwar massiv geschwächt von seinem Unfall und seiner darauffolgenden Operation, allerdings schafft er es trotzdem noch, sich aufzuraffen und trotz ständiger Rückschläge herauszufinden, was in der Einrichtung vor sich geht. Er wird ständig von seinen eigenen Fähigkeiten und seinem eigenen Körper im Stich gelassen und muss sich sehr viel mehr Mühe geben, um unbemerkt durch die Einrichtung zu laufen, allerdings bringt dies dem ganzen Buch einen großen Spannungsfaktor.

Timo lässt sich nicht aufhalten und er resigniert nicht, auch wenn die Aufgaben für ihn eigentlich nicht zu schaffen sind. Er müht sich immer nach Leibeskräften und hat keine ruhige Minute, ehe er nicht weiß, was in der Reha-Klinik mitten im Wald vor sich geht!

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  • Die anderen Patienten in Markwaldorf!

Timo lernt bei seinem Aufenthalt in Markwaldorf zusätzlich noch viele andere Patienten kennen. Zum Beispiel Carl mit C, der eine ununterbrochene Labertasche ist, Mona, eine gelähmt ehemalige Spitzenschwimmerin, Jakob, jemanden, der wohl sehr ähnlich zu Timo ist, Sami, der die ganze Zeit an seinem Tablet hängt und viele andere Patienten!

Auch sie scheinen teilweise irgendwie in die komischen Ereignisse in der Klinik beteiligt zu sein – vor allem Magnus, sein eigentlich im Koma liegender Zimmernachbar.

Diese Charaktere waren wie aus dem Leben geschnitten, hatten jeweils ihre eigenen Probleme und schienen nicht nur für den Plot zu existieren!

  • Ein gut aufgebauter Spannungsbogen!

Ein wichtiges, wenn nicht sogar das Wichtigste Element solcher Bücher ist ihr Spannungsbogen. Wurde dieser gut umgesetzt? Gab es irgendwelche Fragen oder Elemente, die nirgendwo hinführen? Wird es immer bedrohlicher für den Protagonisten und wie schnell können wir uns einer Lösung nähern?

All das setzt Poznanski fabelhaft um, sie lässt Timos Fortschritt organisch aussehen und nicht für ein Buch aus der Luft herausgegriffen.

Der Höhepunkt der Spannung ist auch gut gemacht und wirklich mit Herzklopfen und einem guten Aha!-Moment verbunden!

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  • Wirklich spannender Plottwist!

Der größte Spannungspunkt ist gleichzeitig der Punkt, an dem Timo herausfindet, was denn in Markwaldorf nun eigentlich geschieht, beziehungsweise womit denn alles nun zusammenhängt.

Und ich weiß nicht, ob ich die Anzeichen einfach nicht früher gesehen habe, aber für mich war dieser Plottwist wirklich gut geschrieben, überraschend und hat mir leuchtende Augen und ein: „ACHSOOOO!“ entlockt!

Eine gut geschriebene Enthüllung, die wirklich Spaß gemacht hat und neugierig auf die Geschehnisse nach eben dieser.

NEGATIV

  • Wissenschaftliche Seite etwas….bedürftig

AB HIER REDE ICH ÜBER DEN GROSSEN PLOTTWIST BIS ZUM SPOILERENDE! ALSO AB HIER SPOILER!

Ich finde es sehr interessant, was Poznanski mit dem Prinzip von Nanobots angestellt hat. Sie erwähnt in ihrer Danksagung, dass sie die Idee einem Buch zu verdanken hat, in dem über Technologien der Zukunft geredet wird. Dies ist alles sehr spannend und bis zu dem Punkt, wo die Roboter sich im Hirn selbstständig Anweisungen geben, im Schwarm denken und außerdem sich dagegen wehren, zerstört zu werden, auch noch alles sehr realistisch, obwohl fraglich ist, inwiefern selbst unfassbar gute selbstlernende Roboter in der Lage wären, den Menschen zu übernehmen und regelrecht zu steuern.

Was allerdings gegen Ende passiert: Die Bots verbinden sich Menschenübergreifend zu einer großen Braincloud – ohne Server wohlgemerkt – und werden so gezwungen, Updates auszuführen, weil nur einer sie ausführt und bei diesem ging das nur, weil er emotional aufgewühlt war und sich in den Flammentod stürzen wollte. Das alles klingt…doch ein wenig weit von der Realität entfernt.

Schade, denn das Konzept war bis dort sehr gut ausgearbeitet.

SPOILERENDE

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  • Nach dem Plottwist alles langweiliger und vorausschaubarer

Der Plottwist passiert (Und nein, das werte ich absolut nicht als Spoiler) bei ungefähr zwei Dritteln des Buches und war dort – wie oben schon erwähnt – echt gut gemacht und überraschend! Allerdings war alles danach irgendwie mit einem wissenden Nicken des Lesers verbunden, weil man sich anhand der Enthüllung schon irgendwie denken kann, wie es denn weiter und ausgehen wird. Die Enthüllung hat dem ganzen ein wenig den Reiz genommen und das letzte Drittel irgendwie austauschbar gemacht. Sehr schade!

  • Etwas ZU viel Happy End

Ich kann es bei Thrillern und Krimis (Die ich ja eh eher selten lese) nicht leiden, wenn das gesamte Buch in einer sehr düsteren Stimmung gehalten ist und das Happy End dann in einer rosaroten Wolke daherschwebt, die hier definitiv ein bisschen zu sehr ausgereizt ist. Die Charaktere haben es wahrscheinlich schon verdient und nach dem ganzen Stress auch etwas Schönes verdient. Allerdings hat es nicht wirklich zum Buch gepasst und mich das Buch mit einem mulmigen Gefühl zuklappen lassen.


Fazit

Dieser Jugendthriller ist sehr spannend verfasst, mit einem jungen Helden, der sich auch nicht dadurch einschüchtern lässt, dass er durch seinen Motorradunfall nicht mehr gut laufen und überhaupt nicht mehr sprechen kann. Die Atmosphäre und die verschiedenen anderen Patienten sind individuell gestaltet und sympathisch, die Geschichte hat einen großen Plottwist, der sich wirklich nicht erahnen lässt!

Die letzten 50 Seiten haben sich zwar etwas gezogen und sobald das große Geheimnis gelüftet wurde, waren nicht mehr viele Überraschungen zu entdecken, was dem Lesewert allerdings nicht geschadet hast!

 

4 von 5 Tintenklecksen

2 Gedanken zu „Rezension: „Thalamus“ von Ursula Poznanski

  1. Ich denke nicht, dass es fraglich ist, ob künstliche Intelligenzen den Menschen „übernehmen“ können – sondern nur wann. Lies dazu einmal „Das System“ oder den neuen Schätzing, ganz ganz gruselig und gar nicht so unwahrscheinlich.
    Ich finde Poznanskis Jugendthriller allesamt sehr gut – angefangen mit Erebos. Thalamus werde ich mir sicher auch demnächst einmal besorgen.
    LG
    Sandra1

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