Uncategorized

Rezension: „Tropfen der Ewigkeit“ von Eva Maria Obermann

Heute gibt es mal wieder eine Rezension! Und zwar zu einem tollen Buch aus der Märchenspinnerei!

Eva Maria Obermann erzählt in diesem Retelling von Rapunzel, wie Rapunzel sich als Women of Colour in einer futuristischen Steampunk-Geschichte zurecht finden würde.

Dabei muss sich Valeria nicht nur mit ihrer Identität auseinander setzen, sondern auch mit Verantwortung und Selbstbestimmung!


Bibliographische Daten

  • Autor: Eva Maria Obermann
  • Genre: Märchenretelling, Steampunk, Fantasy
  • Verlag: Selfpublisher
  • Seitenzahl: 248 S.

Kurzbeschreibung

Ein Mädchen im Turm.

Eine fürsorgliche Mutter.

Ein furchtbares Geheimnis.

Valeria lebt ein behütetes Leben unter den wachsamen Augen ihrer Mutter, der berühmten Ärztin und Erfinderin Stella Asterida, bis beide in einer Nacht und Nebelaktion im Ätherschiff fliehen müssen. Im neuen Haus darf sie ihr Turmzimmer kaum noch verlassen. Valeria ist einem Geheimnis auf der Spur in dessen Zentrum sie selbst und die grausame Geschichte um ihren Vater, dem Drachen, der keiner ist, stehen. Dabei kann sie niemandem vertrauen. Nicht Stella, die für ihren größten Traum zu allem bereit ist. Nicht Minna, ihrer stummen Freundin, die selbst in Anschläge auf Valeria verwickelt zu sein scheint. Nicht einmal sich selbst. Valeria muss eine folgenschwere Entscheidung treffen, um sich nicht selbst zu verlieren.


Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar!


dav


Eigene Meinung

POSITIV

  • Eine spannende Protagonistin!

Valeria ist wunderbar. Sie kennt fast nichts außer ihrem eigenen Turmzimmer, sie lernt den gesamten Tag, findet in ihrer stummen Dienerin ihre einzige Art der Freundin, die sie kennt und lässt sich trotz der Einschüchterungsversuche ihrer Mutter absolut nicht unterkriegen. Sie ist schlau und windig und ist kein kleines Mädchen geblieben, obwohl dies in dieser Umgebung durchaus Potenzial gehabt hätte. Sie kämpft trotzdem für sich und ihre Ziele und ist unfassbar altruistisch. Eine sehr sympathisch geschriebene Protagonistin, die versucht das Richtige zu tun und sich nicht von den Vorgaben ihrer Mutter unterkriegen lässt!

  • Rapunzel in neuem Setting!

Die Geschichte von Rapunzel ist an sich schon eine wunderbare Geschichte. Ein Prinz, der das Mädchen im Turm vor der bösen Hexe befreit. Nur gibt es hier keinen Prinz. Und Rapunzel hat kein blondes Haar, sondern schwarzes, sehr lockiges und verknotendes Haar. Wir befinden uns auch nicht in der Zeit der Ritter, sondern in einer Zeit der Dampfmaschinen und Ätherschiffen, die einfach durch die Luft fliegen können, Cyborgs und künstlichen Gliedmaßen.

In diesem Umfeld erzählt Valerias Mutter ihrer Tochter jeden Tag ein Märchen von einem Drachen und einem Schatz, die ihre Familie beschreibt. Doch ist diese Geschichte auch wahr?

Obermann_Tropfern der Ewigkeit_3.jpg

  • Eine spannende Familiengeschichte!

Auch, wenn sich vieles davon erst in der letzten Phase des Buches offenbart, finde ich die Irrungen und Wirrungen dieser Familie und ihrer Ereignisse sehr spannend erdacht und ausgeführt.

Valeria lernt nicht nur, mit Verlust umzugehen, sondern auch neue Informationen und geänderte Wahrheiten anzuerkennen, was ihr dabei hilft, sich selbst besser zu verstehen und in die Welt einordnen zu können.

Diese Familie ist grausam, liebevoll und doch faszinierend zu verfolgen.

  • Ein Kampf für Selbstbestimmung und die Wahrheit

Valeria ist stark. Nicht nur, weil sie tatsächlich fast ihre Haare ausreißt, damit jemand in ihr Zimmer klettern kann, sondern auch, weil sie innerhalb dieses Buches lernt, für sich, andere Menschen und ihre Freunde und Familie einzustehen. Sie lernt, dass die Wahrheit manchmal sehr wehtun kann und die Menschen, die uns beschützen sollten, manchmal nicht nur das im Sinn haben. Und sie lernt, wie sie selbst über sich, ihr Leben und ihren Sinn in dieser Welt bestimmen kann.

Eine faszinierende Reise einer jungen Dame!

Obermann_Tropfern der Ewigkeit_1.jpg

 

NEGATIV

  • Schwache Charaktere

So sehr ich Valeria auch mochte und ihre Beziehungen zu den anderen Charakteren geliebt habe, ich habe die anderen Charaktere absolut nicht mehr gut im Kopf. Es gab so viele, die aber immer nur ein oder zwei Attribute zugeordnet bekamen und dadurch leider mehr verblassend am Rande standen, als die Geschichte weiterzubringen.

Das Band zwischen Minna und ihrem Bruder beispielsweise, die Ereignisse, die die beiden dorthin geführt haben, wo sie gerade sind, dies sind so interessant! Davon hätte ich sehr gerne sehr viel mehr erfahren!

Und viele andere der Charaktere fühlten sich leider einfach zu blass an oder so, als würden sie nur existieren, damit Valeria sich in eine gewisse Richtung entwickeln kann. Dies finde ich echt schade.

  • Die Welt hätte besser ausgearbeitet werden müssen

Wie Rapunzel auch, schafft es Valeria doch irgendwann aus ihrem Turm hinaus. In dieser Welt ist die Luft total verschmutzt und alle leiden daran, dass sie von diesem Schmutz krank werden. Außerdem fehlen einigen Menschen Körperteile, die durch mechanische Teile ersetzt werden können – also Cyborgs. Das Problem ist nur: So viele Minenarbeiter brauchte selbst das Ruhrgebiet damals nicht und nicht jeder in diesen hatte fehlende Körperteile durch Unfälle. Gab es also einen Krieg? Oder wieso gibt es die (SPOILER) Rebellen doch so offen?

Gefühlt kam Valeria aus dem Haus und läuft sofort zu den Rebellen, ohne die Welt um sie herum überhaupt zu sehen. Dies finde ich schade, da ich diese Welt sehr gerne noch weiter erkundet hätte! (SPOILER ENDE)

Obermann_Tropfern der Ewigkeit_4.jpg

  • Es war zu kurz!

250 Seiten sind doch einfach zu wenig! Zwar immer noch viel für ein klassisches Märchen, aber ich hätte mir doch mehr gewünscht! Viele Probleme hätten dadurch beseitigt werden können. Die hastigen Entwicklungen und die schwachen Charaktere hätten behoben werden können und man hätte sich mehr mit der Geschichte und den Geschehnissen idntifizieren können! Ein paar langsame Szenen hätten dem ganzen gut getan!

  • Ich konnte nicht völlig in die Geschichte abtauchen

Dies hat auch mit der Länge zu tun. Allerdings lag dies auch daran, dass ich einfach nicht völlig in die Geschichte hinein fand. Ich weiß nicht genau, ob es an Wortwahl oder Schreibstil lag, aber eine Kleinigkeit störte mich immer und verhinderte, dass ich mich komplett in dieses Märchen hinein fallen lassen konnte.


Fazit

Für dieses nach meinem Geschmack etwas zu kurze Buch mit einer tollen Prämisse, einer wunderbaren Protagonistin und einer tollen Familiengeschichte mit spannendem Steampunk-Einschlag, vergebe ich 3,5 gute Tintenkleckse! Denn die Geschichte gefiel mir ziemlich gut! Aber die Entwicklungen gingen mir etwas zu schnell, die Stimmung war mir ein wenig zu eintönig und die Charaktere nicht genau genug gezeichnet.

Tintenkleckse_3.5

3,5 von 5 Tintenklecksen!

2 Gedanken zu „Rezension: „Tropfen der Ewigkeit“ von Eva Maria Obermann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere