Bunte Genremischung – 3 Rezensionen | „Alles Okay“, „Adventure Huhn“ und „Isn’t it ironic?“

Wieder mal drei Rezensionen zu drei völlig unterschiedlichen Büchern! Es geht um Pop-Songs, einen Abenteuer Comic mit einem übereifrigen Huhn und einer skeptischen Raupe und ein Jugendbuch, welches nicht nur queere Themen behandelt, sondern auch noch absolute Kälte und Wärme gleichzeitig porträtieren kann!


Bibliographische Daten – Alles Okay

  • Autorin: Nina LaCour
  • Genre: Jugendbuch
  • Verlag: Hanser
  • Übersetzerin: Sophie Zeitz
  • Seitenzahl: 201 S.
  • ISBN: 978-3-446-26435-9

Kurzbeschreibung

Marin hat alles hinter sich gelassen, ist Tausende Kilometer geflohen vor ihrem alten Leben, vor der Lüge, als die sich ihr Leben entpuppt hat. Doch der Schmerz lässt sich nicht abschütteln. Als das College über Weihnachten die Pforten schließt, steht plötzlich Marins beste Freundin Mabel vor der Tür. Und mit ihr all die Erinnerungen an zu Hause, an Sommernächste am Strand. Marin wird konfrontiert mit allem, was sie zurücklassen wollte. Und sie begreift, dass sie eine Wahl hat: weiter im Verdrängen zu verharren oder ins Leben zurückzukehren.


Vielen Dank an den Hanser-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

Nina LaCour habe ich schon eine ganze Weile auf dem Radar. Denn im amerikanischen Bookstagram machte sie eine riesige Welle mit „We Are Okay“ und viele empfahlen es mir, nicht nur wegen des Schreibstils, sondern klar auch wegen der tollen Geschichte, die sich zwischen diesen beiden Deckeln verbirgt.

In „Alles Okay“ bespricht LaCour die Bedeutung von Familie, die Bedeutung vom Schmerz und von Einsamkeit. Vor allem von Einsamkeit. Ein Jugendbuch, was großteils ohne eine aktive Liebesgeschichte auskommt und zwar auf einem Campus spielt, allerdings diesen nicht in irgendeiner Weise nutzt. Die Protagonistin ist eingeschneit – wörtlich und figurativ – und traut sich nicht aus ihrer sauberen und einheitlichen Komfortzone heraus.

Die Geschichte hinter der Geschichte wird in einem großen Flashback erzählt und ist für sich alleine schon sehr schockend und berührend, auch, weil sie im völligen Kontrast dazu in einem heißen Sommer spielt.

Die Geschichte hat queere Elemente, die sich perfekt in die Beziehung der beiden Charaktere gefügt haben und nun zu Problemen führen, wenn sie im Buch wieder aufeinander treffen.

Ich fand es sehr faszinierend, wie dieses Buch mit eigentlich nur zwei Charakteren und großteils einem Raum eine so diverse und gute Atmosphäre erschaffen kann, sie völlig ausschöpft und danach auch noch so viele Emotionen von Trauer über Wut bis hin zu Einsamkeit verarbeitet, dass es nicht leicht ist, dieses doch sehr dünne Buch von 200 Seiten zu lesen.

Ich finde es allerdings auch großartig, wie der Prozess der Trauerverarbeitung und des langsamen Zurückfindens in den Alltag und in bestimmte Strukturen sich vollzieht und wie man sich freiwillig und mit völliger Absicht so abschotten kann, dass nichts und niemand einen verletzen könnte.


Fazit

4 von 5 Tintenkleckse

„Alles Okay“ ist eines der atmosphärischsten Jugendbücher, die ich je gelesen habe. Es fängt sich selbst ein in Kälte und Verschlossenheit und schafft es mit eigentlich nur drei Charakteren und auf nur 200 Seiten eine Geschichte zu erschaffen, die einem nicht so schnell wieder aus dem Kopf geht. Ich hätte sie gerne etwas länger gehabt, kann mich aber dem Eindruck nicht erwehren, dass so das Konzept des Buches nicht mehr umsetzbar gewesen wäre. Dementsprechend: Eine volle Empfehlung, wenn ihr atmosphärische und queere Jugendbücher mögt oder lesen wollt!



Bibliographische Daten – Adventure Huhn

  • Autorin: Franziska Ruflair
  • Genre: Comic, Satire, Abenteuer
  • Verlag: avant-verlag
  • Seitenzahl: 89 S.
  • ISBN: 978-3-96445-017-3

Kurzbeschreibung

Das Adventure Huhn und seine treue Begleiterin Susan haben Großes vor…

Als das Huhn der Raupe Susan aus Versehen den Kokon kaputtmacht, sieht es sich in der Pflicht, ihr einen neuen zu beschaffen. Und unterwegs können sie ja gleich noch ein paar Abenteuer erleben, denn das Adventure Huhn heißt nicht umsonst Adventure Huhn.


Vielen Dank an den Avant-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

Das Rezensionsexemplar vom Adventure Huhn habe ich eigentlich nur aus Spaß angefragt, da mein Freund ein riesiger Fan von Hühnern ist und die Story zu banal klang, um wirklich gut sein zu können.

Aber wie sehr hatte ich mich getäuscht! Denn das „Adventure Huhn“ ist nicht nur total spannend, sondern auch noch einfach nur witzig. Ich fühlte mich teilweise in eine Netflix-Serie zurückversetzt, in der zwei Helden sich eigentlich gar nicht leiden können, aber irgendwie trotzdem immer wieder in bestimmte Abenteuer reinrutschen. Die konträren Persönlichkeiten des Huhns und der Raupe Susan, die eigentlich nur in Ruhe ein Schmetterling werden will, sind einfach nur zum Schreien und sorgen für jede Menge Witz innerhalb des kurzen Comics.

Außerdem gibt es viele abwechslungsreiche Abenteuer, die natürlich alle schnell durchstanden sind, aber das ist natürlich auch normal, welche Abenteuer dauern schon mehrere Wochen?

Susan war ehrlich gesagt mein Lieblingscharakter, weil sie immer skeptisch und kritisch die Szene betrachtet, in der sie sich gerade befindet und das Huhn von dummen Aktionen abhalten will, dann aber zwanghaft doch mitgeschleppt wird, weil das Huhn zwar dämlich ist, aber einen sehr guten Charakter besitzt und Susan unbedingt helfen will. Die Dialoge der beiden sind teilweise einfach zum Schreien und ich konnte nicht anders als mich in Susan zu sehen, die eigentlich nur anmerken will, wie dämlich und hirnrissig alles ist, was sie gerade tun, aber dadurch ausgebremst wird, dass sie weder laufen kann noch Hände hat und dadurch immer frustrierter wird. Klingt total seltsam, aber ich fand das einfach nur genial!

Durch die Unfähigkeit des Huhns geraten sie allerdings auch in viele Situationen, die sehr ernst und düster erscheinen, bis sie durch einen wilden Zufall oder die Dämlichkeit eines anderen Akteurs aufgelöst werden.

Der Zeichenstil ist sehr farbenfroh und fast schon ein wenig kindlich, was nicht nur die Witze unterstreicht und auch besser macht, sondern auch sehr zum Ton der Geschichte passt und diese sogar noch unterstreicht.

Und der Comic ist nicht lang aber selbst dafür habe ich ihn sehr schnell durch gesuchtet und mich dabei echt gut amüsiert und musste teilweise echt in lautes Gelächter ausbrechen!


Fazit

5 von 5 Tintenkleckse

Das Adventure Huhn ist so witzig und skurril und eine Hommage und gleichzeitig eine satirische Aufbereitung der klassichen Heldenreise und all ihren Auswüchsen. Ich liebe das Zusammenspiel der übervorsichtigen Raupe Susan, die eigentlich alles doof findet, und des Huhns, welches sich in alles stürzt ohne nachzudenken. Der Comic ist dazu auch noch in einem eher kindlichen Stil verfasst, sodass es gleich noch mehr Spaß macht, den beiden beim großflächigen Scheitern zuzuschauen. Wenn ihr also spaßige Comics lesen wollt, die auch noch eine Hass-Freundschaft beinhalten: Hier seid ihr genau richtig!


Bibliographische Daten – Isn’t It Romantic?

  • Autor: James Ball
  • Genre: Sachbuch, Pop-Songs
  • Verlag: Droemer Knaur
  • Übersetzerin: Benjamin Schilling
  • Seitenzahl: 185 S.
  • ISBN: 978-3-426-27795-9

Kurzbeschreibung

Spoiler-Alarm: Musikmythen aufgedeckt!

Gibt es ein Leben auf dem Mars? Wie viele Straßen muss man gehen, um ein Mann zu sein? Und was ist Liebe? Große Popsongs stellen die entscheidenden Fragen – doch die richtigen Antworten liefern weder die Beatles noch Taylor Swift, auch nicht Bob Dylan oder Snoop Dogg. Damit ist jetzt Schluss: Wissenschaftlich fundiert und höchst vergnüglich unterzieht sich Musikexperte James Ball unser Pop-Universum einem knallharten Faktencheck. Seine eleganten Songanalysen klären endlich, ob Rihanna noch einen Regenschirm braucht, was die Überlebenschancen mit gebrochenem Herzen sind und was wirklich ironisch ist. Wer dieses Buch liest, hört seine Lieblingssongs bald garantiert mit anderen Ohren.


Vielen Dank an den Droemer-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

Das Konzept dieses Buches ist einfach und doch genial: In Popsongs werden uns immer wieder Fragen gestellt, die wir nicht beantworten können oder die sich zumindest der Sänger dieser gewissen Band gerade stellt. Berühmte Beispiele hiervon sind natürlich „Isn’t it ironic?“ von Alanis Morissette, „Is this real live or is this just fantasy?“ von Queen oder auch „Should I stay or should I go?“ von The Clash.

Der Autor James Ball nimmt sich in diesem Buch genau diesem Phänomen an und versucht die bekanntesten Fragen aus Songs auf eine halbwegs wissenschaftliche Art und Weise zu erklären, indem er die Sänger als Wissenschaftler betrachtet und versucht reale Lösungen zu finden. Dabei gibt es eigentlich immer eine kurze Skizze zu jedem Problem und dieses wird auf ca. 1,5 Seiten erklärt und abgehandelt.

An sich fand ich das Konzept des Buches sehr spannend. Deshalb habe ich mich auch sofort für ein Rezensionsexemplar beworben und mich ebenfalls auf das Buch gestürzt, wurde aber ein wenig enttäuscht.

Denn ich hatte erwartet, dass die berühmten Zeilen auch auf Englisch im Buch stehen und dann für die deutsche Leserschaft zumindest einmal übersetzt würden. Allerdings standen sie dort nirgendwo im Original und das fand ich schon ein wenig schade, denn so ging der Großteil der Spannung – nämlich zu erkennen, um welche Songs es sich handelt und diese im Kopf nachzusingen – ein wenig verloren und man musste erst umständlich im Kopf zurück übersetzen, um den passenden Songtext zu finden.

Die Erklärungen selbst waren großteils auch sehr süß und da sie so kurz waren alle auch auf einem rudimentären Level gehalten, allerdings hätte ich es schöner gefunden, wenn sie doch ein wenig wissenschaftlicher wären. Ich kann verstehen, dass sie witzig sein sollten, allerdings kann man Witz auch anders erreichen, als Fakten einfach hinzuklatschen oder aus seiner eigenen Erfahrung abzuleiten. Ein Beispiel dafür wäre, dass man mit Mühe und Not nur eine Träne weint. Und…das stimmt einfach so gar nicht.

Dementsprechend hat mir dieses Buch leider nicht so viel Spaß gemacht, wie ich es mir gewünscht hätte und das ist echt schade.


Fazit

3,5 von 5 Tintenkleckse

Dieses Buch hat mich ein wenig enttäuscht. Denn nicht nur haben die gesamten übersetzten Songtexte ohne Nennung des Originals mich ein wenig stutzig gemacht und den Lesefluss irgendwie doch gestört, sondern die Kapitel waren mir teilweise auch zu pseudowissenschaftlich formuliert oder man hat sich einen einfachen Ausweg geschaffen. Das hat für mich leider kein stimmiges Bild ergeben und ich habe das Buch zwar schnell durchgearbeitet, konnte aber dadurch, dass ich dauernd Songtexte in meinem Kopf erst übersetzen und dann suchen musste, irgendwie aus dem Fluss gebracht und fand die vollständig Übersetzung mehr störend als hilfreich.

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