Was wäre, wenn es nur noch eine Frau gäbe? | Rezension zu „Eve of Man – Die letzte Frau“

Ein spannendes Konzept kann dieser Jugendroman vorweisen: Was wäre, wenn einfach keine Mädchen mehr geboren würden? Wie würde unsere Gesellschaft aussehen und wie weit würden wir gehen, um vielleicht doch noch das Ruder rumzureißen und eine neue Generation heranzuziehen?

All das stellt sich „Eve of Man“ in dem es 50 Jahre lang keine neuen Mädchengeburten gab und dann plötzlich nur noch ein Mädchen geboren wurde, welche jetzt als große Rettung in einem Turm eingesperrt wurde. Denn sie ist die Rettung der Menschheit. Kann dieses fast schon feministisch anmutende Konzept überzeugen?


Bibliographische Daten

  • Autor*in: Giovanna & Tom Fletcher
  • Genre: Jugendbuch, Dystopie
  • Verlag: dtv – Reihe Hanser
  • Übersetzerin: Friedrich Pflüger
  • Seitenzahl: 443 S.
  • ISBN: 978-3-423-64055-8

Kurzbeschreibung

Wie kannst du dich zwischen deiner großen Liebe und dem Fortbestand der Menschheit entscheiden?

Sie ist die Antwort auf ihre Gebete, die letzte Hoffnung der Menschen. Mit angehaltenem Atem haben sie auf ihre Antwort gewartet. Und tatsächlich hat sie gegen jede Wahrscheinlichkeit überlebt. Eve, so nannten sie das erste Mädchen, das nach 50 Jahren geboren wurde.

Auf ihr ruht eine ungeheure Verantwortung. Sie muss die Menschheit retten. Klaglos hat sie bisher ihr Schicksal angenommen. Aber plötzlich ist alles anders: Sie begegnet Bram. Und damit gerät ihr friedliches und behütetes Leben in Gefahr. Ist die Welt wirklich so, wie man ihr weismachen will? Oder ist sie ein Spielball machtpolitischer Interessen?

Eve will Kontrolle übernehmen, über ihren Geist, über ihren Körper. Aber wie soll sie aus ihrem luxuriösen Gefängnis ausbrechen? Und ist Bram bereit, ihr dabei zu helfen und sein Leben für sie zu riskieren?

Vielleicht ist es ja die große Liebe, die die Menschheit schon immer vor dem Sturz in den Abgrund bewahrt hat.


Vielen Dank an den dtv-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

POSITIV

  • Das Konzept ist wunderbar erklärt und ausgeführt!

Ich finde es definitiv super, dass das Konzept der letzten Frau, die das Ende oder den Neuanfang der Menschheit bedeuten kann, so gut ausgeführt wurde. Ich finde es super, dass man daran gedacht hat, was alles beachtet werden müsste, damit es Eve gut geht, damit sie kooperiert und sich auch wohlfühlt, denn von ihr hängt ja die Zukunft der Menschen ab. Dabei wird Sport, Essen, Freundschaften und regelmäßige Untersuchungen, Lernen und Lesen und eigentlich auch einen geeigneten Partner finden abgewechselt, sodass Eve sich eigentlich keine Sorgen zu machen braucht. Was aber natürlich nicht die ganze Wahrheit ist…

  • Die Spannung zwischen Eve und Bram

Wenn ich eins mag, dann ist es die Anziehungskraft zwischen zwei Charakteren, die eigentlich wissen, dass sie nicht zusammen sein dürfen. Ähnliches ereignet sich bei Eve und Bram sogar schon bevor sie sich das erste Mal treffen. Ich finde super, wie geschildert wurde, dass beide aneinander denken und sich nacheinander sehnen. Ich mochte es außerdem total, dass die Freundschaft, die sie zuerst aufgebaut hatten, ihnen zeigte, dass man sich auch für andere Dinge als sich selbst einsetzen kann und die beiden die ganze Zeit darauf hin arbeiten, dass sie sich sehen können, obwohl es streng verboten ist. Ich mochte das und die Momente, in denen sie zusammen sind, fühlen sich gleich sehr viel leichter für beide an.

  • Der Plot ist spannend und unvorhersehbar

Dabei rede ich vor allem von Brams Storyline, da dieser sich natürlich viel freier bewegen kann als Eve. Aber ich fand den Plot nicht kompletten Standard, teilweise sogar ein wenig brutal für ein Jugendbuch, an sich aber gut geschrieben, der Spannungsbogen konnte sich halten und ich fand es sehr spannend, mit Bram die einzelnen Stationen im Tower und auch ein wenig außerhalb zu erkunden!

  • Die Beleuchtung dessen, was Menschen für ihre Ziele zu tun bereit sind

Ich fand besonders spannend an diesem Buch, dass immer wieder aufgezeigt wurde, wie weit Menschen gehen, wenn sie glauben, dass sie der Menschheit helfen können. Denn natürlich wird Eve nicht nur langsam an einen Jungen heran geführt, sondern es werden gleichzeitig auch Versuche gemacht und Nachforschungen angestellt, wieso keine Mädchen mehr geboren werden. Dabei gehen Eves „Beschützer“ auch über Leichen, um sie sicher zu behalten und ihren Plan weiter ausführen zu können. Dabei kommen bei einigen Charakteren dunkle Geheimnisse zum Vorschein, die ich so nie erwartet hätte.

NEGATIV

  • Die eigentlichen dystopischen Elemente sind hanebüchen

Ich finde an dystopischen Elementen immer total toll, dass sie die Kreativität und den Einfallsreichtum der Autoren zeigen. Hier scheint es allerdings so, als wären einfach zufällig Elemente anderer großer Sci-Fi Bücher zusammen gefallen und hätten etwas kreiert, was sich nicht gut erklären lässt und auch gar nicht erklärt wird. Ein riesiger Turm? No biggie. Warum es am sichersten sein soll, die einzige Frau auf der Erde ganz oben zu beherbergen? Keine Ahnung. Wieso es sinnvoll ist, alle hochtrainierten Soldaten in diesem Turm zu behalten, wo jedes Feuer und jedes Erdbeben ALLES zerstören kann? Miep. Und leider findet der Großteil des buches wirklich nur in diesem Turm statt, sodass ich auch über die Außenwelt nichts weiß, außer dass es immer zu regnen scheint? Und der Himmel IMMER schwarz ist? Ich fand alles daran ein wenig abgedroschen.

  • Ich konnte mit Eve und ihrem Verhalten eigentlich gar nichts anfangen

Das größte Problem in diesem Buch war für mich ganz klar Eve. Ich konnte nicht verstehen, wie sie die ganze Zeit so naiv durch ihre Welt stolziert, selbst wenn ihr die Machtstrukturen dahinter glasklar aufgezeigt werden. Ich konnte nicht verstehen, wie sie überhaupt auch nur einen einzigen Gedanken an etwas anderes verschwenden konnte, wenn sie doch wusste, dass sie so schnell wie möglich Kinder bekommen sollte, das war definitiv kein Geheimnis. Ich mochte ihr dauerndes Rumnölen nicht und als sie dann doch aufwacht, fand ich es total unsinnig für ihren Charakter, der sich von absolut nichts hat von ihrem Gedankenkonzept abbringen lassen, dass sie auf einmal alles radikal verändert. Ich fand Eve für ihre Machtposition, die sie eigentlich inne hatte, zu naiv. Zu schwach beinahe. Und ich konnte ihr Verhalten absolut nicht nachvollziehen.

  • Das Konzept des Buches war mir nicht radikal genug

Ich habe ganz am Anfang erwähnt, dass ich mir erhoffte, eine feministische Betrachtung zu bekommen. Und dieses Konzept schreit eigentlich geradezu danach, dass betrachtet wird, wie die Gesellschaft funktioniert, wenn alle Frauen weit über 70 sind. Wie haben die Männer sich untereinander aufgeteilt? Wie wurde damit verfahren, dass Mütter jetzt nicht mehr den Großteil der Care Arbeit und des Haushalts übernehmen? Wie war es, als die Hälfte der Workforce wegfiel? Wie wird mit niedrigen Geburtenraten umgegangen? Wie veränderte sich das Verhältnis der Männer zu Frauen? Wie sieht es mit sexuellem Verlangen aus?

All diese Fragen wären für mich ziemlich wichtig und ziemlich spannend gewesen, wurden aber allesamt einfach links liegen gelassen, damit man Eve noch ein bisschen beim Weinen zusehen kann. War für mich definitiv eher dämlich und enttäuschend.


Fazit

Ich habe mich sehr auf „Eve of Man“ gefreut, gerade weil ich Buchkonzepte total interessant finden, die den Sexismus aufgreifen, analysieren oder vielleicht sogar entlarven, wie es Alltagsbetrachtungen nicht können. Dieses Buch hat das für mich aber nicht getan. Gar nicht. Ich fand den Schreibstil schön, der Plot hatte Hand und Fuß und auch die Charaktere und Emotionen waren gut ausgearbeitet. Allerdings fehlte für mich immer dieses gewisse Etwas und ich konnte leider auch nicht mit Eve selbst und ihren Gedankengängen warm werden, was für mich das Leseerlebnis schmälerte, aber für Einsteiger im Thema bestimmt ein gutes Buch ist!

3,5 von 5 Tintenkleckse

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