TikTok und die Periode | “Alles ganz normal” von Roberta Marasco

 Ich mein, man muss ja auch mit der Zeit gehen. Und neue Social-Media-Plattformen – wie TikTok – gehören auch dazu. Und jetzt gibt es schon ein italienisches Jugendbuch zu dieser Plattform und zu Period Shaming, also der gesellschaftlich verankerte Scham über die Periode oder die Menstruation an sich. Das klang natürlich absolut nach meinem Geschmack und ich musste es unbedingt lesen!


Bibliographische Daten

  • Autorin: Roberta Marasco
  • Genre: Jugendroman, Jugendbuch
  • Verlag: Carlsen
  • Übersetzerin: Ulrike Schimming
  • Seitenzahl: 189 S.
  • ISBN: 978-3-551-58444-1

Kurzbeschreibung

Neue Schule, neues Zuhause, neue Stiefmutter:

Camilla hat es gerade echt nicht leicht. Bei Luna dagegen scheint alles super zu laufen: Als Tiktokerin unter dem Namen Lunatika hat sie Millionen Follower. Aber auch ihr Leben ist nicht so toll, wie es scheint: Papa lebt am anderen Ende der Welt und ihre überengagierte Tochter zu verbringen. Als Camilla nun neu in Lunas Klasse kommt, sprechen die beiden kaum miteinander, sie haben einfach nichts gemeinsam. Bis zu dem Tag, an dem ein peinliches Video von Camillsa viral geht, in dem sie über ihre erste Regelblutung spricht. Nicht nur zwischen Camilla und Luna, sondern unter allen Mädchen der Klasse zeigt sich plötzlich eine ganz neue Solidarität, und neue Freundschaften entstehen …


Vielen Dank an den Carlsen-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

 Camilla ist eine total süße Protagonistin, die leider auch viel Traurigkeit in sich birgt. Sie ist gerade mit ihrem Bruder umgezogen und musste alle ihre Freunde zurücklassen und ihre neue Stiefmutter kann gar nicht kochen. Und ihre coolere ältere Stiefschwester mag sie offenbar auch überhaupt nicht. In der Klasse ist Camilla eigentlich gar nicht beliebt und sucht verzweifelt nach Anschluss, beispielsweise auch im neuen Schwimmteam.

Im Gegensatz ist Luna eine erfolgreiche TikTokerin, die einen abwesenden Vater und eine schrecklich feministische Künstlerin als Mutter hat, die irgendwie immer alles schlecht redet und die sie nervig findet.

Für den Großteil des Buches haben die beiden Protagonistinnen eigentlich überhaupt nichts miteinander zu tun. Denn sie leben beide ihre Leben und haben typische Teenagerprobleme. Hier kann man dann erwähnen, dass das Buch echt nicht sonderlich lang ist und sich aufgrund der jugendlich-leichten Sprache auch sehr schnell lesen lässt. Allerdings habe ich es schwierig gefunden, einen Zugang zu den Charakteren zu finden, denn sie waren für mich nicht besonders zugänglich geschrieben. Das kann aber auch an der unterschiedlichen Kultur liegen (spielt ja in Italien) oder einfach daran, dass ich mit 21 vielleicht langsam ein bisschen zu alt für diese Art von Jugendbüchern werde.

Und auch die Beschreibung von der “Feindschaft” der beiden, die entsteht, wenn die coole und allseits beliebte Luna auf die schüchterne und nicht gut angezogene Camilla trifft, tut mir in der Seele weh, denn ich merke immer wieder, wie sehr solche Situationen mich in meine eigenen Mobbing-Erfahrungen zurück versetzen.

Ich fand allerdings den Umgang mit den vielen Themen auf so kurzen Seiten wirklich erstaunenswert. Denn Luna muss sich nach zwei oder drei viralen TikToks damit konfrontiert sehen, dass die Leute immer mehr und immer besseren Content von ihr erwarten und dass sie auch Angebote von Leuten bekommt, um mit ihr zu kooperieren oder sie zu managen! Aber ihre Mutter darf davon nicht wissen, also behält sie das alles für sich, obwohl es in dieser Situation wirklich das Beste wäre, wenn man sich einen Erwachsenen dazu holt. Aber auch Camilla ist verzweifelt und versucht durch Schminke und andere Klamotten cool zu werden und vermisst ihre alten Freunde, die nicht mehr mit ihr reden. Und als sie dann in komischer Schminke ein Video darüber dreht, wie peinlich ihr ihre Periode ist und das (von ihr nicht beabsichtigt) in der Schule die Runde macht, sind alle völlig von der Rolle.

Period Shaming ist absolut beschissen und ich finde, dass ein so ernstes Thema hier wirklich gut aufgearbeitet wurde, neben anderen Themen, die junge Mädchen und Frauen beschäftigen, denn Luna wird beispielsweise fast von einem Musiklabel ausgenutzt, welches sie mit einem Sänger ein TikTok und Song-Promotion machen lassen will. Diese Themen sind wichtig und auch jüngere Leser*innen müssen verstehen, wie leicht man in Situationen geraten kann, aus denen man einfach nur fliehen möchte oder in denen man sich ganz seltsam fühlt.

Das Ende fand ich allerdings ein bisschen sehr plötzlich und ein wenig an den Haaren herbei gezogen, denn eine solche Solidaritätswelle, wie die beiden kurz vor Ende auslösen, ist nicht nur sehr selten, sondern hatte auch nicht die Charakterentwicklung vorher, die ich mir gerne gewünscht hätte, denn Luna beispielsweise scheint ihre Meinung von einem Tag auf den anderen ohne Anlass verändert zu haben. Schade eigentlich, denn mit genügend Überzeugungskraft könnte wirklich so eine Welle an Solidarität und Bereitschaft ausgelöst werden, hier wirkt es leider wie ein Moment aus einem überinszenierten Musical und nicht wie eine reale Begebenheit.


Fazit

Ich glaube, ich bin mittlerweile einfach zu alt für diese Bücher. Für mich war das Buch und die Protagonistin ein bisschen zu simpel gestrickt, die Handlungsstränge nicht unbedingt realistisch und das Ende auch ein wenig abrupt. Aber ich kann mir vorstellen, dass es für sehr junge Teenager gut geeignet ist, da es moderne Themen anspricht, häufige Probleme kommuniziert und eben nicht jeder Charakter total perfekt ist, sodnern alle ihre kleinen Macken haben.

3 von 5 Tintenkleckse

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