Blutig-geniale epische Fantasy! | „Nevernight – Die Prüfung“ von Jay Kristoff | Rezension

Ok, bevor mir das irgendwer sagt: Ich weiß! Ich weiß, dass ich so unendlich spät dran bin mit diesem absolut genialen Buch und ich weiß auch, dass ich so lange so viel gutes Zeug verpasst habe, dass ich mich dafür schämen sollte!

Aber heute ist es endlich so weit: Ich schreibe meine Rezension zu „Nevernight“ von Jay Kristoff! Das Monster von einem Roman, dass sich seit mehreren Jahren über die Welt erstreckt und trotzdem nur der erste Band einer Reihe ist. So viel sei vorher gesagt: Ich liebe dieses Buch. Ich würde es quasi jedem in die Hand drücken. Und heute zeige ich euch, warum ihr alle dieses Buch lesen solltet!


Bibliographische Daten

  • Autor: Jay Kristoff
  • Genre: Fantasy
  • Verlag: Fischer TOR
  • Übersetzerin: Kirsten Borchardt
  • Seitenzahl: 699 S.
  • ISBN: 978-3-596-29757-3

Kurzbeschreibung

 Sie ist keine Heldin. Sie ist eine Frau, die Helden fürchten.

Mia Corvere ist ein Kind der Schatten, und sie kennt nur ein einziges Ziel: Rache an den Männern zu üben, die ihre Familie zerstört haben. Ihre Feinde sind die Mächtigen des Reiches – ein General, ein Konsul und ein Kardinal -, doch Mia ist zu allem entschlossen. Sie macht sich auf den Weg zur Enklave der Roten Kirche, einem geheimen Assassinenorden, um die Kunst des Tötens zu erlernen.


Vielen Dank an den Fischer Tor-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

POSITIV

  • Ich liebe liebe liebe diese Welt!

Die Welt von Nevernight ist riesig! Wir sehen davon allerdings nicht viel, sondern großteils zwei Orte: Gottesgrab und das Versteck der Assassinen. Beide Plätze sind aber nur die Orte, an denen sich die Charaktere aufhalten, aber trotzdem erfahren wir viel über die Länder und Städte, über die Kulturen und vor allem über die verschiedenen Kriege und politischen Auseinandersetzungen, die sich auch immer wieder in persönlichen Auseinandersetzungen widerspiegeln.

Ich liebe die Sorgfalt, mit der nicht nur das Sonnensyem (3 Sonnen! HOW?!) und die daraus resultierenden anderen Gewohnheiten und Begriffe aufgebaut sind, sondern außerdem wie die Kultur, die verschiedenen Waffen, Materialien, Kämpfe, Ausdrücke, zwischenmenschlichen Beziehungen und alles andere aufgebaut ist. Diese Welt ist so detailreich, dass ich mich bestimmt über 200 Seiten in ihr aufhalten könnte! Ich liebe es absolut und kann gar nicht beschreiben, wie sehr ich es liebe immer neue Legenden, Mythen oder wahre Begebeheiten aus dieser Welt zu erfahren, die so riesig ist, dass ich Respekt vor dem Gehirn von Jay Kristoff bekomme.

  • Mia Corvere ist ein so toller Charakter, dass ich sie küssen möchte!

Mia, Mia, Mia. Sie ist ein sehr komplexer Charakter und genau das liebe ich an ihr. Ich könnte mich wahrscheinlich Stunden in Gesprächen über sie vertiefen, denn dieser Charakter hat Tiefe. Sie hat Widersprüche, die aber nicht verwirrend wirken, sondern einfach nur menschlich. Sie erscheint uns authentisch, obwohl sie seit mehreren Jahren keine Angst mehr spürt. Sie ist eiskalt und doch zu tiefen Gefühlen fähig, die sie sich selbst nur nicht eingestehen will. Sie ist zäh, sie ist loyal und sie ist (wie sich gegen Ende des Buches definitiv herausstellt) einfach ein guter Mensch. Trotz allem, was ihr passiert ist und trotz all den Menschen, die sie schon töten musste. Es ist immer eine gute Sache, wenn ich beginne über den Hauptcharakter zu schwärmen, denn dieser ist in dieser Geschichte so integraler Bestandteil und trotzdem nur eine Randerscheinung der Geschichte. Sie kann sich auch nicht ganz entscheiden, ob sie nun eine Heldin oder eine Schurkin sein will und der Erzähler kann und will es auch nicht tun. Ich liebe diesen Umstand und auch, dass er ganz natürlich auftritt und nicht herbei gezwungen werden muss.

  • Die Magie in diesem Roman ist einfach nur phänomenal!

Eine Sache, die bei Fantasy fast nie fehlen darf: Magie! Und Mia besitzt die spezielle Magie, die Schatten beeinflussen zu können und sich durch sie hindurch zu bewegen! Dabei hat sie einen treuen Begleiter – eine Katze – an ihrer Seite, der sich immer in ihrem Schatten aufhält und sie niemals alleine lässt. Ich finde es grandios, wie Kristoff hier mit den Genrekonventionen spielt, wie er sie immer wieder gegeneinander ausspielt, Mia ganz alleine ihre Fähigkeiten entdecken lässt und auch jede Hilfe konsequent abgeblockt wird, damit der Leser mit Mia zusammen erlernen kann, was absolut vermessen wäre, in ein paar Seiten zu erklären, denn diese Art von Magie ist zumindest in ihrer Darstellung und Ausführung komplett innovativ und hat mich auf mehreren Ebenen sehr überrascht und mich immer wieder mitfiebern lassen, weil die Regeln eben nicht klar gezogen sind, es aber klar welche gibt, die nicht übertreten werden können!

  • Die Ernsthaftigkeit und das Fehlen von Gnade in diesem Roman sind genial – Der Leser wird nie verschont!

Es gab mehrere Momente in diesem Roman, in dem ich einfach nur absolut entsetzt war. Vor Freude, vor Hass, vor Enttäuschung, vor Überraschung und so vielen weiteren Emotionen! Jay Kristoff verschont Leser*innen auch wirklich in keinster Weise, ich war immer total gespannt in meiner Leseposition und konnte nicht aufhören zu lesen. Denn Kristoff verspricht nicht nur eine gnadenlose Welt und eine gnadenlose Protagonistin – er liefert sie auch. Und damit bekommt der Lesende immer mehr Spannung und spannende Momente, die teilweise schon unerträglich waren. Alle Figuren waren sehr menschlich. Grausam menschlich, aber immer noch menschlich und gerade das hat einen riesigen Teil des Appeals dieses Buches ausgemacht.

Jedes Thema ist ernst, überall geht es um Leben und Tod, was witzige Momente noch besser macht, wenn sie auftauchen, aber alles wird ernst und mit nur einem kleinen Bissen Humor gekocht, was absolut gut war und man meinte, dass der Autor es auch mit seinen Figuren ernst meinte und sich nicht für ein leichteres Leseerlebnis zurücknahm.

  • Ich liebe sowohl die zwischenmenschlichen Beziehungen in diesem Wirrwarr, als auch die Kämpfe und wie sie ineinander übergehen!

Dieses Buch war ein Kampf. Nicht nur für mich, sondern auch für jeden einzelnen Charakter. Man hat das Gefühl, dass sie alle auf irgendeine Art und Weise miteinander kämpfen. Oder gegeneinander. Oder mit sich selbst. Denn jede Szene – egal welche! – kann in dem einen oder anderen Sinne als Kampf ausgelegt werden. Jedes Gespräch, jedes Essen, jede Stunde, jeder wirklicher Kampf und jede Freude. Das lässt den Leser immer wachsam bleiben und man beginnt sich wirklich wie in einer Assassinnenschule zu fühlen, in der jeder jeden jederzeit umbringen möchte. Auch Mias Beziehung zu Tric fand ich unglaublich schön gemacht: In all den Widersprüchen, in all den Blicken, Gesprächen und gegenseitigem Helfen war einfach eine Schönheit, die sich mir nicht entziehen konnte, auch wenn Mia stets betonte, dass sie ihn ja gar nicht so sehr mochte. Und auch wie sich harmlose Gespräche schnell in Situationen höchster Wichtigkeit und Angespanntheit verwickeln können, finde ich so grandios, dass ich immer wieder wie blöd auf meine Seiten herab gegrinst habe beim Lesen!

NEGATIV

  • Diese. vermaledeiten. Fußnoten.

Das ist wohl etwas, was dieses Buch von vielen Fantasy-Büchern unterscheidet: Es ist (vor allem in der ersten Hälfte) mit Fußnoten versehen. Und diese Fußnoten sind teilweise die Hälfte der Seite lang. Ich liebe es, wenn ich Hintergrundinformationen zu einem Buch und seiner Welt bekommen kann, aber teilweise gingen diese Erklärungen soweit von der Geschichte weg, dass sie schon eine kleine Geschichte in sich selbst waren. Ich fand es unfassbar anstrengend, diese zu lesen und habe das Buch genau deswegen beim ersten Mal weggelegt und dann für über ein Jahr lang nicht mehr angerührt. (Und genau deswegen und wegen der absolut riesigen Länge von 700 Seiten kommt diese Rezension auch so unendlich spät.)

Ich habe allerdings meinen Rhythmus mit diesen Dingern gefunden und den meisten einfach keine Beachtung mehr geschenkt und sie wurden auch ab etwa der Hälfte des Buches sehr viel weniger. Und mit dem Wissen, dass man diese Dinger ohne Konsequenzen überspringen kann, macht das Buch unendlich viel mehr Spaß!


Fazit

Dieses Buch war eine Achterbahnfahrt der Emotionen und ich habe jede Emotion erlebt, die ich mir je beim Lesen eines Buches gewünscht hätte. Ich liebe dieses Buch so sehr, dass ich eine Bewertung wieder gebracht habe, die ich schon sehr lange nicht mehr benutzt habe: Die 5*-Sterne, die bedeuten, dass dieses Buch nun einen sehr besonderen Platz in meinem Regal und in meinem Herzen einnimmt. Ich liebe Nevernight, ich liebe seine Charaktere, ich liebe seinen Plot, seine Welt, die verdammten Fußnoten und den genialen Erzähler. Ich liebe alles an so viel Gewalt, so vielen Plottwists, so vielen Emotionen und Menschen, die alles für ihre Bestimmung tun würden. Ich bin so sehr gespannt darauf, was in den nächsten zwei Bänden noch passieren wird! Und ich brauche sie genau jetzt sofort!

5* von 5 Tintenkleckse

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