„Die Arena – Grausame Spiele“ von Hayley Barker | Rezension

Dieses Szenario erinnert sofort an „Panem“: Ein Mädchen aus der untersten Schicht muss an einem grausamen Spiel teilnehmen, dass nur dazu genutzt wird, die reichen Oberschichten bei Laune zu halten und den Unterschichten vorzugaukeln, dass sie eine Chance in dieser Gesellschaft hätten.

Allerdings geht es in „Die Arena“ um einen Zirkus und um eine Gesellschaft, die rassistisch in zwei Klassen unterteilt.

Kann das Buch in seiner Aussage und Ausführung mit „Panem“ mithalten? Das besprechen wir in der neuen Rezension!


Bibliographische Daten

  • Autorin: Hayley Barker
  • Genre: Romantasy, Gesellschaftskritik
  • Verlag: WBJ (Rowohlt)
  • Übersetzerin: Katharina Naumann
  • Seitenzahl: 476 S.
  • ISBN: 978-3-8052-0048-6

Kurzbeschreibung

 Willkommen zur tödlichsten Show der Welt – Wo nur die Liebe dich retten kann

London in der nahen Zukunft. Die Gesellschaft hat eine Spaltung vollzogen: Die Pures leben komfortabel und luxuriös, während die Dregs ausgegrenzt, geächtet und unterdrückt werden. Manchen Familien der Dregs werden ihre Kinder entrissen und zum „Zirkus“ gebracht, wo die jungen Artisten zum Amüsement der Pures hungrigen Löwen begegnen oder waghalsige Hochseilakte liefern müssen.

Dort treffen Hoshiko und Ben zum ersten Mal aufeinander. Sie als Hauptattraktion in der Arena, er als Zuschauer in der VIP-Loge. Es ist eine schicksalhafte Begegnung für sie beide.


Vielen Dank an den WBJ-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

POSITIV

  • Hoshiko ist eine so tolle junge Artistin, die sich um andere mehr sorgt, als um sich selbst

Die Hochseilartistin Hoshiko ist mit sechzehn Jahren eine der besten Artistinnen und auch eine, die am längsten dabei ist. Dabei vollführt sie riskante und immer riskanter werdende Kunststücke, um die Gier und die Schaulust der Pures zu befriedigen. Dabei ist sie knallhart und kann sich trotzdem um ihr kleines Schutzkind kümmern, welches sie ausbilden soll.

Ich habe Hoshiko geliebt, weil sie sich trotz akuter Todesgefahr immer wieder dem Zirkusdirektor entgegen stellt und sich für die anderen Artisten einsetzt, obwohl es ihr selbst schaden könnte. Sie kennt ihren Platz sehr genau, lässt sich aber trotzdem nicht komplett ihren Lebenswillen rauben. Das fand ich höchst beeindruckend.

  • Ben wirkt zu Anfang der Geschichte wie ein kleiner Junge, wächst aber schnell an seiner Umgebung

Am Anfang dachte ich wirklich, dass der Protagonist Ben noch ein kleines Kind ist. Es wird auch nie sein Alter konkret genannt, aber seine völlige Unwissenheit von der Welt, seine völlige Abgeschiedenheit und wie wenig er sich für seine Umwelt zu interessieren scheint, ist schon außergewöhnlich. Allerdings legt Ben mit Ankunft des Zirkus eine 180 Grad Wendung hin, bei der er sich immer weiter mit seiner eigenen Familie, seinem eigenen Einfluss und seinen Privilegien auseinandersetzt. Ich fand gerade diese Wendung und Bens Mut sich immer wieder über alle Regeln zu setzen, sehr krass und beeindruckend gemacht!

  • Die Geschichte bewegt sich sehr schnell und ist spannend ausgestaltet

Diese Geschichte hat Kapitel, die selten mehr als drei Seiten haben und finde es sehr genial, denn so konnte ich nur so durch die Geschichte durchfliegen und mich richtig fallen lassen! Der Schreibstil hat es sehr gut gemacht, so dass immer sehr gut zwischen den Charakteren gewechselt wurde und diese sich schnell und doch effizient abgewechselt haben. Ich fand den Spannungsbogen sehr gut gemacht, sodass die letzten 100 Seiten quasi einfach nur weg geflogen sind und eine konstante Grundspannung dabei war, die durch die Geschichte getragen hat!

  • Ich finde die Zirkusatmosphäre richtig gut gelungen!

Ich liebe Zirkus-Bücher! Über alles! Die magische Atmosphäre aus den vielen Leckereien, den vielen Lichtern, den Kunststücken, den Schatten und Geheimnissen. Ich liebe es, wenn man diese tolle Atmosphäre auf jeder Seite spüren kann. Ich finde es krass, dass dieses Buch genau dies geschafft hat, obwohl es doch so grausam war. Die Atmosphäre eines Zirkus und der Bühne gemischt mit der Grausamkeit hinter den Kulissen hat mich sehr in den Bann gezogen und mich immer und immer weiter lesen zu lassen!

  • Das Buch schreckt nicht vor Grausamkeiten zurück!

Für ein Jugendbuch finde ich es absolut bemerkenswert, wie viel Gewalt und wie viele Grausamkeiten hier erfunden und erwähnt wurden. Ich finde es super, wie gut und mit welcher Kraft diese Dinge in den Verlauf eingearbeitet wurden. Zwar war manchmal sogar ich überrascht, wie blutrünstig dieser Zirkus sieht. Allerdings war es für mich erfrischend, auch wenn es manchmal over the top war. Aber es gibt ja wie man weiß keine Grausamkeit, die ein Mensch nicht begehen könnte.

NEGATIV

  • Der Rassismus wurde mir einfach nicht gut genug behandelt

Rassismus ist ein unfassbar schwieriges Thema, das ist mir schon klar. Gerade für ein Jugendbuch ist es nicht leicht zu behandeln. Aber in diesem Buch waren schon viele Schnitzer drin. Denn es wird zwar nicht klar erklärt, welche Menschen genau diskriminiert werden, aber es sind doch klar Schwarze, Migranten, Juden und Muslime dabei. Und genau diese nicht klare Definition gepaart mit der absoluten Unwissenheit von dem priviligierten Protagonisten Ben machten das alles sehr cringey. Dabei überkam mich häufiger eine Anmutung des „White Saviour“-Komplex und das Problem, dass man sich als halbwegs aufgeklärter Mensch, wenn es um Rassismus geht, dauernd windet und sich fragt, ob eigentlich mal darüber nachgedacht wurde, ob und was man da eigentlich genau schreibt.

  • Ich fand die „Liebe“ zwischen Hoshiko und Ben nicht glaubwürdig genug

Dieses Buch spielt über einen Zeitraum von etwa drei Tagen und darin entwickeln sich so ganz plötzlich Gefühle, dass ich als Leser absolut nicht mitgekommen bin. Ich sehe durchaus Potential darin, dass sich die beiden Protagonisten verlieben können, aber in diesem Buch erfährt man nur von einer Faszination Bens mit Hoshiko und plötzlich sagen beide, dass sie sich unsterblich lieben. Dies konnte ich einfach nicht glauben und es kam mir eher vor wie eine eingeschobene Motivation, warum die beiden jetzt unbedingt zusammen fliehen müssen und nicht einzeln. Das war leider nicht gut ausgearbeitet.


Fazit

Dieses Buch hat einige geniale Stärken! Die kurzen Kapitel sind super, der Spannungsbogen ist konstant gehalten worden und die beiden Protagonisten sind beide gut ausgearbeitet und wechseln sich in der Erzählweise dynamisch ab. Ich finde die Welt tatsächlich sehr realistisch, wenn man sich die aktuellen Entwicklungen anschaut und daher auch gut ausgearbeitet. Allerdings ist es immer heikel, wenn man sich in Jugendbüchern mit Rassismus auseinander setzt und die Ausarbeitung dessen fand ich ein wenig schwach und die Liebe der beiden Protagonisten habe ich ihnen nach so kurzer Zeit noch nicht abkaufen können.

4 von 5 Tintenkleckse!

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