„Ein Lächeln sieht man auch im Dunkeln“ von Adriana Popescu | Rezension

 Ein neues Jugendbuch von Adriana Popescu! Ich freue mich immer total, wenn ich sehe, dass ein neues Buch dieser Autorin rauskommt, denn ich liebe ihre Geschichten über alles, da sie so nah am Leben geschrieben sind und trotzdem immer den Funken Magie und Besonderes mitbringen, sodass man sich in jedes einfach nur verlieben kann. Auch bei diesem ging es mir nicht anders. Warum, könnt ihr in dieser Rezension nachlesen!


Bibliographische Daten

  • Autorin: Adriana Popescu
  • Genre: Jugendbuch, Contemporary, Roman
  • Verlag: cbt
  • Seitenzahl: 458 S.
  • ISBN: 978-3-570-31337-4

Kurzbeschreibung

 Drei FREUNDE, die Geister der VERGANGENHEIT und die Frage nach der ZUKUNFT

Irgendwas hat dieser Neue, Samuel, an sich, das Marie von Anfang an fasziniert. Und Samuel geht es genauso.

Wie Magnete bewegen sie sich aufeinander zu, stoßen einander aber auch immer mal wieder ab, wenn sie sich von der falschen Seite nähern. Und mitten in diesem spannungsfeld bewegt sich Theo, Maries jüngerer Bruder, der seit einem traumatischen Ereignis von über einem Jahr immer noch mit seinen Ängsten ringt. Marie, Samuel, Theo – ihr Aufeinandertreffen wird ihrer aller Leben für immer verändern …


Vielen Dank an den cbt-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

POSITIV

  • Marie

Ich liebe Marie und erkenne viel von mir in ihr. Sie ist offen, herzlich, aber doch zurückhaltend. Wenn sie jedoch weiß, was sie will, dann lässt sie sich von nichts abhalten. Außerdem tut sie alles, um ihren kleinen Bruder Theo zu beschützen und fühlt sich (zu) sehr für ihn verantwortlich und kann sich nicht richtig auf Samuel einlassen, weil sie all ihre Energie für Theo verbraucht. Marie ist sanft geschrieben, kann aber auch aufbrausend sein und ist unfassbar schlau in jeder Hinsicht. Ich finde es wahnsinnig schön, wie ihre Sorgen und ihr Wille trotzdem etwas ganz alleine zu schaffen, hier eingemeißelt werden. Sie fühlt sich komplett real an.

  • Theo

Theo ist Maries kleiner Bruder und wird in der Schule sehr krass gemobbt. Zusätzlich dazu kann er aber keine Musik hören und hat immer wieder mentale Probleme, deren Grund uns erst nach und nach klar wird. Er ist der Außenseiter, geht schon in Therapie, aber hat das Gefühl, dass es eh nichts nutzt. Er will einfach nur in Ruhe gelassen werden und will gleichzeitig, dass man sich um ihn kümmert. Ich finde Theo und seine Probleme sehr faszinierend, weil ich mich immer frage, wie sich gewisse Ängste in Personen manifestieren können. Theo ist sehr klein geschrieben, versteckt sich und ist verscheucht und fühlt sich nur bei Marie sicher. Ich mochte Theo sehr und fand seine Geschichte am interessantesten.

  • Samuel

Samuel ist der mysteriöse Neue an der Schule, der eigentlich früher in einem anderen Viertel wohnte, aber bloß nichts von sich verraten will, was in irgendeiner Weise auf seine Vergangenheit hindeuten könnte. Ich finde Samuel und seine alten Freunde so interessant, weil sie ganz anders agieren, als man es von der bürgerlichen Fassade der meisten Jugendromane gewöhnt ist. Ich fand es wahnsinnig gut geschrieben, wie gehetzt und zerrissen er sich im Innern zwischen seiner Vergangenheit und seiner Zukunft befindet und wie sehr er versucht das Richtige zu tun, wenn es doch viel einfacher ist, weiter Dummes zu tun. Samuel ist scharfkantig, hart, aber hat einen viel zu weichen Kern. Seine Liebe zu Marie ist so unfassbar süß und weich, dass ich mich nicht mal richtig getraut habe, diese Szenen zu lesen. Aus Angst, alleine meine Anwesenheit könnte da alles kaputt hauen. So eine schöne, ruhige und sanfte Annäherung habe ich erst selten gelesen.

  • Die verschiedenen Lebensrealitäten der Protagonisten

Dass Theo gemobbt wird, Samuel eigentlich nicht weiß, wohin mit sich und es trotzdem versucht und Marie zwischen den beiden und ihren Eltern und ihrer eigenen Erwartung an sich selbst gefangen ist, ist eine Zerreißprobe nicht nur für das Buch, sondern auch für den Leser, da aus allen drei Perspektiven berichtet wird. Dabei sind alle drei komplett anders und der Schreibstil lässt einen auch sofort erkennen, wen man denn da gerade liest und wer von sich berichtet. Dabei leben die drei so nah aneinander und trotzdem könnte man meinen, dass ihre Welten sich nur ein wenig überlappen und ansonsten komplett anders sind. Ich finde es faszinierend, wie Armut, Problemfreunde und -viertel, das Entkommen von Vorurteilen und das Vertrauen in Fremde hier vermittelt wurden.

  • Die realen Probleme, denen hier Aufmerksamkeit gegeben wird

Das Schönste an Popescu Büchern ist übrigens immer, dass sie Probleme in ihre Bücher einbaut, die durchaus real sind und mit denen sich viele Jugendliche rumschlagen müssen. Die Angst vom Erwachsen werden, die ständige Zerreißprobe zwischen Eltern, Freunden, Liebe und der eigenen Zukunft, mentale Probleme, mentale Krankheiten oder auch körperliche Beeinträchtigungen. Adriana Popescu schafft es hier meisterhaft, ihren Protagonist*innen wahres Leben einzuhauchen, sie komplett verschieden denken und handeln zu lassen und sie dabei immer noch wirken zu lassen als wären sie völlig reale Menschen. Ich finde das unfassbar faszinierend.

NEGATIV

  • Der Plottwist war mir doch ein bisschen zu vorhersehbar

Der Plottwist, der am Ende Theo, Samuel und Marie zusammenschweißt und ihre Leben verändert, war für mich leider schon 50-100 Seiten vorher nicht nur zu ahnen, sondern man lief quasi gerade in die Arme davon. Das war tatsächlich ein bisschen doof, weil es natürlich die Überraschung völlig wegnahm, aber ich denke, dass diese Spannung, wie es denn jetzt zusammenhängt und ob es wirklich die schlimmste Weise ist, die man sich gerade ausmalt, wirklich stimmen kann. Tatsächlich war ich dann am Ende doch haarscharf an der richtigen Antwort vorbei, aber ich finde es trotzdem schade, dass es nicht überraschender gelöst wurde.

  • Manchmal erscheinen die Charaktere und ihre Handlungen ein wenig blass

Dies trifft leider vor allem Samuel. Ich denke aber, dass es auch daran liegen kann, dass ich mich mit seiner Lebensweise und seiner Lebensrealität am wenigsten auskenne oder am wenigsten Berührungspunkte habe. Aber teilweise entzogen sich mir seine Reaktionen total, ich war total aus der Geschichte raus und verstand überhaupt nicht, was gerade abging. Bei Theo und Marie hatte ich dies weniger, weil ich Aspekte von beiden teilweise in mir trage oder an erster Hand miterlebt habe. Das fand ich schade, aber man kann ja auch nicht immer alles nachvollziehen.


Fazit

5 von 5 Tintenkleckse

Diese Geschichte hat mich nicht nur aus persönlichen Gründen total mitgenommen. Ich liebe die Echtheit, mit der Adriana Popescu Jugendbücher schreiben kann und wie sie in jedes ihrer Bücher immer wieder neue Ideen und neue Ansätze verpacken kann. Ich liebe es, dass die drei Geschichten so kunstvoll miteinander verwoben wurden, obwohl sie alle komplett unterschiedlich sind. Samuel, Marie und Theo sind einfach traumhaft, wie sie zusammen spielen, sich verstehen, aber sich auch abstoßen. Jeder der Charaktere hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt.

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