EIN WIRKLICH ERSTAUNLICHES DING von Hank Green | Rezension

Ein Buch für die Massen. Ein weiteres Buch von einem Green. Und diesmal nicht von einem John, sondern von einem Hank! Ja, die beiden sind Brüder, aber nein, außer dem Genre haben die beiden Bücher fast nichts gemeinsam! Warum „Ein wirklich außergewöhnliches Ding“ von Hank Green mich so umhauen und von meinen Füßen holen konnte, erkläre ich euch heute in meiner neuen Rezension!


Bibliographische Daten

  • Autor: Hank Green
  • Genre: Roman, SciFi, Jugendbuch
  • Verlag: dtv bold
  • Seitenzahl: 436 S.
  • Übersetzerin: Katarina Ganslandt
  • ISBN: 978-3-423-79040-6

Kurzbeschreibung

Das Leben der 23-jährigen Grafikdesignerin April May ändert sich abrupt, als sie eines Nachts mitten in Manhatten auf die mysteriöse Skulptur eines gigantischen Roboters stößt, den sie „Carl“ nennt und von dem sie und ihr bester Freund Andy noch in der Nacht ein Video drehen und ins Netz stellen. Als klar wird, dass weltweit in zig Städten identische Carl-Skulpturen aufgetaucht sind, verbreitet sich das Video binnen kürzester Zeit millionenfach und macht April schlagartig berühmt. In der weltweiten Hysterie, die nun ausbricht, befindet sich April im Zentrum der Aufmerksamkeit: Sie tingelt von Talkshow zu Talkshow, verbreitet alles, was ihr widerfährt, auf sozialen Netzwerken. Kann April dem Druck der öffentlichen Aufmerksamkeit standhalten, und was ist eigentlich die Mission der Carls?


Vielen Dank an dtv bold für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplars!




Eigene Meinung

POSITIV

  • Das Gefühl dieser Generation

Hank Green schafft es unfassbar gut, das Gefühl der Generation einzufangen, die mit Facebook und sonstigen sozialen Medien aufgewachsen sind. Es behandelt, wie sehr wir abhängig von unseren sozialen Medien sind und wie sehr sich gesellschaftliche Bewegungen durch den Einsatz des Internets verändert haben. Wie Leute sich helfen können, wie Leute sich aber auch wegen nur ein paar falscher Worten absolut hassen können. Tatsächlich ist es das erste Buch, was ich gelesen habe, dass diesen Flair und dieses Gefühl absolut gut und passend einfangen kann.

  • Eine friedliche Alienrasse

Das ist leider ein kleiner Spoiler, aber die Carls die sich auf der ganzen Welt in Großstädten niederlassen, bleiben der Menschheit bis zur letzten Seite des Romans ein großes Rätsel. Sie scheinen den Menschen nichts Genaues mitteilen zu wollen und die Menschen wollen die ganze Zeit eigentlich nur herausfinden, was diese Wesen eigentlich wollen und warum sie dort sind. Allerdings gibt es so gut wie keine „reale“ Interaktion zwischen den beiden Spezies, was mir für einen Roman mit Aliens absolut neu und trotz dessen absolut spannend gestaltet ist.

  • Großartige neue Ideen

Auch verbindet Green neue erzählerische Ausflüge in die schnelllebige Psyche einer Person, die sich und ihr ganzes Leben ihrer Online-Präsenz verschrieben hat, mit den Auswirkungen und den schnellen Entscheidungen, die damit getroffen werden müssen. Dabei werden auch neue Internetplattformen eingeführt, neue „Kommunikationsmöglichkeiten“ der Carls oder auch neue Möglichkeiten von Träumen und Gefühlen von Menschen, die zum Lösen von Problemen beitragen! Schön gemacht und durchaus nachvollziehbar geschildert!

  • Der Umgang mit Internet-Berühmtheit

Auch ist die Hauptperson April May ist gerade deshalb so faszinierend, weil man an ihr ganz genau feststellen kann, wie eine Person im Internet zu einer Berühmtheit und zu einer zentralen Figur einer Entwicklung heranreifen kann! Dabei ist besonders faszinierend, wie April mit dem zunehmenden Rum umgeht, wie ihr Umfeld reagiert und wie sich ihre Moralität und Handlungsweise absolut verändert. Man kann als jemand, der sich selbst mehr oder weniger oft im Internet bewegt absolut nachvollziehen, wie Aprils verschiedene Phasen mit Social Media aussehen und wie sie sie verändern. Außerdem ist hier auch noch Repräsentation von bisexuellen Menschen gegeben, denn April ist tatsächlich bi und es stellt auch einen eigenen kleinen Geschichtsstrang in diesem Buch dar! Finde ich großartig!

  • Die philosophischen Ansätze

Auch gibt es in diesem Buch viele philosophische Ansätze, die mich immer wieder mit ihrer Tiefe und ihrer gut gemachten Art überzeugt haben. Sie drängen sich einem nicht direkt auf, sind aber auch leicht genug für Teenager jeden Alters formuliert. Dabei sind Gedanken zu der Entwicklung der Menschheit und der sozialen Medien im Vordergrund, während allerdings auch eine gehörige Portion Ansätze zu Darstellung der Person im virtuellen Raum, wie dies das Individuum und die Gesellschaft verändern kann und natürlich auch wie dies sich auf die globale Entwicklung auswirkt, nicht fehlen dürfen. Auch werden die Tendenzen besprochen, die sich bei jeder neuen und unbekannten Situation einstellen! Wirklich klasse gemacht und etwas, dass ich so nicht erwartet hätte!

  • Die heutige Gesellschaft, die sich sehr klar heraus kristallisiert

Ich war immer wieder fast schon geschockt, wenn ich gesehen habe, wie akkurat sich unsere heutige Gesellschaft aus diesem Buch herauskristallisiert! Es wird deutlich, wie sehr sich Gruppen in Social Media bilden können und fast schon Herdenmentalitäten entstehen, wenn man sich einmal einer Seite zugeordnet hat. Es wird die Sensationsgier der Menschen und gleichzeitig ihre absolute Unlust zum Handeln beschrieben. Es wird beschrieben wie schnell man sich zusammen finden kann, um etwas Großes zu erreichen, aber auch, wie schnell man Leute davon überzeugen kann, dass sie sich in zwei großen Gruppen gegeneinander stellen, obwohl es sehr viel mehr Meinungen geben könnte. Wie sehr sich auch Anführer dieser Gruppen herauskristallisieren, obwohl man denken müsste, dass dies gerade in Zeiten, in denen jeder seine Stimme auf Social Media äußern kann, so nicht vorkommt. Ich war sehr sehr beeindruckt von der Akkuratheit und Echtheit dieser Schilderungen und Zeitverläufe innerhalb der Geschichte!

  • Hank Greens mitreißender Schreibstil!

Dieser Schreibstil von Hank Green, Leute! Dieser Schreibstil! Ich weiß nicht, wie Green das macht, aber wenn die Geschichte sich verändert, ändert sich der Schreibstil auch! Er wird schneller und hetzender, wenn die Spannung ansteigt, er ist ruhig, wenn April sich einer Herausforderung oder sozialer Änderung stellen muss und er ist am Ende absolut überschlagend und mitreißend! Ein absolutes Talent, denn mit dem immer schnelleren Leben von April wird auch der Schreibstil immer und immer schneller! Absolut schön zu lesen und richtig gut!

NEGATIV

  • Ein Cliffhanger-Ende!

Dieses Ende, Leute! Dieses Ende! Ich fand schon das Buch an sich richtig großartig und werde natürlich an dieser Stelle nicht weiter spoilern, aber dieses Ende ist ein großartiges Ende, dass einem genug Raum für Spekulationen auflässt, aber dem Leser auch noch eine gute Portion Material zum Nachdenken mitgibt und sich ärgern lässt, warum denn bitte genau an dieser Stelle das Ende der Geschichte folgen musste! Für mich ein echt geiles Ende, obwohl ich sonst mit solchen sehr offenen und mysteriösen Enden nichts anfangen kann.

  • Manchmal war mir die globale Reaktion ein wenig zu friedlich

Wir leben in einer Welt, in der wir wissen, dass ein falsches Wort von Donald Trump einen Krieg mit Nordkorea oder Russland auslösen könnte, der sofort alles zerstört, was wir kennen. Wenn auf einmal in der ganzen Welt komische Dinge auftauchen würden, die man nicht erklären kann, würde ganz schnell eine Verschwörung gewittert werden und zumindest ein Schlag eingeleitet werden, der sich schnell eskalieren könnte. Dementsprechend fand ich manchmal die Reaktion ein wenig…zu wenig, um sich real anzufühlen.


Fazit

Dieses Buch ist eines von der tollen Sorte. Eines, was diese Generation und unsere Zeit unfassbar real einfängt. Ein Buch, was versteht. Und es vor allem schafft in einer digitalen Welt zu zeigen, wie ein Gefühl und nicht viele Ereignisse eine Panik und eine völlig neue Lebenswirklichkeit erschaffen können. Dieser Roman spielt nicht nur mit den Vermutungen der gesamten Welt, was denn passieren könnte, wenn intelligentere Wesen als wir uns besuchen kommen würden, sondern bringt uns auch dazu, eine Internetpersönlichkeit zu verstehen und mit ihr mitzufiebern! Ein mitreißender Schreibstil trug sein Übriges dazu bei, dass ich dieses Buch absolut genießen konnte und es vor Spannung fast nicht weglegen konnte!

Tintenkleckse_5

5 von 5 Tintenklecksen!

4 Comments

  1. Ach verdammt, dann muss ich ja doch dem Hype verfallen und dieses Buch lesen^^

    Ich liebe deinen Rezensionsstil! Ich habe ja schon einige von dir gelesen, aber freue mich jedes Mal wieder darüber, wie gut einzelne Punkte und genauere Ausführung am Buch verwoben sind. Und dass du es dir mit dem Bewerten von Büchern als „sehr gut“ nicht leicht machst.
    Dass es hier passiert ist, spricht definitiv für das Buch! Wie gesagt, ich bin auf einmal sehr versucht.

    • Anna (Ink of Books)

      Hehehhe! Gern geschehen! Ich finde dieser Hype ist es wert!

      Oh mein Gott, wie cute du bist! Danke, danke, danke! Das freut mich unfassbar!
      Und ja, wenn mir ein Buch gefällt, dann will ich das natürlich ausführlich begründen 😀
      Und hach, darf ich mir diesen Kommentar ausdrucken? 😀

      Viele liebe Grüße
      Anna

  2. Ich bin bei deiner Rezension voll und ganz bei dir, naja fast. Ich konnte das Ende nicht leiden. Das war mir dann doch zu offen. Ein wenig mehr Erklärung hätte ich mir gewünscht.
    Ansonsten findest du einfach genau die richtigen Worte zu dem Buch. 🙂
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

    • Anna (Ink of Books)

      Hallo liebe Diana!

      Ja, ich bin bei dem Ende auch immer noch sehr hin und her gerissen. Really. Es ist…schwierig 😀

      Aber danke! Das ist so ein tolles Kompliment!

      Viele liebe Grüße
      Anna

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