Eine persönliche (Klima-)Krise

Wut und Angst scheinen in dieser Zeit untrennbar verbunden zu sein.

Ich bin langsam am Rand meiner Kräfte angelangt, wenn es darum geht, diese Welt zu verstehen. Ich saß gestern im Zug nach Hamburg und habe über ein YouTube-Video nachgedacht, dass erklärte, dass es mittlerweile großteils zum sogenannten “Climate Grief” kommt.

Die Realisation, dass man als Einzelperson nichts dagegen tun kann, dass der Klimawandel unaufhörlich voran schreiten wird.


Foto von Engin Akyurt von Pexels


Es bringt nichts, wenn ich aufhöre, Fleisch zu essen. Es bringt nichts, wenn ich aufhöre, Milch zu trinken. Es bringt nichts, wenn ich nur noch Second Hand kaufe. Es bringt nichts, wenn ich plastikfreies Shampoo benutze. Es bringt nichts, wenn ich kein Auto mehr fahre. Es bringt nichts, wenn ich Plastik aus meinem Leben verbanne.

Das stimmt natürlich alles nur bis zu einem gewissen Maß. Und es stimmt auch nicht, dass es nichts hilft. Aber es ist ein sehr sehr kleiner Tropfen auf einem Lavastein.

Eigentlich sind die größten Sünder nämlich riesige Konzerne, die Gebiete austrocknen, Unmengen an Plastik produzieren, Frauen und Kinder ausrauben und benutzen, die sich als moralisch verkaufen, die heute immer noch Brennstoffautos herstellen oder Fleisch produzieren und die in ihrer feinsäuberlich aufgestellten Blase von Priviliegen und Reichtum nicht merken wollen, welchen Schaden sie anrichten.

Denn in einer Welt, in der der Präsident Amerikas Regenwälder zur Abholzung freigeben will.

In einer Welt, in der der Amazonas nach drei Wochen immer noch brennt und nicht nur brennt, sondern mutmaßlich in Brand gesteckt wird.

In einer Welt, in der die G7 nur 20 Millionen Euro locker machen können dafür, dass die Lunge der Erde erhalten bleibt.

In einer Welt, in der dieses Geld vom Präsidenten Brasiliens abgelehnt wird, weil er meint, es wäre nicht notwendig.

Da kriege ich wie eine Keule vors Gesicht gehauen, dass die Menschheit eben doch sehr egozentrisch und ganz und gar nicht weitblickend ist.

Und dann will man sich ja engagieren, dann will man auf die Straße gehen, dann geht man auf die Straße. Ein Jahr lang gehen Jugendliche auf die Straße. Und dann passiert…nichts.

Sie werden vom Großteil der Bevölkerung unterstützt, vom Großteil der Wissenschaftler. Kein Wenn und Aber.

Aber die Politik redet von Kohlekraftstopp ab 2030 und wir stehen daneben und können nur schreien, dass es 2030 aber einfach zu spät ist! Dass wir nur noch 10 Jahre haben, ehe der Klimawandel irreversibel ist.

10 Jahre. Um Emissionen mindestens zu halbieren. In dem Schneckentempo in dem die Politik gerade arbeitet und mit einer zweiten drohenden Amtszeit des orangen Fellknäuels im Weißen Haus, sieht das absolut nicht gut für die Menschheit aus.

Wenn noch nicht mal die Grünen eine vernünftige Klimapolitik zumindest vorschlagen. Wenn niemand auf Logik und gesunden Menschenverstand hört.

Dann kann ich mittlerweile nur noch den Kopf in den Händen vergraben und versuchen, nicht zu weinen.

Mit jedem Tag werde ich verzweifelter, weil jeden Tag neue Nachrichten kommen, die noch größeres Unheil berichten. Jeden Tag beweisen unsere geradigen Anführer, wie schlecht geeignet sie doch dafür sind, eine Katastrophe abzuwenden, bevor sie passiert. Wie wenig flexibel sie in ihren Arbeitsweisen sind. Wie wenig sie vorbereitet sind auf das, was da auf uns zu kommt.

Wenn sie nicht verstehen, dass es hier um die größte Bedrohung menschlichen Lebens ist, die uns je bevorstand.

Dass es nicht darum geht, den Planeten zu retten. Denn dem wirds gut gehen. Der kümmert sich nicht um die winzigen Wesen auf seiner Oberfläche. Die Natur wird sich anpassen. Wie sie es immer tut.

Was wir retten müssen, sind wir. Und nicht die Jobs der deutschen Automobilindustrie, nicht die Jobs in Kohlekraftwerken. Menschenleben sind wichtiger, als eine der größten nationalen Wirtschaften auf diesem Planeten. Aber das scheint absolut niemanden zu kümmern.

Stattdessen wird immer noch mehr gekauft, noch mehr ins Meer gekippt, mehr Tiere geschlachtet, Besucherrekorde aufgestellt, mehr Weidefläche gebaut, mehr Technik produziert, die nichts kann, außer Zeit rauben.

Und so, wie die Weltspitze immer noch um Macht und wirtschaftliche Vorteile wetteifern, anstatt zu bemerken, dass der Kapitalismus uns definitiv nicht aus dieser Lage befreien kann, sehe ich absolut keine Änderung in den langsam mahlenden Mühlen der Politik, Industrie und Gesellschaft.

Aber glaubt ja nicht, dass die, die schuld sind, als erste dran glauben müssen. Denn es werden genau diese sein, die sich am längsten in kalten Gebieten abschotten können und immer dorthin gehen, wo es noch erträglich ist. Es wird die Armen treffen. Die Schwarzen. Die Marginalisiertn. Die Queeren. Die Arbeitslosen. Die Frauen. Und alle anderen People of Colour.

Ich kann nicht mehr. Jeder Tag auf diesem Planeten tut weh. Und ich will nicht wissen, wie sehr es in 10 Jahren wehtun wird.

So hatte ich mir mein Leben nicht vorgestellt.

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