Erebos, inklusive Kinderbücher und „Auf einer Skala von 1 bis 10“ | Rezensionen zu Kinder- und Jugendbüchern

Es gibt 3 Kurzrezensionen! Diese sind zu völlig unterschiedlichen Büchern und sind daher gut für jedermann, der gerne Kinder- oder Jugendbücher liest!

Es geht um den Klassiker, der gerade eine Fortsetzung bekam, es geht um ein inklusives Kinderbuch und ein sehr krasses Jugendbuch, was wirklich nicht jeder lesen können wird.

Seid ihr auch schon so gespannt, wie ich?


Vielen Dank an die Verlage für die Rezensionsexemplare!


Bibliographische Daten – „Erebos“

  • Autorin: Ursula Poznanski
  • Genre: Jugendthriller
  • Verlag: Loewe
  • Seitenzahl: 490 S.
  • ISBN: 978-3-7432-0531-4

Kurzbeschreibung

Tritt ein oder kehr um! DIES IST EREBOS

Nickt ist besessen von Erebos, einem Computerspiel, das an seiner Schule von Hand zu Hand weitergereicht wird. Jeder hat nur eine Chance, Erebos zu spielen, und die Regeln sind äußerst streng. Wer dagegen verstößt oder seine Aufgaben nicht erfüllt, fliegt raus und kann das Spiel auch nicht mehr starten. Was aber am merkwürdigsten ist: Erebos erteilt Aufträge, die im Real Life ausgeführt werden müssen. Und dann befiehlt das Spiel Nick, einen Menschen umzubringen.

Eigene Meinung

„Erebos“ dürfte für die meisten, die diesen Beitrag lesen, wirklich kein neues Buch sein. ALLE in meinem Bekanntenkreis haben mir empfohlen „Erebos“ zu lesen. Und da nun die neue Special Edition erschienen ist, konnte selbst ich mich nicht mehr wehren. Dieses Buch ist unfassbar spannend, obwohl die Protagonisten eine riesige Zeit nur damit verbringen, dass sie sich vor einem Computer sitzend ein Spiel reinziehen. Das Spiel an sich, was an die frühen Tage von World of Warcraft erinnert und den Spieler auch in der Realität mit teils obskuren Tests beauftragt, ist gruselig und zugleich so real, dass man seine Nerven wirklich unter Kontrolle halten muss. Gerade, da die Technologie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung komplett auf dem neuesten Stand war und eigentlich exakt null Dinge hinzugedichtet werden mussten, damit das Konzept dieses Buches funktionierte. Und genau das macht es auch so real und damit so erschreckend.

Aus der heutigen Perspektive ist die Technologie in Erebos natürlich veraltet. Allerdings nicht so sehr, dass es für einen lachhaft oder unrealistisch erscheint. Gerade, da man sich ja einfach in die Zeit von vor 10 Jahren zurückdenken kann und noch etwa weiß, wie viel man damals mit Technologie am Hut hatte, bei der Handys gerade erst aufzutauchen begannen.

Der Protagonist Nick ist gleichzeitig eine Identifikationsfigur und gleichzeitig auch ein wenig übermenschlich, was er aber wohl sein muss, um das Konzept des Buches gut zu verkaufen. Er ist mutig, lässt sich aber teilweise zu bösen Dingen verleiten, ist allerdings den Großteil des Buches nicht heroisch veranlagt. Er lässt sich voll und ganz von dem Spiel einsaugen, obwohl man denken würde, dass jeder Mensch auch seine Grenzen hat und sich rein aus Überforderung oder Langeweile auch mal von dem Spiel abwendet. Nicht so Nick, den auch Freundschaften und eine kleine Verliebtheit durch das Buch treiben.

Da ich auch sonst keine Thriller lese, fand ich diesen hier wirklich sehr gut! Ich werde wahrscheinlich weiterhin Thriller nicht ständig lesen, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, mehr in die Richtung des Technologie-Thrillers zu lesen, weil dieses Buch mich einfach nur durch seine Seiten hat fliegen lassen und mich auch nicht wieder losgelassen hat. Genauso wie Erebos die Spieler nicht gehen lässt und sie durch den Suchtfaktor manipulieren kann, schürt auch das Buch einen Suchtfaktor durch die schnell aufgestellten Regeln des Spiels und die immer weiter eskalierenden Aufgaben innerhalb des Spieles.

Ein unfassbar spannendes Gedankenexperiment, dass uns jederzeit auch in der Realität einholen könnte.

Fazit

5 von 5 Tintenkleckse

„Erebos“ ist ein faszinierender und gut umgesetzter Jugendthriller und gleichzeitig das beste Buch über Videospiele, was ich je gelesen habe! Und das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass dieses Buch schon 10 Jahre alt ist und damit technologisch absolut outdatet. Ich konnte das Buch nicht weglegen, es hat mich nicht losgelassen und noch sehr lange darüber nachdenken lassen, wie wir mit Technologie umgehen und wie sehr diese unser Leben bestimmen kann. Ich bin sehr gespannt und schon vorher verängstigt, was der neu erschienene Fortsetzungsband so alles kann!

Bibliographische Daten – „Die Unausstehlichen & Ich“

  • Autorin: Vanessa Walder
  • Ilustratorin: Barbara Korthues
  • Genre: Kinderbuch
  • Verlag: Loewe
  • Seitenzahl: 269 S.
  • ISBN: 978-3-7855-8901-4

Kurzbeschreibung

Life Saaks – Kommt drauf an, was du draus machst!

Ennis Wutanfälle haben ihren Grund: Ihre Pflegeeltern stecken sie in ein abgelegenes Internat und nehmen ihren Bruder Noah mit in die Schweiz. Aber Enni hat einen Plan: Ausbrechen und ihn finden. Zu dumm, dass sie dafür die Hilfe der anderen Schüler braucht, denn die findet Enni unausstehlich. Doch dann stellt sich raus, dass die Unausstehlichen eine eigene, nervenzerfetzende Geheimaktion planen und dafür Ennis Hilfe brauchen…

Eigene Meinung

Dieses Kinderbuch wurde mir auf der Buchmesse vorgestellt mit den Worten: Es geht um ein Mädchen mit Aggressionsproblemen, einen Jungen im Rollstuhl, eine blinde Zicke und jede Menge Spaß! Und da konnte ich doch nicht nein sagen!

In „Die Unausstehlichen & Ich“ geht es um die Waise Enni, die schon früher immer wieder von Familie zu Familie gereicht wurde, weil sie doch irgendwann immer anfing, Ärger zu machen. So auch bei ihrer neuen Familie, bei der sie sich allerdings so verbunden mit ihrem neuen Bruder fühlt, dass sie diesen unbedingt wieder sehen will, als sie in ein Internat mitten in den Bergen gesteckt wird.

Ennis Fall zeigt sehr deutlich, dass sich Autoritäten sehr vertun können in ihrem Umgang mit angeblichen Problemkindern. Denn Enni wird ein Therapeut zur Seite gestellt, der ihr sehen hilft, woher ihre Wutanfälle zu kommen scheinen, mit denen sie sich immer wieder selbst in Schwierigkeiten zu bringen scheint.

Auch fühlte sich Enni nie richtig wohl und findet nun auf der neuen Schule mit jeder Menge Außenseitern endlich Menschen, die sie halbwegs ernstnehmen, was ich eine sehr gelungene Message für lesende Kinder finde! Denn fast nie lohnt es sich, „normal“ sein zu wollen, denn das ist eh für jeden etwas anderes.

Auch der Umgang mit körperlichen Behinderungen wurde im Buch super aufgegriffen, denn wir haben ein Kind im Rollstuhl und ein blindes Kind, die beide aber nicht als beneidenswert und/oder bemitleidenswert dargestellt werden, sondern als Kinder, die halt andere Stärken haben. Diese Kinder haben aktive Rollen und werden durch ihre Behinderungen quasi nicht eingeschränkt, sie leben damit ganz normal und werden auch nicht angefeindet. Ein wunderbares Beispiel, wie man schon in Kinderbüchern etablieren kann, wie man mit Behinderungen am besten umgeht.

Natürlich wird nicht sofort alles gut, als Enni auf das Internat kommt und es gibt jede Menge Dinge, die die Kinder so nicht machen dürften, aber es zeigt auch den Zusammenhalt, den Kinder untereinander haben können und wie wichtig es ist, für seine Freunde einzustehen und sich für sie einzusetzen, egal, ob es einem selbst vielleicht dadurch nicht perfekt geht!

Fazit

4 von 5 Tintenkleckse

Dieses Kinderbuch behandelt keine einfachen Themen und ist endlich ein Identifikationsmöglichkeit für Kinder, die nicht immer süß und nett sind, sondern auch Probleme damit haben, sich anzupassen. Die Crew rund um Enni ist verdammt cool und obwohl sie alle eine Besonderheit an sich haben, machen sich die Kinder nicht darüber lustig, sondern verstehen sich perfekt darauf, eher miteinander zu reden und zusammen Dinge zu erreichen. Genial!

Bibliographische Daten – „Auf einer Skala von 1 bis 10“

Content Warning: suizidale Gedanken und suizidales Verhalten
  • Autorin: Ceylan Scott
  • Genre: Jugendbuch, TW: Selbstverletzung und suizidales Verhalten
  • Verlag: Carlsen
  • Übersetzerin: Beate Schäfer
  • Seitenzahl: 220 S.
  • ISBN: 978-3-551-52111-8

Kurzbeschreibung

Iris ist tot. Und Tamar sitzt in Lime Grove, einer geschlossenen Jugendpsychatrie, wo sie den ganzen Tag lang sinnlose Fragen beantworten soll. Wie fühlst du dich, auf einer Skala von 1 bis 10? Du weißt schon, dass du dich nicht normal verhältst? Was genau ist eigentlich passiert?

Aber Tamar sagt nichts. Sie kann einfach nicht erzählen, was mit Iris geschehen ist. Das Monster lässt es nicht zu…

Eigene Meinung

Dasletzte Buch auf dieser Liste ist wirklich schwere Kost. Tamar sitzt in einer Jugendpsychatrie, weil sie nach dem Tod ihrer Freundin Iris auch aus Schuldgefühlen eine ganze Reihe seelischer Krankheiten entwickelt hat, die sich in sie hineinfressen und mit denen sie zu kämpfen hat.

Dieses Buch ist kalt. Es ist nicht emotionslos, aber gerade wie Tamars Innenleben, ihre Gedanken und Ängste beschrieben werden, lässt mich auch beim Schreiben dieser Rezension immer noch unruhig werden.

Gleichzeitig kann man das Buch auch als eine Kritik und gleichzeitig Lob und realistische Betrachtung einer staatlichen Jugendpsychatrie ansehen, denn diese wird wirklich nicht wie das Paradies auf Erden beschrieben. Sie ist dreckig, das Essen ist schlecht, die Wärter sind nicht immer nett und Tamar kann keinen richtigen Draht zu den Wärtern aufbauen. Und die verschiedenen Therapien zeigen auch nicht immer die gewünschte Wirkung.

Außerdem lernt der Leser noch die anderen Jugendlichen in der Psychatrie kennen, die alle mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen haben, darunter auch Magersucht oder sebstverletzendes Verhalten. Natürlich werden ihre innersten Gedanken nicht so tief erläutert wie die von Tamar, aber alleine diese Leute an ihren Krankheiten leiden zu lesen, war eine kleine Offenbarung. Auch läuft hier alles nicht mit Zuckerwatte ab, sondern ein paar Kinder sind schneller wieder gesund, ein paar werden es nie und andere haben immer wieder kleine und große Rückfälle, was den generellen Sinn der Hilflosigkeit nur noch mehr verstärkte.

Tamar ist eine starke Person, die immer wieder von sich und ihrer Psyche ein Bein gestellt bekommt und man kriegt mit, wie ihr langsam jeglicher Wille zum Leben abhanden kommt, weil sie entweder von ihren eigenen nicht existenten Fortschritten so enttäuscht ist, oder weil sie immer wieder mitkriegt, wie schlecht es den anderen auf ihrer Station geht.

Zusätzlich hat das Buch noch den Plot mit dem Tod von Tamars Freundin, der immer wieder eine Rolle spielt, aber erst zum Ende hin einigermaßen erklärt wird, was ich genial fand und gleichzeitig ein Element des Wartens und Ausharrens mit einbrachte.

Auch das Ende faszinierte mich, denn natürlich kann bei so einem Buch nicht alles gut gehen, aber ein wenig Hoffnung wurde doch vermittelt, auch wenn es keine dramatischen Enthüllungsszenen oder Gespräche gab und trotzdem konnte man aus Tamars Geschichte ein ganz kleines bisschen Mut schöpfen, was sie auch brauchte, um sich doch weiter ans Leben zu klammern.

Ein unfassbar atmosphärisches, schwierig zu lesendes, absolut fesselndes Buch, was aber definitiv unter die Haut geht und noch sehr lange nachhallt.

Fazit

4 von 5 Tintenklecksen

Dieses Jugendbuch zieht dem Lesenden alle Energie aus, die vorher noch da war. Trotz der erstaunlichen Kürze dieses Buches ist es sehr eindringlich, nimmt kein Blatt vor den Mund und ist sehr aufdringlich in seiner Klarheit und der Protagonistin, die sich die schlimmsten seelischen Verletzungen zugefügt hat und diesen nicht zu entkommen scheint. Ein Buch, was nicht jeder wird vertragen können, aber gerade in der heutigen Zeit ein wichtiger Beitrag zur Diskussion um Mental Health und unseren gesellschaftlichen Umgang damit.

 

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

*