Emotional Abuse und „The Places I’ve Cried in Public“

Heute möchte ich mit euch über ein Buch reden, dass ich absolut geliebt habe und dass mich unfassbar beeinflusst hat, in dem es mich mein eigenes Leben hat hinterfragen lassen.

Es wird um emotionalen Missbrauch gehen. Es wird auch ein bisschen um persönlichen Mist gehen. Aber ich hoffe, dass ihr trotzdem wissen wollt, wieso „The Places I’ve Cried In Public“ eines der wichtigsten Bücher der letzten Zeit für mich ist, dass alle Jugendlichen heute lesen sollten.

Bibliografische Daten

  • Autorin: Holly Bourne
  • Genre: Jugendbuch
  • Verlag: Usborne
  • Seitenzahl: 360 S.
  • ISBN: 978-1474949521

Kurzbeschreibung

It looked like love. It felt like love. But this isn’t a love story. Amelie fell hard for Reese. And she thought he loved her too. But she’s starting to realise that real love isn’t supposed to hurt like this. So now she’s retracing their story, revisiting all the places he made her cry. Because if she works out what went wrong, perhaps she can finally learn how to get over him.

Emotional Abuse in romantischen Beziehungen – und seine Auswirkungen

Ich habe dieses Buch sofort an seinem Erscheinungsdatum verschlungen. Denn Holly Bourne ist für mich eigentlich immer und sofort eine „Must-Read“-Autorin. Sie hat eine Stimme gefunden, die mich absolut anspricht, die von einem wahren Leben berichtet und dennoch eine Geschichte erzählt, die uns ein Beispiel sein soll und uns etwas lehren soll. Ich liebe es, wie ich jedes ihrer Bücher lesen kann und mich immer etwas anderes, aber gleich wichtiges erwartet.

Dementsprechend war ich auch sehr gespannt auf „The Places I’ve Cried In Public“, ein Buch, das davon berichtet, wie ein Mädchen all die Plätze besucht, an denen sie wegen eines Jungen geweint hat. Dabei erfahren wir immer abwechselnd aus ihrer Perspektive aus dem Jetzt und aus dem Damals, so dass wir natürlich auch die schönen Momente immer mit dem gewissen Gefühl der Bedrohung und des Abstiegs wahrnehmen. Ich liebe es absolut, dass wir so ein „wahres“ Framing bekommen, was die Opfer von Emotional Abuse meist nicht selber sehen.

Warum finde ich dieses Buch also so wichtig? Es zeigt auf, wie wichtig es ist, auf sein Bauchgefühl zu hören. Wie wichtig es ist, Verhalten zu hinterfragen, sein Hirn einzuschalten und komisches Verhalten (sogenannte Red Flags) zu erkennen. Denn viele (gerade junge) Mädchen und Frauen wissen nicht, was alles noch akzeptables Verhalten ist.

Man lässt sich überrumpeln, wurde von Geburt an dazu erzogen, dass man süß und nett zu sein hat und keinen Aufstand machen sollte. Dementsprechend geht es auch in diesem Roman zu, denn die Protagonistin ist eigentlich sehr schüchtern und traut sich zuerst nicht zu sagen, dass sie gewisses Verhalten seltsam oder übergriffig findet.

Große Gesten wie Dinge füreinander tragen, sich immer wieder in das Leben des anderen einmischen, oder ein Liebeslied singen, sind halt nur so lange große Gesten, wie sie aus der richtigen Intention heraus gemacht werden und nicht etwa, um ein Bild von sich zu vermitteln oder es zu einer Selbst-Promotion zu verwenden.

Auch finde ich absolut bemerkenswert, wie gut und deutlich gewisse Dinge dargestellt werden: Emotionale Isolation dadurch, dass man von Freunden ferngehalten wird und dies irgendwann in die Normalität übergeht. Kleine Kommentare zum Körper oder zum Verhalten, die nach einer absoluten Welle an Zuneigung folgen, sodass sie so sehr verwirren, dass die Schuld nur bei sich gesucht wird. Auch, wie sehr sich ein Mensch durch diesen Missbrauch ändern kann.

Denn man merkt Amelie in diesem Buch sehr an, wie sie sich immer weiter in sich zurück zieht, immer mehr nur nach der Aufmerksamkeit ihres Freundes strebt, die er ihr aber immer weniger zugesteht. Ich finde es absolut atemberaubend, wie diese Transformation dargestellt wird und habe viele Male mit der Protagonistin mitgeweint, weil ich ihre Gefühle und Eindrücke so gut nachvollziehen konnte.

Ich kenne das High, was man davon bekommt, wenn man mit absoluter Liebe zugeschüttet wird, obwohl man sich doch eigentlich denkt, dass man sich dafür nicht gut genug kennt. Ich kenne das Gefühl, sich immer mehr nach einer Person zu richten, diese zum Mittelpunkt des Lebens zu machen. Und das alles gebaut auf einer sehr dünnen Schicht aus… Sucht. Es ist eine Art Sucht, eine Suche nach dem immer neuen High einer vermeintlichen Liebesgeschichte, die einem so lange vorenthalten wird, dass man denkt, man wird wahnsinnig und die Welt dreht sich auf den Kopf. Und man sich Jahre später immer noch fragt, ob das hätte klappen können, wenn die Antwort immer ist: Das war keine Liebe. Wäre es Liebe gewesen, hätte es nicht so wehgetan. Und am Ende hilft auch genau dieser Gedanke, um dann doch loszulassen.

Reese ist ein richtiges Arschloch. Absolut und vollkommen. Ich kann nicht sagen, wie oft ich diesen Dreckskerl in die letzte Wüste gewünscht habe. Aber er zeigt absolut gut, wie sehr Emotional Abuse Menschen zerreißen kann, weil es eigentlich immer schlimmer wird. Man aber doch nach dem nächsten High, dem nächsten guten Tag, dem nächsten guten Moment sucht. Und dabei die Schuld natürlich immer nur bei sich selbst sucht. Wieso denn auch nicht, denn er ist ja absolut perfekt.

Aber das Allerwichtigste in diesem Buch: Nirgendwo wird generalisiert. Wir besuchen hier das Leben einer Teenagerin. Sie redet zwar quasi mit dem Leser darüber, aber es gibt keine anderen vorgestellten Fälle, keine „7 Zeichen, wie du emotionalen Missbrauch erkennst“, sondern einfach eine Geschichte, die klar und deutlich darstellt, wie es diesem einen Menschen geht und genau eine Form des Missbrauchs darstellt. In diesem Gefühl kann man sich wiederfinden. Nicht in den Fakten, die zu diesem Gefühl geführt haben. Und ich denke, dass es bei der Aufklärung zu diesem Thema um genau diesen Ansatz geht.

Ein paar Lektionen, die ich aus diesem Buch für mich selbst mitnehmen konnte:

Achte darauf, wie dein Partner seine früheren Beziehungen beschreibt. Werden sie alle als verrückt oder hysterisch beschrieben, könnte da definitiv was im Busch sein.

Höre immer immer immer auf dein Bauchgefühl.

Sei misstrauisch. Vor allem in der Anfangszeit. Lass es so langsam angehen, dass du keine Bedenken hast. Lasse dich nicht von etwas überrumpeln, was dir vielleicht nicht gut tut.

Lass dich nicht von anderen abkapseln. Eine Außenperspektive auf deine Situation ist absolut wichtig und kann dich aus den tiefsten Selbstzweifeln wieder hinaus holen.

Und ganz wichtig: Denke niemals, dass du ganz alleine für das Glück einer anderen Person zuständig oder verantwortlich bist. Das bist du nur für deine eigene.

Ich finde die Story von Amelie, die einer von Bournes besten Charajteren ist, als absolut herzzerreißend und definitiv eine Lehre und ein Beispiel für alle. Und eine Projektionsfläche für alle, denen genau das widerfahren ist, die aber kein Label dafür hatten und keinen Weg dies zu äußern. Und für alle, denen ihre Missbrauchserfahrungen abgesprochen werden.

Dieses Buch ist für mich und für euch und ich hoffe, dass wir irgendwann alle erfahren können, dass Liebe sicher sein sollte, sich anfühlt wie zwei Leute, die sich im Kampf gegen diese blöde Welt unterstützen und immer füreinander da sind. Und am allerwichtigsten: Ehrlich und kommunikativ miteinander umgehen.

2 Comments

  1. Eine sehr gute Rezension, ich glaube, ich muss mir das Buch aus Gründen auch Mal zu Gemüte führen. Es soll ja gut sein, Emotionen Mal rauszuweinen :,D Nur ein kleiner Schreibfehler im vorletzten Absatz, Charaktere hat da ein j abbekommen!

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