Fakten Check Science Fiction! | Blogtour „Die Reise“ von Marina Lostetter

Heute startet die Blogtour zu „Die Reise“ von Marina Lostetter! Es ist unfassbar gute Science Fiction, die bei uns nicht viel Aufmerksamkeit bekommen hat, was unfassbar schade ist! Dies wollen wir nun ändern und schauen uns neben der eigentliche Science Fiction auch noch tolle andere Aspekte dieses Buches an!

Zuerst starten wir aber bei mir! Ich untersuche heute, ob und wie die Technik in diesem Epos gut umgesetzt und realistisch beschrieben wurde! Also los geht’s, schnappt euch eure Raumanzüge und kontrolliert die Sauerstoffflaschen, denn wir fliegen ins All!



Fakten Check! Wie realistisch ist diese Science Fiction?

Ich habe mir am Anfang des Buches ein paar Themen herausgesucht, die wir nun ein bisschen genauer besprechen werden!

  • Stern „mit Kruste“

Die Grundüberlegung und Entdeckung in „Die Reise“ ist ein Stern, der ein sehr unregelmäßiges Energiemuster hat. Er scheint quasi keins zu haben, doch an einer Stelle scheint die Energie nur so rauszuschießen.

Dies bedeutet, dass ma den Stern fast gar nicht gefunden hätte, weil er eben nur an einer einzigen Stelle eine detektierbare Energie vorweist!

Dies ist natürlich so in der realen Welt nicht vorzuweisen, obwohl ungewöhnliche Funde natürlich nichts neues sind. Der Forscher soll also seine Entdeckung vorstellen und da man sich das alles nicht erklären kann, wird dieser Stern als ein Ziel ausgesucht, was sich mit einer riesigen Forschungsmission erforscht werden soll.

Es werden Vermutungen aufgestellt, dass dies entweder eine „gemachte“ Kruste ist (namentlich von intelligenten Lebewesen, die diesen Stern gerne verbergen oder anders nutzen würden) oder sich ein Asteroidengürtel gebildet hat, der sich allerdings als Ball mit einer ganz entscheidenen Anomalie verhält. Egal, was es ist, man ist sich also einig, dieses einzigartige Phänomen näher untersuchen zu wollen! Und damit geht die Reise los!

(Kleine Anmerkung: In diesem Buch wir sehr schön gezeigt, we viel Vorbereitungszeit man für eine solche Reise bräuchte. Namentlich: Der Entdecker ist gerade mal Anfang 20, als er im Rahmen seiner Doktorarbeit den benannten Stern entdeckt und ist fast an seinem Lebensende angekommen, als die Mission sich endlich auf den Weg macht. Der absolute Wahnsinn an Ressourcen, Aufwand und zeitlichem Delay!)

  • Persönlicher Assistent für 100.000 Menschen

Da der Entdecker des Sterns einen persönlichen Assistenten immer bei sich hat, der ihm hilft und ihm Fragen beantwortet, möchte er eine solche Vorrichtung auch im Schiff haben, allerdings soll sie eine sehr krasse Eigenschaft erfüllen: Sie soll eine Persönlichkeit haben.

Da erklärt ihm jedoch der Erfinder, dass dies sehr schwierig wird, da 100.000 Mitglieder des Schiffes mit der künstlichen Intelligenz interagieren werden und diese sich auf jeden individuell einlassen und nach seinen Wünschen formen müsste, was sie sich gar nicht aus ihrem Anfangsstadium hinaus entwickeln lassen würde, da man zu viele Variabeln hätte.

Und das ist völlig korrekt. Auch, wenn es hinterher halbwegs gelingt: Es gibt bei uns ja schon nicht de Möglichkeit, intelligente Helfer zu entwickeln, die tatsächlich ein Bewusstsein nachahmen. Betonung liegt hier auf nachahmen, denn im Buch wird es teilweise als denkendes Wesen dargestellt, was es absolut und definitiv nicht sein wird.

Aber die Schwierigkeit, eine Persönlichkeit zu simulieren, noch dazu eine, die auf den jeweiligen Anwender zugeschnitten ist, ist unermesslich hoch. Diese so zu festigen, dass sie sich zwar ändert, wenn man mit gewissen Persönlichkeiten spricht, aber immer noch einen festen Kern behält, während man ein Schiff von 100.000 Mensch steuern muss, ist schon sehr sehr viel Rechenaufwand und mich würde die schiere Masse an Code sehr interessieren, die dahinter steht.

  • Besser mehrere Schiffe, als ein großes?

Ich bin leider kein Bauingenieur, aber ich kann eines sagen: Das ist völlig richtig.

Wenn man – wie es hier scheint – quasi unendliche Ressourcen hat, um diese Reise zu planen, dann ist es dringend notwendig, sich auch über diese Dinge Gedanken zu machen: Lieber ein großes oder viele kleine Schiffe?
Antwort: Viele kleine!

Denn so gibt es nicht sofort Probleme, sollte eines davon ausfallen, die Schiffe können sich gegenseitig mit Ersatzteilen versorgen, anstatt diese umständlich mitzuschleppen. Man kann viele kleine Motoren und Antriebe bauen, anstatt ewig an einem riesigen und störanfälligen zu tüfteln!

Und natürlich gilt auch: Wenn mal etwas schief geht, sind nicht gleich alle dem Tod geweiht und es reicht, wenn eines der vielen Schiffe die Mission überstehen kann und zur Erde zurückkehrt!

  • Klonen durch Chromosomenaufbau

Klonen ist ja auch heute schon eine sehr gefragte Prozedur, die nur leider irgendwie immer wieder schief zu gehen scheint. Und das hat sehr viele Faktoren, aber ein sehr entscheidender ist, dass die Kopien der Eizellen und des Genoms des Lebewesens nie einhundert Prozent korrekt sind und sie deshalb meist keine lange Lebensdauer oder eine sehr geringe Überlebenschance haben. Leider kann ich den genauen Prozess hier auch nicht schildern, denn Biologie ist auch nicht mein Fach der Expertise.

Aber(!) die Lösung besteht hier daraus, das Genom der jeweiligen Person zu speichern und aus den jeweiligen Säuren komplett nachzubauen und sie dann im Glasfläschchen heranwachsen zu lassen. Ich finde es sehr sehr krass, dass dies überhaupt im Buch Erwähnung findet, denn mit den heutigen Mitteln würde dieser Prozess JAHRE dauern und definitiv unfassbar anstrengend sein. Aber es gibt so keine Fehler, sondern nur perfekte Kopien, die genauso wieder geboren werden mit denselben Fehlern und denselben Fertigkeiten, die sie unter einer strengen Erziehung und guten Bildung wieder ausbilden sollen, um genau den Job zu machen, den ihr Vorgänger auch gemacht hat! Chapeau! Eine sehr sehr gute, aber zeit- und kostenaufwendige Methode!

  • Antigravitation (Schwerkraft durch eigene Gravitonen)

Ich bin auch kein Physiker, daher entschuldigt jetzt mein krudes Gefasel. Aber gleich zu Anfang wird erwähnt, dass die Schwerkraft simuliert wird durch ein eigenes Feld von Gravitonen, die ja Gravitationskraft verleihen. Diese sind hier übrigens noch gar nicht nachgewiesen. Könnte also sein, dass es sie gar nicht gibt, obwohl zwei wirklich große Theorien ihre Existenz voraussagen. Aber diese konnten bisher auch leider noch nicht zusammen gefügt werden (Stringtheorie und Schleifenquantengravitation). Aus diesen Teilchen ein eigenes Feld der Schwerkraft zu machen, finde ich schon arg schwierig, weil das auf der Erde halte nur so gut funktioniert, da es uns zum Kern zieht und das ist…naja…ein Ball. Und die Schiffe sind das definitiv nicht.

Und dann werden diese auch noch benutzt, um sich quasi gegen das Gravitationsfeld der Erde zu stemmen und sich diesem langsam zu entheben. Was…völliger Quatsch ist, denn dann müssten die Gravitonen gar nicht mit denen der Erde kollidieren oder interagieren, sondern quasi einen komplett eigenen Raum mit komplett eigener Schwerkraft aufmachen, was uns glaube ich in eine andere Dimension bringen würde.

Allerdings wird dies auch nicht näher erklärt, also kann man das getrost vergessen, meiner Meinung nach.

  • Zeitdilatation bei Reisen ins Weltall

Hier haben wir eine kleine Zeitstunde mit Herrn Einstein. Ich befasse mich extra nicht mit der Theorie des „Sub-Raums“, die im Buch zu Zeitreisen verwendet wird, weil diese wirklich nur schlampig und hahnebüchen erklärt wird, daher machen wir nur diesen Exkurs!

Die Reise an sich dauert (weil die Crew mit Überlichtgeschwindigkeit reist) immer noch länger als 200 Jahre. Dabei vergehen in dem Schiff 200 Jahre, auf der Erde allerdings knapp über 1000. Dies lässt sich mit der Zeitdilatation von Einstein belegen, die im Kern aussagt, dass wenn sich etwas sehr schnell bewegt, die Zeit für ihn langsamer abläuft, als für alles, was sich langsamer bewegt. Man kennt bestimmt das Zwillings-Paradoxon, bei dem ein Zwilling zum Mars reist und der andere auf der Erde bleibt. Genau dieses Phänomen wird hier angewandt!

(Wobei ich tatsächlich nicht genau weiß, wie das überhaupt gehen soll, denn sie fliegen ja hier quasi überlicht, ohne das wirklich zu tun, indem sie in der Zeit springen (Sub-Dimension, alles irgendwie nicht so unbedingt logisch, was sich die Autorin da ausgedacht hat!). Denn Dilatation kann nur auftreten, wenn man sich bis zu Lichtgeschwindigkeit bewegt, nicht aber darüber. Zumindest nach Einstein, nachdem eh nichts über Lichtgeschwindigkeit geht!)

Also ja, das gibt es! Ich weiß leider nur nicht, ob die Autorin es hier korrekt anwendete!

Meine Meinung zu „Die Reise“

Ich habe momentan eine riesige Abneigung gegen zu dicke Bücher, aber als ich mit diesem angefangen habe, war ich sofort sehr gefangen. Wir bekommen die Geschichte nicht aus einer Perspektive erzählt, sondern nur linear der Reihe nach, denn die Reise in den Weltraum dauert über 100 Jahre für eine Strecke und damit gibt es natürlich mehrere Generationen, die fliegen müssen und die das Schiff am Laufen halten müssen, ganz zu schweigen davon, dass auf der Erde in dieser Zeit sehr viel mehr Zeit vergehen wird – was ich ja oben schon erwähnt habe!

Ich finde es sehr spannend, dass man eben diese verschiedenen Sichtweisen präsentiert bekommt, die auch noch mit einem sehr spannenden Projekt verbunden sind, das noch nicht mal auf dem Entdecken des gesuchten Sterns basiert, sondern darauf, was die Gesellschaft auf dem Schiff so verzapft!

Ich liebe es außerdem sehr, wie viel Sinn hinter den Science-Teilen des Buches steht und wie gut die Blickwinkel in diesem Buch gewählt wurden, um die Geschichte am effektivsten zu erzählen. Sehr, sehr gut hat mir dieses Buch gefallen und kann es euch nur empfehlen, wenn ihr auch nur ein bisschen auf Sci-Fi steht und zusätzlich noch coole Gesellschaftstheorie dabei haben wollt!


Blogtour zu „Die Reise“

Die Blogtour geht diese Woche noch weiter mit Saskia von Who is Kafka, Anabelle von Stehlblüten und Mareike von Crow and Kraken!

Ich freue mich schon auf ihre Beiträge und schaut doch mal bei ihnen vorbei!

3 Comments

  1. Hallo Anna,
    yeah, du hast mich mit deinem Beitrag gefangen! Ich will das Buch unbedingt lesen! Ich liebe Sci-Fi, finde es aber sooo schwer, richtig gute Bücher zu finden, die mich ausreichend fesseln und nicht mit zu viel Wissenschaft erschlagen. Dicke Schmöker mag ich auch, somit wird das Buch auf jeden Fall in meine Regale ziehen.
    Danke für diese intensive Auseinandersetzung mit dem Buch und dessen Inhalt. Der Start der Blogtour ist euch gelungen. Ich freue mich schon sehr auf die weiteren Beiträge. 🙂
    GlG, monerl

    PS.: Ich habe gerade „Die Reinsten“ von Thore D. Hansen gelesen und rezensiert. Das ist eine Mischung aus Dystopie und Sci-Fi, die mir sehr gut gefallen hat. Vielleicht ist das auch ein Buch für dich… Kannst ja mal schauen kommen.

  2. Hallo,

    das Buch muss ich mir doch direkt mal merken, ich möchte wieder öfter SciFi lesen. 🙂

    Ein kurzer Check hat ergeben: Bookbeat hat das Hörbuch des englischen Originals, und da ich ein Bookbeat-Abo habe und Titel gerne in der Originalsprache höre/lese, ist das perfekt.

    Ich habe vor einigen Jahren Computervisualistik studiert (nachdem ich aufhörte, im Buchhandel zu arbeiten) und habe da auch zwei Semester „Robotik und Künstliche Intelligenz“ belegt. Der Dozent und die Autoren mehrerer Fachbücher, die ich damals gelesen habe, gingen tatsächlich davon aus, dass künstliche Intelligenzen denken und fühlen werden, sobald das künstliche „Gehirn“ eine gewisse Komplexität erreicht hat und ihm die Freiheit gegeben wird, selber Entscheidungen zu treffen und vor allem aus seinen Erlebnissen zu lernen.

    Im Grunde, so deren Ansicht (und auch meine) ist auch unser Gehirn eine Art Computer, nur eben mit biologischen Komponenten statt technologischen.

    Es gibt da den „Top Down“-Ansatz, bei dem künstlichen Intelligenzen genau einprogrammiert wird, wie sie auf Dinge zu reagieren haben, und das wird dann immer weiter verfeinert, bis die KI sehr überzeugend wirkt – aber so eine KI täuscht tatsächlich nur vor und wird nie echte Gefühle oder ein echtes Bewusstsein entwickeln.

    Beim „Bottom Up“-Ansatz beginnt die KI wie ein Kind ohne viel Wissen und ohne allzu genaue Vorschriften, wie sie zu reagieren hat, aber dafür kann diese Art von KI sich selber entwickeln, indem sie auf ihre Umwelt reagiert und daraus lernt. Das funktioniert mit einem Netzwerk künstlicher / virtueller Neuronen, die die Vorgänge im menschlichen Gehirn simulieren. Noch haben diese KIs nur noch nicht die nötige Rechenleistung, um sich über einen recht geringen Level hinaus zu entwickeln, aber ich denke schon, dass das die Zukunft der Robotik und der KI sein wird.

    Was das Klonen betrifft, macht die Wissenschaft da ja anscheinend in den letzten Jahren enorme Fortschrite! Inzwischen wurden über ein Dutzend verschiedene Spezies geklont, die Firma RNL Bio bietet in Südkorea sogar schon das Klonen verstorbener Haustiere an… Das ist wirklich verrückt. Jetzt, wo sogar das Klonen von Affen schon gelungen ist, ist es ja nicht mehr so weit zum Klonen von Menschen.

    Irgendwie holt die Wirklichkeit die SciFi immer mehr ein!

    Allerdings wurde vor Jahren zum Beispiel mal die Katze „CC“ aus der Katze „Rainbow“ geklont, und nach ein paar Jahren stellte sich heraus, dass sie eine vollkommen unterschiedliche Persönlichkeit hatten, obwohl sie in denselben Umständen lebten. Ich frage mich, ob es jemals eine Klontechnik geben kann, bei der ein Klon in ALLEN Aspekten eine Kopie des Originals ist – und ob das überhaupt wünschenswert ist…

    Sorry für das ganze Blahblah – KI und Klonen interessieren mich einfach immens! 😉

    LG,
    Mikka

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