ICH LIEBE DIESES BUCH! | „Royal Blue“ von Casey McQuiston

 Eins kann ich euch vorweg sagen: Dieses Buch ist eines meiner Jahreshighlights. Vielleicht sogar DAS Jahreshighlight.

In dieser Rezension werde ich wahrscheinlich nur davon schwärmen, in welch eine schöne Welt sich man sich dank dieses Buches träumen kann und wie eine schwule Romanze zwischen einem Nachfolger des britischen Königshauses und dem Sohn der ersten amerikanischen Präsidentin mir einen Realitätsschock verpasst hat.

Seid ihr auch schon neugierig?


Bibliographische Daten

  • Autorin: Casey McQuiston
  • Genre: Roman, Romantik, Queer
  • Verlag: Droemer Knaur
  • Übersetzerin: Hannah Brosch
  • Seitenzahl: 455 S.
  • ISBN: 978-3-426-52615-6

Kurzbeschreibung

Was wäre, wenn … Liebe die Welt verändern könnte?

Alex Claremont-Diaz ist attraktiv, charismatisch, clever – und er wird beinahe über Nacht zum Liebling der Nation, als seine Mutter zur ersten Präsidentin der USA gewählt wird. Nur auf diplomatischer Ebene hapert es bei Alex leider. Bei einem Staatsbesuch in England eskaliert Alex‘ schwelender Streit mit dem britischen Thronfolger Prinz Henry. Als die Medien davon Wind bekommen, verschlechtern sich die Beziehungen zwischen den USA und England rapide. Zur Schadensbegrenzung sollen die beiden jungen Männer medienwirksam ihre Versöhnung vortäuschen.

Doch was, wenn Alex und Henry dabei feststellen, dass zwischen ihnen eine Anziehung existiert, die über eine Freundschaft weit hinausgeht? Plötzlich steht nicht nur die Wiederwahl von Alex‘ Mutter auf dem Spiel …


Vielen Dank an den Droemer-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

Unsere Welt ist bescheuert. Seit 2016 fühlt sich für mich fast jede Woche an, als würde sie auf der einen Seite immer schneller vergehen, auf der anderen immer langsamer. Wem geht es denn momentan nicht so, dass das Konzept von „Zeit“ auf einmal sehr komisch wird und man sich nicht vorstellen kann, je wieder in den seltsamen Wochenrhythmus zurückzukehren, den wir vorher hatten?

Warum eigentlich 2016? Achso, klar. Donald Trump wurde 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Ich wachte auf und dachte noch fest daran, dass sich die Welt irgendwie zusammenreißen würde und ich nicht in einer mir unbekannten Welt aufwachen würde. Meine Mutter zerstörte diese Illusion mit nur vier Worten: „Die haben den gewählt!“ Und rückwirkend ist dies einer der größten Einschnitte in meine Wahrnehmung der Weltgeschichte.

Dass ich mich damals immer mehr mit politischen und sozialen Themen beschäftige, immer mehr mit Feminismus, immer mehr generell mit allem, was unseren Planeten so betrifft, scheint in diesem Zusammenhang selbsterklärend zu sein.

Kurz vor Ende seiner ersten Amtszeit hat Donald Trump vorgestern Leuten erklärt, es wäre doch mal einen Versuch wert, sich Desinfektionsmittel in die Lungen zu spritzen. Nichts fühlt sich mehr an, wie die Wirklichkeit.

Und da kommt dieses Buch ins Spiel, denn dieses Buch ist eines meiner Jahreshighlights. Pure and simple. Ich liebe es abgöttisch.

Die Geschichte von einem Sohn einer mexikanischen amerikanischen Präsidentin, der sich nicht nur in einen Erben des britischen Königshauses verliebt, sondern diese Beziehung tatsächlich irgendwie ans Laufen kriegt? Wo man sieht, wie stark Liebe sein kann, die Kontinente, Herrschaftssysteme und alle Vorurteile der Welt überwinden kann? Ich liebe es allein für seinen Plot.

Denn dieses Buch verführt einen mit der Vorstellung, dass in den USA 2016 nicht Donald Trump, sondern eine mexikanische Demokratin aus Texas gewählt wurde. Aus Texas! Dem republikanischsten Staat überhaupt! Und nun ist es fast 2020 und ihre Wiederwahl steht an, als Alex und der britische Thronfolger Henry (ebenfalls in seinen frühen Zwanzigern) sich auf einer britischen Hochzeit so daneben benehmen, dass sie öffentlichkeitswirksam vorspielen müssen, beste Freunde zu sein, die sich möglichst oft sehen wollen, ist anfangs absolute Comedy und richtig gut geschrieben.

Es ist auf der einen Seite sehr anziehend, zu sehen, wie diese beiden sich offensichtlich schon sehr lange heimlich mögen, auf der anderen Seite nie die Möglichkeit oder den Willen hatten, sich wirklich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Wie eine gespielte Freundschaft ganz schnell zu mehr und mehr und mehr werden kann.

Ich liebe nicht nur Henry, sondern auch Alex sehr, denn über beide erfährt man unfassbar viel, beide haben ihre absolut eigenen Probleme und man kann jede ihrer Handlungen nachvollziehen. Ihre Beziehung entwickelt sich absolut nachvollziehbar auf vielen Ebenen gleichzeitig, immer wieder vor und zurück und natürlich dabei dauernd der Nervenkitzel, dass sie nicht gesehen werden dürfen und eh…ein ganzer Ozean zwischen ihnen liegt.

Dieses Buch ist ein grandioser Liebesroman, der mit großen Emotionen spielt, auf der anderen Seite auch mit viel Verantwortung für die eigenen Taten und das Abschätzen der Öffentlichkeit aufwarten kann.

Ich liebe beispielsweise auch die Szenen, in denen Alex, Henry und ihre jeweiligen Freunde miteinander interagieren. Es formt sich eine wunderbare Freundschaft, die ich mit jeder Seite genialer fand. Auch die Verhaltensweisen von Alex und Henry online – ständiges Schreiben, E-Mails, Anrufe und immer wieder lange Nächte, die beide jeweils für den anderen aufbleiben – fand ich absolut genial und super ausgeführt, denn ich konnte sehr verstehen, wieso diese beiden sich so füreinander interessieren.

Den einzigen Makel, denn ich feststellen konnte: Die Sexszenen (und es gibt ein paar in diesem Buch, die beiden leben nicht gerade im Zölibat :D) waren für mich teilweise ein wenig verworren, ich konnte nicht gut folgen und es wirkte ein wenig unkoordiniert. Das kann natürlich auch nur an meiner eigenen Vorstellung liegen, trotzdem lag mir dieses Detail nicht so sehr wie der Rest des Buches.

Ein Detail, was dieses Buch genial macht: Es behandelt jeden seiner Charaktere wie einen vollen Menschen. Ich habe zu jedem dieser Menschen immer noch ein sehr klares Bild, könnte mir vorstellen, wie es wäre, mit ihnen zu sprechen und habe sie jederzeit als Menschen, nicht als Charaktere wahrgenommen. Das war unfassbar frisch, genial geschrieben und so gut, dass man angehend jeden der Charaktere lieben lernt.

Auch die immer wieder einfließenden politischen Machenschaften aus dem weißen Haus und dem Buckingham Palace, wie sich Macht verknotet, wieder freilässt und sich sperrt, ist wunderbar dargestellt. Auch wie viele Menschen und Aktionen für Politik nötig sind, wie viele Kleinigkeiten es zu beachten gibt und wie wichtig sie für viele Menschen sein kann.

rbt

Und da kommen wir zu dem Punkt, weshalb ich dieses Buch eigentlich so sehr liebe: Es erinnert mich an das Amerika oder die Welt, die ich gerne zu diesem Zeitpunkt gehabt hätte. Ich bin mir sicher, hätten die Amerikaner 2016 demokratisch gewählt, sähe die derzeitige Weltlage abseits von verschiedenen globalen Pandemien sehr anders aus. In diesem Buch setzen sich alle für das ein, was eine moderne Welt eigentlich brauchen würde: Mehr Klimaschutz, mehr Schutz für diejenigen, die in unserer Wirtschaft nicht mitgedacht sind, mehr Inklusion, mehr Diversität, mehr Geld für Menschen in Armut, mehr Steuern für Superreiche, mehr Rechte für die LGBTQ+-Community, mehr ehrlicher Umgang miteinander und in der Politik. Das Einsetzen für das, was gut und recht ist, würde man fast vermuten. Aber das scheint nicht mehr modern zu sein.

Und am wichtigsten: Die guten gewinnen in diesem Buch. Das Böse – naja, eigentlich das Dumme – scheint nicht auf einem nicht aufzuhaltenden Siegeszug zu sein, sondern die Welt scheint sich langsam zu bessern, statt immer weiter rasant ins Verderben zu stürzen.

Ich habe das Buch zugeschlagen und nicht nur wegen des Happy Ends geweint, sondern auch wegen der wundervollen Welt, in der es möglich wäre, dass die Welt so gnädig ist, sich den guten Dingen zu verschreiben, Geld für die Dinge zu erheben, die wirklich wichtig sind.


Fazit

Und dementsprechend: Lest es. Alle. Sei es für die süße und doch rasant-dramatische Liebesgeschichte. Sei es für den Nervenkitzel, so eine Affäre vor der gesamten Welt geheim halten zu müssen. Sei es für geniale und nervenaufreibende Freundschaften. Sei es für Eltern, die damit klarkommen müssen, dass ihre Söhne queer sind. Sei es für die Politik, die man sich momentan wünschen würde. Sei es für ein gutes Gefühl und einen absolut genialen Schreibstil. Kauft dieses Buch und schenkt ihm alle Liebe, die ihr aufbringen könnt!

5 von 5 Tintenkleckse

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