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INTERVIEW mit Laura Kneidl | Diversity, Fantasy und „Die Krone der Dunkelheit“

Auf der Buchmesse durfte ich zwei großartige Interviews mit zwei großartigen Autorinnen führen.

Eins davon darf ich euch heute präsentieren: Ein Interview mit LAURA KNEIDL, der Autorin von „Berühre Mich. Nicht.“ und „Ein Herz aus Schatten“, hat mir Frage und Antwort zu ihrem neuen Buch „Die Krone der Dunkelheit“ gestanden und dabei haben wir über Buchempfehlungen, ihren Schreibprozess, Diversity und große Character-Casts gesprochen!

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Und auch, wenn es hier noch keine Rezension zum Buch gab, hoffe ich, dass ihr viel Spaß mit diesem Interview habt! Let’s go!


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„Ich habe gesehen, dass Die Krone der Dunkelheit tatsächlich 600 dünn bedruckte Seiten sind, was mich erstmal umgehauen hat. Wie lange schreibt man denn an sowas?“

Bei Teil 1 war es so, dass es sich nach gar nicht so viel angefühlt hat, weil ich über 4 Jahre verteilt daran geschrieben habe. Ich habe die Idee gehabt, hatte aber noch nie High Fantasy geschrieben oder veröffentlicht. Ich habe also erstmal eine 50-seitige Leseprobe angefertigt, die habe ich an meinen Agenten gegeben, der meinte: „Laura, überarbeite das noch mal!“. Dann habe ich das gemacht, nochmal geschickt, dann habe ich weiter geschrieben und hatte dann so 250 Seiten, die ich aber über Monate geschrieben habe, weil ich zwischendurch noch „Berühre Mich. Nicht.“ geschrieben habe. Und dann ging es an Verlage raus und Piper hat es genommen! Dann verging Zeit, dann kam das Lektorat. Es war also unglaublich gestückelt. Daher bin ich sehr froh, Band 2 relativ am Stück schreiben zu können mit kleinen Unterbrechungen.

„Wie behältst du überhaupt den Überblick über so ein riesiges Projekt? Plottest du?“

Ja, ich habe alles geplottet und eine relativ ausführliche Anleitung zum Buch geschrieben, da sind alle Charaktere, der Weltenbau und alles aufgelistet, was wichtig ist. Das sind 65 Seiten. Und immer, wenn ich was nicht weiß, kann ich ganz genau darein schauen!

Und wenn ich mich nicht erinnern kann, ob ich etwas schon erwähnt habe, muss man das im Lektorat halt noch mal überarbeiten.

„Was sind deine Empfehlungen im High Fantasy-Bereich? Und vielleicht sogar so ähnlich wie ‚Die Krone der Dunkelheit‘?“

Also was ich immer empfehle und ich glaube, alle sind schon leid es von mir zu hören: „Der Name des Windes“ von Patrick Rothfuss, was mein Lieblingsbuch ist! Zusammen mit „Die Kinder des Nebels“ von Brandon Sanderson, gerade Brandon Sanderson hat mich mit den Religionen inspiriert!

Bei ihm geht es häufig um Religionen und Glaube und dass es in ‚Die Krone der Dunkelheit‘ überhaupt die Königsreligion gibt, ist von seinen Büchern mitgeprägt, weil es viele High Fantasy Welten gibt, die im Mittelalter spielen und dort ist Kirche nunmal eine sehr große Sache. Deshalb behandelt Sanderson das immer sehr ausführlich, auch in „Elantris“.

Deshalb habe ich mich gefragt, woran die Charaktere in meinem Buch glauben und welche Religion sie haben. Ich denke, wenn man es liest, merkt man es nicht, aber es hat mich sehr mitgeprägt.

Bei Patrick Rothfuss ist Qvothe (der Protagonist) ein Lautenspieler und Waylan eben auch! Er ist ja eigentlich ein Assassine, der aber Musiker sein möchte und sein Talent kommt ein wenig von Qvothe.

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Ich liebe es, diese Dinge als Hommage mit einzubringen, weil ich sie so liebe!

Außerdem liebe ich die Bücher von Leigh Bardugo, ‚Leigh‘ ist sogar nach ihr benannt! Ich liebe diese Dinge und wenn ich sie liebe, muss ich sie nun mal mit einbauen!

Und Morgan Rhodes und ‚Falling Kingdoms‘ mag ich sehr gerne. Was ein All Age-Feeling angeht, ist ‚Falling Kingdoms‘ definitiv am nächsten an ‚Die Krone der Dunkelheit‘, weil es keine unfassbar komplexe Welt ist mit vielen politischen Strukturen, sondern einfacher und es liegt mehr Fokus auf den Charakteren.

(An dieser Stelle rätseln wir ein wenig darüber, ob es nun „Fallen“ oder „Falling“ Kingdoms heißt. Buchmenschen halt. Können nie was behalten.)

„‚Falling Kingdoms‘ hat ja auch einen sehr großen Charakter-Cast. Da könnte man doch auch eine Parallele ziehen?“

Ja, genau. Ich fand es dort sehr schön, dass es viele Charaktere sind und man sofort in jedem Charakter drin ist. Ich denke auch, dass es unterbewusst meinen Aufbau der Geschichte beeinflusst hat, da ich mich gefragt habe, ob ich nur bei einem Charakter bleibe. Es gibt nämlich auch sehr viele Sichten. In Band 1 gibt es 5 Sichten oder 6, ich weiß es nicht genau. Und in Band 2 kommen noch mal 2 dazu.

Und das hat mich inspiriert, diesen Charakter-Cast zu machen. Dass hat mir erst ‚Falling Kingdoms‘ gezeigt, dass man das auch im Jugendbuch-Bereich machen kann, das kannte ich vorher noch gar nicht. Aber erst nachträglich hat mir das auch ‚Six of Crows‘ von Leigh Bardugo gezeigt.

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„Achtest du darauf, jedem Charakter eine eigene Stimme zu geben? Und wie machst du das?“

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wenn man eine Geschichte aus sechs Sichten erzählt, erzählen quasi alle dasselbe, aber es hört sich schon anders an. Denn jeder hat einen anderen Ton, die Geschichte zu erzählen und das habe ich schon versucht, mit zu übernehmen. Und da ist ein Punkt, wo die Erfahrung mit dem Schreiben darein kommt. Als ich die erste Idee zu diesem Projekt hatte, hätte ich es einfach noch nicht so gut schreib können wie jetzt. Da musste ich erst an anderen Projekten üben.

Das kenne ich von Victoria Schwab, die meint, dass sie an ihren Projekten jetzt lernt zu schreiben, damit sie große Ideen und Projekte so schreiben kann, wie sie es verdienen.

Genau so ist es auch. Es brauch eine gewisse Zeit, eh dieses Handwerk mitkommt. Und man muss es auch üben, es reicht dann nicht, nur die Schreibratgeber zu lesen und es klappt nicht immer am Anfang. Beispielsweise diese ersten 50 Seiten. Da las man mit Freya, aber man ist nicht sie in der ersten Fassung.

Immer wieder wird Diversity in Fantasy und Jugendliteratur angesprochen. Was hältst du davon und versuchst du das, in ‚Die Krone der Dunkelheit‘ umzusetzen?

Mir ist das sehr wichtig. Wer meine anderen Bücher gelesen hat, weiß, dass ich immer versuche, Diversity in verschiedenen Aspekten, wie Glaube, Hauptfarbe oder Sexualität einzubringen. In ‚Herz aus Schatten‘ hat die Protagonistin zwei lesbische Mütter, in ‚Berühre Mich. Nicht.‘ hast du Connor als Pansexuellen und Erin als nicht-geouteten Schwulen, bei dem es sich aber jeder Leser denken kann. Es ist relativ offensichtlich.

Auch in ‚Die Krone der Dunkelheit‘ war es mir sehr wichtig, denn ich persönlich habe noch kein Fantasy gelesen, in dem solche Sachen Themen sind. Denn du hast immer die weißen alten Männer im Mittelalter, die irgendwelche Frauen vergewaltigen, um es ganz grob runterzubrechen.

Dementprechend wollte ich, dass ‚Die Krone der Dunkelheit‘ auch ein Stück feministisch ist. Ich wollte mit Celan und Freya zwei starke Frauen haben, die ihre eigenen Geschichten erzählen, wo die Männer mehr so die Side-Kicks sind. Das ist wichtig und sie ergänzen sich. Es ist keine körperliche Stärke, die sie definiert. Es muss nicht immer die Drauhauf-Assassinin sein, es gibt viele Arten von Stärke.

Was LGBT angeht, wollte ich das auch unterbringen. Bei einem Volk herrscht nämlich keine heteronormative Gesellschaft, bei der mehr bi-, pan- und homosexuell der Standard ist und bei dem sich ein heterosexueller Charakter fragt, warum er denn nicht wie alle anderen ist. Und er wünschte, er könnte anders sein, weil es auch vieles für ihn erleichtern würde, was ich jetzt natürlich nicht spoilern will.

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Allerdings ist dies auch nicht überall so.

Ein anderer Charakter ist ein Halbling, dessen Sexualität bei einem Teil des Volkes nicht anerkannt wird, womit er wiederum auch Probleme hat.

Es war mir einfach wichtig auch dies mal in den Fantasy-Bereich mit einzubringen.

(An dieser Stelle bekommen wir gesagt, dass wir noch etwa 2 Minuten Redezeit haben und wollen uns jetzt ganz schnell beeilen!)

„Welche Botschaft würdest du den Lesern am Ende von ‚Die Krone der Dunkelheit‘ gerne mitgeben?“

Ich denke wirklich, das wäre, dass man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann und bestimmen kann, auch wenn es nicht immer einfach ist. Dass man sein eigenes Ding durchziehen soll und sich nicht verbiegen lassen soll, auch wenn die Gesellschaft einem was anderes vorgibt und etwas anderes von einem erwartet. Das ist bei Freya auch so, da sie eigentlich Prinzessin werden soll, aber das eigentlich gar nicht will!


Diskussions-Time!
Kennt ihr schon Bücher von Laura Kneidl? Und habt ihr ‚Die Krone der Dunkelheit‘ schon gelesen? Und wenn ja, wie fandet ihr es? Und kennt ihr schon die Empfehlungen von Laura Kneidl? Oder habt ihr selber welche?

Ein Gedanke zu „INTERVIEW mit Laura Kneidl | Diversity, Fantasy und „Die Krone der Dunkelheit“

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