Uncategorized

„Wie Eulen in der Nacht“ von Maggie Stiefvater | Rezension

Maggie Stiefvater schreibt sehr viele Geschichten für junge Leser. Immer sind diese phantastisch und werden vor allem für den absolut magischen Schreibstil und die tolle Atmosphäre gepriesen.

Bisher hatte ich allerdings keinen riesigen Drang dazu, ihre Bücher zu lesen, da mir vor allem ihre Reihe über Werwölfe überhaupt nicht zusagte. Mit „Wen der Rabe ruft“ hatte sich mich doch ein kleines bisschen mehr überzeugt und nun hatte ich von ihrem neuen Roman „Wie Eulen in der Nacht“ gehört, der Wunder behandeln soll und ich musste natürlich sofort zuschlagen!


Bibliographische Daten

  • Autorin: Maggie Stiefvater
  • Genre: Fantasy, Jugendbuch
  • Verlag: Droemer Knaur
  • Seitenzahl: 298 S.
  • Übersetzerin: Katharina Volk
  • ISBN: 978-3-426-52282-0

Kurzbeschreibung

Jeder träumt von einem Wunder – aber nicht jeder ist bereit dafür.

Wem nur noch ein Wunder helfen kann, der findet seinen Weg in die Wüste Colorados zur außergewöhnlichen Familie Soria. Doch wer sein Wunder nicht aus eigener Kraft vollenden kann, zahlt einen hohen Preis. Daniel Soria pflegt diese Tradition voller Ernsthaftigkeit und Hingabe, doch dann bricht er die wichtigste Regel seiner Familie: Er mischt sich in ein Wunder ein.


Vielen Dank an den Verlag für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares!


IMG_20181104_204235_356


Eigene Meinung

POSITIV

  • Ein magischer Schreibstil

Und auch hier muss es wieder erwähnt werden: Maggie Stiefvater bringt Magie auf die Seiten. Jede Seite, jeder Satz, jeder Buchstabe lebt und atmet die Magie in diesem Buch. Man spürt praktisch, dass man in ein modernes Märchen hineingesogen wird, welches einen völlig einnimmt und jeden Satz verschlingen und manche sogar mehrmals leben lässt. Dank Stiefvater werden Wüsten lebendig, Hähne dumm, Pferde erhalten eine komplette Persönlichkeit, Menschen sind unlösbare Mysterien und die Außenwelt ist quasi nicht existent. Ein wahrhaft magisches Erlebnis!

  • Die Sorias sind alle einzigartig

Die Familie Soria ist in diesem Buch sehr wichtig, denn sie können Wunder wirken. Sie sind Heilige. Aber jeder von ihnen ist anders und extrem speziell. Einer will schwarze Rosen züchten, einer seine Rolle als Heiliger erfüllen, einer nie wieder ein Wunder wirken, eine andere einfach nur keine Gefühle haben, die nächste will einfach nur eine glückliche Familie sehen.

Alle Familienmitglieder sind scharf gezeichnet, haben ihre Vergangenheit, aber auch ein erahnbare Zukunft und sind so verstrickt in ihren Beziehungen, wie es nur wahre Familien sein können!

Ich habe diese ganze Familie einfach nur geliebt!

  • Die Zeit, in der es spielt

Die 60er in den Vereinigten Staaten. Nicht nur ist die Mode in dieser Zeit komisch, man merkt auch, wie sich die Lebensvorstellungen und Wünsche der Figuren komplett von unseren unterscheiden. Zu diesem Zeitpunkt war das Radio eine große Erscheinung und Fernseher noch gar nicht vorhanden. Viel Elektronik gab es auch noch nicht, sodass viele Teile dieser Geschichte quasi noch analog stattfinden und es einen großen Teil des Charmes dieses Buches ausgemacht hat!

IMG_20181119_204347.jpg

  • Die angenehme Länge der Geschichte

300 Seiten sind für mich die perfekte Buchlänge. Nicht zu kurz, sodass es schnell weg gelesen ist, aber auch nicht so lang, dass ich vielleicht eine Woche daran lese. Und dieses Buch passt perfekt in dieses Raster hinein. Es ist kurzweilig, aber doch voller kleiner Dinge, die man doppelt und dreifach lesen muss, weil sie so schön sind. Hier kann man keinen Satz auslassen und ist doch relativ schnell durch mit dieser Geschichte! Ein riesiger Pluspunkt!

  • Sehr viele Metaebenen und Sentimentalität

Was man häufig in den neuen „direkten“ Büchern nicht mehr findet, sind einfaches Sinnieren oder sich verlieren in bestimmten Dingen. Der Erzähler dieses Buches tut genau das. Manchmal wandert er einfach einem Radiosignal hinterher oder sinniert über die Schönheit der Wüste oder die Wünsche und Gefühle eines Charakters. Dies resultiert eben auch in vielen Metaebenen, die symbolisch für etwas anderes stehen. Aber immer ist alles mit dem Gefühl an sich verbunden und dies überträgt sich auch auf den Leser!

  • Das Konzept der Wunder und Pilger

Die gesamte Idee dieses Buches ist einfach nur eine Goldmedaille wert. Eine Familie mitten in Colorado. In der Wüste. Die Pilger empfängt. Und Wunder an ihnen wirken kann. Diese Pilger müssen dann lernen, mit dem Wunder zu leben und ein zweites Wunder an sich selbst vollbringen, ehe sie ihre innere Dunkelheit überwunden haben und wieder nach Hause gehen können. Dies hat mich sehr fasziniert, vor allem die Motivation, die Herangehensweise und der Charakter der Pilger waren für mich sehr interessant und gut umgesetzt! (Natürlich auch die Sorias, die sich um die Pilger kümmern, da sie ja die Wunder wirken und wie sich das auf diese riesige Familie auswirkt!)

IMG_20181119_204702.jpg

 

NEGATIV

  • Manchmal ein wenig zu viel Sentimentalität

Stiefvater schreibt gerne in Metaphern, in riesigen Worthülsen und lässt ihre Protagonisten alles auf einmal fühlen, was ein normaler Mensch niemals fühlen würde. Dafür bewundere ich sie und ihre Figuren, allerdings hat es diese für mich dadurch stellenweise einfach nicht mehr menschlich gemacht. Das mag beabsichtigt gewesen sein, da sie auch „Heilige“ darstellen sollen, aber damit ging für mich auch jeglicher Bezug zu den Charakteren flöten.

Auf manchen Seiten fühlte ich mich einfach zu tief hinein gesogen in Gefühle, die mir nicht real erschienen.

  • Verloren im Metaphern-Wald

Nicht nur in Gefühlen, auch in Metaphern verliert sich Stiefvater sehr gerne. Dies macht einem meist nichts aus, aber nach einer halben Seite finde ich schon, dass es ein wenig zu weit gegangen ist und ich jetzt genug über dieses Pferd oder den Hahn erfahren habe, die symbolisch natürlich für etwas völlig anderes stehen.

Dies hat den guten Flow der Story unterbrochen und mich auch ein wenig von der Geschichte entfremdet.

IMG_20181119_204421.jpg

  • Zu wenig Auflösung am Ende – Ein zu gutes Ende

Für diese Geschichte mit sehr vielen Charakteren, die mit ihren inneren Dämonen zu kämpfen haben, ist das Ende mir einfach zu gut. Zu kitschig und zu „unreal“, wenn man es denn Englisch ausdrücken möchte. Für mich passte es einfach nicht in den gesamten Ton der Geschichte und las dabei auch ein paar Charaktere aus, deren Weitergang für mich doch sehr interessant gewesen wäre. Schade! Ein schlechtes und zähes Ende für ein gutes Buch!


Fazit

Obwohl ich immer noch nicht weiß, was ich von diesem dünnen Buch mit sehr dickem Inhalt halten soll, kann ich nicht anders, als es mit 5 Sternen zu bewerten. Denn dieses Buch hat in mir etwas bewirkt. Ich konnte nicht anders, als den wunderschönen Schreibstil bewundern, die Magie hinter jedem Wort zu spüren und die Charaktere zu lieben, auch wenn sie schrullig bis nicht von dieser Welt waren. Das Konzept war toll, die Umsetzung an manchen Stellen schwammig, aber das haben Wunder und Märchen halt an sich. Alles in diesem Buch zieht einen magisch an, man kann sich dem gar nicht erwehren. Auch, wenn ich mich teilweise echt verloren gefühlt habe, mir manche Dinge nicht ausgearbeitet genug waren und vor allem die Auflösung mich enttäuschte, hat dieses Buch es endlich wieder geschafft, mir Gefühle zu entlocken!

Tintenkleckse_5

5 von 5 Tintenklecksen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere