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„Warcross“ – Alle Nerds aufgepasst! | Rezension

Immer wieder laufen einem Jugendbücher über den Weg, die sich mit dem immer weiter wachsenden Trend und dem Hobby des Gamens beschäftigen und dies behandeln. Allerdings geschieht dies meist in viel zu bunten dünnen Bänden, in denen ein bekannter YouTuber die wichtigsten Dinge in Minecraft erklärt. Doch mit „Warcross“ hat Marie Lu einen Roman geschaffen, der sich tatsächlich verständlich und doch respektvoll mit dieser Kultur beschäftigt und ihr noch einen tollen Sci Fi Einschlag verpasst! Aber lest selbst, wieso mir Warcross so gut gefallen hat:


Bibliographische Daten

  • Autor: Marie Lu
  • Genre: Jugendbuch, e-Gaming, Sci Fi
  • Verlag: Loewe
  • Seitenzahl: 412 S.
  • Übersetzer: Jessika Komina und Sandra Knuffinke
  • ISBN: 978-3-7855-8772-0

Kurzbeschreibung

Ein weltweites Phänomen.

Ein aufregendes Abenteuer.

Ein gefährliches Spiel.

Die Welt ist verrückt nach WARCROSS, dem gigantischsten Videospiel aller Zeiten! Erfinder Hideo Tanaka wird wie ein Gott verehrt, eSport-Turniere füllen ganze Stadien und die Meisterschaft ist das größte Event der Welt. Kopfgeldjägerin Emika Chen erhält zu Beginn der WARCROSS-WM ein verlockendes Jobangebot von Hideo Tanaka: Undercover soll sie an dem Wettkampf teilnehmen und einen Hacker aufspüren, der WARCROSS sabotiert. Eine waghalsige Jagd beginnt, bei der Emika nicht nur ihr Leben aufs Spiel setzt, sondern auch ihr Herz…


Vielen Dank an den Loewe Verlag für das Rezensionsexemplar!


rbt


Eigene Meinung

POSITIV

  • Unsere Protagonistin Emika Chen

Emika Chen ist eine Protagonistin mit vielen Höhen und Tiefen, aber auch mit vielen tollen Charaktereigenschaften. Sie hat regenbogenbunte Haare, surft gerne auf ihrem Hoverboard, hackt für ihr Leben gerne und verdient ihr Geld zum Teil damit, dass sie Gangster aufgreift und das Kopfgeld dafür kassiert. Emika ist stark, durchsetzungsfähig, weiß genau, was sie kann. Und auch, wenn sie teilweise unter dem Mary Sue-Syndrom leidet, konnte mich Emika voll von sich überzeugen. Also auch, wenn das Hacken und ihr Verständnis von Code nur sehr sehr wage beschrieben wurden, fand ich es auch toll, dass eine Protagonistin sich mal richtig gut in einem Feld auskannte, in dem ich mich später auch betätigen will!

  • WARCROSS

WARCROSS ist ein Spiel. Ein Videospiel. Nur brauchst du keine Konsole, sondern nur eine Brille, die sich mit deinem Gehirn und deinen Bewegungen synchronisiert und dich in eine täuschend echte Landschaft befördern, in der du dir vorkommst, als würdest du das alles gerade wirklich erleben. Dieses Spiel ist von Lu gut durchdacht worden, es gibt Schlupflöcher, illegale Wetten und ein richtiges DarkWeb innerhalb des Spiels. Das Buch wabert auch in die reale Welt über und man kann seine Sicht anpassen lassen und sich die Welt schöner machen, als sie vielleicht real erscheint. Eine geniale Idee, eine gute Asuführung, zu der sogar noch einige technische Hintergrunddetails geliefert werden!

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  • Der Plottwist ganz am Ende

Dieser Plottwist war wirklich einer von der besseren Seite – genau am Ende der Story angebracht und er wirft einmal die komplette Story über den Haufen und lässt uns mit einem Cliffhanger zurück. Obwohl er ein wenig vorhersehbar war (aber sind wir ehrlich: Das sind die meisten grandiosen Plottwists), hat er sich gut in die Story eingefügt, mich überrascht und dem nachfolgenden Band ein Potenzial gegeben, was er ohne diesen niemals erreicht hätte! Ich bin gespannt auf den nächsten Band!

  • Der treibende und digital-angepasste Schreibstil

Marie Lus Schreibstil ist mir schon immer sehr positiv aufgefallen. In diesem Buch treibt er einen praktisch durch die 400 Seiten, ist immer wieder überraschend feinfühlig, actionreich, heiß und kann sogar an manchen Stellen mal etwas langsamer werden. Es passt zu dieser schnellen und immer digitaler werdenden Welt, in der auch Emika nicht nur ein Spiel mit der Zeit, sondern auch noch gegen andere Spieler spielt und dabei schneller und besser sein muss als sie alle zusammen.

  • Die Welt, in die Warcross integriert wurde

Dass das weltweite Phänomen WARCROSS nicht nur in den Schlafzimmern der Bevölkerung halt macht, ist natürlich logisch. So kann man mithilfe der Brillen tatsächlich auch in seinen „Alltag“ virtuelle Realitäten einbauen, die allerdings für alle gleich aussehen. Man kann sich also beispielsweise anders erscheinen lassen oder ein virtuelles Haustier mit dir herumführen. Außerdem bildet sich in und um WARCROSS ein illegaler Schwarzmarkt, die Leute erscheinen in Millionen bei den Spielen der Weltmeisterschaft und man sieht wunderbar, wie die Digitalisierung Jobs abschafft, wie viele nicht mehr mithalten können und sich trotzdem in WARCROSS flüchten. Eine gut integrierte und erschaffene Welt!

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  • Viel Spaß in der eigentlichen Weltmeisterschaft und beim Hacking

Obwohl ich ja wirklich kritisieren muss, dass Hacking hier total einfach und quasi nur als „Code angucken“ und „finden“ bezeichnet wird und einfach so ganze Programme in Sekundenbruchteilen geschrieben werden hatte ich trotzdem sehr viel Spaß dabei, wie Emika ihre Gegner durchleuchtet hat, immer wieder versucht hat, etwas zu finden, wie sie sich selbst schützte und verschiedene Taktiken anwendete, wenn sie nicht weiterkam. Auch, dass sie gut ausgetrickst werden konnte hat dem ganzen eine realistische Komponente verliehen. Auch die Spiele der Weltmeisterschaft, in denen Emika mitspielt, sind spannend erzählt und immer sehr abwechslungsreich gestaltet! Dabei werden die Grenzen des Spiels – genau so wie es in realen Spielen auch wäre – absolut ausgelotet, immer wieder verdreht und es sorgt immer wieder für Überraschungen! Fand ich super!

NEGATIV

  • Es fühlt sich sehr fingiert an

Gerade am Ende der Handlung fühlt es sich sehr danach an, dass diese Story eben nicht organisch aus sich selbst entstanden ist, sondern ein Autor sie an eben diese Stelle gezerrt hat. V.E. Schwab hat manchmal eben genau diese Anwandlungen und dieses Mal hatte ich diese Erfahrung auch mit Marie Lu, die mich irgendwie nie ganz von sich überzeugen kann. Der Plottwist am Ende und manche Wendungen fühlen sich immer zu gut oder zu schlecht an, um wirklich wahr zu sein.

Das finde ich nicht nur unfassbar schade, so gehen einem auch einfach viele Emotionen des Lesers verloren und anstatt mitzufiebern, denkt der Leser, dass das doch alles irgendwie nicht zusammen passt.

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  • Keine Charakterbindung (auch untereinander)

Ich hatte außer zu Emika keine richtige Verbindung zu irgendeinem Charakter. Die Beschreibungen und Interaktionen leiden auch darunter, dass man sie den Charakteren nicht vernünftig abkauft, dass sie nicht echt wirken und alle außer Emika und Hideo einfach nur blass bleiben und mit ein oder zwei kleinen Attributen versehen werden, ansonsten aber wirklich keine Charakterzüge haben. Auch die plötzlich auftauchenden Feind- oder Freundschaften zwischen den Charakteren habe ich einfach nicht glauben können, sie immer wieder hinterfragt und mich teilweise echt gefragt, ob ich etwas überlesen habe, weil Bindungen auftauchten, die sich nicht organisch anfühlten.

  • Figuren bleiben blass

Wie eben schon beschrieben: Außer Emika und Hideo bekommt niemand Motivationen, Backstory oder auch nur einen Charakter. Sie sind alle lose als Spieler charakterisiert und ein paar haben gewisse Beziehungen untereinander. Diese werden aber nur beschrieben, man fühlt sie nicht wirklich. Wo der Fokus auf Emika liegt, verlieren alle anderen Charaktere, was sie bunt schillern lässt und die restliche Welt im tristen Grau liegt. Auch den männlichen Protagonisten Hideo lässt man wirken wie den 0815 reichen aber gebrochenen jungen Mann, dem quasi die gesamte Welt gehört. Ein wenig mehr Einsicht und alles wäre so viel besser gewesen!

  • Überstürzte Handlungen ohne Erklärung

Gerade gegen Ende hin werden auf einmal ganze Planungen und Zusammenschlüsse übersprungen. In Leigh Bardugos Krähen-Reihe funktioniert dies gut, da dort der Leser auf eine Reise durch die verschiedenen Schichten eines Plans mitgenommen wird. Hier funktioniert dies nicht. Leute, die sich vorher kaum kanten, vertrauen sich auf einmal vollkommen, schmieden zusammen Pläne und führen sie auch noch aus. Wie denn? Ihr hattet keine Verbindung? Auch manche der Spiele oder Emikas Handlungen fühlten sich ohne Grund an und nur, um die Story voranzutreiben.

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Fazit

„Warcross“ ist etwas für alle, die sich auch nur ein wenig mit der Gaming-Kultur auseinandersetzen oder sich in dieser wiederfinden. Dort gibt es spannende Kämpfe, tolles Hacken, schlaue Pläne und ausgeklügelte Spielmechanismen, einen tollen und doch realistischen Sci-Fi-Einschlag, absoluten Thrill durch die Suche eines Saboteurs und sogar eine Weltmeisterschaft im Gaming. Der Schreibstil treibt durch diese Geschichte mit einer absolut tollen und selbstständigen Protagonistin, einer kleinen Liebesgeschichte, manchmal überhasteten Handlungen mit zu wenig Charakterbindung zu allen Charakteren, die nicht genau im Mittelpunkt stehen und auch ein bisschen zu wenig Erklärungen an manchen Stellen. Ansonsten ist es gute und leichte Lektüre, mit der man viel Spaß und Spannung haben kann und sich wirklich fühlt, als könnte es „Warcross“ bald auch schon bei uns geben!

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4 von 5 Tintenklecksen!

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