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Ist „The Future Is Female!“ lesenswert?

Gefühlt schießen in letzter Zeit immer mehr Anthologien zu feministischen Themen auf. Nicht, dass ich mich darüber beschweren würde. Dass diesem Thema endlich mal wieder etwas mehr öffentliches Interesse gewidmet wird, freut mich unfassbar und ich lege mir ja auch jede dieser Anthologien und Schriften zu. Daher kann ich mich immer wieder über neuen feministischen Input von vielen Seiten freuen, der vielleicht meine eigenen Ansichten auf die Probe stellt!

Daher freue ich mich, euch heute: „The Future is Female!“ vorstellen zu können! Doch ist diese Anthologie auch lesenswert?


Bibliographische Daten

  • Herausgeberin: Scarlett Curtis
  • Genre: Sachbuch, Bericht, Poesie
  • Verlag: Goldmann
  • Seitenzahl: 407 S.
  • Übersetzerin: Antje Althans, Katrin Harlaß, Elke Link, Kristin Lohmann, Johanna Ott, Sopie Zeitz
  • ISBN: 978-3-442-15982-6

Kurzbeschreibung

Die Welt, in der Frauen heute leben

… ist trotz #MeToo und immer größer werdenden öffentlichen Protesten gegen die Geschlechterungleichheit noch immer massiv vom Gender Pay Gap, der Sehnsucht nach dem perfekten Bikinibody und Mansplaining definiert. „The future is female!“ ist das Buch für Mädchen und Frauen, die sich mit diesem ungenießbaren Cocktail nicht länger zufriedengeben wollen, eine einzigartige und vielstimmige Textsammlung, Frauen von der Hollywood-Ikone bis zur Teenie-Aktivistin erzählen darin ihre ganz persönliche Geschichte; alle Geschichten zusammengenommen entwickeln eine Kraft, die die alte Welt aus den Angeln heben kann und dem F-Wort einen ganz neuen Glanz verleiht. Der Feminismus von heute definiert sich über das Dafür und Miteinander und nicht ewig gestrig über das Dagegen, er ist eine unwiderstehliche Notwendigkeit – und jede Einzelne von uns gehört dazu!


Vielen Dank an den Goldmann-Verlag und das Bloggerportal für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


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Eigene Meinung

POSITIV

  • Es bewegt zum Handeln

Ich habe dieses Buch auf einer Reise nach Holland gelesen und wollte teilweise nur aus dem Auto springen und mich sofort für alle Mädchen und Frauen engagieren, die ich kenne und die ich noch nicht kenne.

Ich habe in mir gespürt, dass ich sofort etwas tun will und muss, dass ich mich nicht mehr verstecken muss mit meiner Meinung, meinen Handlungen und generell allem.

Wenn dieses Buch eines schafft, ist es definitiv, den feministischen Spirit zu aktivieren, einen völlig zu empowern und eine Leidenschaft für alle Frauen* auf dieser Welt und ihre Probleme zu wecken.

  • Es informiert

Ebenso wie eine kurze Geschichte des Feminismus gibt es sehr viele Beiträge, die darauf ausgerichtet sind, dass man über verschiedene Themen informiert – Bildungsungleichheit, die Chancen von Mädchen in Entwicklungsländern, Menstruation und Menstruationsartikel, den Gender Pay Gap oder auch nur feministische Buchtipps.

Auch Leute, die sich ausgiebig mit solchen Themen beschäftigen, können hier bestimmt hier und da noch ein paar interessante Details mitnehmen!

  • Es berührt

Auch die Geschichten von Frauen, die von Probleme im Beruf, in der Ehe, bei der Geburt, bei der Betrachtung im Spiegel und der Betrachtung der Gesellschaft beschreiben, habe ich mit Freude zugehört, ihre Geschichten genossen und mich in vielen von ihnen wiedergefunden. Diese Poesie war mir nicht immer ganz zugänglich, aber hat ihn mir definitiv Sympathie zu anderen Frauen geweckt.

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  • Nicht zu lange Kapitel

Die Kapitel sind hier nicht besonders lang. Die meisten Geschichten sind zwischen 5 und 10 Seiten lang, viele mit seitengroßen Zitaten und einer seitengroßen Vorstellung der Person versehen. Das Buch lässt sich also sehr schnell konsumieren und wird durch die viele Abwechslung durchaus nicht langweilig.

Natürlich gibt es sehr lange und auch kurze Passagen, allerdings gleicht es sich gut aus, sodass die Gesichtspunkte sich gut voneinander unterscheiden, aber auch nicht zu kurz dargestellt sind.

  • Ganz unterschiedliche Frauen eingebunden (auch WoC)

Viele der Stimmen hier kommen auch von Women of Color, die sich zu Problemen mit Rassismus äußern, allerdngs auch über Genitalverstümmelung und soziale Zwänge, die beispielsweise in vielen afrikanischen Ländern immer noch sehr präsent für diese Frauen sind!

Das fand ich besonders spannend, da diese Dinge in meinem Alltag nicht sehr präsent sind und ich es mochte, auch von anderen Frauen zu erfahren, wie ihr Leben so läuft und welche Probleme sie beispielsweise mit Sexismus haben!

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  • Viele verschiedene Sichtweisen auf den Feminismus

Auch, wenn ich gleich noch etwas kritisieren werde: Es gibt viele unterschiedliche Sichtweisen in diesem Buch. Viele behaupten, sie seien intersektionale Feministinnen (setzen sich also mit allen Frauen* und jeder Diskriminierung auseinander) und viele berichten einfach nur von ihren Erfahrungen. Dabei gibt es sehr viele Ansätze, wer nun Feminist ist, was die Probleme und die Methoden sind und was die nächsten Schritte sein sollten! Das fand ich sehr spannend!

NEGATIV

  • Diese grässliche Farbe des Einbandes

Oh Gott, dieses grelle Pink tut mir wirklich in den Augen weh. Obwohl ich die englische Ausgabe auch wirklich nicht schön finde, ist diese einfach nur viel zu grell und zu „on the nose“ mit dem, was es vermitteln will.

In Anlehnung an die englische Aufgabe ist im Einklappband eine andere Pinkfarbe aufgetragen, die zwar eine Bedeutung innerhalb dieses Buches hat aber trotzdem einfach nur grässlich vor allem in Kontrast mit dem grellen Einband aussieht.

Ich weiß, dass ist sehr oberflächlich, aber auch das Design des Buches hat mit dem Produkt des Buches an sich zu tun.

  • Manche Sichten und dass diese wohl einfach übernommen wurden

Ich habe schon einige Male darüber geklagt: Eine Autorin behauptet, dass J.K. Rowling ihr feministisches Vorbild sei. Da habe ich mich natürlich erst mal kringelig gelacht.

Und natürlich soll auch mein Urteil auf die Probe gestellt werden, ich soll mich nicht immer mit allem anfreunden können, was manche Menschen denken und welche Auffassungen sie von feministischen Themen haben.

Bei manchen Aussagen hatte ich trotzdem das Gefühl, dass sie nicht noch mal überprüft wurden, weil doch mal eine Erklärung dazu ganz gut getan hätte…

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  • Direkte Wiederholung von Themen

Natürlich werden sich bei so vielen Autorinnen auch Themen doppeln. Allerdings wurden diese teilweise nur zwei Kolumnen auseinander platziert, sodass man direkt an einen Beitrag zur Menstruation wieder einen Beitrag dazu finden konnte. Dies hat mich irgendwie sehr verwirrt und da die Ansichten und vorgebrachten Punkte sich auch noch großteils doppelten, war es sehr seltsam, dies so zu lesen. Obwohl sehr viele Beiträge aus sehr vielen Richtungen hier zusammengetragen wurden, finde ich es einfach nur komisch, wenn man mit einem Themenblock von verschiedenen Autorinnen kofrontiert werden, die nicht aufeinander aufbauen, sondern auch noch alle von klein auf anfangen, die Probleme zu erklären, die ihrer Meninung nach vorliegen.

  • Keine Einbindung von Frauen* (vor allem Trans-Frauen)

Wie ich gerade schon erwähnte: Dieses Buch behandelt auch Menstruation. Dabei wird von einer Autorin allerdings erwähnt, dass dies ein Problem für Frauen ist. Frauen bluten, Männer nicht. Eine ganz klare Sache, möchte man meinen.

Bis einem auffällt, dass es viele Transmänner gibt, die immer noch ihre Periode bekommen oder Nonbinary-Menschen, die sich nicht als weiblich identifizieren.

Genauso, wie dieser Aspekt einfach unkommentiert stehen gelassen wurde, ist dieses Buch sehr inklusiv für Cis-Frauen. Lässt aber alle anderen Frauen* gänzlich bei Seiten, obwohl sich viele Feministinnen auch dafür aussprechen, dass sie intersektionalen Feminismus unterstützen und ausleben.

Das – und der Fakt, dass Emma Watson in ihren unvermeidbaren Buchempfehlungen am Ende dieses Buches einen Charakter als „transsexuell“ bezeichnet und es absolut niemandem aufgefallen ist, wie falsch und outdatet dieser Begriff ist – haben mir das Buch doch schon ein wenig verdorben. Gerade, weil so viele Feministinnen in diesem Buch behaupten, für alle Frauen* da sein zu wollen.


Fazit

Ich bin tatsächlich etwas zwiegespalten. Ich denke durchaus, dass dieses Buch vielen helfen könnte. Es ist allerdings nicht als komplette Einsteigerlektüre geeignet, da die Themen dafür einfach nicht gut genug an einem roten Faden entlang laufen. Für „Fortgeschrittene“ sind diese Themen meist jedoch nichts neues und viele angesprochene Themen vielleicht mehr Alltag. Allerdings ruft dieses Buch auch ganz klar zum Handeln auf. Es bewegt meine weibliche Seite und ich fühlte mich verstanden in meiner Weiblichkeit in dieser Welt. Auf der anderen Seite ist dieses Buch nicht für alle Frauen. Es positionieren sich zwar alle Autoren allein, aber ein gewisses Theme der Auslassung von Trans-Frauen konnte ich beobachten.

Also, wenn ihr euren feministischen Geist anfeuern oder erwecken wollt: Hier, das ist euer Buch!

Wenn ihr euch intersektional feministisch aufstellen wollt: Nicht dieses Buch.

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4 von 5 Tintenklecksen!

5 Gedanken zu „Ist „The Future Is Female!“ lesenswert?

  1. Liebe Anna,
    Eine schöne und interessante Rezension. Ich finde es gut, dass du beim Lesen auch einen kritischen Blick auf das Buch und die Umsetzung geworfen hast und einige Punkte benennst, die vielleicht in dem Thema unerfahreneren Leser*innen nicht aufgefallen wären.
    Hab bisher hauptsächlich Gutes über die Anthologie gehört und da ist es mal spannend, auch einen etwas kritischen Text zu lesen.
    Liebe Grüße, Julia

    1. Hallo Julia,

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Und ein kritischer Blick ist bei mir tatsächlich irgendwie das wichtigste. Dann können die Leser sehen, was ihnen vielleicht auch auffallen würde.
      Und genau deswegen erwähne ich es. Nicht alle können so tief in der Materie drin stecken 🙂

      Vielen Dank, dein Kommentar freut mich sehr!

      Viele liebe Grüße,
      Anna

  2. Kurze Anmerkung: Charlie Craggs ist eine Transfrau (Beitrag auf Seite 87f.)
    Ansonsten teile ich deine Meinung, was das Buch angeht. Ich würde sogar noch weitergehen und sagen, dass vieles in dem Buch eher heiße Luft ist als ein Beitrag zum Feminismus. Vielleicht weil mir manche (viele) Beiträge einfach zu kuschelig waren. Ich habe zwar noch ein paar Seiten nach, aber mich konnten nur wenige Beiträge überzeugen :/

    Cheers,
    Mari

    1. Jo Mari,

      Danke für die Anmerkung, das wusste ich alles noch nicht.
      Aber gut, dass du mir da zustimmst, ich habe mehr das Gefühl, dass sehr viel Wischiwaschi dabei ist. Und naja…es ist mehr heiße Luft, da kann ich dir zustimmen.

      Viele liebe Grüße,
      Anna

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