„Feministinnen haben den besseren Sex“, „Blue Giant Supreme“, „ARTE“ und „I had that same dream again“| Kurzrezensionen!

Heute gibt es wieder Kurzrezensionen von Mangas und Comics! Freut euch auf feministischen Sex, eine furchtlose Feministin in der Renaissance, eine unfassbar schlaue Viertklässlerin und einen Japaner, der unbedingt in München Jazz spielen möchte. Die Mischung für heute ist wild, aber definitiv jeder Titel absolut zu empfehlen! Los geht’s!


Bibliographische Daten – Feministinnen haben den besseren Sex

  • Autorin: Flo Perry
  • Genre: Sachbuch, Sexualkunde
  • Verlag: Droemer Knaur
  • Übersetzerin: Christiane Bernhardt
  • Seitenzahl: 144 Seiten
  • ISBN: 978-3-426-79076-2

Kurzbeschreibung

Feminismus ist in unserem Alltag angekommen – in unserem Sexleben kommt er aber oft noch zu kurz. Dieses Buch ändert das!

Es hilft uns, unsere Haltung zu unserem Körperbild, Dating, Masturbation, Orgasmen und Monogamie neu zu denken. Es gibt so viele Möglichkeiten – nimm dir, was gut für dich ist!


Vielen Dank an den Droemer Knaur-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

Ich bin immer wieder unfassbar dankbar, wenn ich merke, dass solche Bücher in großen Buchverlagen erscheinen. Bücher, die sich in spielerischer und freundschaftlicherweise damit auseinandersetzen, was in vielen Schulen und Haushalten nicht getan wird: Ehrlich über Sex und vor allem über Consent zu sprechen. Und dieses Buch macht seinen Job wirklich sehr sehr gut. Ich finde die Zeichnungen sehr süß, teilweise natürlich übertrieben, aber das lockert das Thema auf und lässt nicht alles so ernst und überfordernd wirken. Außerdem sieht man so, dass sich wirklich alles und jeder Körper in derselben Weise ein bisschen eklig aber völlig normal darstellen lässt und das sind wir doch alle irgendwie, oder?

Ich finde auch die angesprochenen Themen super. Das Buch richtet sich vornehmlich an Frauen oder eher an Menschen mit Vagina. Allerdings wird auch am Anfang des Buches erklärt, welche Begriffe wie benutzt werden und das fand ich super und gut inklusiv gedacht. Die Themenwahl beschränkt sich nicht und deckt wirklich jeden Part der „modernen“ Sexualität ab. Von Pornos über Monogamie, das eigene Körperbild, wie eine „normale“ Vagina aussieht oder auch wie man richtig Consent einholt und sich beim Sex sicher(er) fühlt: Alles wird hier locker und leicht erklärt und nicht drumherum geredet, was in vielen Fällen sehr hinderlich sein kann, wenn man ehrlich über das Thema reden möchte.

Außerdem gibt es ein paar Seiten zum mitmachen, wie zum Beispiel aufzuschreiben, was man an sich selbst toll findet und damit eine ganze Seite zu füllen, damit man wirklich einmal alles vor Augen hat, was man ganz okay findet. Daran kann man dann zu einem besseren Körperbild arbeiten, was ein super erster Schritt ist!

Außerdem gibt es auch immer wieder kleine Comics, in denen unterschiedliche Menschen unterschiedliche Vorurteile aussprechen, die erklären, was man meint, wenn man von einem Schönheitsideal spricht oder ähnlichen Dingen, die sich durch viele verschiedene kleinste Äußerungen äußern, sich aber in unser Hirn einbrennen. Diese Methode fand ich mega gut, da sie die Punkte einfach genial verdeutlicht.


Fazit

Dieser Comic ist für jeder*n was, der seinen Einstieg in den Feminismus sucht oder schon Feminist*in ist und nun sein Repertoire auch auf Beziehungen und Sex ausweiten möchte. Es könnte jüngeren Leser*innen auf jeden Fall helfen, ein gesundes Bild von Sexualität zu entwickeln und sich zu fragen, welche der gesellschaftlichen Standards man annehmen möchte und welche explizit nicht. Ich finde diesen Comic wirklich super, kann ihn weiterempfehlen und konnte selbst noch die eine oder andere Sache mitnehmen!



Bibliographische Daten – Blue Giant Supreme

  • Autor: Shinichi Ishizuka
  • Übersetzerin: Luise Steggewentz
  • Genre: Manga, Musik
  • Verlag: CarlsenManga
  • Seitenzahl: 192
  • ISBN: 978-3-551-78864-1

Kurzbeschreibung

Nachdem Dai Miyamoto in seinem Heimatland Japan seinen großen Traum – ein Blue Giant des Jazz zu werden – erreicht hat, will er nun mit seiner Musik auch den Rest der Welt erobern.

Allein bricht Dai nach Europa auf und landet zuerst in München. Er hat weder eine konkrete Anlaufstelle, noch spricht er Deutsch. Seine einzigen Begleiter sind sein Tenorsaxophon und sein unerschütterlicher Wille, der beste Saxophonspieler der Welt zu werden! Die erste Herausforderung besteht jedoch darin, einen Platz zum Üben zu finden.
Kann Dai mit seiner besonderen Spielweise auch in Europa überzeugen?


Vielen Dank an den Carlsen-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

Dieser Manga hat mich absolut und sofort angesprochen. Denn in diesem Manga geht es darum, dass ein japanischer Saxophonspieler nach Deutschland – genauer gesagt München – kommt, um dort der beste Saxophonspieler der Welt zu werden.

Dieser Band kann definitiv durch seine tollen Zeichnungen begeistern, mit denen man sich sogar in München sofort zurechtfindet und immer sofort erkennt, wo sich Dai (der Protagonist) denn gerade aufhält.

Dieser Manga handelt davon, wie Dai nach Deutschland kommt, wie er in einer Jugendherberge lebt und sich viele Jazzbars in München anschaut und schließlich jemanden kennenlernt, der ihm dabei hilft, auch mal in einer dieser Bars zu spielen.

Man bekommt mit, wie sehr Dai Saxophon spielen möchte und wie sehr er in seine Leidenschaft investiert, denn wenn er keinen Jazz hört, dann spielt er ihn den ganzen Tag am Ufer eines Flusses.

Er und sein neuer Freund gehen auf die Suche nach einem ersten Auftritt und dabei erlebt man auch ganz klar, dass Dai wegen seiner Nationalität und seinem japanischen Aussehen anders behandelt wird, obwohl er gehört hat, dass der deutsche Jazz einer der aufgeschlossensten der ganzen Erde sein soll. Seine Erfahrungen lässt er aber nicht an sich herankommen, sondern arbeitet nur weiter an seiner Leidenschaft.

Auch, wenn der Manga mal wieder mit einigen Überhöhungen und Übertreibungen arbeitet – zum Beispiel die Reaktionen derer, die Dai zuhören und seine Gedanken während seines ersten Auftritts, macht es viel Spaß, diesen Manga zu lesen und Dai „zuzuhören“.

Dabei ist Dai sehr sympathisch, man bekommt sofort mit, wie sehr er seinen Traum verwirklichen möchte und wie wichtig es ihm ist. So wichtig, dass er bei einer künstlerischen Blockade einfach mal so 30 km läuft. Wohin weiß er nicht. Einfach, um so lange zu gehen, bis er sich wieder wohl dabei fühlt, Saxophon zu spielen.


Fazit

Ich habe diesen Manga wirklich sehr gerne weggeatmet, die Zeichnungen sind ein wenig verschwommen und nicht so klar, dafür fangen sie aber so das Flair von München sehr gut ein und hat mich gut in eine urbane Szenerie versetzt.

Eine Empfehlung für alle, die Jazz, Musik, Musiker oder auch einfach nur München lieben. Ich glaube, dieser Manga könnte sehr vielen Leuten sehr gut gefallen.



Bibliographische Daten – ARTE

  • Autor: Kei Ohkubo
  • Genre: Historischer Manga, Feminismus
  • Verlag: Carlsen
  • Übersetzerin: Yuki Kowalsky
  • Seitenzahl: 193 S.
  • ISBN: 978-3-551-79861-9

Kurzbeschreibung

Florenz, Anfang des 16. Jahrhunderts.

Der Ort, an dem Kunst und Kultur aufblühten und die Renaissance entstand. In dieser lebendigen und strahlenden Zeit möchte Arte, eine Tochter aus adligem Haus, Lehrling einer Kunsthandwerkstatt werden. Doch es erwarten sie viele Schwierigkeiten, denn zu dieser Zeit hatte man kein Verständnis dafür, dass eine frau ein selbstständiges Leben führt.


Vielen Dank an den Carlsen-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

Dieser Manga spielt zum Anfang der Renaissance und handelt von dem adligen Mädchen Arte, welches eigentlich reich verheiratet werden soll, weil ihr Vater plötzlich starb und das Vermögen nun ziemlich mau aussieh. Arte, die ihr ganzes Leben Unterricht im Malen und Zeichnen bekam, will das aber nicht auf sich sitzen lassen und möchte ein Lehrling in einer Kunstwerkstatt werden. Natürlich nimmt sie keiner an, sie ist ja eine Frau. Aber einer macht ihr ein unschaffbares Angebot, welches sie wundersam doch schafft und er stellt sie als Lehrling ein.

Der Manga ist eine faszinierende Mischung aus einem historischen Drama, welches super darstellt, wie das Florenz des 16. Jahrhunderts ausgesehen hat und welches die vorherrschenden Meinungen zu Kunst und Frauen in der Kunst waren. Auf der anderen Seite erlebt man auch, wie damals wirklich Kunst gemacht wurde, wie Leute bei Leichenobduktionen zuschauten, um Körper besser malen zu können und wie der Karneval dazu massiv ausgenutzt wurde. Auch wird gezeigt, wie auf Arte als Lehrling reagiert wird und wie ihr Leben definitiv nicht leicht war.

Auf der anderen Seite wird man auch in die Gesellschaft von Malern, Kurtisanen und Politikern eingeführt, die das Stadtleben in diesem Manga bestimmen. Besonders schön fand ich dabei die sich immer fortbildende Kurtisane, die auch Arte zum Lesen anregt und sich mit ihr anfreundet.

Und ein letztes wunderschönes Detail ist die kleine, aber unglaublich süße Liebesgeschichte, die sich in diesem Band schon zu entspinnen droht. Zwischen welchen Charakteen will ich nicht preisgeben, aber es bahnt sich wirklich sehr langsam und süß an und beide sind davon sehr überrascht und wissen nicht, wie sie handeln sollen. Meine liebste Liebesgeschichte!


Fazit

Ich liebe eigentlich alles an „ARTE“. Es ist nicht nur großartig gezeichnet und aufgemacht, sondern auch wunderschön in seiner Geschichte und in den leisen und auch lauten Tönen. Was hier nach einer ganz „einfachen“ feministischen Emanzipation einer einzigen Figur aussieht, entpuppt sich als ziemlich einschneidend in ihr Leben und als unfassbar schwierig. Ich liebe auch die leisen Momente, in denen weibliche Bildung in den Vordergrund gespielt wurde und in denen eine kleine Romanze angedeutet wurde. Ich werde in jedem Fall die anderen Bände von „ARTE“ lesen!



Bibliographische Daten – I had that same dream again

  • Autor: Yoru Sumino
  • Zeichnung: Izumi Kirihara
  • Genre: Contemporary, Romance
  • Verlag: Carlsen
  • Übersetzer: Martin Gericke
  • Seitenzahl: 179 S.
  • ISBN: 978-3-551-78826-9

Kurzbeschreibung

Triggerwarnung: Selbstverletzendes Verhalten

„Glück? Ich weiß echt nicht, was das sein soll?!“

Nanoka ist ein Bücherwurm, aber auch extrem neugierig. In der Schule ist sie zwar eher eine Einzelgängerin, aber allein ist sie trotzdem nicht. Die liebe Omi, die am Hügel hinter dem Wald wohnt, die schöne Frau Abazure und das süße Kätzchen Merle – das sind ihre ganz besonderen Freundinnen.

Und eines Tages lernt Nanoka noch ein Mädchen kennen, das sich in einer Bauruine versteckt und – wie sie selbst – etwas Eigenes schreiben möchte.


Vielen Dank an den Carlsen-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

Ich habe mich nur von dem Cover und einem Satz leiten lassen, als ich beschloss, diesen Manga zu rezensieren. Ich liebe ihn aber wirklich und war überrascht, wie anders und doch schön diese Geschichte ist!

Eine kleine Warnung vorweg: Diese Geschichte ist zwar aus der Sicht eines Kindes formuliert, die angesprochenen Themen sind aber trotzdem ziemlich schwierig und können triggernd wirken.

Denn die aufgeweckte und schlaue Nanoka ist in der Schule nicht sonderlich beliebt und hat eigentlich nur Bekannte, die nur ein oder zwei Sätze mit ihr sprechen. Sie hat aber trotzdem Freunde. Denn jeden Tag nach der Schule besucht sie ihre drei Freunde: Frau Abazure (japanisch für Sexarbeiterin), die mit ihr spielt und ihr etwas zu trinken gibt, Omi, mit der sie über die Vergangenheit sprechen kann und die Katze Merle, die sie immer begleitet. Eines Tages entdeckt sie jedoch einen anderen Weg als den nach Hause und findet in einem verlassenen Gebäude ein Mädchen, welches schreibt, in die Oberschule geht und ihre Eltern verloren hat.

Mit dem Auftreten dieses Mädchen nimmt der Manga eine wirklich andere Richtung an, als ich vermutet hätte, denn diesem Mädchen tropft Weltschmerz und Unverständnis über den Zustand der Welt aus jeder Pore und jedem Satz. Die lebensfrohe Nanoka ist ein krasser Gegensatz dazu und ihre Gespräche erinnern ein wenig an Slapstick, sind aber gleichzeitig tieftraurig und hoffnungserweckend. Wie auch immer diese Mischung wirklich funktionieren kann, aber sie tut es.

Ich finde es aber wunderschön, wie die beiden Mädchen sich anfreunden, Nanoka dem Mädchen Mut macht, dass ihre geschriebenen Geschichten doch ziemlich gut sind und immer wieder zu ihr kommt, um sie aufzumuntern.

Ein toll dargesteller, aber trauriger Part dieses Mangas ist auch, dass Nanokas Eltern eigentlich nie zu Hause sind oder nur sehr sehr spät, wenn sie schon schläft. Dabei gibt es auch ein Event, auf das sie sich freut, ihre Eltern aber in letzter Minute absagen müssen. Dieses Gefühl der Verlassenheit und Einsamkeit, wenn alle anderen Eltern nicht so sind, kann einem wirklich das Herz rausreißen.

Auf den letzten Seiten wurde der Manga wirklich unglaublich spannend, aber wurde beendet, bevor die Fragen, die aufgeworfen wurden, beantwortet werden konnten. Dieser Cliffhanger ist natürlich frustierend, aber ziemlich gut gemacht und ich habe jetzt 500 Theorien im Kopf, wie es weiter gehen könnte! (Und dementsprechend sehr gespannt, wie es denn weiter gehen wird!)


Fazit

Ich war überrascht, welche Themen dieser Manga ansprach, denn ich war wirklich nicht auf eine Viertklässlerin vorbereitet, die ihre Eltern fast nie sieht und sich deswegen ein Netzwerk an Freunden zugelegt hat, welches sie gut pflegt und mit denen sie tolle Gespräche führt. Noch weniger war ich vorbereitet auf das selbstverletzende Mädchen, das älter ist als Nanoka und mit ihrem Schmerz auf jeder Seite sehr authentisch war. Ich bin sehr gespannt, wie diese Geschichte sich noch weiter spinnt, denn die Charaktere kann man am Ende dieses ersten Bandes nur ins Herz geschlossen haben.

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