„Own Voice“-Bücher | Empfehlungen

Da diese Woche auf Twitter und Instagram die Diskussion um Bücher von Own Voice-Autoren mal wieder sehr hochgeflammt ist, möchte ich hier die Gelegenheit nutzen und ein paar der Bücher vorstellen, die ich persönlich von Own-Voice Autorinnen gelesen habe und sie euch allen ans Herz legen kann!

(Kleiner Reminder: Own Voice-Romane sind Romane, die von marginalisierten Menschen über marginalisierte Menschen geschrieben werden, die besonders wertvoll sind, da sie die Sicht dieses Menschen auf unsere Gesellschaft und die stattfindende Diskriminierung sehr authentisch abbilden können. Beispielsweise schreibt Angie Thomas als Schwarze über die Black Lives Matter-Bewegung in den USA oder Adam Silvera schwule Liebesgeschichten.)



„Mein Weg von einer weißen Frau zu einem jungen Mann mit Migrationshintergrund“ von Jayrôme C. Robinet


Ganz frisch erschienen ist dieses autobiografische Werk eines trans Mannes, der vor und nach seiner Transition aus seinem Leben erzählt, von seiner Kindheit in Frankreich und seinem jetzigen Leben in Berlin. Es geht darum, wie anders Frauen und Männer im Alltag wahrgenommen werden, wie schmerzhaft die Transition sein kann – sowohl körperlich als auch emotional. Es geht um die Liebe, es geht um Pride und darum, wie man die ganze Zeit darauf achten muss, wie die Gesellschaft einen wahrnimmt. Ich fand dieses Buch sehr interessant und kann es nur empfehlen, wenn man zumindest ein wenig der täglichen Erlebnisse einer trans Person erleben möchte!

„Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ von Matt Haig

Dieses Buch befasst sich mit Depressionen. Matt Haig ist auch online ein gefeierter Autor, der sich immer wieder damit befasst, was Mental Health im heutigen Sinne bedeutet, wie es in unserer Gesellschaft vorkommt, mit welchen Stigmata die meisten Menschen zu kämpfen haben und wie sinnlos und verquer ihm unsere moderne Welt ihm manchmal erscheint. In diesem Buch gibt er seine eigene Geschichte mit Depressionen wieder, erzählt, was ihm half, wie er wieder auf die Beine kam, gibt Tipps und stellt simple und doch tief treffende Feststellungen an. Ein Mental Health-Buch, was ich absolut und nur empfehlen kann!

„Schamlos“ von Bile, Srour und Herz

Dieses Buch werde ich auch nicht müde zu empfehlen: „Schamlos“ ist ein Buch von drei norwegischen Muslima, die sich damit auseinander setzen, wie der Islam, muslimische Frauen und der Diskurs in der westlichen Welt um die beiden Themen aussieht, wo er falsch liegt und wie sie und andere muslimische Mädchen negativer sozialer Kontrolle von beiden Seiten ausgesetzt sind. Ich liebe dieses Buch, da es meinen Horizont absolut erweitern konnte und ich sehr erstaunt war, wie fein nuanciert die Debatte an manchen Stellen sein sollte, es aber meist nicht ist.

„Süßwasser“ von Akwaeke Emezi

Dieses Buch ist mir persönlich sehr sehr wichtig. Es ist zwar schon etwas her, dass ich es gelesen habe, aber ich erinnere mich an manche Textstellen absolut klar und deutlich. Die nigerianische Autorin zeigt nicht nur die kulturellen Unterschiede zwischen einem nigerianischen Leben und dem Leben in den USA auf, sondrn hat einen höchst beeindruckenden Roman darüber geschrieben, wie es ist, eine gespaltene Persönlichkeit zu haben. Die Autorin selbst hat diese mehreren Ichs zwar nicht, ist aber Igbo und Tamil und wurde in Nigeria aufgezogen. Ein so lehrreiches, gut geschriebenes und atemberaubendes Buch habe ich lange nicht mehr gefunden!

„Bleib bei mir“ von Ayobami Adebayo

Dieses Buch fiel mir eher zufällig in die Hände, aber ich liebe es trotzdem sehr. Hierbei geht es um eine Familie, die kein Kind zeugen kann, obwohl dies nach nigerianischer Tradition so Brauch ist. Auch ist Brauch, mehrere Frauen und einen Mann zu haben. Allerdings wollen Yejide und ihr Mann darauf verzichten. Als allerdings der familiäre Druck zu groß wird, zieht eine zweite Frau in den Haushalt ein und man merkt, wie die Familie langsam und stetig auseinander bricht und dem Wahnsinn verfällt…

Ich liebe dieses Buch. Nicht nur, weil es einen völlig neuen Blickwinkel auf Vielehen wirft, sondern man auch etwas von nigerianischer Kultur erfahren kann, die absolut wunderschön und gleichzeitig erschreckend sein kann. Definitiv ein fesselndes Buch!

„Born A Crime“ von Trevor Noah

Wer diesen Comedian aus den USA nicht kennt, hat definitiv etwas verpasst. Trevor Noah ist unfassbar schlagfertig, verkauft regelmäßig ganze Säle aus und moderiert die „Daily Show“ in den USA. Vor ein paar Jahren erschien seine Autobiographie, in der er beschreibt, wie er als ein Sohn einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters in Südafrika aufwächst und was er dadurch alles für Diskriminerungen erleben muss, denn in Südafrika ist nicht nur Armut vorherrschend, sondern immer noch eine sehr große Trennung zwischen verschiedenen Sprachen und Abstammungen. Ein unfassbar tolles Buch, das mitreißt und erschreckend ist!

„Das Geheimnis des Schlangenkönigs“ von Sayantani DasGupta

Dieses Kinderbuch finde ich immer noch total toll! Und mit was befasst es sich? Mit der indischen Mythologie! Dieses Buch befasst sich mit Kiranmala, die in Amerika aufwächst, aber erfährt, dass sie eine indische Prinzessin ist und muss sich mithilfe zweier Prinzen durch die indische Mythologie kämpfen! Die Autorin Sayantani DasGupta ist selbst eine Autorin amerikanisch-indischer Abstammung und kann so genau beschreiben, wie es ist, mit einer indischen Familie in den USA aufzuwachsen und immer ein bisschen anders als die anderen Kinder zu sein! Ein tolles und spannendes Kinderbuch ab 10!

„Was ist schon normal?“ von Holly Bourne


Ich fühle mich mittlerweile schon wie eine kaputte Platte, da ich mir den Mund fusselig rede, um dieses Buch zu empfehlen, was ich immer noch abgöttisch liebe. Die ganze Reihe der Spinster-Girls ist unfassbar toll, feministisch und betrachtet 3 Mädchen und ihre verschiedenen Leben. Dieses erste Buch befasst sich allerdings auch noch mit Mental Health, da die Protagonistin Evie mit ein paar Problemen zu kämpfen hat, die zumindest zu einem Teil der Erfahrung der Autorin abgeschaut und beeinflusst sind. Und alleine dafür kann ich das Buch definitiv empfehlen!


Welche Own Voice Bücher könnt ihr mir empfehlen? Welche Bücher von dieser Liste konntet ihr vielleicht auch für euch mitnehmen oder neu entdecken? Und welche davon kennt ihr vielleicht schon und findet sie genauso großartig wie ich? Ich bin auf eure Meinung gespannt!

(Photo by Patrick Tomasso on Unsplash)

One Comment

  1. Liebe Anna,
    das ist ja ein toller Beitrag! Vielen Dank für die vielen tollen Empfehlungen. Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben und Schamlos habe ich auch schon gelesen und fand beide Bücher wirklich klasse. Ein paar der Bücher auf deiner Liste kannte ich noch nicht, die kommen auf alle Fälle auf meine Liste.
    Es gibt auch Own Voices Bücher, von denen ich selbst kein (riesen) Fan war, aber vielleicht gefallen sie ja anderen. Zum Beispiel Children of Blood and Bone, Als ich Amanda wurde und A very large Expanse of Sea.
    Viele Grüße
    Yvonne 🙂

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