Wo ist der Alltagssexismus?

In der letzten Zeit wurde ich von einigen Leuten aus meinem Umfeld gefragt, wo ich denn ganz konkret im Alltag Sexismus sehe, wenn ich mich „schon immer“ über das Patriarchat und generell alles aufregen würde.

Und nun habe mal ein wenig nachgedacht und präsentiere euch hier eine Liste der Dinge, die ich in meinem Alltag wahrnehme, die ich als sexistisch empfinde: Vielleicht erkennt ihr einige wieder?



Sexismus ist…

… wenn Mädchen gesagt wird, dass sie sich vor Jungs in Acht nehmen sollen, aber Jungs nicht beigebracht wird, Mädchen nicht zu belästigen

… wenn es eine wichtigere Frage ist, welches Geschlecht ein Baby hat, als das es gesund ist

… wenn Mädchen gesagt wird, dass die Periode „schon nicht so schlimm sei“ und dass sie sich nicht so anstellen sollen

…, dass weibliche Wut als etwas dargestellt wird, dass man nur hysterisch nennen kann und dann gleich vergessen sollte oder Emotionen in der Debatte diese nur absolut schlimm machen können

… wenn Jungs verboten wird, Kleider zu tragen, weil diese „für Mädchen“ sind

… wenn Farben oder Kleidungsstücken ein Geschlecht zugewiesen wird. Pink ist keine Mädchenfarbe. Blau ist keine Jungsfarbe. Pink und Blau sind einfach Farben.

… wenn ich und meine Freundinnen uns nachts nicht alleine wohlfühlen und immer schreiben oder telefonieren, bis wir sicher zu Hause sind.

… wenn es als degradierend angesehen wird, sollte die Frau und nicht der Mann bei einem Date zahlen.

…, dass Pornographie so unglaublich offensichtlich nur darauf ausgelegt ist, männlichen Fantasien zu entsprechen und weibliche Lust ganz zu vergessen.

…, dass Frauen immer daran zweifeln, ob sie gut genug sind, während Männer sich meist für komplett überqualifiziert halten.

…, dass Frauen weniger Lohn bekommen als Männer.

…, dass traditionell weibliche Berufe als niedriger erachtet und niedriger bezahlt werden.

… wenn Männer ihre Gefühle nicht zeigen sollen und dürfen, weil sie sonst als schwach gelten

… wenn Mädchen eingeredet wird, dass manche Schulfächer „nichts für sie sind“

… wenn Frauen „nichts mit Feminismus“ zu tun haben wollen, damit sie in der toxischen Männerwelt besser angesehen werden

… wenn Frauen mit einer Meinung als unseriös und unlogisch eingestuft werden

… wenn Frauen nicht zugestanden wird, einfach keine Kinder haben zu wollen

… wenn Frauen belästigt werden und gesagt wird: „Was sollte er denn anderes tun? Sie hat es doch quasi heraus gefordert?“

… das Argument: „Ja, aber wenn du einem Hund ein Stück Fleisch hinhältst, wird er es doch auch essen wollen!“

… Victim-Blaming

… wenn Männer Frauen auf der Straße hinterher rufen

… das Argument, das „Frauen gar kein Auto fahren können“

… die Idee, dass Schminke nur für Frauen ist

…, dass Frauen immer entweder zu viel oder zu wenig Make Up tragen

…, dass Frauen immer entweder zu viel oder zu wenig anhaben

… Body Shaming (Fat Shaming, Skinny Shaming, …)

… das konstante Debattieren des Gewichts von Mädchen

… das Tabuisieren von Sex

… das Tabuisieren von weiblicher Lust und weiblichen Geschlechtsorganen

… das Tabuisieren der Periode

… das Patriarchat.


Jetzt seid ihr dran! Welche Beispiele für Alltagsseximus fallen euch noch ein und welche erlebt ihr genauso? Lasst uns die Liste in den Kommentaren weiter führen!

6 Comments

  1. Ganz schlimm ist ja auch wenn man auf Arbeit mit Mädchen angesprochen wird, obwohl man erwachsen ist? Das degradiert einen ja auch runter und sorgt dafür, dass man nicht ernst genommen wird.

    Oder es kommt der Spruch von einem Mann: Morgen kannst du ja eine kurze Hose oder einen Rock bei der Arbeit tragen, das Wetter wird ja schön – da wusste ich echt nicht, was ich darauf antworten soll.

    Ansonsten natürlich auch, wenn man keine höhere Position bekommt, nur aufgrund des Geschlechts. Hinterher pfeifen finde ich ja auch schon immer nervend und lächerlich. Das ist auch oft passiert, da war ich noch nicht mal volljährig, die Männer die das gemacht haben aber schon. Was zur Hölle?

    Oder ganz schlimm: Wenn jemand einfach kein Nein akzeptieren möchte, einen immer wieder wegen eines Dates bedrängt oder nicht aufhört anzügliche Kommentare zu machen. Nein hießt Nein, das scheinen aber viele nicht zu verstehen. Ich habe das jetzt schon so oft erlebt und wusste manchmal gar nicht mehr, was ich noch machen soll. Aufhören tut das meist erst, wenn man sagt man hätte einen Freund oder jemanden kennengelernt. Was schon traurig ist. Da ist es dann möglich das Nein zu akzeptieren, aber ansonsten nicht?

    • Dieses „Kleinreden“ von Frauen ist so bescheuert! Und ich kenne so viele, die das genauso tun!

      Und das mit dem quasi Vorschreiben der Kleidung ist so ekelig, da weiß ich auch nicht, was ich sagen soll!

      Ich kann allen deinen Punkten nur zustimmen! So eine tolle Ergänzung, danke dir dafür!

      Viele liebe Grüße,
      Anna

  2. Darüber regt sich eine Freundin oft auf, unf habe ich schon oft genug miterlebt.
    Wenn sie sagt sie mag Fußball, wird sie von Männern immer sofort gezwungen Abseits oder sonstige Regeln zu erklären. Die meisten hören ihr dabei nicht einmal zu..

  3. … wenn man sich als Mutter auf dem Elternabend anhören muss, wie schrecklich es doch ist, dass man (weil man arbeitet) nicht jeden Mittag rechtzeitig das Essen auf dem Tisch stehen hat, wenn die Kinder von der Schule kommen. Während, logisch, der Vater (der ebenso zu Elternabenden geht) sowas nie gesagt kriegt. Blöderweise kommt tatsächlich eine ganze Menge Alltagssexismus, der sich gegen Frauen richtet, von Frauen. Ich weiß nicht genau, warum. Manchmal denke ich, dass gerade Frauen es als Angriff auf ihre Lebensweise sehen, wenn andere Frauen einen von dieser abweichenden Lebensentwurf haben – warum das so ist, ist mir allerdings schleierhaft. Es verringert doch nicht mein eigenes Glück, wenn andere Menschen ihres woanders finden …

    • Das von Frauen über Frauen nennt sich dann internalisierter Sexismus, der dann einfach da ist, weil man es immer so sieht und dann gar nicht mehr sieht, dass es sich ja eigentlich gegen Frauen richtet. Eine so beschissene Angelegenheit.

      Aber ja, von Müttern und Eltern erfahre ich immer häufiger, wie grassierend Sexismus dort sein kann. Halte durch, du bist eine super Mutter!

      Viele liebe Grüße,
      Anna

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