„Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ von Reni Eddo-Lodge | Rezension

Dieses Buch erregte in England sehr viel Aufsehen und ging hierzulande fast vollständig unter außer ein paar Interviews. Aber was ist dran am Buch und der Aussage „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ und wieso ist es so radikal und gleichzeitig einfach nur mit gesundem Menschenverstand geschrieben?


Bibliographische Daten

  • Autorin: Reni Eddo-Lodge
  • Genre: Sachbuch, Non-Fiction
  • Verlag: tropen
  • Übersetzerin: Anette Grube
  • Seitenzahl: 263 S.
  • ISBN: 978-3608504194

Kurzbeschreibung

Was bedeutet es, in einer Welt, in der Weißsein als die selbstverständliche Norm gilt, nicht weiß zu sein? Reni Eddo-Lodge spürt den historische Wurzeln der Vorurteile nach, und zeigt unmissverständlich, dass die Ungleichbehandlung von Weißen und People of Colour unseren Systemen seit Generationen eingeschrieben ist. Ob in Politik oder Popkultur – nicht nur in der europaweiten Angst vor Immigration, sondern auch in aufwogenden Protestwellen gegen eine schwarze Hermine oder einen dunkelhäutigen Stormtrooper wird klar: Diskriminierende Tendenzen finden sich nicht nur bei offenen Rassisten, sondern auch bei vermeintlich toleranten Menschen. Um die Ungerechtigkeiten des strukturellen Rassismus herauszustellen und zu bekämpfen, müssen darum People of Colour und Weiße gleichermaßen aktiv werden – „Es gibt keine Gerechtigkeit, es gib nur uns“


Vielen Dank an den tropen Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

POSITIV

  • Der historische Hintergrund war sehr interessant!

Ich habe dieses Buch tatsächlich bei meiner Friseurin gelesen und sie fragte mich, ob ich so schwere Lektüre denn für die Uni lesen müsste. Als ich lachend verneinte und meinte, dass es mich einfach interessiert, erntete ich sehr erstaunte Blicke. Aber tatsächlich interessiert mich der Hintergrund der Kolonialmacht Englands, der Sklaven und der Einwanderer aus den verschiedenen Gebieten des Empires sehr und Eddo-Lodge schafft es wunderbar, diese Timeline aus der schwarzen Sicht abzugehen und betont dabei immer wieder, wie schwer es war, dies alles zu recherchieren. Ich bin ihr sehr dankbar diese ganzen Dinge zusammen getragen zu haben und war teilweise sehr erstaunt!

  • Und die Einordnung in das moderne politische Klima ebenfalls!

Eher gegen Ende des Buches ordnet die Autorin alles, was wir gerade über die Geschichte der Schwarzen in England gehört haben und alles über Feminismus und White Privilege zusammen und in die moderne Zeit ein, was ich sehr spannend fand und mit sehr wachen Augen verfolgt habe, da ich immer wieder dankbar bin, eine Perspektive zu finden, die nicht meiner entspricht. Daher fand ich es absolut wundervoll, diese ganzen Dinge, die ich natürlich auch mitgekriegt habe, zu sehe und aus der Perspektive der „Betroffenen“ zu sehen.

  • Ich habe den Einblick in schwarzen Feminismus sehr geliebt

Mein Feminismus ist wahrscheinlich auch noch sehr weiß, einfach deswegen, weil ich nie viele schwarze Menschen in meinem Umfeld hatte und dies sich natürlich auch auf meine Vorurteile auswirkt. Ich finde es daher wunderschön, wie Eddo-Lodge mit weißen Feministinnen aufräumt und ihnen aufzeigt, dass sie teilweise genauso schlimm sein können, da sie nicht einsehen, dass schwarz und Frau zu sein sich in einer eigenartigen und einzigartigen Weise von der Diskriminierung her überlappen. Genau diese Beschreibung fand ich auch sehr gut und eine gute Ansichtserweiterung für meinen intersektionalen Feminismus.

  • Das Sprechen über White Privilege

Ein Kapitel in diesem Buch ist auch dem viel diskutierten White Privilege gewidmet. Was heißt das, wie bemerkt man es, wieso es jeder Weißer hat, auch wenn er der Meinung ist, über solche Sachen erhaben zu sein und wie es sich in die Diskussion über Hautfarbe und Rassismus einmischen kann, ohne dass man es eigentlich will. Dass White Privilege sich so tief in die Gesellschaft eingeschlichen hat, dass die meisten es gar nicht mehr sehen oder niemals gesehen haben. Ich fand es beeindruckend, wie Eddo-Lodge diesen Teil geschrieben und argumentiert hat und kann ihr nur zustimmen.

  • Und auch viele andere Privilegien, die besprochen wurden

Außerdem hat Edoo-Lodge auch noch andere Privilegien wie die soziale Klasse, das Geschlecht, die Sexualität und die Herkunft angesprochen. Zwar nicht so ausführlich, aber sie hat glasklar zusammengestellt, dass viele dieser Diskriminierungen sich überlappen oder gar nur in einer Art Symbiose stattfinden können und daher nicht eines ohne das andere Verschwinden kann. Diesen Zusammenhang hatte ich vorher noch gar nicht gesehen und bin um diese Erweiterung meines Horizonts sehr dankbar!

NEGATIV

  • Es hat sich elendig gezogen

Allerdings habe ich an diesem Buch auch Dinge auszusetzen. Ich fand beispielsweise, dass dieses doch sehr kurze Buch sich elendig zog. Manche Stellen waren so lahm oder ihre Argumentation wiederholte sich im Kern mehrere Male, sodass ich mehrmals mit den Augen rollen musste. Teilweise hing sie mir auch zu lange an einem Thema fest, wo sie längst klar ihren Punkt vorgebracht und erläutert hatte. Fand ich sehr schade ehrlich gesagt.

  • Es war mir an einigen Stellen zu trocken

Außerdem merkt man sehr stark, wie gut und schnell sich Eddo-Lodge in historische Kontexte einarbeiten und diese präsentieren kann, allerdings finde ich trotzdem, dass sie dies auf eine eher trockene Art tut, für die ich mich abseits des Themas nur schwer begeistern konnte. Das tut mir unfassbar leid, aber ich fand ihren Schreibstil teilweise ein wenig zu stockend und aufgesetzt und auch ein wenig…zu viel. Mir ist klar, es ist kein Buch für die seichte Unterhaltung, aber ein wenig mehr Leseflow wäre schon ganz gut gewesen.

  • Ich konnte das Buch an einigen Stellen einfach nicht nachvollziehen

Das liegt an mir und meiner priviligierten Position, ganz klar. Aber an manchen Stellen fand ich entweder ihre Argumentation nicht ganz nachvollziehbar und ausgereift oder einfach, dass sie nicht genau auf das Problem einging und ich mir eher Dinge zusammenreimen musste aus Sachverhalten, die mir schon vage bewusst waren. Das fand ich teilweise schade, aber es geht ja auch nicht explizit darum, Weißen zu erklären, wie die Welt so für Schwarze ist.


Fazit

Ich mochte dieses Buch. Ich fand die historischen Hintergründe in England sehr interessant. Gerade einen anderen Hintergrund als den der USA zu erkunden hat mich total fasziniert und es ist auch nicht so schwierig geschrieben, das man gar nicht mehr folgen kann. Mir ist auch vor allem die gute Übersetzung aufgefallen und ich mochte es, dass die Autorin auch die Probleme von weißem Feminismus besprochen hat und beleuchtet hat. Allerdings zog es sich mir an einigen Stellen viel zu viel, es war mir zu trocken und ich konnte mich an einigen Stellen fast nicht dazu durchringen, es weiter zu lesen.

3,5 von 5 Tintenklecksen!

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