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Rezension: „Wicker King“ von Kayla Ancrum

Der „Wicker King“ ist eine Figur, die August und Jack sich ausdachten, als sie noch Kinder waren. Jack, der König, und August, sein Ritter, der ihn beschützt.

Für diese Spiele sind Jack und August in der High School mittlerweile zu alt, wo sie immer noch eine starke Freundschaft verbindet, obwohl sie nicht im gleichen Freundeskreis involviert sind.

In einer unendlichen Abwärtsspirale ziehen Jacks erneute Visionen die beiden Jungen in ein Abenteuer, dass sich nicht mehr aufhalten lässt…

Dieses Buch war so unendlich gut! So unendlich gut, dass diese Rezension leider eine komplette Lobhymne wird!

Aber warum war das Buch so gut? Lest es hier!


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  • Autor: Kayla Ancrum
  • Genre: Roman, Jugendthriller
  • Verlag: dtv junior
  • Seitenzahl: 315 S.

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Er sieht eine andere Welt. Aber gibt es sie wirklich?

Ein Brand in einer alten Lagerhalle. Am Tatort zwei Siebzehnjährige, einer davon mit Verbrennungen, die beide in die Psychatrie eingeliefert werden.

Einige Monate zuvor: In der Schule hängen August und Jack mit völlig verschiedenen Typen rum, privat verbindet die beiden aber seit Langem eine intensive Freundschaft. Doch Jack, Vorzeigeschüler, Spitzensportler, Mädchenschwarm, driftet mehr und mehr in eine Fantasiewelt ab. In dieser ist er der König, der „Wicker King“, und August ist sein Ritter. Um Jack nah zu bleiben und zu verhindern, dass dieser sich endgültig in seiner Scheinwelt verliert, lässt sich August auf das Spiel ein…


Vielen Dank an den dtv-Verlag für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares!


sdr


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POSITIV

  • Die Erzählperspektive

Großteils wird aus Augusts Perspektive erzählt, der schon seitdem er klein ist, mit Jack befreundet ist und immer ein wenig in seinem Schatten stand. In der Highschool sind die beiden immer noch befreundet, obwohl sie nicht mehr denselben Freundeskreis haben. August kümmert sich um Jack, doch Jack geht es immer schlechter. Während Jack derjenige ist, der seine eigene psychische Verfassung in eine Abwärtsspirale befördert, erfahren wir davon großteils aus der Außenperspektive Augusts, die sich allerdings immer weiter mit Jacks Ansichten vermischen. Diese unfassbare Abhängigkeit aber auch gleichzeitig diese Verbundenheit und Freundschaft ist sehr faszinierend und absolut mitreißend!

  • Die Freundschaft zwischen Jack und August

Diese Freundschaft ist besonders. Jack und August sind befreundet, nachdem sie denken können, erhalten diese Freundschaft auch aufrecht, nachdem sie sich an völlig anderen Enden des sozialen Spektrums befinden und kümmern sich rührend umeinander. Sie helfen einander in Liebesangelegenheiten, August macht Jack regelmäßig sein Mittagessen, damit er nicht verhungert und die beiden sind sich so gleich und wichtig, dass sie sich niemals gegenseitig aus den Augen lassen könnten oder getrennt voneinander sein könnten.

Ich liebe diese Freundschaft, ich liebe, dass man genau sehen kann, wo sie eben doch toxisch ist und sie trotzdem irgendwie gut findet, und sich dann wieder hinterfragt, wie sowas denn bitte geht. Außerdem liebe ich es, in welche Tiefen man in dieser zwischenmenschlichen Beziehung eintauchen kann! Ein wahres Erlebnis!

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  • Die Darstellung der Vernachlässigung durch die Eltern

Dieses Buch dreht sich nicht nur um Jack und August und ihr Abrutschen in den Wahnsinn, sondern auch darum, wie dies mit dem Nicht-Vorhandensein von elterlichen Figuren einher geht. Denn Jacks Eltern sind quasi nie zu Hause und immer auf Geschäftsreisen und Augusts Mutter steckt in einer tiefen Depression, die sie das Schlafzimmer nicht verlassen lässt.

Wären die Eltern auch nur ein bisschen aufmerksamer, ein bisschen mehr anwesend gewesen, wäre die Situation nicht so weit eskaliert, hätten sich die beiden nicht soweit von allen anderen isolieren können und sich in ihrer Wahrnehmung von allen anderen entfernen können.

Es macht den Leser wütend und traurig zugleich, da solche Zustände definitiv keine Seltenheit sind und sich in solchen extremen Fällen so exponentiell verschlimmernd auswirken können.

  • Die Integration der Fantasiewelt

Jack sieht Dinge, die andere Leute nicht sehen können. Wilde Tiere, schwebende Quallen, Fantasietiere und Dinge, die sich einfach nicht bestimmen lassen. Während das Buch und die Geschichte voranschreiten, sieht Jack immer komischere Dinge. Sie formen eine eigene Welt neben unserer, August ist sich immer unsicherer, wie es Jack geht und die ganze Situation scheint sich immer weiter zuzuspitzen.

Allerdings gibt es immer wieder Momente, in denen sich Jacks Fantasie und die Realität so sehr mischen und überlappen, dass August immer weiter in diese Welt, die er gar nicht sehen kann, hineingezogen wird und sich fast sicher ist, dass es vielleicht doch existieren könnte…doch kann das überhaupt sein?

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  • Diese fucking geniale Gestaltung!

Ich inkludiere für euch extra mal ein paar Bilder von der absolut tollen Gestaltung! Von dem Bild statt einer Beschreibung auf dem Rücken, Polizei- und Psychatrieberichten von den Jack und August, geschriebenen Notizen und den Seiten, die immer dunkler und verworrener wurden, je mehr Jack und August sich in ihrem eigenen Netz verhedderten!

Eine so schöne Gestaltung, die zusammen mit dem wunderschönen Schutzumschlag und den goldenen Elementen und ein paar Fotos und selbstgebastelten Playlists für die Charaktere in dem Buch selbst, war es um meine bibliophile Seele geschehen! So wunderschön!

  • Der Aufbau des Buches

Wir wissen quasi von der ersten Seite wie dieses Spiel von Jack und August ausgehen wird, denn an den Anfang werden Polizeiberichte über ein gelegtes Feuer gestellt, die uns erzählen, wie der Strudel der Abhängigkeit von Jack und August endete. Danach starten wir mit einem kurzen Abstecher in die Kindheit der beiden und lernen sie in ihrer jetzigen Form in der High School kennen. Das Buch ist in sehr kurzen Kapiteln aufgebaut, die meist nicht länger als zwei Seiten sind, dafür aber immer sehr ausdrucksstark!

Ich habe es geliebt und bin unfassbar schnell durch die Seiten geflogen und konnte mich nicht davon lösen!

  • Dieses Ende!

Ich liebe, liebe, liebe, liebe dieses Finale, bei dem ich nicht anders konnte, als ein paar Freudentränen zu verdrücken. Mehr möchte ich natürlich nicht verraten, da ihr das einfach selber erleben müsst! Allerdings liebe ich es wirklich, wie gut diese ganze Situation sich doch auflösen ließ und trotzdem offen blieb, sodass der Leser sich „das Leben danach“ sehr gut vorstellen kann.

Alleine für dieses Ende hat sich die vorherige emotionale Tortur wirklich gelohnt!

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  • Die Abwärtsspirale, in die Jack August immer weiter zieht

Diese Spirale, die auch visuell durch die Gestaltung des Buches so gut dargestellt wird, ist so unfassbar toll und eindrucksvoll gestaltet. Man bekommt einen sehr guten Einblick in die Psyche von August und Jack. Von psychologischer Seite und natürlich auch von der Seite, wie die beiden sich gegenseitig betrachten. Es war sehr einnehmend, man konnte sich von beiden immer weniger loslösen und sah, wie sehr die beiden sich und ihre Psychen ineinander verkeilten und immer abhängiger voneinander wurden. Ich fand es unfassbar emotional berührend und konnte am Ende die Tränen fast nicht mehr zurückhalten, da es unausweichlich aussah, dass die beiden sich vielleicht doch noch in die reale Welt retten könnten.

NEGATIV

  • Manche Charaktere schienen überflüssig oder nur für den Plot zu existieren

Jack und August haben nicht viele Freunde und ihre Eltern sind so gut wie nicht existent. Allerdings wiegen diese wenigen Figuren aus der Schule und aus ihrem Freundeskreis teilweise so, als würden sie nur für den Plot dieses Buches existieren und den beiden manchmal nur im richtigen Moment einen Augenblick der menschlichen Freundlichkeit oder Wärme schenken, damit sie nicht völlig in ihrem Strudel aus Fantasiewesen versinken. Das mag zwar durchaus die Intention gewesen sein, allerdings wirkte es teilweise einfach ein wenig inszeniert.

sdr

 


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Dieses Buch ist so wichtig und so unendlich toll! Es befasst sich nicht nur mit einer Freundschaft, die ihresgleichen und ihre Grenzen sucht, sondern auch mit den Problemen fehlender Eltern, einem fehlenden unterstützenden Umfeld, einem Problem damit, andere Leute über die eigenen Probleme zu informieren und zum Schluss einfach mit einer sehr düsteren Fantasie, die droht, zwei ganze Leben zu verschlucken.

Dieses Buch ist eine Wucht, ein Sog und gleichzeitig ein Strudel, der den Leser nicht mehr loslässt und ist vor allem für alle geeignet, die Jugendbücher, Freundschaften, Mental Health oder düstere Mystik lesen.

Unbedingt lesen!

Tintenkleckse_5

5 von 5 Tintenklecksen!

Ein Gedanke zu „Rezension: „Wicker King“ von Kayla Ancrum

  1. Kann ich nur so unterschreiben. Ich konnte das Buch echt nicht mehr aus der Hand legen und saß danach völlig fertig davor und hab mich gefragt, wie jemand so etwas heftig gutes schreiben kann. Ich bin nur grad etwas traurig, dass ich das eBook gelesen habe und kein Print, weil mir so die Gestaltung entgangen ist 😡 Vielleicht muss ich mir das Buch nochmal kaufen 😀

    Liebe Grüße, Liv

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