Schneewittchen als Revolutionärin? | „Spieglein, Spieglein“ von Jen Calonita | Rezension

 Die „Twisted Tales“ von Disney sind eine Reihe von Büchern, in denen die Prinzessinnen-Geschichten durch eine Wendung des Schicksals plötzlich doch anders verlaufen, als wir es aus den Filmen kennen. Ein Buch in dieser Reihe ist „Spieglein, Spieglein“, welches die Geschichte von Schneewittchen neu erzählt. Dabei ist die zentrale Frage: Was wäre, wenn die Böse Königin den Prinzen statt Schneewittchen vergiftet hätte?

Wie mir das Buch gefallen hat, könnt ihr in dieser Rezension nachlesen!


Bibliographische Daten

  • Autorin: Jen Calonita
  • Genre: Disney, Abenteuer, Schneewittchen, Märchen
  • Verlag: Carlsen
  • Übersetzerin: Ronald Gutberlet
  • Seitenzahl: 361 S.
  • ISBN: 978-3-551-28049-7

Kurzbeschreibung

 Was wäre, wenn die böse Stiefmutter den Prinzen vergiftet hätte?

Nach dem Tod von Schneewitchens Mutter übernimmt die Böse Königin die Herrschaft über das Schloss. Und Schneewittchen tut alles, um sich nicht den Zorn der Stiefmutter zuzuziehen.

Erst als diese versucht, die zu töten, erwacht Schneewittchens Widerstandsgeist. Mit der Hilfe ihrer Zwerge und des freundlichen Prinzen, den sie nie wiederzusehen vermutet hätte, zieht sie in den Kampf gegen die Böse Königin.

Aber wie soll dieser gelingen, wenn ihre Feindin jeden ihrer Schritte kennt und alles tut, um ihre Macht zu behalten? Einschließlich der unbarmherzigen Verfolgung ihrer Liebsten?


Vielen Dank an den Carlsen-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

Man mag von Disney und dem sich immer weiter ausbreitenden Unterhaltungsimperium (see, what I did there?) halten, was man möchte, aber manchmal machen sie dann doch Sachen, die ich interessant und neuartig finde und die zwar offensichtlich ein erneuter Versuch sind aus denselben alten Geschichten Geld zu schlagen, an denen ich trotzdem aber nicht vorbeigehen kann.

Das Prinzip der „Twisted Tales“ ist genau das. Die Prämisse, die Geschichten der Disney-Prinzessinnen noch einmal zu erzählen, ist wirklich ausgelutscht. Aber sie mit einem Twist zu versehen, der die Geschichten düsterer, spannender und die Prinzessinnen nicht mehr apathisch macht? BITTE! Das, was sie schon immer verdient haben!

In „Spieglein, Spieglein“ geht es also um Schnewittchen und was passiert wäre, wenn der Prinz statt ihrer vergiftet worden wäre. Aber…eigentlich stimmt das gar nicht so richtig. Denn was WIRKLICH anders passiert, ist, dass Schneewittchen eine Revolution gegen ihre eigene Tante anzettelt. Jo, richtig gelesen. Die Böse Königin konnte sie nur deshalb nicht mit dem Apfel locken, weil der Prinz sie im Wald aufgespürt hat und mit ihr auf dem Weg war, nicht nur ihren Vater zu suchen, sondern gleich auch noch alle Untertanen davon zu überzeugen, das Schloss zu stürmen. Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass wir mal eine radikale Königinnenstürzerin als Disney-Prinzessin sehen werden, aber why not. Ich fand die Idee auch viel besser, als wenn einfach nur Schneewittchen den Prinzen wieder wach küssen würde. Was sie natürlich doch noch tut. Nur in einem anderen Kontext und gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz weit hinten im Buch.

Das Buch ist relativ leicht zu lesen und hat trotz seiner knapp 400 Seiten eine ordentlich große Schrift und sehr dicke Seiten vorzuweisen. Gestaltet ist dieses Buch wirklich wunderschön, auch innen sind auf den Seiten kleine Dinge eingebaut, die das Buch noch besser wirken lassen.

Allerdings erzählt das Buch nicht nur von Schneewittchen, die Leute davon zu überzeugen, die Königin zu stürzen, nur damit sie direkt eine neue Königin bekommen. (Komisch, dass sie nicht alle überzeugen konnte, i wonder why.) Sondern das Buch erzählt auch die Geschicht der Bösen Königin und wie sie so geworden ist, wie sie ist. Namentlich, wie sie an den Spiegel geraten ist und wie dieser eigentlich bitte funktioniert. Ich fand diese Geschichte eigentlich sogar viel interessanter als die von Schneewittchen, weil ich ihr ihren unfassbaren Kampfgeist nicht wirklich abnahm, wo sie doch 10 Jahre mucksmäuschenstill alles gemacht hat, was ihre Tante je von ihr verlangt hat.

Die Geschichte der Bösen Königin war wie gesagt ziemlich spannend geschrieben, vor allem ihre Kindheit. Ich mochte es auch sehr sehr gerne, dass der Prinz und Schneewittchen sich in diesem Szenario auch ausführlicher kennenlernen können, als dass er sie einfach nur quasi tot findet und wachküsst, denn sie versuchen gemeinsam, die Böse Königin vom Thron zu stürzen.

Was mir ein wenig gefehlt hat, sind die armen Zwerge. Für mich ein echtes Highlight im Film, tauchen sie hier irgendwie nur auf, weil sie es ja müssen und erfüllen eigentlich nur die Funktion, Schneewittchen bei sich aufzunehmen und sie aus ein paar doofen Situationen zu befreien. Das hätte man meiner Meinung nach besser umsetzen können.


Fazit

3.5 von 5 Tintenkleckse

Ich mochte „Spieglein, Spieglein“. Es ist für seine Altersgruppe toll aufgemacht, kostet trotzdem nicht unfassbar viel und ist spannend und definitiv gut geschrieben. Es erzählt nicht nur Schneewittchens Geschichte, sondern auch die Geschichte der Bösen Königin und gibt ihr mehr Hintergrund und einen tieferen Charakter. Schneewittchen entpuppt sich als Revolutionärin, die ihren Plan vom Umsturz ihrer Tante gnadenlos durchzieht. Diese Änderung des Originals mochte ich sehr, denn die sehr passive Schneewittchen mochte ich noch nie besonders. Ein gutes Buch, das hält, was es verspricht, sich allerdings an einem anderen Ort von der „realen“ Geschichte entfernt, als man annehmen würde.

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