„Sein Reich“ von Martin Schäuble | Rezension

 Jap, das ist ein Buch über Reichsbürger. Über Reichsbürger im Osten von Deutschland, um genau zu sein. Juri fährt über die Sommerferien zu seinem Vater, den er eigentlich nicht richtig kennt und wird in eine Welt gezogen, die sich auf „alte Werte“ zurück bezieht. Aber er trifft auch die Teenager im Dorf, die ihn für seinen Vater verachten. Und als er gehen will, darf er das plötzlich nicht mehr…


Bibliographische Daten

  • Autor: Martin Schäuble
  • Genre: Kinderbuch, Reichsbürger
  • Verlag: KJB
  • Seitenzahl: 237 S.
  • ISBN: 978-3-7373-4194-3

Kurzbeschreibung

 Ein Sommer unter Reichsbürgern

Sommerferien und alle verreisen – nur Juri nicht. Kurzerhand beschließt er, aufs Dorf zu seinem Vater zu fahren, zu dem er bisher kaum Kontakt hatte. Der vertritt zwar einige sonderbare Verschwörungstheorien, aber er führt mit seinen Freunden auch ein faszinierendes Leben: Es wird gejagt, geangelt, und sie haben ein geheimes Projekt im Wald. Und dann ist da noch Jule, die Juri eines Abends am See kennenlernt …

Aber sind sein Vater und dessen Kameraden wirklich nur harmlose Spinner? Als Juri sich endlich diese Frage stellt, ist es schon fast zu spät.


Vielen Dank an den KJB-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

Es geht eigentlich nie gut los, wenn ich sage, dass ich ein Buch wie „Tschick“ fand. Denn „Tschick“ haben wir in der Schule gelesen und auch, wenn meine Lehrerin als DIE Jugendliteratur schlechthin ansah, war ich absolut abgestoßen von den widerlichen Formulierungen und den beiden Jungs, die offensichtlich nie über irgendwas in ihrem Leben nachdenken. Ach ja. Und dem angeklebten Hitler-Bärtchen.

Man könnte ja meinen, dass sich zwei Bücher von zwei verschiedenen Autoren auch unterscheiden lassen. Zumindest vom Schreibstil. Aber ich finde nicht viele Unterschiede zwischen „Tschick“ und „Sein Reich“, was die Formulierungen und den generellen Aufbau der Handlung angeht.

In „Sein Reich“ geht es um Juri, der bei seiner Mutter und dem dauernd betrunkenen Lebensgefährten wohnt und nie in den Urlaub fährt. Weil aber alle aus seiner Klasse irgendwohin in den Urlaub fahren, will auch er einfach weg. Zu seinem Vater ins Dorf. Der nie mit ihm spricht und ohne sich anzukündigen. Klingt für mich wie die dümmste Idee der Welt, aber Juris Vater kann dann ja auch nichts anderes machen, als ihn bei sich wohnen zu lassen.

Juri durchlebt also einen Sommer auf dem Dorf und trifft dabei die Kinder eines Freundes seines Vaters. Die sind Reichsbürger. Die sind total komisch, jagen Tiere, gehen nicht zur Schule, nur die Mädchen helfen im Haus und sind alle sehr auf Tradition bedacht. Außerdem sind sie natürlich noch Nazis. Warum auch nicht.

Dabei geht Juri durch das ganze Buch ohne je irgendwas zu hinterfragen und freut sich einfach treudoof, wenn er mit seinem Vater ein Modellflugzeug aufbauen darf oder im Wald Holz schleppen und mit einem Bogen hantieren darf. Als sie alle zusammen einen verurteilten Nazi aus dem Gefängnis abholen, denkt Juri wirklich nur einen Bruchteil einer Sekunde darüber nach und freut sich dann mehr über das Eis, was sie zusammen essen.

Ich mag es absolut nicht, wenn Kinder und Jugendliche für dumm verkauft werden. Und vor allem die Leser*innen dieser Bücher. Als wäre nicht aus der Beschreibung klar, was hier abgehen wird.

Außerdem gibt es (natürlich) einen sehr komischen Umgang mit Sexualität und zwei Mädchen in diesem Roman. Die eine ist ein Zwilling der Reichsbürgerfamilie, die ihn immer wieder sehr komisch in irgendwelche Zimmer lockt und ihn einmal küsst. Natürlich darf das keiner erfahren. Und als er die „normalen“ Kinder des Dorfes kennenlernt, gibt es auch noch Jule, die natürlich viel älter und cooler ist als er und sich „nur so zum Spaß“ auch auf ihn einlässt und natürlich gehen sie dann in ein Feld und müssen das machen, was sich offensichtlich männliche Autoren von Jugendbüchern irgendwie alle wünschen.

Ich fand die Darstellung der Verschwörungsideologien und der überzeugenden Wirkung, gerade dann, wenn alle um dich herum dasselbe denken, wirklich gut. Was auch gut dargestellt wurde, war das Bedürfnis dazuzugehören. Egal zu wem. Aber am besten natürlich zu denen, die man am coolsten findet. Und wie schnell man sich verändern kann durch das Gefühl, dazuzugehören.

Gerade weil Juri das ganze Buch über so tat, als wäre alles das, was um ihn herum passiert, nicht wirklich relevant, fand ich das letzte Drittel irgendwie seltsam. Denn natürlich wendet sich Juri irgendwann dagegen, weil er auf einmal die Fähigkeit entwickelt, Dinge kritisch zu sehen, wenn sie dann doch ernst werden. Dass dann alles so schnell aufgelöst wird, fand ich absolut seltsam und irgendwie nicht passend, obwohl es eigentlich keinen anderen Ausweg für diese Art der Geschichte gegeben hätte.


Fazit

Ich kann „Sein Reich“ nicht allen empfehlen. Es ist wie „Tschick“, wenn das irgendjemandem in seiner Meinungsbildung helfen sollte, aber ich habe „Tschick“ noch nie gemocht und ich mag dieses Buch auch nicht besonders. Es hat spannende Elemente darüber, wie Reichsbürger denken und wie man in ihre Ideologie hinein gezogen wird. Es hat aber auch Juri, der mir wirklich sehr auf den Sack geht und der wirklich ein absolut dämlicher Hauptcharakter ist. Für manche mag diese Art von Geschichte aber genau die richtige sein, dementsprechend gibt es mit 3 Tintenklecksen noch eine Empfehlung!

3 von 5 Tintenkleckse

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