„Three Women“ von Lisa Taddeo – Zwischen Lust und Macht und Feminismus | Rezension

 Die Sperrfrist zu Meinungen zu diesem Buch ist endlich rum! Und ich kann euch mehr dazu verraten, wieso mir „Three Women – Drei Frauen“ ganz gut … und eigentlich gar nicht so sehr gefallen hat.

Meine Rezension behandelt ein bisschen Feminismus, ein bisschen Rant und natürlich ganz viel Besprechung der drei Frauen, die in diesem Buch eine Rolle spielen!


Bibliographische Daten

  • Autorin: Lisa Taddeo
  • Genre: Belletristik
  • Verlag: Piper
  • Übersetzerin: Maria Hummitzsch
  • Seitenzahl: 410 S.
  • ISBN: 978-3-492-05982-4

Kurzbeschreibung

Wie kann es sein, dass Linas Mann sie schon seit Jahren nicht mehr küsst? Wie kann es sein, dass Maggies Lehrer nicht verurteilt wird, obwohl er die Siebzehnjährige verführt hat? Wie kann es sein, dass Sloane Nacht für Nacht mit einem anderen schläft, nur weil ihr Mann ihr gerne dabei zusieht? Lina, Maggie und Sloane begehren auf. Sie entdecken ihre eigene Lust und erfahren, was es bedeutet, wahrhaft zu lieben.


Vielen Dank an den Piper-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

Bei dieser Rezension habe ich auf mein normales Format verzichtet, weil ich die drei Geschichten für sich besprechen möchte. Also los geht’s!

Maggie

Maggies Geschichte ist die einer Highschool-Schülerin, die von ihrem Lehrer verführt wurde, ihn deswegen anzeigt und deswegen zu der bösen gemalt wird. So weit, so gut. Ich dachte tatsächlich, dass ich Maggies Geschichte nicht interessant finden würde, aber ich fand ihre tatsächlich am interessantesten! Man merkte Maggie an, wie sehr sie diese Geschichte beeinflusst hat und wie sehr sie sich dadurch verändert hat.

Sie lebt nun in einer völlig anderen Situation als damals und tritt ihrem ehemaligen Lehrer wieder gegenüber. Ganz langsam erzählt sie uns, wie sich die Romanze der beiden entwickelte und wie er zuließ, dass sie sich entwickelte. Sie erzählt auch, wie sein Umgang sie prägte und wie sie danach mit sich selbst und anderen umging.

Das Spannendste war für mich ihre Sicht der Frau und Kinder des Lehrers, die sich im Laufe der Geschichte drastisch ändert.

Ich fand diesen Teil wirklich exzellent geschrieben und vor allem auch spannend aufgebaut, gerade, weil sie so aktuell und doch so traurig ist.

Auch wenn Maggie ein wenig von dem Gerichtsfall weggeht, merken wir doch immer, wie sie die schließliche Abfuhr ihres Lehrers auswirkte und wie sie immer wieder versuchte, diese Intensität einer Liebe zu finden, die nur dadurch entstand, dass sie es verheimlichen mussten.

Sehr schön beschrieben fand ich auch, wie die Medien auf den Fall reagierten und wie sie sieht, was für ein Mann ihr Lehrer eigentlich ist, denn er und sein Anwalt erzählen Lügen und stützen sich auf absoluten Bullshit, um ihre Aussage anzuzweifeln. Alle scheinen sich gegen sie zu verbünden und die Stärke, die Maggie zeigt, in dem sie trotzdem mit dem Fall weitermacht, hat sich echt in mein Gehirn gebrannt.

Lina

Auf Linas Teil war ich sehr neugierig und wurde am meisten enttäuscht. Linas Geschichte handelt davon, dass ihr Mann sie nicht mehr küsst und sonst auch keinen körperlichen Kontakt mit ihr hat, was sie sehr frustriert.

Allerdings fand ich ihre Geschichte am langweiligsten und ich glaube, dass es auch die kürzeste der drei ist.

Denn eigentlich besteht ihre Lösung nur darin wie eine Blinde einem Jugendschwarm hinterher zu laufen, ihn immer wieder dazu zu überreden, mit ihr Sex zu haben, sich die ganze Zeit in Plänen zu vergehen, wann und wo sie ihn wiedertreffen kann. Er hat übrigens auch eine Frau und Kinder, aber pfff wen interessiert das schon.

Ich gebe zu, dass ich es spannend fand, dass weder der Familientherapeut zu dem sie mit ihrem Mann geht, noch ihr Mann, noch eine Gruppe von anderen Müttern, mit denen sie sich unterhält, es seltsam finden, dass ihr Mann ihr jeglichen körperlichen Kontakt verweigert und alle sagen, sie solle sich doch mit dem Dach über ihrem Kopf zurecht finden. Diese Gespräche waren für mich sehr surreal und sehr gut eingebaut.

Aber schlussendlich habe ich eigentlich keinen Sinn in Linas Geschichte gesehen, da sie sich verhält wie ich, als ich 15 war nur in noch besessener auf Sex und sehr gut darin, sich nur um diesen Mann herum zu organisieren, der eigentlich gar nicht mit ihr zusammen sein will.

Ich verstehe nicht, was an diesem völligen Hinterherhecheln feministisch und in Kontrolle der eigenen Lust sein soll und da es am Ende weder zuende geht noch irgendwie in einer Beziehung endet, habe ich auch keinen essentiellen Plot erkennen können, was sehr schade ist.

Sloane

Sloanes Geschichte war die, auf die ich mich am meisten gefreut habe. Und dann wurde ich total enttäuscht.

Sloane ist nämlich nicht irgendwer, sie ist reich, sie ist schön und sie kann eigentlich alles machen, was sie will. Und so kellnert sie, weil sie es liebt, Leute zu entertainen und weil sie es liebt, von Leuten angesehen zu werden. Sie lernt einen Koch kennen und sie eröffnen zusammen ein Restaurant.

Sie spricht nicht viel mit ihrer Familie und wenn doch, irgendwie immer seltsam.

Ich fand Sloane sehr verwirrt. Sie scheint eine immer beschäftigte Frau gewesen zu sein, die trotzdem nichts zu tun hatte und sich konstant langweilte. Und das hat mich dann gelangweilt.

Sloane schien so perfekt. Und das hat nie abgelassen. Ja, man sieht manchmal, dass sie eingebildet und arrogant ist, aber es tut ihr nie aktiv weh. Es nimmt ihr nur Sachen weg und sie geht da ungehindert drüber weg, als würde es sie gar nicht kümmern.

Da Sloane so kalt wirkte, habe ich es auch gar nicht geschafft, eine Connection zu ihr aufzubauen. Und das fand ich sehr schade, denn so habe ich auch die sexuellen Besonderheiten nicht verstanden und nicht mitgefühlt, denn sie passierten irgendwie nicht, als wäre Sloane wirklich dabei, sondern als würde sie die Geschichte einer Freundin erzählen, deren Beweggründe sie nicht kennt oder nicht versteht.

Und das hat mir diese Geschichte – neben den konstanten Berichten von der Arbeit im und ums Restaurant herum – total madig gemacht und ich konnte fast nichts davon mitnehmen.

Allgemein

Ich habe gelesen, dass Lisa Taddeo tatsächlich alle drei Frauen kannte und kennt, auf denen die Frauen in diesem Buch basieren. Sie hat teilweise sogar mit ihnen gelebt, um sich ihre Geschichten live anzuhören und sie in dieses Buch zu verarbeiten. Und um ganz ehrlich zu sein: Dafür ist dieses Buch viel zu dünn geraten. Nicht immer Sinne von zu wenig Seiten. Aber im Sinne vom Inhalt. Ich kenne mindestens fünf Autorinnen, die das gleiche Level an Einsicht geliefert hätten, wenn sie nur die Geschichten gehört hätten oder sich die Figuren nur ausgedacht hätten. Dieses Buch fühlt sich nicht nach jahrelanger intensiver Recherche an.

Außerdem finde ich, dass man nicht direkt merkt, dass es verschiedene Charaktere sind, die sprechen. Würden sie nicht andere Namen nutzen und andere Dinge tun, wüsste ich nicht, welche Charaktere hier gerade mit mir reden und ich finde, dass das ein so großes verschwendetes Potential ist, dass ich weinen könnte. Gerade bei drei Frauen wäre das so wichtig und so schön gewesen.

Außerdem fand ich, dass nicht alle der Frauen das gleiche Level an Aufmerksamkeit mit ihren Schilderungen bekamen und welche teilweise zurückblieben und andere dafür dauernd mit sehr vielen sehr unnötigen Beschreibungen aufkamen, die mir nicht in ihrer Geschichte weitergeholfen haben.


Fazit

Ich kann mich immer noch nicht recht entscheiden, ob ich dieses Buch grandios oder sehr langweilig finde. Ich denke immer noch, dass dieses Buch für den Rechercheaufwand, der gemacht wurde, viel zu wenig ist. Dass ich zu wenig mit den Frauen in Verbindung kam, dass ich zu wenig von ihnen weiß. Ich finde trotzdem, dass diese verschiedenen Leben und Lebensentwürfe sehr spannend zu lesen waren und ich es vielen empfehlen würde, die sich mal in andere Leben lesen möchten. Aber als literarisches Meisterwerk sehe ich es definitiv nicht an.

3 von 5 Tintenkleckse

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