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Warum jeder „Die letzten Tage des Patriarchats“ lesen sollte!

Das Patriarchat. Dem Feministinnen aller Welt auf den Buckel klettern und es am liebsten wie ein wildes Tier erlegen würden, manche aber immer noch sehr skeptisch drein schauen, wenn dieser Begriff fällt oder gar in eine Tirade verfallen, weshalb Frauen und Männer doch schon längst gleichgestellt sind.

In heutigen Zeiten fällt es wirklich schwer zu wissen, in welche Richtung wir uns denn nun bewegen. Artikel 219a? Definitiv nicht vorwärts. #MeToo? Nicht vorwärts genug, aber ein unglaubliches Zeichen. Gender Pay Gap? (JA, den gibt es) Definitiv nicht viel Besserung. Frauenquote? Wichtig, aber doch irgendwie komisch. Und dann gibt es diese ganzen Trump-Ableger weltweit, die Frauen das Leben nicht gerade leichter machen.

In „Die letzten Tage des Patriarchats“ werden diese Themen behandelt. Von Margarete Stokowski in Form von ihren Spiegelkolumnen der letzten Jahre.

Ob dieses Buch mit „Untenrum frei“ mithalten und vielleicht sogar neue Gesichtspunkte liefern kann?


Bibliographische Daten

  • Autor: Margarete Stokowski
  • Genre: Gesammelte Essays, Kolumnen
  • Verlag: Rowohlt
  • Seitenzahl: 307 S.
  • ISBN: 978-3-498-06363-4

Kurzbeschreibung

„Im Großen und Ganzen versuche ich, da Staub aufzuwirbeln, wo es eh schon dreckig ist. Also ungefähr das Gegenteil von dem, was von einer Polin in Deutschland erwartet wird, zwinkersmiley.“

Brauchen wir den Feminismus noch? Oder ist die Revolution bereits geschafft? Margarete Stokowski hat darauf eine eindeutige Antwort. Seit 2011 zeigt sie in ihren Kolumnen, dass es noch einiges zu tun gibt auf dem Weg zu einer gleichberechtigten Gesellschaft. Sie analysiert den Umgang mit Macht, Sex und Körpern, die #MeToo-Debatte und Rechtspopulismus. Ihre Texte machen Mut, helfen, wütend zu bleiben und doch den Humor nicht zu verlieren.


Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionexemplares!


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Eigene Meinung

POSITIV

  • Stokowski äußert sich zu allen wichtigen Themen der gesellschaftlichen Debatte

Diese Kolumnen sind aus den Jahren 2011-2018. Decken also nicht nur eine enorme persönliche, sondern auch gesellschaftliche Entwicklung ab, die man auch in Schreibstil und Ausdrucksweise Stokowskis beobachten kann. Ihre Themenvielfalt und trotzdem Fokussierung auf die Dinge, die ihr am nächsten liegen, finde ich sehr bemerkenswert und durchaus einen Blick in dieses Buch wert. Wer wissen will, wie sich die gesellschaftliche Debatte der letzten 7 Jahre änderte: In diesem Buch ist ein super Beispiel dafür!

  • Immer wieder werden vergessene Punkte angesprochen

Ich verfolge öffentliche Debatten gerne und ausführlich. Was mir aber immer wieder auffiel: Stokowski spricht Punkte an, die mir in den Debatten niemals in den Sinn gekommen wären und meine Sichtweise nur durch ein paar kurze Sätze erweitern konnten. Dies hat mich immer wieder überrascht, mich aber auch extrem gefreut, da ih mich immer über eine Erweiterung meiner Sicht freue!

  • Direkter und kurzer Schreibstil

Da die Kolumnen nicht sehr lang sind, finden sich immer wieder kurze Sätze, Pointen, prägnante Aussagen und heruntergebrochene Verhalte wieder. Dieser kurze und direkte Schreibstil kommt mir sehr entgegen, da ich es lebe, wenn sich Dinge kurz ausdrücken lassen und trotzdem verständlich sind. Ich liebe außerdem kurze Kapitel, also kam die Länge dieser Kolumnen gerade recht, sodass ich sie eine nach der anderen inhalieren konnte!

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  • Persönlicher Einschlag

Natürlich geht es bei Kommentar-Kolumnen nicht anders, aber Stokowski schafft es wunderbar ihr eigenes Leben und ihr Umfeld in ihre Kolumnen einfließen zu lassen, ohne diese in den Vordergrund zu stellen. Dies ist etwas, was mich absolut beeindruckt hat und ihre persönliche Ausdrucksweise spielt da definitiv eine Rolle. Man merkt, dass es Margarete Stokowski ist. Und man kann nicht anders, als ihr Recht zu geben.

  • Einbindung von Rückmeldungen und Weiterentwicklungen

Was mich sehr interessiert hat und was ich auch sehr toll fand, war, dass man immer wieder Mails oder Kommentare zu den Kolumnen gezeigt bekommen hat, die natürlich manchmal unnötig hasserfüllt waren, aber teilweise auch dankend und zeigten, dass Leute ihre Meinung ändern konnten. Auch dass manche Kolumnen als Follow-Up zu anderen dienten fand ich sehr gut dargestellt und vielleicht sogar als Antwort zu manchen Kommentaren oder E-Mails geschrieben wurden, fand ich total spannend und echt gut gemacht! Chapeau!

NEGATIV

  • Kolumnen teilweise zu kurz

Ich mag es, wenn Autoren schnell zum Punkt kommen. Ich liebe prägnante Sätze und Pointiertheit. All das kann Stokoswski. Allerdings kann sie auch manchmal viel zu kurz, sodass ich dort sitze und mich frage, wie es das denn schon gewesen sein kann.

Da hätte es wirklich noch etwas Verbesserungspotenzial in dem Sinne, in dem dann doch ein bisschen ausgearbeitet wird und nicht alles so kurz belassen wird, da die Aussage sich sonst auch ins Nirvana flüchtet.

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  • Manche Themen nicht genug durchdacht

Bei manchen Kolumnen saß ich einfach nur vor diesem Buch und dachte mir, dass da jemand zwar nachgedacht hatte, aber wenigstens ein paar der wichtigen Argumente einfach nicht bedacht hatte. Ich will ja nichts vom Buch selbst vorwegnehmen, daher nenne ich die Themen nicht konkret. Aber teilweise habe ich mich doch gefragt, ob diese kurzen Kolumnen wirklich geeignet für einen Abriss der damals wichtigen Themen waren. Ein wenig mehr Argumente und mehr Sichtweisen hätten manchen Kolumnen nicht geschadet.

  • Nicht so mitgerissen wie das erste Buch

Ich habe Stokowskis Debüt „Untenrum frei“ dieses Jahr gelesen und ihre unverfrorene und offene Art ihre Meinung über Sex, Feminismus und die Liebe zu erzählen, so unfassbar sehr geliebt. Dieses Buch ist nicht so persönlich. Es ist politischer, bissiger und kurzweiliger, weil es kurze Kolumnen sind. Es hat mich leider nicht so sehr mitgerissen, wie ich das gerne gehabt hätte, obwohl die angesprochenen Themen durchaus meine sind. Vielleicht waren meine Erwartungen einfach zu hoch gesetzt.

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Wieso trotzdem jeder dieses Buch lesen sollte

„Die letzten Tage des Patriarchats“ tut weh. Feministinnen, Nicht-Feministinnen, Rechten und Linken. Aber dieses Buch sollte man lesen. Alleine um einen umfassenden Eindruck davon zu bekommen, wie denn die Sichtweise der „links-grün-versifften Gutmenschen“ so funktioniert und wo man sich vielleicht doch nicht mit ihre identifizieren kann. Um zu sehen, wie eine Sichtweise auf die Dinge in Deutschland und der Welt aussehen kann, die man nicht aus den „traditionellen Medien“ vorgekaut bekommt. Mit diesem Buch kann man sich selbst hinterfragen und eine einzelne Meinung von vorne bis hinten anhören. Einfach nur zuhören. Und dann reden.


Fazit

Ich finde, dass jeder dieses Buch lesen kann und sollte. Und sei es nur, um sich eine Meinung anzuhören und wirklich zuhören zu müssen, die nicht der eigenen entspricht, ohne sofort den Ärger ungefiltert ins Netz posaunen zu können.

Stokowski hat eine direkte Schreibweise, einen klaren Blick auf die Geschehnisse und eine Pointiertheit, die es schwierig macht, ihre Sichtweise zu widerlegen. Sie zwingt zu hinterfragen. Und bringt neue Punkte in die Diskussion ein.

Die Themen variieren dabei von Gleichberechtigung, zu Sex und Liebe, von Feminismus zu den momentanen Zuständen in Deutschland.

Ganz anders als das erste Buch, aber trotzdem lesenswert!

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4 von 5 Tintenklecksen!

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