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Weihnachtliche Spielzeugmacher | „Die kleinen Wunder von Mayfair“ von Robert Dinsdale | Rezension

Es ist mittlerweile unfassbar kalt geworden und wir bewegen uns mit sehr schnellen Schritten auf Weihnachten zu!

Warum also nicht ein paar Bücher lesen, die uns in diese Stimmung versetzen? Weihnachten, kindliche Freude und Vorfreude und natürlich Schnee und Spielzeug!

All das erwartet euch in „Papa Jacks Emporium“ in London, welches immer am ersten Tag des Frostes aufmacht und die Magie der Spielzeuge bis ins letzte Detail ausnutzt! Seid ihr neugierig auf diese reinen Wunderwerke? Dann folgt mir und habt keine Angst! Ihr werdet es hier sicherlich genauso lieben wie ich!


Bibliographische Daten

  • Autor: Robert Dinsdale
  • Genre: Roman, Phantastik, Historik
  • Verlag: Droemer Knaur
  • Seitenzahl: 454 S.
  • Übersetzerin: Simone Jakob
  • ISBN: 978-3-426-22672-8

Kurzbeschreibung

AUSHILFE GESUCHT

Fühlen Sie sich verloren? Ängstlich? Sind Sie im Herzen ein Kind geblieben?

Dann sind Sie bei uns richtig.

Das Emporium öffnet beim ersten Winterfrost seine Tore.

Keine Erfahrung erforderlich.

Kost und Logis inbegriffen.

Willkommen bei Londons größtem Spielwarenhändler. 

Papa Jacks Emporium, Iron Duke Mews, London Mayfair W1K


Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplars!


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Eigene Meinung

POSITIV

  • Die Magie der erfundenen Spielzeuge

Der größte Pluspunkt an diesem Buch sind wohl die absolut tollen und fantasievollen Spielzeuge, bei denen man nie genau weiß, ob sie denn nur auf Mechanik beruhen oder tatsächlich Magie in ihnen verbaut ist. Da gibt es ein Wolkenschloss, Bäume aus Papier, Truhen, die im Inneren viel weiter sind, als sie aussehen, Spielzeugsoldaten, die von selbst Krieg führen können und Tiere, die aus alten Flicken zusammengesetzt sind und immer weiter laufen, wenn man ihren Mechanismus aufzieht! Ich habe vor allem die Erfinder-Szenen und die Szenen, welche das Innere des Emporiums beschreiben absolut genossen und würde jederzeit in diesen tollen Spielzeugladen reisen wollen!

  • Die Darstellung des Krieges und seiner Folgen

In diesem Buch wird auch der erste Weltkrieg thematisiert, da einer der Brüder in diesen ziehen muss und daraus berichtet. Man bekommt eindeutig mit, wie die Ereignisse ihn immer wieder mitnehmen, wie er Tode von Freunden verkraftet, wie er wieder nach Hause gehen möchte und natürlich den unaussprechlichen Horror des Krieges. Auch den Horror der Wiederkehrenden und den wieder aufflammenden Rassismus Anfang des 20. Jahrhunderts bekommt man eindeutig mit! Eine sehr eindrückliche Schilderung, was der Krieg nicht nur mit dem Körper, sondern auch mit dem Gehirn anstellen kann!

  • Ein Kampf der Brüder über ihr gesamtes Leben

Die Söhne des Spielzeugmachers haben ein sehr schweres Leben vor sich und sind seit ihrer Kindheit in einen Krieg verstrickt, der mit Spielzeugsoldaten anfing und auch mit hnen enden soll, allerdings in einer absolut anderen Form, als man sich dies vorstellen könnte. Dieses Eifersuchtsdrama und der Kampf der Brüder um die Anerkennung des Vaters und um das Prestige der am besten verkaufenden Spielzeuge. Dies ist ein riesiges Motiv durch das gesamte Buch und es ist wirklich unfassbar gut umgesetzt, da es immer wieder neue Ebenen bekommt.

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  • Die leise Stärke der Protagonistin

Heutzutage wird sehr schnell nach starken Frauenfiguren geschrien und hier habt ihr sie! Cathy steht nicht nur völlig alleine und ohne ihre Familie eine Schwangerschaft durch, sondern steht in jeder Lebenssituation mit beiden Beinen auf dem Boden, lässt sich von nichts aus der Bahn bringen, liebt ihre Familie über alles und ist sehr einfühlsam und verständnisvoll. Sie ist der Kitt, der absolut alles zusammenhält und ist immer wieder die ruhige Hand, die alles beruhigt oder eben doch zur Vernunft ruft. Auch wenn sie ihre Probleme und Ängste hat, so kann sie sich denen stellen und immer wieder zu sich selbst zurück finden.

  • Der Roman umfasst das gesamte Leben der Protagonisten

Dies sehe ich heute in wenigen Romanen und war daher, als ich realisierte, dass wir die Charaktere bis ins sehr hohe Alter begleiten werden, habe ich mich total gefreut, weil dies normalerweise eine sehr viel höhere Dichte an Emotionen verspricht und ebenso eine Geschichte, die mit vielen Zeitebenen und unmittelbar erlebten Dingen aus der Vergangenheit spielen kann.

Daher gab es hier auch sehr viel Entwicklung innerhalb der Figuren und innerhalb ihrer Familie, es passieren schlimme und bessere Dinge und immer wieder staunt man, wie sehr das ganze Leben einen ändern kann.

  • Die absolut weihnachtliche Stimmung

Dieses Buch spielt großteils im Winter, da ja der Spielzeugladen ja auch nur im Winter geöffnet hat. Und da die Spielzeuge für Weihnachten verkauft werden, sind diese auch weihnachtlich angehaucht. Zwar spielt Weihnachten in dem Buch selbst nur eine sehr kleine Rolle, allerdings spielen Familie, Zusammenhalt, die Magie von Spielzeug und Nettigkeit eine sehr große Rolle in diesem Buch und sie werden immer wieder zu einer weihnachtlichen und familiären Stimmung zusammen gefasst!

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NEGATIV

  • Die ersten 150 Seiten ziehen sich leider wirklich

Obwohl gerade dieser Part des Buches unfassbar schön sein sollte und man sich gerade mit der Hintergrundgeschichte der Charaktere identifizieren sollte und dem Wunder der Spielzeuge und der Magie des Emporiums völlig verfallen sollte. Allerdings findet man keinen Punkt in der Geschichte, an dem man sich an der Geschichte festlesen kann und es zieht sich zwischen den ersten Tagen im Emporium und der Schwangerschaft der Protagonistin. Das alles hat es mir absolut schwer gemacht, in dieses Buch hereinzufinden.

  • Lösung des Traumas des Krieges

SPOILER

In diesem Buch geht einer der Söhne des Spielzeugmachers in den ersten Weltkrieg, da der andere eine Krankheit hat. Dieser kommt mehrere Jahre nicht zurück und leidet danach sehr unter dem Trauma des Krieges. Diese Heilung zieht sich zwar über Jahre und alle Beteiligten geben ihr Bestes und geben vielfach fast auf, allerdings wird dieses Trauma am Ende irgendwie doch sehr schnell und sehr „umfassend“ gelöst, was erst nicht ersichtlich wird, doch am Ende sehr komisch erscheint. Dementsprechend kann ich nicht dafür sprechen, wie so etwas im „Normalfall“ aussehen könnte, aber diese komplette Heilung und Lösung war mir etwas suspekt.

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  • Der Klappentext und die angedeutete „Dreiecksgeschichte“

In einem der Klappentexte steht, dass die beiden Söhne des Spielzeugmachers um die Liebe der Protagonistin kämpfen. Und dies ist so weit weg von der Wahrheit, dass ich jede angedeutete Dreiecksgeschichte schon wieder in den Wind schießen möchte. Denn der zweite Sohne verliebt sich zwar in die Protagonistin, aber in keinem Fall resultiert das in einer Liebesgeschichte. Und darum geht es auch in diesem Buch nicht. Es ist höchstens ein kleines weiteres Detail in dem Krieg, den die beiden Brüder schon ewig planen.


Fazit

„Die kleinen Wunder von Mayfair“ ist ein Weihnachtsbuch ohne dabei zu zuckerig zu sein. Es vermittelt den weihnachtlichen Spirit so wundervoll und nimmt sich dabei mehreren tollen und ernsten Themen an, mit Hoffnung und ohne jede Hoffnung. Die Charaktere leiten einen durch ihr komplettes Leben mit allen Ups und Downs die dbaie auftreten kommen und werden. Dabei muss man die ersten 150 Seiten durchstehen, hat danach aber eine spannende Familiengeschichte, die sich zu einem Kriegsdrama und einem richtigen Page Turner entwickelt! Von mir aber wegen des schwachen Anfangs und einiger kleiner Ungereimtheiten „nur“:

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4 von 5 Tintenklecksen!

Ein Gedanke zu „Weihnachtliche Spielzeugmacher | „Die kleinen Wunder von Mayfair“ von Robert Dinsdale | Rezension

  1. Liebe Anna,
    Dieses Buch liegt noch auf meinem SuB und ich habe es mir extra für die Weihnachtszeit aufgehoben. Ich liebe es, Bücher zu lesen, die thematisch zur Jahreszeit/ Stimmung etc passen.
    Nach deiner Rezension freue ich mich gleich noch mehr auf das Buch. Was du über die weihnachtliche Stimmung und die Magie schreibst, klingt so schön.
    Ich werde im Dezember mit dem Buch anfangen. Bin schon ganz gespannt. Hoffentlich gefällt es mir auch so gut wie dir.
    Liebe Grüße, Julia

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