“Such a Fun Age” von Kiley Reid | Rezension

In dieser Rezension zu “Such A Fun Age” möchte ich euch erklären, wie ich dachte, dass dieses Buch eigentlich gar nicht viel mit Rassismus zu tun hat, bis ich am Ende von Erkenntnissen von internalisiertem und ungewolltem Rassismus erschlagen wurde und immer noch nicht genau weiß, was ich eigentlich von “Such A Fun Age” halten soll.

 Content Note: Rassismus


Bibliographische Daten

  • Autorin: Kiley Reid
  • Genre: Roman, Gesellschaft, Rassismus
  • Verlag: Ullstein
  • Übersetzerin: Corinna Vierkant
  • Seitenzahl: 348 S.
  • ISBN: 978-3-550-20124-0
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Kurzbeschreibung

 Alix Chamberlain ist eine Frau, die bekommt, was sie will, und die ihr Geld damit verdient, anderen Frauen genau das beizubringen. Als ihrer Babysitterin Emira Kidnapping vorgeworfen wird, weil sie sich kurz vor Mitternacht mit Alix’ weißer Tochter in einem Supermarkt aufhält, ist Alix schockiert und will den Vorfall wiedergutmachen.

Doch Emira hat andere Sorgen: Kurz vor ihrem fünfundzwanzigsten Geburtstag hat sie immer noch keinen richtigen Job, sie ist ständig pleite und misstrauisch gegenüber Alix’ Wunsch zu helfen. Je verzweifelter Alix Emira zu einem Teil ihrer Familie machen will, desto mehr verrennt sie sich. Dann geht ein Video online und stellt alles in Frage, was sie zu wissen glaubten: über sich selbst, einander, und die komplexe Dynamik von Privilegien.

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Vielen Dank an den Ullstein-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

“Such A Fun Age” war absolut wundervoll zu lesen, aber eine Rezension schreiben ist echt schwierig. Das “Problem”, das die Schwarze Babysitterin des weißen Kindes gefragt wird, ob sie überhaupt mit diesem Kind unterwegs sein dürfe, nimmt eigentlich gar nicht viel Platz in der Handlung ein und bestimmt doch alles. Die Story ist eher eine Erkundung von internalisiertem Rassismus und den verschiedenen Lebensrealitäten von Schwarzen Frauen und weißen Frauen in den USA.

Ich fand es sehr spannend, dass man eigentlich nie wusste, wer hier “die Böse” ist und ob es überhaupt einen Antagonisten in dieser Geschichte zu geben scheint. Denn eigentlich geht es nur darum, dass eine weiße Frau ein Kind bekommt und aus der Großstadt wegzieht und sich dort so alleine fühlt, dass sie sich unbedingt mit ihrer Schwarzen Babysitterin anfreunden will. Dazu macht sie ihr dauernd Geschnke, spricht mit ihr wie mit einer Freundin, lädt sie zu Dingen ein und versucht sie im Leben voranzubringen. Während die Babysitterin eigentlich nur ihren Job machen möchte und nicht unbedingt belangt werden möchte und mit der Lebensrealitäten einer reichen weißen Frau in den meisten Fällen gar nichts anfangen kann.

Es war sehr interessant zu sehen, wie sich der unterliegende Rassismus langsam die Bahn nach oben bricht und unter dem Deckmantel des Helfens und des Unterstützens irgendwann dazu ausartet, dass sich alle gegenseitig beschuldigen und Begriffe aus der antirassistischen Bewegung so für sich auslegen, wie es gerade am besten passt und vor allem sich selbst in ihrem Kopf als die Person darstellen, die der Schwarzen Frau “am besten geholfen” hat.

Dabei zeigt das Buch sehr gut auf, dass es allen Beteiligten eigentlich gar nicht um die Gefühle der Babysitterin geht. Sondern um die Gefühle und vor allem die Schuldgefühle aller weißen Menschen um sie herum. Ihre Zurückhaltung ist lange erlernte Vorsicht gegenüber Weißen, während diese mit überbordernder Verständnis oder dem Verkehren von rassistischen Vorurteilen ihr eigenes Selbstbild als moderne und aufgeklärte Menschen bestätigen wollen.

Dieser spannende Kontrast lässt sich auch in der Beziehung zwischen Emira und ihrem weißen Freund sehen und ist am Ende ein großer Katalysator des Konflikts.

Vor allem aber zeigt dieses Buch die subtile und doch komplett offensichtliche Wirkung von Privilegien und wie sie jemanden verändern können. Es zeigt den Unterschied zwischen den Leben einer weißen und einer Schwarzen Frau so deutlich und so subtil, dass es gleichzeitig wehtut und überschaubar bleibt. Wie der Klappentext völlig richtig sagt: Man kann hier das komplexe Spiel und die ebenso komplexe Dynamik von Privilegien sehen.

Ich will nicht sagen, dass ich aus diesem Buch gelernt habe, denn ich habe eigentlich nur mitgenommen, dass Privilegien versteckt, komplex, vielschichtig und vor allem unsichtbar seien können. Ich habe aber auch gemerkt, wie man seine Privilegien unbewusst missbrauchen kann und wie man sich selbst einreden kann, dass man für alle nur das Beste tut, obwohl man sich eigentlich nur selbst gut tut. Dieses Buch ist vor allem in dem Zusammenspiel der beiden Protagonistinnen eine Wucht und psychologisch atemberaubend. Man möchte bis zum Ende beiden glauben, beide toll finden, beide Sichten verstehen, merkt aber dauernd, dass zwischen den Zeilen viel knirscht und viel im Argen liegt.


Fazit

Wie lässt sich diese Rezension zu “Such A Fun Age” nun zusammenfassen? Ein gutes Buch, welches immer ein kleines Korn Unbehagen im Hintergedanken der*s Lesenden hält, sodass die Lektüre niemals langweilig wird. Eine Geschichte über Rassismus, der sich so gut versteckt und zwischen den Zeilen lebt, dass man absolut genau hinschauen muss. Und ein wundervolles Rätselspiel, ob nun beide Parteien Recht haben, keine, oder wirklich jemand böse Absichten hat. Das Buch hat mir abgesehen von dem seltsamen Ende sehr gut gefallen und ich empfehle es auch als ein Buch, welches man als interessante psychologische Fallstudie betrachten kann!

4 von 5 Tintenklecksen

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