Futuristische Fantasy in Fast-Tokio? | “Die Clans von Tokito” von Caroline Brinkmann | Rezension

 In dieser Rezension zu “Die Clans von Tokito” möchte ich darauf eingehen, wieso die Idee einer Mafia- oder Clan-Geschichte in einem futuristischen Tokio oder Japan richtig richtig gut ist, wieso ich es liebe, wie brutal diese Geschichte geworden ist und wieso ich dieses Buch trotzdem kritisch betrachte.


Bibliographische Daten

  • Autorin: Caroline Brinkmann
  • Genre: Fantasy, Jugendbuch
  • Verlag: dtv junior
  • Seitenzahl: 383 S.
  • ISBN: 978-3-423-76319-6
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Kurzbeschreibung

TOKITO – STADT AUS BLUT UND SCHATTEN 

In der Megastadt Tokito herrscht das Gesetz der Clans. Nur wer für einen der sechs Clanfürsten arbeitet, hat die Chance zu überleben. Die rebellische Erin hat gerade ihren Job beim Lotusclan verloren. Kaum ist sie schutzlos unterwegs, gerät ihr Leben in Gefahr und sie muss sich auf einen Deal mit einem Dämon einlassen. Durch die Verbindung erlangt sie übernatürliche Kräfte. Doch die haben ihren Preis …

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Vielen Dank an den dtv-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

Und los geht es mit dieser Rezension: “Die Clans von Tokito” war seltsam. Nicht nur, weil Tokito klar (und auch laut der Autorin) an Japan angelehnt ist, sondern eben, weil sich nichts an diesem Setting wirklich nach Japan oder Tokio angefühlt hat. Die Charaktere verhalten sich alle sehr “weiß”, also eher wie Deutsche. Auf dem Coder ist auch klar eine weiße Person dargestellt und irgendwie hat das eine sehr komische Dichotomie in meinem Gehirn erzeugt, welche sich nicht wirklich auflösen ließ. Ich habe Tokio, Japan, Ost-Asien erwartet und bekommen habe ich einfach nur hohe Häuser, ein paar Lotus-Referenzen und vage japanische Mythologie. Und das war irgendwie sehr weird.

Ich mochte, wie düster und blutig sich dieses Buch zu sein traut und wie sehr es Hyperkapitalismus und Dystopie miteinander vereinen kann. Obwohl ich beieinigen Dinge nicht weiß, ob sie einfach wegen dem dystopischen Setting existieren oder wegen wirklicher Kritik am kapitalistischen System. Jedenfalls gibt es hier so eine Art Organschmuggel und Gangster, die Menschen Arme und Beine brechen. Da die ganze Gesellschaft in die “Clans” (die eigentlich nur Mafias sind) aufgeteilt ist, dachte ich mir so etwas schon, aber ich fand die damit verbundenen Twists und Turns schon ziemlich gut gemacht und erfrischend für ein Jugendbuch.

Gleichzeitig fand ich das World-Building (abgesehen von der klar fehlenden und gleichzeitig anwesenden Tokio-Anspielung) ziemlich gelungen. Die fünf Clans sind glaubhaft untereinander abgegrenzt, es gibt innerhalb und untereinander Streit und Verschwörungen und wirklich niemand ist sicher, auch wenn man einem Clan angehören sollte. Ich finde auch das schnelle Storytelling sehr sehr spannend, denn man fliegt nur so durch die Kapitel und fast an jedem Kapitelende erwartet einen dann doch ein Cliffhanger, sodass man immer und immer weiter lesen muss.

Auch die Magie, die Art “Geisterwelt” und die verschiedenen Dämonen, die in diesem Buch auftauchen, haben mich sehr gut unterhalten können. Der auftauchende Dämon ist (mal wieder) der coolste Charakter im gesamten Buch und kann mit seiner gleichzeitigen kalten Überheblichkeit und lustigen Sprüchen echt jede Szene besser machen. Am interessantesten fand ich jedoch die Story von Ryanne, die zu einer Art hochklassigen Prostituierten und gleichzeitig Assassinin ausgebildet wird, aber in einem Ausbildungsschritt versagt und dementsprechend anders Arbeit finden muss.

Sie ist sehr faszinierend, fast faszinierender als der eigentlich wichtigere Teil der Handlung, die zum Ende hin sehr tragisch wird, was mich geschockt aber auch hungrig nach mehr zurückgelassen hat! Irgendwie will ich dann doch den zweiten Band lesen, obwohl ich wirklich nicht davon begeistert bin, wie hier japanische Kultur als Backdrop genutzt wird, der dann aber fast gar nicht genutzt noch richtig beschrieben wird.

Schade. Sehr schade, aber ich sehe Potenziel für die Autorin dies in neueren Projekten besser aufzuziehen und besser zu machen!


Fazit

Ein Buch, welches ich gerne gelesen habe. Aber mich nicht gerne dran erinnere. Ich hatte gehofft, dass Tokio nicht einfach nur Setting ist, aber die Stadt wurde absolut und komplett ihren japanischen Wurzeln entzogen und soweit ich das gesehen habe, war keiner der Charaktere asiatisch. Noch nicht mal die Figur auf dem Cover sieht in irgendeiner Weise ost-asiatisch aus. Die eigentliche Geschichte war aber für ein Jugendbuch relativ düster und brutal, aber solche Dinge mag ich sehr gerne. Da es einen ziemlichen Cliffhanger gibt, werde ich mich vielleicht noch an den zweiten Band wagen!

Wegen der rasanten Geschichte, dem coolen Worldbuilding, wenn man Tokio weglässt und den magischen Elementen gibt es trotzdem eine Empehlung, für alle, die düstere Jugendfantasy mögen!

3 von 5 Tintenkleckse

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