Brustkrebs in sexy? | “Bucket List” von Georgia Clark | Rezension

 In dieser Rezension geht es um “Bucket List” von Georgia Clark. Das Buch stellt sich eine (eigentlich) einfache Frage: Wie geht es einer jungen Frau, die eigentlich völlig in ihrem Leben steht, wenn sie herausfindet, dass sie eine Genmutation hat, die höchstwahrscheinlich aggressiven Brustkrebs nach sich zieht? Und wie geht ihre Familie und ihr Umkreis damit um?

Warum ich das buch gut und doch wieder unzureichend fand, könnt ihr in dieser Rezension zu “Bucket List” erfahren.


Bibliographische Daten

  • Autorin: Georgia Clark
  • Genre: Roman
  • Verlag: dtv bold
  • Übersetzerin: Ivana Marinović
  • Seitenzahl: 473 S.
  • ISBN: 978-3-423-23023-0
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Kurzbeschreibung

 “Brüste sind sexy. Alle mögen sie. Babys mögen Brüste. Männer mögen Möpse. Ich mag meine.”

Lacey ist 25 und wird wahrscheinlich an Brustkrebs erkranken. Schuld daran ist die BRCA1-Genmutation. Nun muss sie sich entscheiden: Soll sie abwarten und das Risiko eingehen oder eine Brustamputation durchführen lassen? Kurzerhand setzt Lacey eine Liste mit Dingen auf, die sie unbedingt noch erleben will: Aktfotos machen lassen, sich oben ohne sonnen, einen Dreier haben … Dabei lernt sie viel Neues, vor allem über sich selbst.

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Vielen Dank an den dtv bold-Verlag für das Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

Eine Sache muss ich in dieser Rezension zu “Bucket List” definitiv sagen: Dieses Buch ist teilweise sehr sehr unangenehm zu lesen. Nicht nur haben mir die Beschreibungen von Brustkrebs und seiner Auswirkungen teilweise wirklich die Galle hochgetrieben, ich habe mich auch wahnsinnig unwohl in meiner Haut gefühlt. Denn als Mensch mit (natürlichen) Brüsten wird einem wohl immer die Möglichkeit von Brustkrebs irgendwo im Unterbewusstsein herumschwirren, aber so direkt und ohne Umschweife darüber zu schreiben und zu lesen verlangt mir zumindest viel ab. Selbst beim Schreiben dieser Rezension ist mir dieser Teil meines Körpers überdeutlich bewusst und ich fühle mich unwohl und irgendwie schwer.

Und dieses Buch geht teilweise wirklich die volle Kerbe auf dieses Gefühl und vermittelt dem Lesenden eine wahnsinnige Angst nicht nur vor Brustkrebs, auch vor der Krankheit selbst, vor den Komplikationen einer Operationen, vor der Chemotherapie, vor den Komplikationen von Implantaten oder auch der ständigen Angst, ob das Gen nicht in dieser Sekunde ausgebrochen sein könnte.

Wer jemals seine Brüste abgetastet hat und dabei einen Knoten vermutet hat, wird genau wissen, welches Gefühl ich meine. Selbst das Abtasten selbst ist für viele genau wegen diesem ungemütlichen Gefühl eine riesige Überwindung.

Aber jetzt kommen wir mal zu der eigentlichen Handlung des Buches: Lacey ist absolut und vollständig New York. Ich habe noch nie eine Person gelesen, die MEHR New York ist, als sie. Wohnt in einer winzig kleinen Wohnung und arbeitet gleichzeitig so ungefähr drei Jobs (Modeunternehmen, Modeberatung, Start-Up) und liebt ihr Leben trotzdem über alles und legt sich für ihre Karriere im Modeunternehmen voll ins Zeug. Aber natürlich weiß keiner, wie sie wohnt, sie ist einfach immer stylish, immer top gekleidet, geschminkt und zurecht gemacht und kennt sich mit der New Yorker Elite ziemlich ziemlich gut aus.

Als ihr dann offenbart ird, dass sie eine Genmutation in sich trägt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit aggressiven Brustkrebs auslösen wird, stellt sich ihr das Ultimatum: Brüste abnehmen oder nicht.

Aber bevor sie sich entscheidet, gibt sie sich 6 Monate und eine Bucket List an Dingen, die sie mit ihren natürlichen Brüsten gerne noch machen möchte. Klingt bekloppt, ist es auch. Aber diese Prise nicht selbst zu ernstnehmen braucht das Buch auch, um nicht die ganze Zeit nur deprimierend zu sein.

Im Prinzip geht es dann darum, wie Lacey mit dem Wissen ihres Krebs weiterlebt, wie sie ihr Leben versucht aufrecht zu erhalten und wie sie ihre Bucket List abarbeitet.

Und da kommt mein Problem mit dem Buch: Mindestens ein Viertel des Buches haben NICHTS mit der Bucket List, mit dem Brustkrebs oder auch nur mit IRGENDWAS zu tun, denn Lacey findet sich in einer Beziehung wieder, die ihr einfach nicht gut tut und bei der sie wahrscheinlich nur wegen ihrer Krankheit in dem Geisteszustand ist, sich überhaupt auf diese einzulassen. Aber diese Beziehung und ihr Verhalten bestimmen den Großteil des Buches und ich habe es einfach nur gehasst, weil ich auf den ersten Blick gesehen habe, wie scheiße es der Protagonistin eigentlich in dieser Beziehung ging. Und ich hatte das Gefühl, nicht für immer wiederkehrenden weirden Sex dieses Buch gekauft zu haben.

Generell geht es so viel um Sex, dass es mir teilweise sehr unangenehm war. Also entweder bin ich sehr prüde oder einfach nicht in der Stimmung, zu sehen, wie jemand über sexuelle Fantasien verzweifelt ihren Brustkrebs zu vergessen versucht. Auf der anderen Seiten wurden sexuelle Privilegien, Machtausübungen und seltsame Verhaltensweisen (gerade im Bezug auf Laceys “ausgesuchter” Bisexualität) aufgezeigt, die ich widerum gut fand.

Was mir auch gut gefiel war der Kontrast zu Laceys Schwester und ihrem völlig anderen Leben und ihrer anderen Ansichten. Ich habe auch die sanften und lustigen Töne dieses Buches sehr geliebt, auch wenn es nicht wirklich viele gab, denn das Buch schien high auf seine eigene Geschichte zu sein.

Ebenfalls fand ich cool, dass immer wieder auch andere Betroffene dieser Genmutation und ihre Reaktionen auf die Krankheit gezeigt und beleuchtet wurden und vor allem, wie Lacey sich langsam doch auf diese Community einlässt. Es ist gruselig, schön und rührend zugleich!

Gerade das Ende hat mir einen kleinen Stich voller kitschiger romantischer Gefühle versetzt, die ich absolut schön fand und für die sich das ganze Drama definitiv gelohnt hat!


Fazit

Ein Buch, welches viele Emotionen in der*m Leser*in hervorrufen kann! “Bucket List” ist definitiv ein feministisches Buch, aber auch ein amerikanisches, ein lustiges, eins über Macht und das Leben und Sexualität. Quasi ein bunter Strauß an Themen, der sich manchmal zu gemischt anfühlt, um noch schön oder pointiert zu sein. Allerdings eine wahnsinnig offene und auch sinnliche Beschreibung der Erfahrungen mit Brustkrebs in einer patriarchalen Gesellschaft.

4 von 5 Tintenkleckse

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