‘Radikal verstörend’ | “Wetter” von Jenny Offill | Rezension

 Eine neue Rezension zu “Wetter” von Jenny Offill. Ich habe keine Ahnung, wieso dieses Buch jetzt verlegt wurde. Wieso es 2020 in Amerika erschienen ist und 2021 bei uns. Wieso die Wahl Trumps in 2016 dot besprochen wird, als würden wir uns immer noch in derselben Welt befinden und als wäre diese Welt für viele mit der Wahl Trumps nicht unwiderruflich gestorben.


Bibliographische Daten

  • Autorin: Jenny Offill
  • Genre: Roman
  • Verlag: Piper
  • Übersetzerin: Melanie Walz
  • Seitenzahl: 218 S.
  • ISBN: 978-3-492-07057-7
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Kurzbeschreibung

 “Genial, das richtige Buch für das Ende der Zeit” – Los Angeles Times

Lizzie Benson ist Bibliothekarin. Doch alle wissen, dass ihre eigentliche Berufung woanders liegt: Denn Lizzie besitzt ein gewisses Talent als Amateur-Psychologin. Aber das Beantworten der völlig verrückten Hörer-Fragen eines Endzeit-Podcasts bringt sie zunehmend aus dem Gleichgewicht – mit unerwarteten Folgen für ihre ganze Familie.

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Vielen Dank an den Piper-Verlag für das unangeforderte Rezensionsexemplar!



Eigene Meinung

Es tut mir wirklich leid, aber diese Rezension zu “Wetter” von Jenny Offill kann keine positive werden. Ich wollte das Buch so lieben, denn es klang interessant, wirklich spannend und mit einem politischen Unterton, was ich ja sehr liebe, wenn es um Romane aus den USA geht. Aber ich konnte mich trotz glühender Empfehlungen von Ocean Vuong, Oprah und der Los Angeles Times wirklich nicht dazu durchringen, “Wetter” zu mögen.

Worum geht es überhaupt? Ganz ehrlich? Ich habe absolut keine Ahnung. Eigentlich soll es um die Bibliothekarin Lizzie gehen, die einen jungen Sohn in der Grundschule hat und mit ihrem Mann und einem Hund irgendwo in den USA lebt. Und eigentlich geht es nur darum, wie das Leben an Lizzie vorbeizieht. Und wie ihr drogensüchtiger Bruder nicht nur eine Freundin findet, sondern auch noch ein Kind bekommt. Und wie ihr Sohn in der Schule ein Mädchen gut findet, Lizzie aber nicht mit ihrer Mutter reden kann, weil sie ihre Sprache nicht spricht.

Auf der Rückseite wird von einem “Endzeit-Podcast” und Fragen von Menschen beantworten gesprochen und es kommt einfach fast nie etwas davon vor. Ich dachte an spannende Fragen und Antworten, Einsichten in die Psyche des amerikanischen Wählers, der sich von so einem Mummpitz mitreißen lässt. Aber die Fragen waren einfach nur langweilig, nicht originell, zu esoterisch oder einfach zu verwurschtelt, um irgendwie ins Thema oder die Erzählweise des Buches zu passen.

Die Erzählweise ist sowieso sehr schräg. Es sind sehr kurze Kapitel, noch nicht mal Kapitel, sondern es fühlt sich an, als würden halbe Seiten auf Notizzettel geschmiert und diese dann in einer halbwegs chronologischen Weise abgedruckt. Man springt ohne irgendwas zu klären oder Hinweise zu geben von A nach B nach C nach B nach C und so weiter, bis man aufgibt und einfach mit dem Flow weiterliest, aber eben auch nicht mehr komplett drin ist.

Die Charaktere fließen und schweben an einem vorbei und sind weder interessant gestaltet noch geschrieben. Ich kann mich an keinen der Charaktere vernünftig erinnern, sie scheinen alle keine Eigenschaften zu besitzen, sondern von Termin zu Termin zu fließen und sich nirgendwo in ihrem Leben zugehörig zu fühlen oder versuchen auf ihr eigenes Schicksal Einfluss zu nehmen.

Durch immer wiederkehrende kleine Einschübe erfahren wir, dass wir uns im Superwahljahr 2016 der USA befinden und im Laufe der Geschichte fließt der Wahlkampf und der Sieg Trumps einfach an allem vorbei, als würde nichts wichtiges passieren. Die Professorin mit dem Endzeit-Podcast verschwindet in eine Waldhütte, weil sie den Weltuntergang nicht erleben will, alles wird seltsam aber gleichzeitig auch noch grauer und nichtssagender als vorher und dann endet das Buch einfach. Zack, bumm, Ende. Nichts gelernt, nichts mitgenommen, nichts Spannendes gelesen.

Vielen Dank, aber sowas brauch ich wirklich nicht mehr lesen. Vor allem fühlen sich alle Beobachtungen, die dann doch mal kurz durch den Erzählnebel dieses Buches aufblitzen an, als wären sie heillos veraltet. Ich weiß nicht, wieso dieses Buch vier Jahre NACH dem Wahlsieg von Trump noch irgendeine Wirkung entfaltet, wieso es überhaupt wichtig ist. Denn Übergang von Prä-Trump zu Trump zu Post-Trump haben wir alle erlebt, es waren sehr unterschiedliche Welten, aber gerade der Übergang Prä-Trump zu Trump ist allen mittlerweile so bekannt und durchdiskutiert, dass ich nur ein laues Gähnen aus mir rausbekommen habe.

Viel interessanter wäre eine Vision für danach, eine Analyse der Trump-Ära oder generell alles andere gewesen als die wunderschöne weiße Welt, die hier in kleine Wattebäuschchen explodiert wurde.


Fazit

Vielleicht bin ich zu blöd, dieses Buch zu verstehen. Ich mochte es anfang, aber wartete darauf, dass die versprochene Geschichte irgendwann doch anfangen möge. Allerdings geschah das nie und ich war bis zum Ende verwirrt, wo denn jetzt eigentlich die Geschichte des Buches vergraben war und was mir das Buch sagen wollte. Leider kann ich deshalb keine Empfehlung aussprechen und lande bei 2.5 von 5 Tintenklecksen bei meiner Rezension zu “Wetter” von Jenny Offill!

2.5 von 5 Tintenkleckse

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